mini|Ansicht der Andreaskirche von Süden mini|Innenansicht von der Orgel durch das Hauptschiff auf Altarinsel, Tabernakel und Apsis Die katholische Gemeindekirche St. Andreas ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude im Essener Stadtteil Rüttenscheid.
Geschichte und Architektur Vorgängerkirche Der nordöstliche Bereich der Pfarrei St. Ludgerus in Rüttenscheid wurde um 1905 für die neue St.-Andreas-Gemeinde abgeteilt. Der Grundstein für die erste eigene Kirche wurde am 23. September 1906 am Witteringsfeld, der gleicher Stelle der heutigen Kirche, gelegt. Zu diesem Tag war bereits ein halbfertiger Rohbau vorhanden, zu dem eine feierliche Prozession von der St.-Ludgerus-Kirche in Rüttenscheid stattfand.Essener Volkszeitung vom 15. September 1906 Die Baukosten waren auf der Jahreshauptversammlung des St.-Andreas-Kirchbauvereins am 18. März 1906 mit über 200.000 Mark veranschlagt worden.Essener Volkszeitung vom 24. März 1906 Das Dach der in neugotischen Bauformen gehaltenen Kirche war mit Schiefer gedeckt. Die Einsegnung der neuen St.-Andreas-Kirche fand am 30. Mai 1908 mit einem ersten Gottesdienst statt.Essener Volkszeitung vom 2. Juni 1908 Der erste Pfarrer war Konrad Haßlacher, der die Gemeinde bis 1936 leitete.Jahrbuch Essen-Rüttenscheid 1961, S. 27; Hrsg.: Bürger- und Verkehrsverein Essen-Rüttenscheid e. V.
Im Jahr 1911 goss die Glockengießerei Otto sowohl für die St.-Ludgerus-Kirche wie auch für die neuerrichtete neugotische St.-Andreas-Kirche Bronzeglocken. St. Andreas erhielt fünf Glocken (c ́- es ́- f ́ - g ́ - g ́ ́) mit einem Gesamtgewicht von über 6,5 Tonnen. Das Glockenbuch des Stadtdekanats Essen nennt Karl (I), also den Priester Carl Otto als verantwortlichen Glockenkonstrukteur und -gießer. Die Glocken überstanden die Glockenbeschlagnahme des Ersten Weltkriegs, drei Glocken wurden jedoch im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, auch die beiden anderen Glocken sind heute nicht mehr existent.
Am 19. September 1921 wurde der Grundstein für das Jugendheim der St.-Andreas-Gemeinde an der Olgastraße gelegt.Essener Volkszeitung vom 18. September 1921
Die neugotische Kirche wurde während der Luftangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg zerstört. An einem anderen Ort wurde eine als oktogonaler Zentralraum entwickelte Notkirche genutzt.
Heutige Kirche An der ursprünglichen Stelle errichtete die Kirchengemeinde in den Jahren 1954 bis 1957 eine moderne Kirche nach einem Entwurf von Rudolf Schwarz. In dem für Schwarz typischen Campanile hängen heute Glocken der Gießerei Petit & Gebr. Edelbrock aus Gescher. Am Fuß des Campaniles befindet sich heute eine Bronzetafel. Sie berichtet von der Anschaffung der Glocken aus Spenden der Gemeindemitglieder und verzeichnet in lateinischer und deutscher Sprache die Inschriften der Glocken.Gerhard Reinhold: Otto Glocken – Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, hier insbes. S. 292, 518.Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto. Hemelingen/Bremen. Nijmegen 2019, Diss. Radboud Universiteit Nijmegen, nbn:nl:ui:22-2066/204770, hier insbes. S. 394, 482.
Der kreuzförmige, innen und außen steinsichtige Backsteinbau mit Vierapsidenschluss wurde von 1954 bis 1957 nach einem von romanischen Kleeblattchören inspirierten Entwurf von Rudolf Schwarz errichtet. Nach Aussagen des Architekten versteht er die flachgedeckte Saalkirche als Königshalle. Die Winkel der Kreuzarme sind um den Altar herum mit Stahlbetongerüsten, als raumhohe Lichtwände gestaltet. Anstelle der ursprünglichen Ausmauerung mit Glasbausteinen wurden ab 1994 Glasfenster nach Entwürfen von Jochem Poensgen eingesetzt. Da die Kirche auf einem Abhang steht, wurde unter den rückwärtigen Teil des Gebäudes eine Krypta mit einem Vorraum und zwei Halbwendeltreppen eingebaut. Der Glockenturm steht frei.
Die Kirche besitzt seit 1961 eine Orgel der Orgelbauwerkstatt Franz Breil.Wir über uns: St. Andreas; In: Homepage der Pfarrei Lambertus
Das Kirchengebäude wurde am 27. April 1995 in die Denkmalliste der Stadt Essen aufgenommen.Baudenkmal St. Andreas (PDF; 382 kB); zuletzt abgerufen am 11. September 2026
Literatur Pfarrkirche St. Andreas, Essen-Rüttenscheid. In: Heinz Dohmen (Hrsg.): Abbild des Himmels. 1000 Jahre Kirchenbau im Bistum Essen. Verlag Hoppe & Werry, Mülheim an der Ruhr 1977, S. 114–117. Claudia Euskirchen, Olaf Gisbertz, Ulrich Schäfer (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen I, Rheinland. Deutscher Kunstverlag, Berlin/Wien 2005, ISBN 3-422-03093-X.
Weblinks
Einzelnachweise
Essen-Ruttenscheid Kategorie:Baudenkmal in Essen Andreas Kategorie:Erbaut 1908 Kategorie:Erbaut 1957 Essen Essen, Andreas Kategorie:Rüttenscheid Essen Andreas Kategorie:Bauwerk der Moderne in Essen Kategorie:Bauwerk von Rudolf Schwarz (Architekt) Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg