miniatur|Brustbild Johann Daniel Grubers, mit Bezug zur Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis; Kupferstich von Nicolaus Seelaender, 1742

Johann Daniel Gruber (* 11. April 1686 in Ipsheim; † 24. März 1748 in Hannover) war ein deutscher Bibliothekar,Klaus Mlynek: Gruber, Johann Daniel. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 238. Jurist und Historiograph sowie Abt von Kloster Bursfelde. Der Geheime Justizrat erwarb sich Verdienste um die königliche Bibliothek Hannover, eine Vorläuferin der heutigen Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek,Vergleiche Klaus Mlynek: Bodemann, Eduard. In: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 60 und gilt als Mitbegründer der Universität Göttingen.

Leben Johann Daniel Gruber war der Sohn des Bäckers Johann Georg Gruber und dessen Ehefrau Kunigunda. Der begabte und gelehrige Johann Daniel erhielt eines der begehrten Stipendien für die „Fürstenschule“,Werner P. Binder: Historische Persönlichkeiten. Abschnitt: Johann Daniel Gruber – Geheimer Justizrat des britischen Königs. ipsheim.de, abgerufen am 4. März 2016. ein Gymnasium im ehemaligen Kloster Heilsbronn. Im Anschluss studierte Gruber ab 1704Anmerkung: Das Hannoversche Biographische Lexikon und das Stadtlexikon Hannover nennen hier abweichend das Jahr 1714 an der Universität Halle zunächst Theologie, dann aber Rechtswissenschaft und Geschichte. In Halle lernte Gruber seinen Kommilitonen und Freund Gerlach Adolph von Münchhausen kennen; der spätere Minister sollte noch eine entscheidende Rolle bei der beruflichen Laufbahn Grubers spielen.

1710 erlangte Gruber seinen Dr. phil. mit Lehrberechtigung und elf Jahre später 1721 den Dr. jur.

1723 wurde Gruber zum außerordentlichen Professor des Rechts und der Philosophie an der Universität Halle berufen. Zwei Jahre später wurde er wiederum außerordentlicher Professor des Rechts an der Universität Gießen, um dann 1727 als kurfürstlich hannoverscher Hof- und Kanzleirat nach Celle zu gehen.

1729 wurde Johann Daniel Gruber zum kurfürstlichen Bibliothekar und Historiographen an die Königliche Bibliothek in Hannover berufen und erwarb sich Verdienste als Verwalter des Bibliotheksbestandes sowie durch seine bedeutenden und wertvollen Akquisitionen. An der inzwischen auch „Königliche öffentliche Bibliothek“ genannten Stätte entwickelte Gruber den „Catalogus perpetuus“ weiter, den ersten Zettelkatalog der Welt.

Minister Gerlach Adolph von Münchhausen fand in Gruber einen eifrigen Mitstreiter zur Gründung der Universität in Göttingen: Gruber engagierte sich für die Durchsetzung der Grundideen zur Gründung. Sein Plädoyer wird noch heute gern zitiert:

Gruber engagierte sich auch für die Ausführung der dann immer mehr erweiterten Universitäts-Einrichtungen. Er arbeitete die ersten Pläne aus und entwarf die Privilegien, die schließlich seinem Landesherrn, König Georg II. von Großbritannien vorgelegt wurden. Gruber wurde schließlich die Ehre zuteil, „die Eröffnung der Universität der gelehrten Welt anzukündigen.“

In einem Brief an Johann Mathias Gesner (1691–1761), den ehemaligen Rektor der Thomasschule zu Leipzig und Freund Johann Sebastian Bachs, schrieb Gruber seine Erwartungen hinsichtlich der Eröffnung der Göttinger „Georgia Augusta“:

Hofrath Gruber rechnete 1732 vor, „dass etwa 100.000 Taler im Land gehalten werden können, wenn die Landeskinder hier studieren, und dass zusätzlich Kaufkraft ins Land geholt wird, wenn die Universität auch für Leute außerhalb des Kurfürstentums [Hannover] attraktiv werde … [Gruber kalkulierte], dass man über kurz oder lang mit etwa 1.000 Studenten rechnen kann, die dem Kurfürstentum jährliche Einnahmen von 200.000 Talern bringen.“Peter Aufgebauer: , Unterseite der Universität Göttingen, zuletzt abgerufen am 7. August 2012

1733 wurde Johann Daniel Gruber Abt vom Kloster Bursfelde und erhielt den Titel eines Geheimen Justizrates verliehen.

Werke (unvollständig) Eigene Dissertation iuridica de actionibus mandatis (...), Halle/Magdeburg 1723. (Digitalisat) Origines Livoniae sacrae et civilis s. chronicon Livonicum vetus, 1740 Beschreibung der von Seiner Königlichen Majestät den 5. September 1740 anzustellen beliebten Visitation (1740). In: Ruppelt, Georg: „Der Nutzen einer außerlesenen Bibliothec... kan nicht in Zweifel gezogen werden“. 350 Jahre Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. Hannover 2015, S. 106–121. Commercii epistolici Leibnitiani ad omne genus eriditionis, 2 Teile, 1745 Johann Gottfried Leibniz, Johann Daniel Gruber, Christian Ludwig Scheidt: Origines Guelficae, Teil 1–5, 1750–1753 Zeit- und Geschichts-Beschreibung der Stadt Göttingen (...). Erster Band, Nic. Försters und Sohns Erben, Göttingen 1734. (Digitalisat)

Abgeleitete Johann Gottfried Arndt (Hrsg.): Der Liefländischen Chronik. Erster Theil. Von Liefland unter seinen ersten Bischöfen, welcher die alte Geschichte der Russen, Deutschen, Schweden, Dänen, Esthen, Liven, Letten, Litthauer, Curen und Semgallen erleutert. Oder die Origines Livoniae sacrae et civilis, wie solche der königl. Hofrath und Bibliothekarius Herr Johann Daniel Gruber aus einem alten Manuscript Lateinisch herausgegeben und mit gelehrten Noten versehen, nunmehro aber aus anderen Handschriften ergänzet, mit der nöthigsten Anzeige der verschiedenen Lesarten wie auch mit kurzen Anmerkungen begleitet und ins Deutsche übersetzet von Johann Gottfried Arndt, der Schule zu Arensburg auf Oesel Rector, Halle im Magdeburg, gedruckt bey Joh. Justinius Gebauer, 1747, gewidmet Zarin Elisabeth der Großen; , online über Google-Bücher

Forschungsaufgaben Über das private Leben, insbesondere die Jugend von Johann Daniel Gruber, ist bisher noch wenig erforscht. Der „Markt Ipsheim“, vertreten durch den Ersten Bürgermeister Frank Müller, verweist in diesem Zusammenhang auf die Archive in Hannover und Göttingen.

Literatur (Abschrift auch in der Deutschen Biographie: Link) Walther Killy, Rudolf Vierhaus: Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 10, S. 206. Wilhelm Rothert: Allgemeine Hannoversche Biografie. Band 2: Im Alten Königreich Hannover 1814–1886. Sponholtz, Hannover 1914, S. 183. Georg August Wolfgang Fikenscher: Gelehrtes Fürstentum Bayreuth. Dritter Band. 3, Gabriel bis Hagelsheim. Palm, Erlangen 1801, S. 135. Klaus Mlynek: Gruber, Johann Daniel. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 138. Klaus Mlynek: Gruber, Johann Daniel. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 238. Regina Stuber: Gruber, Johann Daniel. In: Georg Ruppelt (Hrsg.): 350 Jahre Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. „Der Nutzen einer außerlesenen Bibliothec... kan nicht in Zweifel gezogen werden“. Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Hannover 2015, S. 428–429.

Weblinks

Johann Daniel Gruber, in der Deutschen Digitalen Bibliothek Johann Daniel Gruber, im Personenlexikon Baader/Lipowsky Gruber, Johann Daniell, im Bayerischen Musiker-Lexikon online Gruber, Johann Daniel, auf europeana.eu (Porträts, Schriften) Gruber, Johann Daniel (1688–1748) , im Kalliope-Verbund Werner P. Binder: Historische Persönlichkeiten. Abschnitt: Johann Daniel Gruber – Geheimer Justizrat des britischen Königs. ipsheim.de, abgerufen am 4. März 2016. Johann Daniel Gruber, im Katalog der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek (Neueingabe des Namens erforderlich), zuletzt abgerufen am 5. Oktober 2024.

Einzelnachweise und Anmerkungen

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