Die Tyne and Wear Metro ist ein städtisches Bahnsystem im Großraum Newcastle im Nordosten Englands. Die Bahn verbindet u. a. die Orte Newcastle, Gateshead, Sunderland, South Shields, Tynemouth und Whitley Bay miteinander und ist nach den durch die Region fließenden Flüssen Tyne und Wear bzw. der ehemaligen Grafschaft Tyne and Wear benannt.
Das Bahnsystem vereint Merkmale unterschiedlicher Schienenverkehrssysteme: in der Innenstadt von Newcastle stellt sie sich mit den Tunnelstrecken als vollwertige U-Bahn dar, die kreuzungsfreien Strecken außerhalb des Tunnels bis zum Stadtrand entsprechen modernen Stadtbahnen. Ein Großteil der Strecken geht aus dem Umbau ehemaliger oder der Mitnutzung bestehender Eisenbahnstrecken, zum Teil mit Bahnübergängen, hervor, diese sind daher S-Bahn-ähnlich.
Die Tyne and Wear Metro wird von Nexus (offizieller Name: Tyne and Wear Passenger Transport Executive) betrieben, dem Verkehrsbetrieb der regionalen Gebietskörperschaft North East Mayoral Strategic Authority.
Geschichte Vorgeschichte mini|links|Zug der Tyneside Electrics im Bahnhof Newcastle Central, 1950 links|mini|Netzplan der Tyneside Electrics zwischen 1938 und 1963 Das heutige Metronetz hat seine Ursprünge in alten Eisenbahnstrecken, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Großraum Newcastle (genannt Tyneside) eröffnet wurden. Nachdem die Fahrgastzahlen dieser Vorortbahnen durch die Eröffnung elektrischer Straßenbahnen um die Jahrhundertwende fielen, beschloss die damalige North Eastern Railway (NER) ihr Netz durch Elektrifizierung zu modernisieren. Unter dem deutsch-britischen Elektroingenieur Charles Hesterman Merz, der bspw. auch die Vorortbahnen von Melbourne elektrifizierte, wurde ein System mit Stromschiene unter 600 Volt Gleichspannung gewählt. Dieses konnte in kurzer Zeit die Betriebskosten um die Hälfte senken und die Fahrgastzahlen steigern.
Die elektrischen Vorortbahnen wurden als Tyneside Electrics bezeichnet. Die Linien auf der Nordseite der Tyne (heutiger Ring der Yellow Line zzgl. stillgelegter Riverside Loop über Walker) wurden 1904 auf elektrischen Betrieb umgestellt, 1938 folgte unter der London and North Eastern Railway (LNER) die Zweigstrecke nach South Shields.
In den 1960er Jahren waren die Fahrzeuge und elektrischen Anlagen am Ende ihrer Lebensdauer. Angesichts fallender Fahrgastzahlen entschied British Railways, die Strecken zu de-elektrifizieren. 1964 wurde die Linie nach South Shields auf Dieselbetrieb umgestellt, 1967 endete der elektrische Betrieb auch nördlich der Tyne.
Planung und Bau des Ursprungsnetzes mini|Station Tynemouth mit Zug in der ursprünglichen Farbgebung, 1980 mini|Ein Zug in der Station Kingston Park mini|Die Tyne and Wear Metro wird mehrfach vom Straßenverkehr gekreuzt mini|Queen Elizabeth II Bridge
Gemäß dem Transport Act 1968 wurde im Folgejahr die Tyne and Wear Passenger Transport Authority (PTA) und … Executive (PTE) gegründet, die mit der Planung und Implementierung des ÖPNV beauftragt wurden. Im Jahr 1971 veröffentlichen diese den Tyne Wear Plan: Transport for the 1980s, in dem der schnellbahnmäßige Ausbau der bestehenden Eisenbahnstrecken als Rückgrat eines attraktiven, integrierten öffentlichen Nahverkehrs empfohlen wurde. 1973 erließ das britische Parlament den Tyneside Metropolitan Railway Act, der der Tyne and Wear PTE den Bau der Metro erlaubte. Etwa 70 % der Baukosten wurden durch die Westminster-Regierung im Rahmen des Transport Supplementary Grant übernommen, die restlichen Gelder durch die die lokalen Gebietskörperschaften aufgebracht. Das Netz der ersten Ausbaustufe bestand aus der Ringstrecke und dem South-Shields-Ast der ehemaligen Tyneside Electrics. Hinzu kam eine Neubaustrecke ab South Gosforth nach Bank Foot, sowie neugebaute Tunnelstrecken in Newcastle und Gateshead.
Die Bauarbeiten begannen im August 1974 an der Station Haymarket. Am 11. August 1980 wurde die erste Linie der Tyne and Wear Metro zwischen Haymarket und Tynemouth eröffnet, der reguläre Betrieb begann vier Tage später. Bereits am 10. Mai 1981 ging ein Abzweig der bestehenden Linie zwischen South Gosforth und Bank Foot mit einem Zehn-Minuten-Zugabstand in Betrieb. Am 8. Juni 1981 wurde die Verlängerung der Hauptlinie um sechs Stationen von Haymarket bis Heworth fertiggestelltKurznachrichten in: Der Stadtverkehr 7/1981, S. 308 f. und am 6. November 1981 durch Königin Elisabeth II. eröffnet. Sie quert den Fluss Tyne auf der neugebauten Queen Elizabeth II Bridge.Erweiterung der Tyne & Wear Metro in: Der Stadtverkehr 2/1982, S. 64.
Am 14. November 1982 ging eine Verlängerung der Strecke von Tynemouth bis St. James in Betrieb. Dadurch war eine eigenartige Situation entstanden: die Linie kreuzte sich selbst an der Station Monument und ist doch keine Ringlinie, da es dort keine Gleisverbindung mit Personenverkehr gibt.
1984 war im Süden die Umrüstung der am 1. Juni 1981 stillgelegten Eisenbahnstrecke bis South Shields fertig, dieser Streckenabschnitt wurde zunächst von der Green Line, heute aber von der Yellow Line befahren.
Stagnation und Ausbau Wichtiger Aspekt der Tyne and Wear Metro war bei ihrer Konzeption die integrierte Verkehrsplanung mit dem Busverkehr. Inspiriert u. a. von deutschen Verkehrsverbünden wurde ein Verbundtarif eingeführt, sowie Linienführungen der Busse angepasst: an neugebauten Umsteigebahnhöfen, wie Gateshead Interchange, Regent Centre oder Four Lane Ends, sollten Busfahrgäste auf die Metro umsteigen.Metro: The Way Ahead. Dokumentation (26:44 min). John Woodvine, i.A. Tyne and Wear Passenger Transport Executive, 1984. Verfügbar online im North East Film Archive, abgerufen am 15. Juni 2026. Mit dem 1985 von der konservativen Regierung unter Margaret Thatcher verabschiedeten Transport Act endete jedoch dieses Verbundmodell: der Tyne and Wear Passenger Transport Executive wurde die Planungshoheit über Busse entzogen, die ab Oktober 1986 vollständig kommerzialisiert im Wettbewerb verkehrten. Buslinien, die bisher an Umsteigestationen gebrochen waren, wurden danach wieder direkt in die Innenstadt von Newcastle geführt und konnten mit günstigeren Tarifen gegen die Metro konkurrieren. Dadurch gingen die Fahrgastzahlen der Metro zurück: waren im Geschäftsjahr 1985/86 noch über 59 Millionen Fahrgäste mit der Metro gefahren, waren es im folgenden Geschäftsjahr nurmehr 46 Millionen.
1991 wurde die Metro im Nordwesten von Bank Foot um 3,5 km mit einer Zwischenstation bis zum Flughafen Newcastle verlängert, 12 Millionen Pfund wurden investiert. 2002 folgte eine Erweiterung ab Heworth über die weiterhin in Betrieb befindliche Durham Coast Line bis Sunderland, und weiter über eine in den 1960er Jahren stillgelegte Eisenbahnstrecke bis zur Station South Hylton. Diese Erweiterung kostete 100 Millionen Pfund und wurde zum Großteil durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.
mini|Netzplan der Tyne and Wear Metro 1986–1991 mit vier Linien (Blue, Green, Red, Yellow) Zusammenhängend mit den zurückgehenden Fahrgastzahlen und dem Streckenausbau bei gleichbleibendem Wagenpark wurde das Fahrplanangebot im Kernnetz reduziert. 1985 verkehrten auf dem Netz an Werktagen noch ganztägig vier Linien jeweils im 10-Minuten-Takt:
Yellow: St. James – North Shields – Benton – South Gosforth – Heworth Green: Bank Foot – South Gosforth – Heworth – South Shields Red: Benton – South Gosforth – Heworth Blue: St. James – North Shields
Somit bestand zwischen South Gosforth und Heworth ein 3⅓-Minuten-Takt (18 Fahrten stündlich), und zwischen St. James und North Shields ein 5-Minuten-Takt (12 Fahrten stündlich).
1996/1997 verkehrten nur noch die Green und Yellow Lines sowie samstags zu den Geschäftsöffnungszeiten die Red Line. Werktags wurde tagsüber ein sauberer 10-Minuten-Takt gefahren, zur Hauptverkehrszeit alle 7½ Minuten und in den Schwachlastzeiten sowie sonntags alle 15 Minuten (teilweise auch alle 12 Minuten). Sonntagmorgens beträgt die Zugfolge 30 Minuten. Zwischen Pelaw und South Gosforth waren samstags tagsüber also mehr Züge als in den werktäglichen Hauptverkehrszeiten unterwegs.
Im Jahr 2000 verkehrten nur noch die Green und Yellow Lines, montags bis samstags tagsüber alle 10 Minuten, in der Hauptverkehrszeit verdichtet zu alle 7,5 Minuten.National Rail Timetable, Railtrack, 2000 2008 fuhren die Züge werktags tagsüber alle 12 Minuten, in der Hauptverkehrszeit etwas verdichtet. Im Jahr 2023 wurden die letzten HVZ-Verstärker zwischen Pelaw und Monkseaton eingestellt.
Erneuerung Zurzeit findet nach über 30 Jahren Betrieb auf dem Metro-Netz ein umfangreiches Erneuerungsprogramm statt. In das jährlich über 40 Mio. Fahrgäste transportierende System sollen unter der Devise „Metro: all change“ 385 Mio. Pfund investiert werden. Dies beinhaltet Streckenerneuerungen mit Böschungs-Befestigungsarbeiten, Gleis- und Signal-Erneuerung und Rekonstruktionen von älteren Brücken und Stationen, teilweise auch Verbreiterung von Seitenbahnsteigen. Die an den Stationen befindlichen 225 Fahrkartenautomaten werden durch neue Modelle mit Touchscreen ersetzt, an denen auch die neu eingeführte SmartCard mit Namen „Pop“ des NESTI-Systems (North East Smart Ticketing System) für die gesamte Region aufgeladen werden kann. An den 13 wichtigsten Stationen sollen neue Sperren installiert werden.
Das Programm „Metro: all change“ über 385 Mio. Pfund, sowie ein neunjähriger Zuschuss zu den Betriebskosten über 230 Mio. Pfund wurde von der britischen Regierung unter der Bedingung finanziert, dass die Betriebsleistungen der Metro wettbewerblich ausgeschrieben werden. Bieter waren ein Inhouse-Angebot von Nexus, sowie MTR Corporation, DB Regio und Serco-NedRailways. Letztendlich gewann DB Regio Tyne and Wear Ltd. die Ausschreibung und übernahm den Bahnbetrieb am 1. April 2010 für sieben Jahre. Auf eine erneute Ausschreibung wurde verzichtet, seit 1. April 2017 betreibt Nexus die Metro wieder selbst.
Nach Jahren von Planungen wurde im Jahr 2025 von der britischen Regierung Geld zugesichert, um eine neue 13 km lange Metrostrecke auf einer stillgelegten Bahntrasse zu bauen: von Pelaw soll diese mit drei Zwischenstationen über Washington nach South Hylton führen, sodass eine weitere Ringlinie entsteht. Die neue Strecke soll 900 Millionen Pfund kosten und 2033 in Betrieb gehen.
Chronik DatumStationenHaymarket – South Gosforth – TynemouthSouth Gosforth – Bank FootHaymarket – Monument – HeworthTynemouth – North Shields – Monument – St. JamesHeworth – South ShieldsKingston Park (zwischen Fawdon und Bank Foot)Pelaw (zwischen Heworth und Hebburn)Palmersville (zwischen Benton und Shiremoor)Bank Foot – Newcastle AirportPelaw – Sunderland – South HyltonPark Lane (zwischen Sunderland und University)Northumberland Park (zwischen Palmersville und Shiremoor)Simonside (zwischen Bede und Tyne Dock)
Linien mini|Strecken der Tyne & Wear Metro
Derzeit werden zwei Linien mit einer Gesamtlänge von 77,5 km und 60 Stationen betrieben. LinieFarbeStreckeStationen Yellow Line GelbSt. James – Monument – Wallsend – North Shields – Whitley Bay – South Gosforth – Monument – Gateshead – Heworth – South Shields42 Green Line GrünAirport – South Gosforth – Monument – Gateshead – Heworth – Sunderland – South Hylton31
Beide Linien verkehren montags bis samstags tagsüber alle 12 Minuten, abends und sonntags alle 15 Minuten. Auf dem gemeinsamen Abschnitt zwischen South Gosforth und Pelaw fahren demnach Züge im 6- bzw. 7,5-Minuten-Takt.
Der Betriebshof, von dem aus auch die meisten Züge eingesetzt werden, befindet sich nördlich der Station South Gosforth.
Fahrzeuge Metrocars