Die vier aus Stuttgart stammenden Brüder Emil, Karl, Robert und Max Eitel betrieben ab 1894 in Chicago als Hoteliers und Gastronomen das Luxushotel Bismarck Hotel und einige elegante Großrestaurants wie die Marigold Gardens und das Old Heidelberg Inn. Ein anderer Bruder, der Architekt Albert Eitel, blieb in Stuttgart.
Herkunft Die Eltern der Brüder Eitel waren die Stuttgarter Bürger Emil Eitel (1840–1938) und Charlotte Eitel geb. Trost (1842–1917).
Der Vater war Sohn eines Bäckers und Enkel eines Rotgerbers und arbeitete sich vom Galanteriewarenarbeiter zum Ledergalanteriewarenhändler (1867–1868) und schließlich zum Portefeuillefabrikanten hoch (1868–1890). Die Herstellung von Galanteriewaren erwies sich als sehr einträglich und machte Emil Eitel zu einem reichen Mann. Neben wechselnden Villen besaß er zwei große Geschäftshäuser in bester Innenstadtlage. Die letzten 48 Jahre seines Lebens verbrachte er als Privatier und handelte mit Grundstücken und Immobilien. Er starb im hohen Alter von fast 98 Jahren und liegt zusammen mit seiner Frau in Stuttgart auf dem Pragfriedhof begraben.#Adressbücher; #Familienregister. – In dem Grab in Abteilung 16 des Pragfriedhofs ruhen außer Emil und Charlotte Eitel ihr Sohn Albert, dessen Frau Elisabeth Eitel geb. Hoffmann (1872–1961) und beider Tochter Lore Eitel (1903–1984).
Die Mutter der Brüder stammte aus einer Stuttgarter Weingärtnerfamilie. Sie gebar 11 Kinder, von denen drei nicht den ersten Geburtstag erlebten. Außer zwei Schwestern überlebten die sechs Brüder Emil, Karl, Robert, Max und Otto Eitel sowie der Architekt Albert Eitel, der als einziger der Brüder nicht auswanderte.#Familienregister.
Die Tabelle zeigt die Söhne und Töchter von Emil und Charlotte Eitel, ohne die drei Kinder, die das erste Lebensjahr nicht überlebten.#Familienregister; #NCAB 1967.
Nummer Name Geburt Tod Auswanderung 1 Emil Eitel 1865 Stuttgart 1948 Chicago, IL 1890 2 Albert Eitel 1866 Stuttgart 1934 Stuttgart 3 Karl Eitel 1871 Stuttgart 1954 Santa Barbara, CA 1891 4 Charlotte Emma Krauss 1873 Stuttgart 5 Robert Eitel 1877 Stuttgart 1948 1898 6 Louise Emilie Charlotte Frank 1881 Stuttgart 7 Max Eitel 1882 Stuttgart 1954 Chicago, IL 1901 8 Otto Eitel 1884 Stuttgart 1972 Chicago, IL 1912
Auswanderung 1890 wanderte Emil Eitel als erster der Brüder Eitel nach den USA aus und ließ sich in Chicago nieder, das damals ein Zentrum der deutschen Einwanderung war und eine halbe Million deutschstämmiger Einwohner zählte.1890 hatte Chicago ca. 160.000 und 1900 ca. 170.000 Einwohner, die in Deutschland geboren waren, das entspricht 15 % bzw. 10 % der Gesamteinwohnerzahl (#Hofmeister 1976, Seite 10). Wenn man auch die in den USA geborenen Kinder der deutschen Einwanderer berücksichtigt, war im Jahr 1898 fast eine halbe Million Einwohner deutscher Abstammung (etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung) gegenüber ebenso viel Amerikanern, ca. 250.000 Iren und ca. 100.000 Polen (#Hofmeister 1976, Seite 11; Chicago School Census 1898 ). Die gut untereinander vernetzte deutsche Gemeinde und eine entsprechende Infrastruktur erleichterten Emil den ersten Einstieg.#Harzig 2005. Die deutschstämmigen Chicagoer sicherten später dem Handelsgeschäft der Brüder und ihren Restaurants den Kundenstamm, und ein großer Teil ihrer Hotelkundschaft rekrutierte sich aus deutschstämmigen Reisenden.#NCAB 1967, Seite 510.
Nachdem Emil Eitel den Anfang gemacht hatte, folgten ihm vier seiner Brüder nach Chicago nach: 1891 Karl, 1898 Robert, 1901 Max und 1912 Otto. Otto Eitel (* 5. Oktober 1884 in Stuttgart; † 5. Mai 1972 Chicago), der hier nicht behandelt wird, übernahm nach seiner Auswanderung im Bismarck Hotel die Verantwortung für die Ausstattung des Hotels und des Gartens. Später zog er nach Kalifornien und machte sich dort als Landschaftsgärtner einen Namen. Albert Eitel blieb in Stuttgart, kam aber mindestens 1896, 1910 und 1924 nach Chicago zu Besuch: Ellis Island Passagierlisten. 1896 volontierte er in dem renommierten Architekturbüro von Daniel Burnham, einem Protagonisten der Chicagoer Schule.Siehe auch: Albert Eitel. 1924 hielt sich Albert Eitel in Chicago auf zur Abstimmung der Fassadenplanung des Bismarck Hotels mit dem Architekturbüro Rapp and Rapp und zur Planung der Innenausstattung des Hotels.
Die Brüder Emil und Karl begründeten in Chicago das Bismarck Hotel und die Bismarck Gardens. Robert und Max Eitel betrieben mehrere große Restaurants, darunter das Old Heidelberg Inn und einige Messerestaurants. Die Eitels waren nicht nur sehr erfolgreiche Geschäftsleute, sondern integrierten sich als amerikanische Staatsbürger, hielten jedoch auch die Traditionen ihrer deutschen Heimat aufrecht. Sie waren Förderer des Chicago Symphony Orchestra und des Art Institute of ChicagoEmil Eitel schenkte 1938 dem Institut mindestens 17 Lithographien und Radierungen und 1948 einen Kalender von Johannes Regiomontanus aus dem Jahr 1476. Siehe https://www.artic.edu/research (Lupensymbol anklicken, Suchbegriff „Eitel“, Button „repeat the search with the omitted results included“). und Mitglieder in Unternehmerverbänden und in national gemischten und deutschen Vereinen.Zu diesen Vereinen und Verbänden gehörten der Schwaben-Verein (#Hofmeister 1976, Seite 117–121; #Schwabenverein 1922–1937; #Schwabenverein 1928), der Germania Club of Chicago (#Hofmeister 1976, Seite 121–122), der Germania Männerchor und der Unternehmerverband Executives’ Club of Chicago (#Blue Book 1890–1915). Im Zuge der Weltkriege beteiligten sich Emil und Karl Eitel an Hilfsaktionen des Roten Kreuzes für ihre deutsche Heimat.Siehe auch: #Hofmeister 1976, Seite 61.
Emil Eitel Hauptquellen: #NCAB 1967, Seite 510–511; #Leonard 1905–1917; #Sonntagspost 1929.1; #Amtsblatt 1953.1.
Emil Eitel (* 27. Februar 1865 in Stuttgart; † 18. Juli 1948 Chicago) war ein deutscher Hotel- und Gastronomie-Unternehmer in Chicago. Er wurde als erstes Kind seiner Eltern Emil und Charlotte Eitel geboren,Näheres siehe Herkunft. besuchte die Handelsschule in Stuttgart,#Sonntagspost 1929.1: „a business college“; #Leonard 1905–1917: „high school and commercial business college“. diente in der Armee als Einjährig-Freiwilliger und arbeitete ab 1885 in der Fabrik seines Vaters in der Fotoalbenproduktion.
Beruf 1890 übersiedelte Emil Eitel nach den USA und ließ sich in Chicago nieder. Er arbeitete zuerst als Angestellter für die Chicagoer Handelsvertretung Bond’s Commercial Agency. Als 1891 sein Bruder Karl ebenfalls nach Chicago kam, gründete er mit ihm zusammen unter der Firma Eitel Brothers ein Großhandels- und Importgeschäft für Wein und Spirituosen.Auch nach dem Einstieg in das Hotelgeschäft betrieben die Brüder diese Firma weiter. Während der Prohibition gerieten sie 1920 unter Verdacht, ein Lager mit alkoholischen Getränken im Wert von 250.000 $ zu unterhalten und illegal damit Handel zu treiben (#Tribune 1920). Während der World’s Columbian Exposition 1893, der ersten Chicagoer Weltausstellung, betrieben sie in der Nähe des Messegeländes ihr erstes Hotel. Der Erfolg veranlasste sie, sich dauerhaft dem Hotelgewerbe zuzuwenden. Sie übernahmen das Hotel Germania, das sie in Bismarck Hotel umbenannten. Die Erlaubnis dazu erhielt Karl Eitel vom Reichskanzler Bismarck persönlich, den er auf einer Deutschlandreise im April 1894 besuchte. Sie gründeten 1894 die Firma Bismarck Hotel Co.,Co. = Company = Gesellschaft. der Emil Eitel als Präsident und Finanzdirektor bis zu seinem Tod 1948 vorstand. Von 1895 bis 1923 betrieben die beiden Brüder außer dem Hotel die Bismarck Gardens (später Marigold Gardens), einen eleganten Großbiergarten. – Zur Entwicklung der Hotel- und Gastronomieprojekte der beiden Brüder siehe Bismarck Hotel Co.
Privatleben Emil Eitel heiratete 1894 Emma Caroline Boldenweck (1868–1943), die er bereits in Stuttgart kennengelernt hatte.Auf einer Deutschlandreise besuchte die deutschstämmige Chicagoerin Emma Boldenweck in Stuttgart ihren Verwandten Ludwig Boldenweck, der als Privatier seit 1888 bis mindestens 1890 bei Emil Eitel sen. in der Mörikestraße 1 zur Miete wohnte. Bei dieser Gelegenheit lernte sie Emil Eitel kennen (#Adressbücher 1898–1899; #Götz 1967, Seite 114; Gräberdatenbank, Memorial # 81808536). Sein jüngerer Bruder Karl war in erster Ehe mit Emmas jüngerer Schwester Marie Luise Boldenweck verheiratet.Gräberdatenbank, Memorial # 81810689, 83584229. – Der Vater der beiden Schwestern war der Bauunternehmer Louis Henry Boldenweck (1835–1896). Er wurde in Heilbronn geboren und wanderte 1854 mit seinen Eltern und sechs Geschwistern nach Chicago aus. Noch im gleichen Jahr starben beide Eltern kurz nacheinander. Die Mutter der beiden Schwestern war ebenfalls deutschstämmig, aber bereits in Chicago geboren. Aus der Ehe von Emil und Emma Eitel gingen zwei Kinder hervor, die im Säuglings- bzw. Kindesalter verstarben. Emil Eitel starb am 18. Juli 1948 im Alter von 83 Jahren und wurde auf dem Graceland Cemetery in der Familiengruft seines Schwiegervaters Louis Henry Boldenweck beigesetzt.
Karl Eitel Hauptquellen: #NCAB 1967, Seite 511; #Leonard 1905–1917; #Sonntagspost 1929.2; #Amtsblatt 1953.1.
Karl Friedrich (Frederick) Eitel (* 17. Januar 1871 in Stuttgart; † 9. März 1954 Santa Barbara) war ein deutscher Hotel- und Gastronomie-Unternehmer in Chicago. Er wurde als fünftes Kind seiner Eltern Emil und Charlotte Eitel geboren.Näheres siehe Herkunft. Nach dem Besuch des Gymnasiums absolvierte er ein Studium an dem Königlich Württembergischen Technikum für Textilindustrie in Reutlingen.
Beruf 1891 wanderte Karl Eitel zu seinem Bruder Emil nach Chicago aus, mit dem er sich geschäftlich zusammentat, siehe oben unter Emil Eitel, Beruf. Nach der Gründung der Firma Bismarck Hotel Co. übernahm er das Amt des Vizepräsidenten und Verwaltungsdirektors#NCAB 1967, Seite 151: „vice-president and secretary“. und nach dem Tod von Emil Eitel 1948 auch das Amt des Präsidenten. Ein Jahr später zog er sich aus dem aktiven Geschäft zurück, blieb der Firma aber bis zu seinem Tod 1954 als Ehrenvorstand verbunden. – Zur Entwicklung der Hotel- und Gastronomieprojekte der beiden Brüder siehe Bismarck Hotel Co.
Privatleben 1896 heiratete Karl Eitel in erster Ehe Marie Luise Boldenweck (1875–1913), eine jüngere Schwester seiner Schwägerin Emma (siehe Emil Eitel). Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor, unter ihnen Otto K. Eitel, der später Direktor des Bismarck Hotels wurde. 1915 verband sich Karl Eitel in zweiter Ehe mit Ann Schmidt (1884–1919), der Tochter eines aus Brüssel stammenden Fabrikanten, die einer Tochter das Leben schenkte. In dritter Ehe heiratete er Suzanne Schmidt (1888–1968), die Schwester seiner zweiten Frau. Aus dieser Verbindung gingen drei Kinder hervor.
Karl Eitel nahm über viele Jahre aktiven Anteil am gesellschaftlichen und politischen Leben in Chicago. Er starb am 9. März 1954 in Santa Barbara im Alter von 83 Jahren und wurde auf dem Santa Barbara Cemetery beigesetzt.
Max Eitel Hauptquellen: #NCAB 1967, Seite 518–519; #Amtsblatt 1953.1.
Max Eitel (* 29. September 1882 in Stuttgart; † 5. Juni 1954 Chicago) war ein deutscher Gastronomie-Unternehmer in Chicago. Er wurde als zehntes Kind seiner Eltern Emil und Charlotte Eitel geboren.Näheres siehe Herkunft.
Beruf