Die erste Schlacht an der Aisne vom 12. bis 28. September 1914 entwickelte sich infolge des Rückzuges des deutschen Westheeres nach der Niederlage an der Marne. Sie war die erste Schlacht des Ersten Weltkrieges, in der sich die Truppen wegen des starken Artilleriebeschusses neben den Angriffen auch in Schützengräben verteidigen mussten. Die Schlacht markiert den Beginn des Stellungskrieges an der Westfront. mini|hochkant|Karl von Bülow (1915)

Nach dem Abbruch der Marneschlacht am 9. September gelang es Generaloberst Karl von Bülow, den rechten deutschen Heeresflügel auf das nördliche Aisneufer zurückzuführen. An der neuen Frontlinie an der Aisne von Noyon über Soissons bis Reims konnten alle alliierten Durchbruchsversuche nach Norden abgeschlagen werden. In der ersten Phase der Schlacht vom 12. bis 15. September standen vor dem Eintreffen der 7. Armee – 32 deutsche Divisionen mit 680.000 Mann etwa 720.000 Alliierten (6,5 britischen und 26 französischen Divisionen) gegenüber. Der französische Oberbefehlshaber Marschall Joseph Joffre drängte die 5. und 9. Armee zur harten Verfolgung der deutschen 2. Armee, das dazwischen operierende etwa 80.000 Mann starke British Expeditionary Force unter General Sir John French spielte in der Schlacht eine zentrale Rolle – ihre drei Korps griffen zwischen Soissons – Vregny – Vailly bis Bourg et Comin gegen die strategisch wichtige Hochfläche des Chemin des Dames an. Rechts davon bildete der Angriff des französischen 18. Korps zwischen Beaurieux und Pontavert einen weiteren Schwerpunkt in Richtung auf die noch bestehende Frontlücke bei Craonne; hier versuchten die Alliierten erneut die deutsche Front aufzubrechen. Am Brennpunkt der Schlacht im Raum südlich Laon wurde ab dem 12. September das durch den Fall der Festung Maubeuge freigewordene VII. Reserve-Korps unter General von Zwehl eingeschoben, sowie die seit dem 13. September aus dem Elsass herangeführte deutsche 7. Armee. Nicht direkt an der Aisneschlacht beteiligt waren die zwischen Reims und Suippes zurückgegangene 3. Armee, die östlicher anschließende 4. Armee und die 5. Armee. Nachdem in der zweiten Phase vom 15. bis 20. September der deutschen 2. Armee auch das XII. und XVIII. Armee-Korps nach Reims zugeführt wurde, erhöhte sich deren Truppenzahl wieder auf 36 Divisionen (davon sechs Kavalleriedivisionen), d. h. auf etwa 720.000 Mann, was die Aisne-Front nachhaltig stabilisierte und auch eigene Gegenangriffe möglich machte. mini|hochkant|John French

Ausgangspositionen Die neuen Abschnitte der 1. Armee mini|Übersichtsskizze des Rückzuges des rechten deutschen Flügels von der Marne zur Aisne

Am 12. September war die deutsche Front an der Aisne völlig neu geordnet worden: Das IX. Armee-Korps unter General von Quast bildete den äußersten rechten Flügel der 1. Armee unter Generaloberst von Kluck. Die 17. Division stand auf den Höhen von Attichy – Bitry, die 18. Division in der Gegend Autrêches und nördlich zur Abwehr bereit. Das IV. Armee-Korps unter General Sixt von Armin stand geschlossen mit der 7. und 8. Division südlich der Aisne zwischen Vic-sur-Aisne und Fontenoy. Anschließend folgte das II. Armee-Korps unter General von Linsingen mit 3. und 4. Division zwischen Soissons – Conde nördlich der Aisne. Als Reserve stand das IV. Reserve-Korps unter General von Gronau mit der 7. und 22. Reserve-Division nördlich der Aisne bei Nouvron. Unter dem Schutz der bereits den Chemin des Dames besetzenden Divisionen waren die noch südlich verbliebenen Teile der 1. Armee auf das nördliche Aisneufer zurückgegangen.

mini|hochkant|Alexander von Kluck

Das III. Armee-Korps unter General von Lochow besetzte mit der 5. Division unter Generalleutnant Wichura die Höhen von Condé und mit der 6. Division unter Generalleutnant Herhudt von Rohden die Gegend um Nanteuil-la-Fosse. Das II. Armee-Korps hielt mit der 3. Division unter Generalleutnant von Trossel die Crouy-Höhe und Bucy-le-Long und mit der 4. Division unter Generalleutnant von Pannewitz westlich davon die Höhen von Pasly. Das Höhere Kavallerie-Kommando Nr. 2 unter General von der Marwitz sicherte bei Berry- au Bac die seit 9. September offene Frontlücke gegenüber den alliierten Kavalleriekorps unter General Conneau. Das Höhere Kavallerie-Kommando Nr. 1 unter Generalleutnant von Richthofen deckte mit der 2. und 5. Kavallerie-Division bei Acy und Serches die linke Flanke; die 4. Kavallerie-Division unter Generalleutnant von Garnier deckte bei Compiègne den rechten Flügel der 1. Armee.

Nach dem Fall der französischen Festung Maubeuge (8. September 1914) wurde das freigewordene VII. Reserve-Korps sofort in Gewaltmärschen über Laon zur Verstärkung des linken Flügels der 1. Armee herangeführt.

Die neuen Abschnitte der 2. und 3. Armee Generaloberst von Bülow glaubte jetzt den weiteren Vormarsch des Gegners aufhalten zu können. An der Vesle zwischen Braisne und Fismes verfolgte das englische I. Corps unter General Douglas Haig weiter zur Aisne, in diesen bedrohten Abschnitt wurde jetzt das VII. Reserve-Korps eingeführt. Weiter nach Südosten hielt im Raum beiderseits Reims die 2. Armee den Vesle-Abschnitt besetzt: Den rechten Flügel bildete das VII. Armee-Korps (ab 12. September General von Claer), das mit der 13. und 14. Division nördlich der Vesle auf Brimont zurückging. Anschließend folgte das X. Reserve-Korps unter General von Eben am südlichen Vesle-Ufer bis Cormontreuil. Im Anschluss folgte das X. Armee-Korps unter General von Emmich auf dem nördlichen Vesle-Ufer von Cormontreuil bis Prunay, das Gardekorps unter General Karl von Plettenberg folgte bis südwestlich Prosnes, wo der Anschluss zur 3. Armee erfolgte. Als Reserve verblieb der 2. Armee die 14. Division, die östlich Cernay und die 1. Garde-Division unter General von Hutier, die südwestlich Beine bereitgestellt wurde.

Der Rückzug der deutschen 3. Armee unter Generaloberst von Hausen verlief ab dem 11. September reibungslos: Das sächsische XIX. Armee-Korps unter General von Laffert brach zuerst auf, das sächsische XII. Armee-Korps unter General d’Elsa folgte dahinter, beide wurden der 2. Armee im nordwestlichen Vorfeld von Reims zugeführt. Das sächsische XII. Reserve-Korps unter General von Kirchbach überschritt unter dem Schutz von Nachhuten der 23. Division die Marne ungestört bei Condé und Vraux nach Norden. Nachdem die französische 9. Armee unter General Ferdinand Foch mit linken Flügel (9. Korps unter General Dubois) auf Vitry- le François vorging, erhielt Hausens Armee durch General von Moltke den Befehl, auf die Linie Thuizy – Suippes zurückzugehen. Der neue kürzere Abschnitt mit nur noch 25 Kilometern war mit der jetzt geringeren Truppenstärke der 3. Armee zu erklären. Dem XII. Reserve-Korps wurde der Abschnitt Thuizy – Prosnes, dem XII. Armee-Korps die Linie Fort St. Hilaire – Butte d’Infant zugeteilt, dem XIX. Armee-Korps anschließend der Abschnitt bis Suippes, wo Frontabschnitt der 4. Armee anschloss.

Schlacht 12. September Lage bei der 1. Armee Am Vormittag des 12. September waren stärkere Kräfte der Briten aus der Gegend Fère-en-Tardenois und weiter westlich schwächere Kräfte der französischen 6. Armee unter General Joseph Maunoury bei Mortefontaine und Villers-Cotterêts im Vormarsch nach Norden. Trotz unübersichtlichen Geländes überschritten hier nachmittags die Alliierten die Aisne und griffen die deutsche 1. Armee zwischen Attichy – Soissons an. Am frühen Nachmittag war bereits die ganze Front an der Linie Berneuil – Condé – Vailly von starken Kräften angegriffen. Die 1. Armee deckte ihre rechte Flanke mit dem IX. Armee-Korps an der Linie Nampcel – Audignicourt – Autreches. Das IV. Reserve-Korps hielt die Höhen bei Nouvron, das IV. Armee-Korps den Abschnitt Cuisy en Almont – Pasly, das II. Armee-Korps von Cuffies bis zum Chivres – Abschnitt und das III. Armee-Korps die Höhen nördlich Condé, die 6. Division vorerst als Reserve dahinter. Der Höhere Kavallerie-Kommandeur 2 stand beim alliierten Angriff mit der 9. Kavallerie-Division unter General von Schmettow hinter der Front bei Vailly. Die rechte Armeeflanke auf dem Westufer der Oise im Gelände Roye – Noyon hatte derweil noch keine Feindberührung. Dagegen entwickelte die verfolgende französische 6. Armee mit ihrem Zentrum (7. Korps des General Vautier) gegenüber dem deutschen IV. Armee-Korps im Laufe des Mittags bei Fontenoy starke Kräfte. General Maunourys rechter Flügel (5. Reserve-Gruppe unter General Lamaze) und die unabhängig operierende 45. Division unter General Drude festigten ihre Stellungen am nördlichen Aisne-Brückenkopf vor Crouy und Bucy-le-Long, einschließlich der von den deutschen Truppen geräumten Stadt Soissons. mini|hochkant|Michel-Joseph Maunoury

Lage bei der 2. Armee Gleichzeitig entwickelte sich die Situation der 2. Armee äußerst ungünstig. Das französische 18. Korps unter General Maud’huy hatte das Kavalleriekorps Conneau in der Frontlücke abgelöst und drängte in den offenen Westflügel der 2. Armee ein. General Maud’huy hatte die Vesle überschritten und die Höhen von Saint Thierry gewonnen. Die Schließung dieser Lücke musste mangels Reserven, den ersten aus Lothringen anrollenden Teilen der 7. Armee überlassen werden. Noch in der Nacht vom 12. zum 13. September wurden die vordersten Teile des VII. Reserve-Korps aus der Gegend südöstlich Laon auf die Höhen des Chemin des Dames vorgezogen um die Lücke endlich zu schließen. Das XV. Armee-Korps unter General Berthold von Deimling – beendete derweil seine Ausladung bei St. Quentin und war im Anmarsch auf Laon.

Die 2. Armee versuchte an diesem Tag mit großer Mühe den wichtigen Vesle-Abschnitt beiderseits Reims zu halten. Zur Sperrung der wichtigsten Übergänge der Vesle und der noch bestehenden Frontlücke zur 1. Armee sollte die 13. Division Braisne und Fismes um jeden Preis zu halten versuchen.

Die französische 5. Armee unter General Franchet d’Espèrey erzwang mit ihrem Zentrum, dem 3. Korps unter General Hache unter Zurückwerfung des deutschen VII. Armee-Korps den Übergang über die Vesle und drohte erneut den rechten Flügel der 2. Armee bei Muizon zu umfassen. Die 13. Division musste hier mit rechtem Flügel auf Bourg an der Aisne zurückweichen. Generaloberst von Bülow musste das dadurch an der rechten Flanke bedrohte X. Reserve-Korps aus der Linie Brimont – Reims zurücknehmen. Durch den Angriff des französischen rechten Flügels mit dem 1. und 10. Korps der Generale Deligny und Defforges, musste das deutsche X. Armee-Korps die Stadt Reims aufgeben. Die 19. Division unter Generalleutnant Hofmann musste auf Betheny zurückweichen; unter ihrem Schutz ging auch die 19. Reserve-Division durch Reims auf Cernay zurück und nahm dort Anschluss an den rechten Flügel des X. Armee-Korps.

13. September Für den 13. September ordnete Generaloberst von Kluck erneut das unbedingte Halten des bedrängten Aisne-Abschnittes an, – der Feind sollte im Gegenangriff zurückgeworfen werden, ferner wurden alle Maßnahmen getroffen, um den rechten Flügel der 2. Armee zu verstärken und die noch vorhandene Frontlücke endlich zu schließen. In der Nacht auf den 13. September überquerten die Briten die Aisne auf Pontons. Die 1. Division (Generalmajor Samuel Lomax) war bei Bourg-et-Comin und die 2. Division (Generalmajor Charles Monro) bei Pont-Arcy und bei Chavonne über die Aisne gegangen. Die Verbände des I. Corps bildeten am nördlichen Flussufer einen Brückenkopf bei Verneuil.

mini|hochkant|Douglas Haig