mini|Katholische Pfarrkirche Allerheiligen in Deutschlandsberg Die römisch-katholische Stadtpfarrkirche Deutschlandsberg steht in der Kirchengasse in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg in der Steiermark. Die Kirche ist auf das Fest Allerheiligen geweiht, ihr zweites Patrozinium ist jenes des Hl. Laurentius, das von der alten Kapelle in der Burg Deutschlandsberg hieher übertragen wurde.Pfarrblatt für den Pfarrverband Deutschlandsberg, Ausgabe 3/2018, S. 4. Die Pfarre gehörte bis Ende August 2018 zum Dekanat Deutschlandsberg in der Diözese Graz-Seckau, seit Auflassung dieses Dekanates liegt sie im Seelsorgeraum Südweststeiermark.Gerhard Fischer: Die katholische Kirche in der Steiermark geht neue Wege. Zusammenlegung der Dekanate Deutschlandsberg und Leibnitz zur Region Süd-West-Steiermark. Wochenzeitung Weststeirische Rundschau vom 31. August 2018. 91. Jahrgang Nr. 35, S. 2.

Die Kirche steht unter .

Geschichte Ursprünglich stand eine zwischen 1383 und 1394 von Albrecht dem Schneider erbaute Kapelle auf dem Platz der heutigen Kirche. Dieses kleine Gebäude stand im Bereich der Vorhalle, jedoch quer zur heutigen Kirche und dürfte nicht ganz so lang gewesen sein wie die spätere Kirche breit war.Tscherne, Theußl, Geschichte Pfarre und Kirche, S. 6.

Die Verehrung des Hl. Laurentius hatte sich nach dem Sieg König Ottos I. gegen die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg verbreitet. Diese Schlacht hatte am Laurentiustag, dem 10. August 955, stattgefunden.Über die Laurentiusverehrung aufgrund der Schlacht: Die Salzburger Erzdiözese, zu deren Gebiet auch die Suffraganbistümer Seckau und Lavant in der Steiermark gehörten, förderte die Verehrung dieses Heiligen und ließ viele Laurentiuskirchen bauen. Das Laurentius-Patrozinium auf der Burg wird als Hinweis auf eine frühe Gründung aus Salzburg betrachtet und als staatspolitisches Thema gesehen. Allein in der Steiermark gab es 20 Laurentiuskirchen.Ernest Theußl: Stadtpfarrkirche Deutschlandsberg. Hrsg. vom Stadtpfarramt Deutschlandsberg, 1993. S. 2–3.

Messen für die Bevölkerung von Deutschlandsberg wurden, da die ursprüngliche Marktkapelle keinen Priester hatte, zunächst in der Burgkapelle von Deutschlandsberg gelesen. Am 6. Juni 1448 gestattete der Lavanter Bischof Tibold die Verlegung dieser Messen in die Marktkapelle. Der Priester dafür kam zunächst aus der Stammpfarre Groß St. Florian, am 8. Jänner 1556 wurde ein eigener Priester für das damalige Landsberg eingesetzt, 1634 wurde dieser zum Vikar ernannt und im Jahr darauf ihm auch das Benefizium der Burgkapelle übertragen. Dann erhielt 1708Theußl, Stadtpfarrkirche, S. 71. auch die Pfarrkirche im Markt das Laurentius-Patrozinium als „2. Patron“ oder „Secundarii Patroni“.Tscherne, Theußl, Geschichte Pfarre und Kirche, S. 27. Bis dahin hatten zu bestimmten Festen auch Prozessionen auf den Berg zur Burg stattgefunden, nach denen die Burgherrschaft die Teilnehmer bewirtete. Da die Prozessionsteilnehmer aber „bey ohnedem großer Hütze“ nicht den steilen Burgweg hinaufsteigen wollten, ergab sich, dass der Vikar von Landsberg eine Geldabfindung erhielt, mit der er u. a. zwölf Pfund Schießpulver für Böller zu kaufen und das Festmahl zu finanzieren hatte. 1643 wurde das Gebiet, das der Vikar zu betreuen hatte, von der Pfarre St. Florian abgetrennt und zu einer eigenen Pfarre erhoben.Tscherne, Theußl, Geschichte Pfarre und Kirche, S. 7–8. 1875 wurde die Kirche allerdings noch als „Vikariat Allerheiligen in Landsberg“ geführt und der „Pfarre St. Aegyden in Holnegg“ zugeordnet. Die Präsentationsrechte lagen beim Lavantiner Bischof, als Vogt ist das Erzbistum Salzburg seitens des Schlosses Landsberg genannt.Ignac Orožen (1819–1900): Das Bisthum und die Diözese Lavant. I. Theil, Einleitung, 1875, S. IX. Ob für diese Zuordnung der materielle Gesichtspunkt eine Rolle spielte, dass St. Florian zum (damals als solches nicht mehr, vielleicht aber noch als Rechtspersönlichkeit vorhandenen) bischöflichen Tafelgut des Bischofs von Lavant gehört hatte (der damals bereits in Marburg residierte), St. Aegyden in Hollenegg aber nicht, ist in der Quelle nicht behandelt.

Die heutige Kirche wurde ab 1688 von Jakob Schmerlaib errichtet, im Türsturz des Haupteinganges ist das Jahr 1693 genannt, die Weihe folgte aber erst 11 Jahre später am 5. Oktober 1704.Theußl, Stadtpfarrkirche, S. 7. 1702 hatte die Kirche noch keinen Hochaltar, sondern nur drei Tische für noch zu errichtende Altäre. 1704 wurde die Kirche „samt den drei vorderen Altären“, geweiht, die als Provisorium wohl im Presbyterium standen.Theußl, Stadtpfarrkirche Führer 1993, S. 3. Der Helm des Kirchturmes wurde durch Blitzschlag am 5. August 1813 schwer beschädigt.Feuersnot und Feuerabwehr in Alt-Landsberg. Wochenzeitung Weststeirische Rundschau vom 11. März 2022. 95. Jahrgang Nr. 10, S. 4. Die zweite Jahreszahl an der Tür, 1893, verweist auf die damalige grundlegende Renovierung. Im Jahr 1980 wurde das Innere der Kirche restauriert. 1983 fand eine Außenrenovierung statt.

Eine weitere umfangreiche Renovierung erfolgte in den Jahren 2019 bis 2021. Zu diesem Zweck war die Kirche vom 14. Juni bis 31. Oktober 2021 vollständig geschlossen. Zur Bekämpfung des Holzwurmbefalls hatte bereits vom 1. bis 5. Juli 2019 eine Begasungsaktion stattgefunden.

Die Renovierungsarbeiten umfassten eine Neugestaltung des Altarraumes mit Altar und Ambo, die Aufstellung des Taufbeckens in der Kirchenmitte, die Neugestaltung des Eingangsbereiches und die Erneuerung der Kirchenbänke. Den Architektenwettbewerb im Vorfeld hatte der Architekt Markus Jeschaunig gewonnen. hochkant|mini|Kath. Pfarrkirche Allerheiligen in Deutschlandsberg Die Wiedereröffnung fand am Tag des Erstpatroziniums, dem Allerheiligentag, 2021 statt; da der neue Altar nicht rechtzeitig fertig wurde, musste seine Weihe in den Februar 2022 verschoben werden.Ernst Theußl: Innenrenovierung und Wiedereröffnung der Stadtpfarrkirche. Wochenzeitung Weststeirische Rundschau vom 5. November 2021. 94. Jahrgang Nr. 44, S. 2 (Einleitung auf S. 1).

Beschreibung Das Äußere der Wandpfeilerkirche ist durch in den Putz geritzte Pilaster gegliedert. Über dem Haupteingang befindet sich ein Bild des Hl. Christophorus, das bei der Renovierung 1925 angebracht wurde. Es stammt vom Deutschlandsberger Künstler Kiesling.Theußl, Stadtpfarrkirche, S. 8–9.

Das vierjochige Langhaus hat insgesamt acht Seitenkapellen. Die über ihnen liegenden Emporengänge sind ungenutzt und gehen übergangslos zum zweijochigen Chor mit Halbkreisschluss über. Sowohl das Langhaus als auch der Chor werden von einem auf Wandpfeilern sitzenden Kreuzgewölbe mit Gurtbögen überspannt. Die Sakristei sowie das Oratorium sind seitlich an den Chor angebaut und über Treppen erreichbar. Im südlichen Teil des Langhauses befindet sich eine dreiachsige Empore.

1889 wurden die Lindenbäume vor der Kirche gepflanzt.Gerhard Fischer: 140. Jahrestag des Amtsantritts von Dechant Bossi und 110. Sterbetag. In: Weststeirische Rundschau. Nr. 35, Jahrgang 2014 (29. August 2014), 87. Jahrgang, . Simadruck Aigner u. Weisi, Deutschlandsberg 2014, S. 2.Theußl, Stadtpfarrkirche, S. 8–9. Das Motiv der Baumrinde dieser Bäume wurde mit dem Gedanken „lignum vitae - Holz des Lebens“ von Markus Jeschaunig für die Gestaltung des neuen Hochaltars, des Ambo und des Taufbeckens verwendet.Theußl, Stadtpfarrkirche, S. 104.

Holzbauteile (Ministrantenbank und andere) sind aus geöltem Nussholz. Natursteinplatten aus Stainzer Naturstein, die beim Umbau 30 cm unter dem späteren Fußbodenniveau gefunden wurden, sind unter der Orgelempore neu und sichtbar verlegt worden. Sie dokumentieren den Übergang vom historischen Steinmauerwerk der Vorgängerkirche zum späteren barocken Kirchenschiff.

In der Kirche waren bis 1980 auch Kreuzwegbilder aufgehängt. Diese Bilder waren 1892 angeschafft worden, es handelt sich um Kopien der 14 Freskobilder, die zwischen 1844 und 1846 von Josef Führich für die Johann-Nepomuk-Kirche in Wien gemalt worden waren. Diese Bilder wurden abgehängt, um den Kirchenraum optisch nicht zu überladen, sie werden zur Fastenzeit auf den Altären der Seitenkapellen aufgestellt.Theußl, Stadtpfarrkirche, S. 60.

Unter dem Boden des Eingangsbereiches wurden bei den Renovierungsarbeiten und der damit verbundenen Grabung des Bundesdenkmalamtes vom 6. bis 24. September 2021 fünf Skelette aus der Erbauungszeit der Kirche gefunden, darunter am Pfeiler der Orgelempore das eines Priesters (erschlossen aus dem beigegebenen 18 cm hohen Kreuz). Es wird angenommen, dass es sich um das Grab von Georg Wutscher handelt, der in den späten 1680er-Jahren Pfarrer in Deutschlandsberg war. Die anderen vier Skelette werden in die Zeit von 1710 bis 1720, nach der Weihe der Kirche 1704, datiert. Diese Gräber werden mit einer Pestepidemie in dieser Zeit in Verbindung gebracht, in deren Zusammenhang auch das Grabdenkmal für die Hl. Rosalia, einer Pestpatronin, in der Vorhalle errichtet wurde.Ernest Theußl: Überraschende Funde in der Stadtpfarrkirche. Wochenzeitung Weststeirische Rundschau vom 4. Februar 2022. 95. Jahrgang Nr. 5, S. 3.Theußl, Stadtpfarrkirche, S. 10–11, 16–17.

Turm Der Kirchturm befindet sich westlich der schmucklosen Südmauer der Kirche. Sein Unterbau ist gotisch und wird als Rest der früheren Allerheiligenkapelle aus 1383 betrachtet. Der Turm wurde nach dem Neubau der Kirche auf die seither bestehende Höhe von 58,6 m gebracht, die Erlaubnis dazu ist mit 3. März 1697 datiert. Im 17. Jahrhundert trug der Turm zunächst einen einfachen spitzen Helm. Ein zweiter Turm war an der Ostseite geplant, konnte aber nicht finanziert werden. Mit seiner Erhöhung erhielt der Turm in der Zeit der Anschaffung des Hochaltars, somit um 1725Tscherne, Theußl, Geschichte Pfarre und Kirche, S. 30. einen Zwiebelhelm in der damals üblichen barocken Form, dieser Turmhelm bestand bis 1868. Damals wurde ein „dem Geschmack der Neuzeit entsprechendes pyramidales Turmdach“ angefertigt. Dieses Dach wurde am 7. Juni 1868 mit der Befestigung des Kreuzes an der Turmspitze vollendet. Damals wurde auch die Turmuhr, die sich unterhalb des Glockenfensters befand, in die Zwickel zwischen den Frontspitzen verlegt. Eine neue Turmuhr wurde 1952 angeschafft. Bei der Renovierung 1982 gab es starke Stimmen für eine Rückkehr zum barocken Zwiebelhelm, der Pfarrgemeinderat beschloss aber am 16. Februar 1982, bei der bisherigen neugotischen spitzen Form zu bleiben. Das wird darauf zurückgeführt, dass man keine Geschichtskorrektur vornehmen wollte.Theußl, Stadtpfarrkirche, S. 109–111.

Bei der Renovierung des Turmes 1982 zeigte sich nach Abschlagen des alten Verputzes am Eingang zur Turmkammer gegenüber dem Pfarrhof ein spitzbogiges Portal. Es wurde belassen, aber wieder vermauert.

Vorhalle mini|Kalvarienberg nach Renovierung

Hinter dem Portal liegt eine einjochige Vorhalle. Sie liegt in dem Bereich, an dem früher die 1383 gestiftete Vorgängerin der heutigen Kirche stand. Die Vorhalle wurde bei der Renovierung 2021 neu gestaltet, die Terrazzoplatten durch Stainzerplatten ersetzt und die früheren Kirchenbänke entfernt. Der Ölbergaltar stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

In der Vorhalle befinden sich rechts vom Eingang eine große Ölberggruppe, unter ihr eine Grotte, die als Grab der Hl. Rosalia gestaltet ist.

Links vom Eingang befindet sich in der Vorhalle ein Seitenaltar aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, der der „Schmerzhaften Mutter“ (mater dolorosa) geweiht ist. Dieser Altar bildet den Überbau zum Hl. Grab, das am Karsamstag als Andachtsstätte dient.Theußl, Stadtpfarrkirche, S. 14–15.

Hochaltar Altarbild