Das Margi, Selbstbezeichnung màrgyí, ist eine um die Stadt Isge (auf Margi ə́zə̀gə̀), die ca. 100 km südlich von Maiduguri im Nordosten Nigerias liegt, gesprochene Sprache. Das Margi gehört zur Familie der Tschadischen Sprachen und dort zur Untergruppe der Biu-Mandara-Sprachen. Obwohl die Sprache damit ein Glied der afroasiatischen Sprachfamilie bildet, teilt sie nur noch wenige grammatische Merkmale dieser Familie, besitzt z. B. weder grammatisches Genus noch Ablaut, weshalb ihre Zugehörigkeit früher in Frage gestellt wurdeSo durch Hoffmann, A grammar of the Margi language, 1963, S. 13: "I can see no reason why at present Margi should be included into the Hamito-Semitic (or Afroasiatic) family.". Die genetische Klassifikation des Margi stützt sich vor allem auf das Lexikon.

Eine mit dem Margi eng verwandte Sprache ist das Kilba.Beschrieben durch Mu'azu, Mohammed Aminu 2009: A grammar of the Kilba language.

Lautsystem Das Margi verfügt über eine relativ große Anzahl von Konsonantenphonemen:

Labiale Dentale Sibilanten Laterale vordere Palatale hintere Palatale Velare Glottale stimmlose Plosive p t ts c ky k ʔ stimmhafte Plosive b d dz j gy g Implosive ɓ ɗ stimmlose Frikative f s ɬ š xy x stimmhafte Frikative v z ɮ ž γy γ Nasale m n ny ŋ

Dazu kommen l, r, w, y, ʔw, ʔy.

Mit vielen anderen tschadischen Sprachen teilt das Margi das Vorhandensein von Implosiven und lateralen Frikativen.

Laut Hoffmann (siehe „Literatur“) ist zwischen rein vokalischem Anlaut und Anlaut mit ʔ + Vokal zu unterscheiden.

Konsonantencluster Zahlreiche Konsonantenverbindungen können am Wortanfang stehen. Bei einigen oder allen dieser Gruppen könnte erwogen werden, sie als eigene Phoneme zu betrachten. Insbesondere kommen folgende Verbindungen vor:

Konsonant + w: gwà „eintreten“ mwál „Freund“ ŋwà „Gesicht“

Nasal + Konsonant: mbà „binden“ mtə̀ „sterben“ ŋgyə̀ „brennen“ mcìr „Nase“ mɬàgə̀ „Herr, Besitzer“ mnyà „Mund“ ŋkwà „Mädchen“

Labial + Konsonant: bdàgə̀ „Tal“ bzə́r „Kind“ ptə́l „König, Häuptling“ pcə̀ „waschen“

Vokale Das Margi unterscheidet im Wesentlichen vier Vokale: a, i, u, ə.

Seltener und vor allem in Fremdwörtern kommen auch e und o vor.

Das Phonem u klingt nach Palatalen wie ü.

Ton Das Margi ist eine Tonsprache mit zwei Registern: hoch (á) und tief (à). Daneben kommt auch ein tief-hoch-steigender Ton (ǎ) vor. Vielfach unterscheiden sich Vokabeln allein im Ton, z. B.: fá „Jahr“ – fà „Bauernhof“ sá „sich verlaufen“ – sà „trinken“

Kontextform In bestimmten Fällen verändert sich die Aussprache eines Wortes, sobald ihm im Satzkontext ein weiteres Wort folgt:

(1) -ə nach Palatalvokal wird im Kontext ununterscheidbar von -i: cə́ „sprechen“, im Kontext cí ŋkyə̀ „bezahlen“, im Kontext ŋkyì ʔyə̀ „tun“, im Kontext ʔì

(2) Auslautendes -i fällt in einem Teil der Wörter im Kontext ab. Dies betrifft insbesondere das Suffix -árì des bestimmten Artikels (im Kontext -ár).

Personalpronomina Die Personalpronomina des Margi kennen keinen Geschlechtsunterschied, insbesondere auch nicht in der 3. Person Singular entsprechend dem deutschen „er“ vs. „sie“. Dafür gibt es drei verschiedene Formen, die unserer 1. Person Plural entsprechen. In der 1. Person Singular gibt es einen signifikanten Unterschied zwischen der isolierten und der Kontextform.

Man unterscheidet selbständige Personalpronomina und zwei Serien von Suffixen.

selbständig Suffix 1 Suffix 2 1.sg. „ich“, isoliert nàyə̀ -yə́ -ɗà 1.sg. „ich“, Kontextform nì -í -ɗà 2.sg. „du“ nàgə̀ -gə̀ ~ -gə́ -ŋə̀ ~ -ŋə́Das auslautende -ə dieses Suffixes wird nicht immer gesprochen. 3.sg. „er, sie“ nàjà -já -nyì ~ nyí 1.pl. „ich+du“ nàmà -mà ~ -má -mà 1.pl. „ich+ihr“ nàmə̀r -mə̀r ~ -mə́r -mə̀r 1.pl. „ich+andere“ nàʔyà -ʔyà ~ ʔyá -ʔyà 2.pl. „ihr“ nànyì -nyì ~ -nyí -nyì 3.pl. „sie“ nàndà -ndà ~ -ndá -ndà

Selbständige Pronomina Die selbständigen Pronomina werden isoliert oder in Subjektsfunktion verwendet.

Suffixe 1

Suffixe der Serie 1 werden verwendet:

(1) in bestimmten Fällen als Possessivsuffix, dazu siehe unten.

(2) als postponiertes Subjekt. In diesem Fall haben die Suffixe Polarton (hoch nach vorangehendem Tiefton, tief nach vorangehendem Hochton), nur die Suffixe der 1.sg. und 3.sg. sind grundsätzlich hochtonig.

(3) nach Konjunktionen wie də́ „und, dass“, kə̀ (Subjunktiv), mà „wenn“. Dabei ist nach kə̀ und mà grundsätzlich kein Hochton zu beobachten, auch nicht bei den Suffixen der 1.sg. und 3.sg.: d-í „und ich“ də́-gə̀ „und du“ də́-já „und er/sie“ ky- „dass ich“ kə̀-g- „dass du“ kə̀-j- „dass er/sie“ mì „wenn ich“ mà-gə̀ „wenn du“ mà-jà „wenn er“

Suffixe 2 Suffixe der Serie 2 werden verwendet:

(1) in bestimmten Fällen als Possessivsuffix, dazu siehe unten.

(2) als Objektsuffixe am Verb.

Substantiv Ein grammatisches Geschlecht existiert nicht.

Plural Eine Handvoll Substantive verfügt über echte, stark unregelmäßige Pluralformen, darunter: mdə̀ „Mensch“ – mjì „Leute“ sál „Mann“ – šílí „Männer“ màlà „Frau“ – màxyìɗì „Frauen“ bzə́r „Kind, Sohn“ – ŋúšá „Kinder“

Andere Substantive können ein Pluralsuffix -ʔyàr annehmen: ndə̀r „Wort“ – ndə̀rʔyàr „Wörter“ fá „Jahr“ – fáʔyàr „Jahre“

Dieses Suffix ist aber optional und wird nicht in allen Fällen gesetzt, wo inhaltlich ein Plural gemeint ist.

Das Pluralsuffix steht hinter Adjektiven und Possessivsuffixen:

ŋwám-ɗá-ʔyàrSchwester-mein-PLURAL„meine Schwestern“

Adjektiv Das Adjektiv folgt seinem Bezugswort: bzə́r kùšù „Kind klein“, d. h. „ein kleines Kind“ kákádə̀ bə̀lìn „Buch neu“, d. h. „ein neues Buch“

Das Adjektiv kann die Pluralendung -ʔyàr annehmen, aber auch redupliziert werden, um eine Pluralbedeutung anzuzeigen: kákádə̀ bə̀lìnbə̀lìn „neue Bücher“

Demonstrativum Demonstrativa werden dem Substantiv nachgestellt: mdə̀ kə̀ „dieser Mensch“ mdə̀ tà „jener Mensch“

Bestimmter Artikel Der bestimmte Artikel besteht aus einem Suffix -árì (im Kontext -ár), der an das Substantiv bzw., wenn diesem noch ein Attribut folgt, an das Attribut gehängt wird. Der Artikel wird mit einem auslautenden Vokal kontrahiert. Beispiele: wù „Baum“ – wǎrì „der Baum“ mə̀lmə̀ „Dorf“ – mə̀lmárì „das Dorf“ màlà „Frau“ – màlárì „die Frau“ cédè „Geld“ – céděrì „das Geld“ sál „Mann“ – sálárì „der Mann“ ʔímí „Wasser“ – ʔímyárì „das Wasser“ ndə̀r „Wort“ – ndə̀rárì „das Wort“ kú „Ziege“ – kwárì „die Ziege“

Der Artikel wird nicht in allen Fällen verwendet, wo im Deutschen ein bestimmter Artikel stehen würde. Näheres zur Funktion ist nicht bekannt.

Possession Übersicht In jedem Fall steht zuerst das Possessum und dann der Possessor. Die genaue Konstruktion richtet sich nach der speziellen Natur der Possession. Eine Markierung des Possessors, entsprechend dem deutschen Genitiv, gibt es grundsätzlich nicht.

Es sind vier verschiedene inhaltliche Arten der Possession zu unterscheiden. Die Ausdrucksmittel sind jeweils verschieden, je nachdem ob der Possessor nominal, pronominal singularisch oder pronominal pluralisch ist. Die folgende Tabelle enthält für jede der sich so ergebenden Kombinationen ein Beispiel:

ohne Possessor + nominaler Possessor + pronominaler Possessorim Singular + pronominaler Possessorim Plural inalienabel, Körperteil kə́r„Kopf“ kə́r-á mdə̀„der Kopf des Menschen“ kə́r-á-jà„sein(sg.) Kopf“ kə́r-á-ndà„ihr(pl.) Kopf; ihre Köpfe“ inalienabel, Personenbezeichnung də́-ny-á mdə̀„der Vater des Menschen“ də́-nyí„sein Vater“ də́-r-ndà„ihr Vater“ Besitz eines Gegenstandes ə́ntə̀m„Topf“ ə́ntə̀m gə́ mdə̀„der Topf des Menschen“ ə́ntə̀m gə́-ndà„sein Topf“ ə́ntə̀m-ə̀r-ndà„ihr Topf“ abstrakte Possession šíší„Haar“ šíší-r mdə̀„Menschenhaar“

Einige Zellen der Tabelle bleiben leer: Begriffe wie də́- „Vater“ werden nie ohne Possessor verwendet; die abstrakte Possession kommt mit pronominalem Possessor kaum vor.

Inalienable Possession, Körperteil Als inalienable Possession gilt zunächst der Besitz von Körperteilen. In diesem Fall wird an das Possessum das Suffix -á angefügt. Die Konstruktion lautet also Possessum + -á + Possessor. Der Possessor hat die Form entweder eines Nomens oder eines Possessivsuffixes der Serie 1 (siehe oben). Vor dem Suffix -á treten einige triviale Stammveränderungen auf. Das Possessivsuffix hat generell Tiefton, nur in der 1.sg. und 3.sg. hat es bedingten Hochton: Der Hochton wird nur in der Kontextform realisiert, also wenn noch ein Wort folgt, sonst gilt auch hier Tiefton. Beispiele: kə́r „Kopf“ – kə́rá-yə̀ (Kontextform kə́rá-yí) „mein Kopf“ – kə́rá-gə̀ „dein Kopf“ – kə́rá-jà (Kontextform kə́rá-já) „sein/ihr Kopf“ – kə́rá-ndà „ihre Köpfe“ – kə́rá bzə́r „der Kopf des Jungen“ lì „Auge“ – lyá-yə̀ „mein Auge“ – lyá Mádə̀ „das Auge von Made (Name)“ ɗàxə̀ „Stimme“ – ɗàxá-yə̀ „meine Stimme“ – ɗàxá ŋkwà „die Stimme des Mädchens“ ŋwà „Gesicht“ – ŋwá-yə̀ „mein Gesicht“

Abgesehen vom Besitz von Körperteilen kann man diese Possessivkonstruktion auch in einigen anderen Fällen einsetzen, wie: kàdzàŋ-á-jà „seine Wahrheit“, d. h.: „er hat Recht“ ʔódìkùr-á-ndà „ihre Vielheit“, d. h.: „viele von ihnen“, „die meisten von ihnen“

Inalienable Possession, Personenbezeichnung Die Possession mit Verwandtschaftsbegriffen wie „Vater“ oder „Mutter“ kann ebenfalls als inalienabel gelten, wird aber grammatisch anders bezeichnet. Als Possessivsuffix erscheint in diesem Fall ein Suffix der Serie 2. Die Suffixe des Plurals können nicht direkt an das Substantiv treten, sondern werden durch ein Element -r- vermittelt. Der Ton des Possessivsuffixes ist meist tief, im Singular fallweise aber auch hoch.

Der nominale Possessor erfordert wie beim Besitz von Körperteilen ein Suffix -á am Possessum, allerdings muss dieses zusätzlich ein Possessivsuffix der 3. Person enthalten. də́-ɗá „mein Vater“ – də́-ŋə́ ~ də́-ŋ „dein Vater“ – də́-nyí „sein Vater“ – də́-r-ndà „ihr(pl.) Vater“ – də́-ny-á Xámàn „der Vater von Haman(Name)“, wörtlich: „sein Vater(, der von) Haman“. Der Stamm də́- „Vater“ wird nie ohne Suffix benutzt.

Auch das Wort mwál „Freund“ wird in dieser Hinsicht wie ein Verwandtschaftsbegriff behandelt: mwál-ɗà „mein Freund“ – mwál-ŋə̀ ~ mwálə́ŋ̀ „dein Freund“ – mwál-nyì „sein Freund“ – mwál-ə́r-ndà „ihr(pl.) Freund“

Besitz von Gegenständen Beim Besitz von Gegenständen, einschließlich Kindern, steht zwischen Possessum und nominalem Possessor die Partikel gə́: tágú gə́ Xámàn „das Pferd von Haman(Name)“ bzə́r gə́ Xámàn „der Sohn von Haman“

Die Konstruktion mit pronominalem Possessor ist etwas kompliziert. Wenn dieser pluralisch ist, so steht dasselbe Element -r-, das auch bei der Possession von Verwandtschaftsbegriffen verwendet wird. Wenn der pronominale Possessor singularisch ist, so steht gə́-, jedoch muss dann eine Form des Suffixes verwendet werden, die normalerweise den Plural bezeichnet: die Formen lauten demnach gə́yà „mein“, gə́nyì „dein“, gə́ndà „sein, ihr“. Alternativ kann „mein“ in selteneren Fällen auch durch das Suffix 1.sg. der Serie 2 ausgedrückt werden:

kú gə́-yà oder kú-ɗà „meine Ziege“ – kú gə́-nyì „deine Ziege“ – kú gə́-ndà „seine Ziege“ – kú-r-nyì „eure Ziege“ – kú-r-ndà „ihre(pl.) Ziege“

Abstraktes Possessionsverhältnis Ein Possessionsverhältnis in einem abstrakteren Sinne wird ausgedrückt, indem an das Possessum eine Endung -r angehängt wird: ʔímí-r sà „Wasser des Trinkens“ = „Trinkwasser“ látə́-r yàmáɗə́ „Zeit der Kälte“ = „kalte Zeit“ ə́ntə̀m-ə̀r mə̀mə̀ „Topf des Honigs“ = „ein Topf mit Honig“ mdə̀-r màrgyí „Mensch von Margi“ = „eine Margi-Person, ein Margi“

Eine Variante mit pronominalem Possessor kommt hier aus inhaltlichen Gründen kaum vor.

Spezialfälle Das Wort tə́kə́m „alle“ kann unmittelbar von einem Nomen oder Suffix gefolgt werden: tə́kə́m-ndà „alle von ihnen“ tə́kə́m mjì „alle von den Leuten“ = „alle Leute“

ɬə́m „Name“ wird vor pronominalem Possessor wie ein Verwandtschaftsbegriff behandelt, vor nominalem Possessor steht -r: ɬə́m-ə́ŋ „dein Name“ ɬə́m-ə́r sál kə́ „der Name dieses Mannes“

Verb Tonklassen