mini|hochkant|Franz Härter Franz Härter (* 1. August 1797 in Straßburg; † 5. August 1874 ebenda), mit vollem Namen Franz Heinrich Härter, auch französisch François-Henri Haerter genannt, war ein elsässischer Pfarrer.
Leben Jugend Franz Heinrich Härters Vater war Bäcker und Konditor und hieß Franz Härter. Seine Mutter hieß mit Geburtsnamen Luise Friederike Rhein. Die geschäftlichen Erfolge des Vaters waren mäßig. Dies führte dazu, dass der Sohn nach dem Tod seiner Mutter den Vater als Gehilfe unterstützen musste. Dennoch konnte er das Gymnasium besuchen. Ursprünglich wollte er danach Ingenieurwissenschaften studieren.
Studium Sein Vater beeinflusste ihn aber dahingehend, dass er von 1813 bis 1819 in seiner Heimatstadt Theologie studierte, um dadurch seine Altersversorgung sicherzustellen. Das Studium war dort stark rationalistisch geprägt. Besonders beeinflusst wurde er wohl von Friedrich Karl Timotheus Emmerich (1786–1820), der ihn in alten Sprachen unterrichtete und zur Bibellektüre anhielt. Am selben Tag, an dem der Sohn das Examen ablegte, verstarb der Vater, der zuvor von seinem Sohn gepflegt worden war.
1817 gelang es nicht, das Straßburger Bürger-Hospital evangelisch zu besetzen und unter die Aufsicht evangelischer Christinnen zu stellen.
1820 war Franz Heinrich Härter selbst erkrankt und ging nach Bad Hub zur Kur. Das Bad wurde von der in Straßburg ansässigen Familie Kampmann geführt. Eine Tochter dieser Familie war Henriette Elise (1799–1828), die Härter während seiner Kur kennenlernte und sich mit ihr verlobte. Seinen Lebensunterhalt verdiente Härter, indem er in Straßburg Unterricht erteilte, was damals für junge Theologen üblich war.
Im selben Jahr suchte der Straßburger Magistrat gemeinsam mit den Pfarrern zwei evangelische Frauen, welche einen Teil der Krankenpflege für den evangelischen Bevölkerungsteil übernehmen sollten. Da sich diese nicht fanden, wurde die Krankenpflege ausschließlich den römisch-katholischen Vinzentinerinnen übertragen. Härter diskutierte darüber mit seinem Seelsorger Kreiß. In diesen Ereignissen um das Bürger-Hospital in den Jahren 1817 und 1820 dürfte ein erster Auslöser liegen, der später zu Härters Gründung des Straßburger Diakonissenhauses führen sollte.
1821 bereiste Härter Nordfrankreich und Deutschland.
Herbst 1821 bis Frühsommer 1822 war er in Halle (Saale). Dort studierte er unter anderem bei Julius August Ludwig Wegscheider (1771–1849), dessen Theologie ebenfalls rationalistisch orientiert war.
Im Sommer 1822 ging er dann zu Jean Paul (1763–1825) nach Bayreuth.
1823 wurde Franz Heinrich Härter ordiniert. Im selben Jahr verlegte der elsässische Zweig der Vinzentinerinnen seinen Hauptsitz von Zabern nach Straßburg. Von dort aus erschlossen die Vinzentinerinnen in den Folgejahren neue Arbeitsfelder und richteten neue Zweiganstalten im Elsass, Südwestdeutschland und Österreich ein.
Pfarrstelle in Ittenheim Im März 1823 erhielt Härter seine erste Pfarrstelle in Ittenheim. Im Spätsommer desselben Jahres heiratete er Elise Kampmann. Seine Frau hatte sich nach dem Tod ihrer Mutter an der Leitung des Bades beteiligt. Nun kümmerte sie sich um Haus und Garten und pflegte Franz Härters Großmutter. Sie kümmerte sich auch um andere Kranke in der Gemeinde ihres Mannes und erteilte jungen Mädchen und Frauen Handarbeitsunterricht. Franz Härter bemühte sich um eine Verbesserung der Schulen und erreichte, dass seine Gottesdienste reich frequentiert wurden, übernahm auch medizinische Aufgaben, bemühte sich um eine strengere, geistlichere Moral seiner Gemeinde und sorgte für schwache Gemeindemitglieder. Seine Form der Volkserziehung kombinierte Elemente von Aufklärung und Erweckungsbewegung. Sein Vorbild war dabei Johann Friedrich Oberlin (1740–1826), der im Steintal ebenso vorgegangen war, das von Härter auch mehrmals besucht wurde. Die pädagogischen Impulse, von denen Härter geprägt war, entstammten dem Rationalismus und beeinflussten auch die entstehende Erweckungsbewegung.
Am 4. April 1828 starb seine Frau an einer Infektion, was Härter sehr nahe ging. Sie hinterließ zwei Kinder, Sophie (1824–1869) und Gustav (1826–1903). Dieser Todesfall stürzte Härter in eine zehn Monate währende Krise und trug auch dazu bei, dass er sich mehr und mehr der Erweckungsbewegung zuwandte. In einer Leichenpredigt, die er für sich selbst verfasste, bekannte er, er habe den Kern der evangelischen Lehre, nämlich die Versöhnung durch den Kreuzestod Christi, abgelehnt, da er dies als vernunftwidrig betrachtet hätte. Diese Haltung, zu der er auch andere verleitet hatte, bereute er nun und betrachtete sich nach der Überwindung seiner Lebenskrise als neu geboren.
Pfarrstelle in Straßburg Im Mai 1829 wurde Härter vierter Pfarrer an der lutherischen Neuen Kirche, der evangelischen Hauptkirche in Straßburg.
Der Einfluss Oberlins hatte unmittelbar oder durch an ihm orientierte Personen die Erweckungsbewegung in der Stadt gestärkt, auch durch verwandtschaftliche Beziehungen. So kam es in den 1830er Jahren zu zahlreichen Vereinsgründungen, die im Zusammenhang mit der Erweckungsbewegung standen.
Im März 1830 heiratete Härter Friederike Dorothea Rausch (1799–1842), die Tochter eines Kaufmanns und Jugendfreundin seiner verstorbenen ersten Frau. Sie gebar ihm einen Sohn, der kurz nach der Geburt verstarb, und die Töchter Elise und Marie.
An Trinitatis 1831, das heißt, am 29. Mai, bekannte er sich nach langem Zögern vor seiner Gemeinde zum Pietismus, indem er erklärte, dass der Mensch allein durch Christus erlöst werde. Damit hatte er sich öffentlich der Erweckungsbewegung angeschlossen, die er nun in zahlreichen damit verbundenen Vereinen unterstützte. Die Gemeinde neigte damals zum Rationalismus, so dass Härters Bekenntnis Widerspruch erregte und die Kirchenleitung (Konsistorium) gegen ihn vorging. Auch die gegen den Rationalismus opponierenden strengen Lutheraner lehnten Härter ab. Sie störten sich daran, dass er Bibelstunden abhielt. Ferner lebte und lehrte er ein praktisches Christentum, das diesen ebenfalls suspekt war. Auch einigen Kollegen und der theologischen Fakultät missfiel die Hinwendung des populärsten Straßburger Predigers zum von ihnen abgelehnten Pietismus.
Härter betätigte sich in zahlreichen Vereinen. Von 1831 bis 1839 war er im Vorstand der Neuhof-Anstalt, einer schulischen Einrichtung für beide Geschlechter, die Grundschule, Industrieschule und Landwirtschaftsschule umfasste. Dem Vorstand gehörte auch Härters Freund, der Theologieprofessor Karl Christian Leopold Cuvier (1798–1881), an.
Gründungen 1834 gründete Härter die Straßburger Evangelische Gesellschaft, auch angeregt von der Pariser Evangelischen Gesellschaft. Hier wirkte ebenfalls Cuvier mit. Im selben Jahr wurde als zentraler Versammlungsraum der Straßburger Erweckungsbewegung die sogenannte „Chapelle“ gebaut. Es handelte sich dabei um einen Saal, der an ein Haus in der Rue de l'Ail angebaut wurde, welches den Gebrüdern Keck gehörte.
1835 beteiligte Härter sich an der Gründung der Evangelischen Missionsgesellschaft in Straßburg. Ferner war er Mitglied der Gesellschaft der Freunde Israels, die der Judenmission diente, und arbeitete in der Verwaltung der Straßburger Bibelgesellschaft und der Privatarmenanstalt mit.
Am 27. Oktober 1835 bat Theodor Fliedner Franz Härter in einem Brief um einen Beitrag für die Karlshulder Predigtsammlung. Spätestens seit diesem Zeitpunkt war Fliedner Härter bekannt.
Aus Härters seelsorgerischen Tätigkeit und aus Treffen mit seinen Konfirmanden entwickelten sich Jungfrauen- und Jünglingsvereine. So traf sich auf seine Initiative hin am 11. Mai 1836 erstmals der „Jungfrauen-Verein zur Förderung des Reiches Gottes unseres Heilandes“. Dessen Ziel war es, die Sache Gottes unter den Menschen zu vertreten und Notleidende zu unterstützen. Wenig später regte Härter die Gründung eines Armendienerinnen-Vereins an. Die Armendienerinnen besuchten insbesondere verarmte Frauen, die oft höheren Alters waren. Die Versorgung dieser Witwen und Ledigen war zuvor mangelhaft. Die ehrenamtliche Tätigkeit der Armendienerinnen wurde zunächst Sonntags, später, auf eigenen Wunsch hin, auch Werktags ausgeübt.
Die Arbeit der Armendienerinnen blieb nicht ohne Kritik. Man warf ihnen vor, dass sie den Menschen auch „Nahrung für die Seelen aus Gottes Worte“ brachten, sich also auch mit Bibelauslegung und missionarischer „Seelenpflege“ befassten, wie ein Rundbrief Härters an die Armendienerinnen vom 17. November 1838 zeigt. Dies wurde aber als Sache der Pfarrer angesehen. Härter wies die Kritik energisch zurück und ermutigte die Armendienerinnen zur weiteren Wahrnehmung ihrer geistlichen Aufgaben.
Aufbauphase des Diakonissenhauses Konkretere Ideen zur Form eines möglichen Diakonissenhauses hatte Härter nach einem Besuch in Kaiserswerth im Jahre 1839, wo auf Initiative Theodor Fliedners die erste Diakonissenanstalt gegründet worden war.
Am 15. Dezember 1839 weihte er durch Gebet und Handauflegung zehn Frauen, die zuvor „Dienerinnen“ genannt wurden, zu Diakonissen. Angesichts des Erfolgs der Vinzentinerinnen mit ihrem Sitz in Straßburg sprach Härter davon, „evangelische Schwestern der Barmherzigkeit“ einführen zu wollen. Dies zeigte, dass er sich in der Anfangszeit mehr an den römisch-katholischen Barmherzigen Schwestern als an der Kaiserswerther Diakonie orientierte.
mini|hochkant|Rue du Ciel 5 Ab Anfang 1842 beschleunigten sich die Bemühungen zur Gründung eines Straßburger Diakonissenhauses. Im Januar notierte Härter in seinem Tagebuch, er habe den ersten Entwurf für eine solche Einrichtung fertiggestellt. Im Februar mietete Härter ein kleines Haus (Nr. 5) in der Rue du Ciel. Im März tagte erstmals das Verwaltungskomitee. Mit der Verwaltung wurden Emma Passavant als Kassiererin, Henriette Rausch als Oberaufseherin über den Schulzweig und Mina Ehrmann als Sekretärin betraut. Um Geldmittel einzuwerben, reiste Härter ins Oberelsass und in die Schweiz.
Im Frühjahr 1842 besuchte Härter Paris, um Geld für das Diakonissenhaus zu sammeln und die dortige neu gegründete Diakonissenanstalt Pfarrer Vermeils kennenzulernen. Tracht, Siegel und andere Details des Straßburger Diakonissenhauses ähnelten mehr dem Pariser als dem Kaiserswerther Vorbild. Dies zeigten ein Briefwechsel Franz Härters mit Caroline Malvesin und ein Sitzungsprotokoll der Verwaltung des Straßburger Diakonissenhauses vom 10. November 1842.
Die Regeln für die Diakonissen übernahm Härter vom Kloster Port Royal des Champs. Dabei handelte es sich um ein Zisterzienserinnenkloster, das im Jahre 1204 gegründet worden war und im 17. Jahrhundert nach Reformen an Bedeutung gewonnen hatte. In dieser Zeit waren die Armen- und Krankenpflege sowie die Erziehungsarbeit des Klosters verstärkt worden. Außerdem wurde die Notwendigkeit der Heiligung der einzelnen Nonne betont. Als persönliches Vorbild betrachtete Franz Härter Jean Duvergier de Hauranne, den Abt von St. Cyran. Dieser hatte das Kloster als Seelsorger entscheidend mitgestaltet. Härter schloss sich damit an die Tradition des Jansenismus an. Diese römisch-katholische Bewegung wurde von den Jesuiten ab der Mitte des 17. Jahrhunderts scharf bekämpft, betonte die Notwendigkeit der Gnade und lehnte eine reine Werkgerechtigkeit ab. Damit stand der Jansenismus dem evangelischen Glauben mit dessen Grundprinzip sola gratia näher als andere römisch-katholische Bewegungen und kam als Vorbild für Härters Arbeit in Betracht.
Ferner hörte Härter öfter von evangelischen Frauen den Wunsch, einer Schwesternschaft nach römisch-katholischem Vorbild anzugehören, bis hin zu der Überlegung, zu konvertieren. So schrieb ihm Wilhelmine Zimmermann in ihrer Bewerbung für das entstehende Diakonissenhaus am 28. Juni 1842: „Ich wünsche gerne, in ein Kloster zu gehen.“ Äußerlich und hinsichtlich des Gemeinschaftsaspektes wirkten die römisch-katholischen Vorbilder auf evangelische Frauen sehr anziehend, wie schon das Beispiel von Amalie Sieveking gezeigt hatte.