Harlingerode [] ist ein Stadtteil von Bad Harzburg im Landkreis Goslar. Mit 2.981 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2022) handelt es sich nach der Kernstadt und Bündheim um die drittgrößte Ortschaft im Stadtgebiet.
Geographie mini|Harlingerode am Langenberg, Juni 2022
Lage Harlingerode liegt nordwestlich der Kernstadt auf einer Höhe zwischen und am Steilhang des Langenbergs. Die Gemarkung ist zwischen (Okertal südlich Vienenburg) und (Soldatenkopf, Langenberg) hoch.
Nachbarorte
Flächenaufteilung
nach 950 Jahre Harlingerode, Stand 2000.
Geologie mini|Nordharzrandverwerfung im Kalksteinbruch Langenberg Durch die direkte Lange an der Nordharzrandverwerfung sind die Harlingeröder Böden sehr gut erkundet. Der Ort liegt unweit des Südrandes der Norddeutschen Tiefebene, der sich hier in den recht scharfen Übergang von tertiären zu mesozoischen Erdschichten in Richtung Langenberg bemerkbar macht. Die Böden verjüngen sich von Süden nach Norden deutlich: Stammt der nördliche Steilhang des Berges aus dem Weißen Jura, so verschiebt sich das Alter im südlichen Oberharlingerode hin zur Unteren Kreide und wird etwa ab der Höhe Landstraße von tertiären Schichten eingenommen.
Im Norden geht die Ortschaft auf bis zu in den Wiederberg über, eine zwischen den Flusstälern der Oker und der Radau landwirtschaftlich intensiv genutzte Lössebene. Hier dominiert heutzutage der Anbau von Weizen, bis in die 1950er-Jahre wurde jedoch hauptsächlich Hafer angebaut.
Der Wiederberg fällt nach Westen in das Tal der Oker ab; dieser Hang wird als Steiles Ufer bezeichnet. Das Okertal wird durch Kiesablagerungen dominiert und trägt historisch den Namen Steinfeld. Nach Osten geht der Wiederberg in das Tal der Radau über.
Gewässer mini|Das Steinfeld als Seenlandschaft im Okertal südlich Vienenburg Die Gemarkung wird im Wesentlichen durch den Hurlebach entwässert. Seine Quelle hat der Bach am Langenberg auf der ehemaligen Grube Hansa westlich der Göttingeröder Straße. Im Ortsgebiet verläuft der Bach unterirdisch und nimmt mehrere (heutzutage verrohrte) Nebenbäche, sogenannte Strüllecken, aus dem Süden (Beispiel: Bruchreihe) auf. Der Hurlebach verlässt die Ortschaft im Nordosten und mündet in Vienenburg in die Oker.
Der Teufelsbach entspringt nordöstlich von Harlingerode im Gewerbegebiet Bad Harzburg-Nord. Er fließt nach Nordosten in das Radauer Holz und mündet jenseits der Feldmark in die Radau.
Im äußersten Nordwesten fließt die Oker bei Probsteiburg. Sie bildet hier ungefähr die Grenze zur Feldmark von Immenrode. Das Gebiet steht als Okertal südlich Vienenburg in großen Teilen unter Naturschutz.
Umweltschutz und Altlasten Die Harlingeröder Böden sind durch die jahrhundertelange Verhüttungsgeschichte der Zinkhütte Harlingerode und angrenzender Werke sehr stark mit Blei, Zink, Kupfer und Cadmium (Werte über 10 ppm/kg Oberboden) belastet, landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der Feldmark sind nicht für den menschlichen Verzehr freigegeben und werden ausschließlich in der Futtermittelindustrie behandelt. Eine vergleichbare Schwermetallbelastung mit ähnlichen Auswirkungen (Gressenicher Krankheit) ist im Raum Stolberg-Eschweiler in Nordrhein-Westfalen zu finden. Mehrere Flächen im Kalten Feld unmittelbar nördlich der Zinkhütte Harlingerode wurden komplett aufgegeben. Hinzu kommen außerordentlich starke Belastungen der Flüsse Radau und Oker; nach der nordwestlichen Feldmark wurde in zwei Dissertationen eine Pflanzenkrankheit als Oker- oder Steinfeldkrankheit benannt. Seit 1977 erfolgen daher im Auftrag der Hildesheimer Gewerbeaufsicht Depositionsmessungen im Harlingeröder Umfeld, die zunächst Staubniederschläge und Blei- und Cadmiumdepositionen umfassen. 2009 wurde das Messrepertoire um Arsen/Nickel und 2011 um Thallium erweitert.Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz: Depositionsmessungen in Oker-Harlingerode auf umwelt.niedersachsen.de Aufgrund der montanindustriellen Vergangenheit war von 2019 bis 2022 unter der Schirmherrschaft von Olaf Lies eine Lenkungsgruppe für ein umweltmedizinisches Gutachten aktiv.vgl. Landkreis Goslar: Umwelt und Gesundheit im Gebiet Oker / Harlingerode, abgerufen am 28. Juni 2022.
Geschichte
Zugehörigkeit Harlingerodes
Harlingerode kann auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurückblicken. Von historischer Bedeutung sind die Errichtung der Zinkhütte Harlingerode und die Gründung von Göttingerode in den 1930er-Jahren sowie die Europasaurus-Funde am Kalksteinbruch Langenberg. Mit dem Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Bereich des Harzes erfolgte am 1. Juli 1972 die Eingemeindung in die Stadt Bad Harzburg, zugleich wurde das Gebiet aus dem Landkreis Wolfenbüttel ausgegliedert und dem Landkreis Goslar zugeschlagen.
Ortsname Harlingerode ist nach einer Person benannt, wie es für die Endung -ingerode laut dem 2018 herausgebrachten Niedersächsischen Ortsnamenbuch stets der Fall ist. In seiner Ersterwähnung hieß Harlingerode Heregeltingerot.Gerhard Köbler: Bode in der deutschen Ortsgeschichte, 2016-12-21 auf koeblergerhard.de, verfasst am 21. Dezember 2016, abgerufen am 13. September 2017. Der Name der Person ist nicht eindeutig, wird im Ortsnamenbuch aber als Herigold angesetzt und in Bezug zu altsächsisch heri „Heer“ und geldan „zahlen“ gesetzt. Eine andere Deutung ist Herilo. Der Lokalhistoriker Richard Wieries schrieb dazu im Jahr 1937:
Gründungssage Eine bis in das 19. Jahrhundert verbreitete Gründungssage im Ort bezieht sich auf eine Wüstung namens Harlierode: So sollen angeblich die Bewohner dieser Ortschaft auf halber Strecke zu Wöltingerode ihre alte Heimat aufgegeben haben und weiter südlich ihre neue Siedlung gegründet haben. Da es sich bei Harlingerode seit 1053 um ein Vorwerk des Goslarer Domstifts handelte und die Endung -ingerode auf eine höchstens 150 Jahre frühere Gründung schließen lässt, müsste es sich hier um eine sehr alte Wüstung handeln, die zudem denselben Bestimmungsnamen wie das heutige Harlingerode trüge. Der Lokalhistoriker Hilmar von Strombeck ging im Jahre 1873 sogar noch weiter und deutete, falls diese Theorie wahr ist, dass „Neu-Harlingerode“ auch die Einwohnerschaft des vorher ebenfalls untergegangenen Jettgerode/Göttingerode umfasst:
Problematisch ist hier aber, dass Göttingerode erst nach Harlingerode erwähnt wurde und zudem Belege für eine Existenz der alten Siedlung bis ins 15. Jahrhundert vorliegen.Hilmar von Strombeck: Zur Geschichte einiger Wüstungen in der nächsten Umgegend von Harzburg. In: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde. Band 6. 1873. S. 155 f. Ein noch gewagterer Ansatz aus dem Ende des 19. Jahrhunderts ging gar von einem Bezug zum ostgermanischen Stamm der Heruler aus, wogegen die enorme zeitliche und räumliche Distanz spricht.
Ortsgeschichte Frühgeschichte Harlingerode wurde im 10. Jahrhundert von dem sächsischen Adelsgeschlecht der Billunger angelegt. Diese verfügten bis 1053 über diese Ortschaft, als der Graf Tiemo (Thietmar von Sachsen) infolge eines Konflikts mit Heinrich III. in die Verbannung geschickt und sämtliche seiner Güter beschlagnahmt wurden. Heinrich III. stellte am 3. Juni 1053 eine Schenkungsurkunde an das Goslarer Domstift aus, womit der Ort erstmals geschichtliche Überlieferung findet. Papst Viktor II. bestätigte dem Domstift den Besitz 1057 und bezeichnete das Landgut als Herlingerode.
In den folgenden 150 Jahren baute das Goslarer Domstift die Ortschaft zu einem seiner 11 Haupthöfe aus. Der Haupthof befand sich in dem heutigen Straßenring Brunnenstraße – Viehweide – Meinigstraße auf dem Kirchbrink westlich der heutigen St.-Marien-Kirche und ist die Keimzelle der frühen Ortsentwicklung. Für das Jahr 1181 werden neben dem Haupthof 10 weitere Höfe für Harlingerode genannt. Nachdem das Domstift das System der Haupthöfe um 1200 aufgab, spalteten sich die Höfe in Harlingerode in drei Großhöfe auf, diese Entwicklung hielt bis in das 16. Jahrhundert an. 1346 wurde der erste Pfarrer urkundlich genannt, folglich muss es zu diesem Zeitpunkt auch eine Kirche, vermutlich nur eine Kapelle, gegeben haben.
Das Spätmittelalter war im Harlingeröder Umland durch eine starke Wüstungsperiode geprägt, die allesamt Rodungsorte betraf. Der Einfluss auf die Harlingeröder Feldmark blieb jedoch marginal. Die einzige sicher bezeugte Wüstung auf historischem Harlingeröder Gebiet ist Göttingerode.
Neuzeit bis Zweiter Weltkrieg Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges wurde Harlingerode Ende 1625 zusammen mit Schlewecke niedergebrannt. Auch die erst kurz zuvor errichtete St. Marien-Kirche fiel den Flammen zum Opfer. Die Kirche in ihrer heutigen Form wurde im Oktober 1750 eingeweiht und erhielt 1794/95 einen Kirchturm. Das Domstift, das noch in der Mitte des 18. Jahrhunderts als Gutsherr über die meisten Höfe im Ort und das Feuchtgebiet „Harlingeröder Bruch“ östlich der Siedlung verfügte, wurde Anfang des 19. Jahrhunderts aufgelöst. Der Harlingeröder Friedhof am Rupenklint wurde am 18. November 1854 eingeweiht.Harald Meier, Kurt Neumann: Bad Harzburg. Chronik einer Stadt. S. 465.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb Harlingerode ein von Landwirtschaft und Handwerk geprägtes Dorf. Ein erster Schritt zur Industrialisierung wurde durch Wilhelm Castendyck eingeleitet, der 1857 am Langenberg rentable Erzvorkommen ausfindig machte und dadurch 1861 die Grube Hansa am Langenberg gegründet wurde. Sie förderte bis zu ihrer Stilllegung 1960 mit Unterbrechung ca. drei Millionen Tonnen Erz. Im Jahr 1880 wurde in Harlingerode eine Post-Agentur eingerichtet.
Durch einen Staatsvertrag zwischen dem Herzogtum Braunschweig und Preußen erhielt Harlingerode 1905 aus der Gemarkung Vienenburg rund 4,5 km² Gebiet nördlich der Halberstädter Altstraße. 1910 wurde die örtliche Feuerwehr gegründet. Am 1. Mai 1912 wurden die Bahnstrecke Bad Harzburg–Oker und der am heutigen Fleischerweg errichtete Bahnhof Harlingerode eröffnet.
Als stabile politische Kraft hielt sich die SPD sowohl in der Zeit der Weimarer Republik als auch in der Frühzeit des Dritten Reichs: Sie errang bei der letzten planmäßigen Gemeinderatswahl 1931 einen Stimmenanteil von beinahe 50 %, und auch bei der Reichstagswahl März 1933 siegte die Partei mit rund 47 % gegenüber der NSDAP mit 38 %.
Nach der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten begannen umfangreiche wirtschaftliche Investitionen im Ortsgebiet. 1935 wurden südlich des Langenbergs die nationalsozialistische Mustersiedlung Göttingerode und westlich an der Gemarkung Kaltes Feld die Zinkhütte Harlingerode gegründet, die bis in die 1970er-Jahre die modernste Anlage ihrer Art in Deutschland darstellte. Bedingt durch das Rammelsbergprojekt in den Jahren 1936/37 waren in ihr 618 Menschen angestellt, rund 200 von ihnen lebten als Zwangsarbeiter in einem Barackenlager südlich der heutigen Landstraße Richtung Oker.
Die Bundesstraße 6 führte in den 1930er-Jahren kurzzeitig über die Landstraße durch Harlingerode, bevor 1939 die Neubaustrecke über Göttingerode freigegeben wurde.
Am Abend des 10. April 1945 trafen Einheiten des 329. Regiments der 9. US-Armee aus Oker in Harlingerode ein, nachdem sie bereits zuvor Goslar einnahmen; sie zogen im Anschluss weiter ostwärts nach Bad Harzburg.
Nachkriegszeit Die amerikanischen Besatzer ernannten Friedrich Bäsecke, der bereits im Jahre 1933 die Position innehatte, zum kommissarischen Bürgermeister. Die erste Sitzung des Gemeinderates nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 2. Dezember 1945 abgehalten, nachdem die Mitglieder durch die Militärregierung ernannt wurden. Innerhalb des SPD-Ortsvereins bestand ein Streit, der zu einer instabilen Situation der Bürgermeisterschaft in den ersten Jahren führte; bis zur Wahl Wilhelm Baumgartens regierten binnen sieben Jahre vier Bürgermeister.