mini|Hamam der Roxelane in Istanbul

Ein Hamam (Plural im Deutschen: HamamsDuden: Hamam.) oder Hammam (,Hans Wehr: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. 5. Auflage. Harrassowitz, Wiesbaden 1985, S. 292; . Plural hammāmāt, von arabisch hamma ‚erhitzen‘; , J. W. Redhouse: An English and Turkish Dictionary. Bernard Quaritch, London 1856, S. 30.) ist eine öffentliche Badeanstalt (Badehaus bzw. Dampfbad), die man vor allem in der arabischen Welt, im iranischen Kulturraum, in der Türkei und in den ehemaligen Gebieten des Osmanischen Reichs findet und die ein wichtiger Bestandteil der orientalischen Bade- und Körperkultur ist. Der Hamam ist auch unter den Namen Türkisches Bad oder Orientalisches Bad bekannt. Archäologische Funde weisen auf die Existenz solcher Bäder in der umayyadischen Periode (7./8. Jahrhundert) hin, ebenso wie Erwähnungen in historischen Texten, wo von der Errichtung solcher Gebäude in mehreren eroberten Städten geschrieben wurde, unter anderem auch in Basra. Hauptzweck des Hamams ist die Verrichtung der Gesamtwaschung Ghusl.

Aufbau mini|Marmorbecken mit vergoldeten Armaturen im Hamam des Sultans, Topkapı-Palast Zeichnungen und Darstellungen von Hamams finden sich nicht nur in den Aufzeichnungen westlicher Reisender wie Jean Chardin und anderer, sondern auch in persischen und osmanischen Miniaturen. Zumeist wurden keine Fenster oder Lüftungsöffnungen angebracht, wenn doch, waren diese oft mit einstellbaren Lüftungsklappen versehen. Um den Erhalt der Hitze im Inneren des Gebäudes zu gewährleisten, werden diese (bzw. die beheizten Zentralbereiche) zumeist mit dicken Wänden errichtet. Licht dringt nur durch dicke Fenstergläser ins Innere, oftmals sind diese kunstvoll verziert. In den Hamams sind nur die Umkleideräume möbliert, meistens mit Bänken aus Holz, auf denen Kissen verteilt und die meistens um einen Springbrunnen herum angeordnet sind. Dieser Bereich wurde im Osmanischen Reich auch als cemekân (auch câmekân) bezeichnet, der Bereich mit mittlerer Hitze als soğukluk und der Bereich mit der größten Hitze als sicaklik.Roberto Benedetto Castiglia, Marco Giorgio Bevilacqua: The Turkish Baths in Elbasan: Architecture, Geometry and Wellbeing, January 2008: Nexus Network Journal. S. 308–311.

Die Räumlichkeiten, die den Ofen zur Erhitzung des Hamams beherbergen (chizāna), haben keine direkte Verbindung in den Hauptbereich, wo sich die Gäste aufhalten, sondern sind mit einer Tür zur Straßenseite angelegt, um Lieferungen von Brennstoff anzunehmen; lediglich Öffnungen für die Rohrleitungen sind angelegt. Geheizt wird durch die Zirkulation von im Kessel erzeugtem Heißwasser, Zu- und Ablaufrohre sind in den Wänden und im Fußboden verlegt. Die Frischwasserzufuhr erfolgt entweder durch das städtische Wasserversorgungssystem oder es wurde (früher mit Hilfe von Tieren) nach oben gepumpt. Bis heute existieren kaum befriedigende Studien darüber, wie sich die Architektur der Hamams von ihren Anfängen fortentwickelt hat, gleichwohl die heute noch existierenden Gebäude hierfür ausreichend Ansatzpunkte liefern. Gerade die Standortwahl scheint bei der Erbauung islamischer Bäder von besonderer Bedeutung gewesen zu sein (vor allem das Vorhandensein von Wasser im Überfluss), aber auch die Lösung praktischer Probleme bei der Konstruktion.Janine Sourdel-Thomine: Ḥammām. In: The Encyclopaedia of Islam. 2. Auflage. Band 3. Brill, Leiden 1986, S. 139–144.

Badebetrieb mini|Ein Tellak mit Stelzensandalen zum Schutz vor der Fußbodenhitze im Hamam (Werk des Enderûnlu Fâzıl, 18. Jh.) Im Hamam waren vor allem zwei Funktionsträger wichtig: einerseits der Wakkad, der Heizer, andererseits der zabbāl,Encyclopaedia of Islam 2 der für den Nachschub an Brennstoff aus Dung zuständig war. Diese Begriffe sind immer noch in Syrien gebräuchlich, während in Nordafrika andere Bezeichnungen verwendet werden. Eine Bezeichnung, die heute nicht mehr üblich ist, war sahib al-sunduq für den Aufseher, der in den Umkleideräumen für Ordnung sorgte. Ferner gab es den mukayyis oder kayyas, welcher sich in den Baderäumen als Masseur betätigte.

Die Prozeduren bei Besuchen des Hamams haben sich seit den Anfängen kaum geändert. Zunächst legt der Besucher seine Bekleidung ab und schlägt ein Handtuch um seinen Körper oder zieht leichte Badebekleidung an. Von dort begibt er sich in den am wenigsten beheizten Bereich des Hamam, um sich nach und nach an die Hitze zu gewöhnen, die ebenso wie die Luftfeuchtigkeit weiter zunimmt, je weiter man sich in die Mitte des Gebäudes begibt – um dann vom Personal (Frauen von weiblichem, Männer von männlichem Personal) eingeseift, abgerieben, massiert und enthaart zu werden. Danach wird mit heißem Wasser abgewaschen, es folgt dann eine angemessene Ruhepause, um sich zu erholen.

Männer konnten sich im Hamam rasieren und die Haare schneiden lassen. In manchen Badehäusern, insbesondere in den größeren Bädern, war ein muzayyin () beschäftigt. Ansonsten übernahmen Badeknechte oder andere Mitarbeiter die Aufgaben eines Barbiers.Heinz Grotzfeld: Das Bad im arabisch-islamischen Mittelalter. Eine kulturgeschichtliche Studie. Harrassowitz, Wiesbaden 1970, S. 73 f. (). Laut der Encyclopædia Iranica wurde in Persien den Männern nicht nur der Bart, sondern in der Regel auch das gesamte Kopfhaar abrasiert; den Frauen wurden im Badehaus nicht die Haare geschnitten.Bathhouses. In: Encyclopædia Iranica.

Bedeutung mini|Ein volkstümliches Hamam im zentralanatolischen Ürgüp Aufgrund der Wichtigkeit der Gesamtwaschung im Islam wurden Hamams zumeist als Nebengebäude an Moscheen angebaut, ganze Stadtquartiere bildeten sich um sie herum. Die Anzahl der Hamams größerer muslimischer Städte im Mittelalter ist in älteren Quellen gut dokumentiert und bildete gelegentlich die Grundlage für moderne Schätzungen der Einwohnerzahl dieser Städte in dieser Zeit. Detaillierte Studien darüber, wie viele dieser Bäder heute noch in den verschiedenen Städten in Betrieb sind, stehen noch aus. Aufgrund der Beliebtheit der Hamams wurden später auch private Bäder in Palästen oder großen Privathäusern errichtet.

Um Hamams drehen sich noch heute Mythen, Legenden und Märchen, die von einer Heimsuchung dieser Orte durch Dschinn erzählen; sie fanden auch in der reichhaltigen Literatur zu diesem Thema Niederschlag und zeigen die regionale Begriffsvielfalt der Nomenklatur in Zusammenhang mit den Hamams.

Hamams im arabischen Raum

Marokko Nach Angaben der Moroccan National Federation of the Associations of Owners and Operators of Traditional Hammāms werden im ganzen Land 5000 Hamams betrieben, die Stadt Fēz hat 120 Einrichtungen dieser Art, wobei dreißig davon – gelegen in der Medina – als historisch gelten. Die Anzahl der Hamams in der Stadt während der Dynastie der Almohaden wird im Werk Rawd al-Qirtas (14. Jahrhundert) mit 93 angegeben.Sandrine Simon: Reviving Indigenous Water Management Practices in Morocco: Alternative Pathways to Sustainable Development. Routledge, 2021; Google BooksʿAlī b. Abī Zarʿ al-Fāsī (zugeschrieben): Kitāb al-anīs al-muṭrib bi-rauḍ al-qirṭās fī akhbār mulūk al-maghrib wa-tārīkh madīnat Fās. Maṭbaʿat al-Manṣūr, Rabat 1972. Zitiert nach: Kamal Raftani, Hassan Radoine: The Architecture of the Hammams of Fez, Morocco. In: International Journal of Architectural Research, Band 2, 2008, S. 57; academia.edu

Die Anzahl der in Betrieb befindlichen Hamams macht Marokko zu einem der Länder mit der größten Anzahl solcher Bäder weltweit; sie stellen dort eine wichtige gesellschaftliche Institution dar.

Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo Hamams eher freistehend gebaut werden, fügen diese sich in Marokko eher in die Fassaden benachbarter Ladengeschäfte ein; es handelt sich also nicht um monumentale Bauten, eher sind sie von außen schwer als Hamams zu identifizieren, zu erkennen ist jedoch oft der markante Kamin. Ein weiterer Unterschied ist die L-förmige Gestaltung des Eingangsbereichs, der eine direkte Einsicht in den Umkleidebereich verhindert.Kamal Raftani, Hassan Radoine: The Architecture of the Hammams of Fez, Morocco. In: International Journal of Architectural Research. Band 2, 2008, S. 56–68 (online).

Hamams im Osmanischen Reich

Hamams in Albanien In Albanien existieren noch zwei Hamams in Elbasan, die (bzw. deren funktionellen Einrichtungen) auf die Mitte des 16. Jahrhunderts datiert werden können. Die osmanischen Ursprünge offenbaren sich in der Kuppelstruktur. Verschiedenartige Kuppeln wurden hierbei nebeneinander platziert, um eine größere Komplexität zu erreichen. Die Innenseiten sind verziert mit Muqarnas, die Räumlichkeiten sind rigoros geometrisch angeordnet. Die beiden Hamams sind die beiden letzten ihrer Art in Albanien.

Hamams in Griechenland In der nordgriechischen Stadt Thessaloniki sind aus der osmanischen Zeit noch die vier Hamams Yeni-Hamam (oder Aigli), Bey Hamam, Pascha Hamam (Phönix Hamam) und Yahudi Hamam erhalten und stehen unter Denkmalschutz.

Hamams in Nordmazedonien

Hamams in Westeuropa Inzwischen haben sich Hamams auch in Westeuropa etabliert, die den orientalischen Vorbildern nachempfunden sind; sie sind in einigen größeren Städten vorzufinden.

Europäer im Hamam Der schwäbische Prediger Salomon Schweigger (1551–1622) beschreibt in seinem Reisetagebuch aus dem Jahre 1608 pointiert seine Erlebnisse in einem Istanbuler Hamam:

Sehr anschaulich beschreibt Helmuth von Moltke in Unter dem Halbmond seinen ersten Besuch in einem Hamam:

Rezeption im Film Hamam – Das türkische Bad, italienisch-türkisch-spanischer Spielfilm von Ferzan Özpetek (1997) Halfaouine – Das Kind der Dächer, französisch-tunesischer Spielfilm von Férid Boughedir (1990)

Literatur Heinz Grotzfeld: Das Bad im arabisch-islamischen Mittelalter. Eine kulturgeschichtliche Studie. Harrassowitz, Wiesbaden 1970, ISBN 978-3-447-00349-0.

Weblinks

Bathhouses. In: Encyclopædia Iranica (englisch); über iranische Badehäuser. Eleni Kanetaki: The Still Existing Ottoman Hamams in the Greek Territory. (PDF; 1,3 MB) 2004.

Einzelnachweise

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