mini|Heckansicht Der Toyota TS030 Hybrid ist ein Sportwagen-Prototyp, der von Toyota nach LMP1-Reglement entwickelt und gebaut wurde. Der namensgebende Hybridantrieb besteht aus einem V8-Ottomotor sowie einem Elektromotor.

Mit dem TS030 Hybrid nahm Toyota am 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2012 teil. Es war der erste Auftritt des Herstellers an der Sarthe seit dem letzten Einsatz des GT-One im Jahr 1999 und der nachfolgenden Ausrichtung des Motorsportprogramms auf die Formel 1, in der Toyota Racing von 2002 bis 2009 antrat.

Entwicklung Ende 2011 gab Toyota bekannt, wieder im Langstreckenmotorsport antreten zu wollen und dafür einen Prototyp nach LMP1-Reglement aufzubauen. Während das Chassis des TS030 Hybrid bei der in Köln ansässigen Toyota Motorsport GmbH konstruiert und gefertigt wurde, die schon für die Formel-1-Rennboliden von Toyota zuständig war, entstand der komplette Antriebsstrang im japanischen Toyota-Entwicklungszentrum Higashi-Fuji.Rubel auf Rädern: Das Business WEC, motorsport-total.com vom 10. Oktober 2012, abgerufen am 29. Oktober 2012.

Karosserie und Fahrwerk Als Chassis für den TS030 Hybrid entstand ein Monocoque aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, das mit einem aerodynamisch effizienten geschlossenen Coupé-Aufbau versehen wurde. Die Vorder- und Hinterräder sind einzeln an doppelten Querlenkern aufgehängt. Die Federung ist mit Drehstabfedern realisiert und wird wie die Stoßdämpfer über Schubstangen betätigt. Um eine gute Verzögerung zu gewährleisten, sind rundum innenbelüftete Carbon-Keramik-Scheibenbremsen montiert.

Antrieb mini|Der THS-R-Motor, der im TS030 Hybrid Verwendung findet Bei der Wahl des Verbrennungsmotorkonzepts entschied man sich für einen nicht aufgeladenen Ottomotor. Obwohl ein Motor vorhanden war, der schon vom Privatteam Rebellion Racing in Le Mans eingesetzt wurde, beschloss man bei Toyota eine komplett neue Entwicklung. Zwar hat der für den TS030 Hybrid konstruierte 3,4-Liter-V8-Motor den gleichen Hubraum wie der ebenfalls als V8 gebaute Kundenmotor, hat allerdings keine weitere Verwandtschaft zu diesem und ist um 20 kg leichter.

Der Antrieb im TS030 Hybrid wurde auf den Namen TOYOTA HYBRID System – Racing (THS-R) getauft. Im Gegensatz zu herkömmlichen Hybridsystemen wird die beim Bremsen zurückgewonnene elektrische Energie beim THS-R nicht in Akkumulatoren gespeichert, sondern in Hochleistungskondensatoren.http://www.electric-vehiclenews.com/2013/06/toyota-hybrid-racing-supercapacitor.html. Der Vorteil liegt in der höheren Leistungsdichte der Kondensatoren, das heißt, sie vertragen bei gegebener Kapazität höhere Stromstärken als Akkumulatoren und dazu können sie zahlreiche Ladezyklen ohne merklichen Kapazitätsverlust überstehen. Aus Gründen der Gewichtsverteilung sind die Kondensatoren nahe dem Fahrzeugschwerpunkt im Innenraum auf der rechten Seite neben dem Fahrerplatz montiert.

Die Motoren sind vor der Hinterachse eingebaut und mit einem quer eingebauten, sequentiellen Sechsganggetriebe kombiniert. Während der Entwicklungsphase zogen die Ingenieure zwei verschiedene Versionen des Hybridsystems in Betracht. Eine Variante mit einem in der Front montierten Elektromotor, der die Vorderräder antreibt, während der Verbrennungsmotor auf die Hinterachse wirkt, und ein Konzept, bei dem beide Motoren in einer Baueinheit installiert sind und nur die Hinterräder angetrieben werden. Eine späte Anpassung des Reglements limitierte die Nutzung des zusätzlichen Vorderradantriebs auf Geschwindigkeiten höher als 120 km/h, wohingegen die Zusatzleistung des Elektromotors beim reinen Hinterradantrieb weiterhin uneingeschränkt genutzt werden durfte. Aus der Sicht von Toyota entfielen damit die Vorteile eines Allradantriebs und so wurde schließlich die Variante mit Hinterradantrieb für den TS030 Hybrid umgesetzt.

Im Februar 2013 veröffentlichte Toyota Leistungsdaten für den TS030 Hybrid. Demnach leistet der Ottomotor 395 kW (537 PS), während das automatisch geregelte Hybridsystem zusätzlich 224 kW (305 PS) liefern kann.

Renneinsätze – Werk 2012 Nachdem Toyota ursprünglich nur an einigen ausgewählten Rennen 2012 teilnehmen wollte, meldete das Unternehmen eine Teilnahme an der Saison 2012 der World Endurance Championship (WEC) ab dem zweiten Lauf, dem 6-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps im Mai.Toyota bestätigt Teilnahme an der Langstrecken-WM, motorsport-total.com vom 2. Februar 2012, abgerufen am 1. August 2012. Ein Unfall bei Testfahrten Anfang April auf dem Circuit Paul Ricard vereitelte diesen Plan jedoch. Das Monocoque-Chassis des Rennwagens wurde irreparabel beschädigt, sodass ein neues gefertigt werden musste, was in der kurzen Zeit allerdings nicht zu bewerkstelligen war.Nach Testunfall: Toyota verschiebt WM-Einstieg, motorsport-total.com vom 11. April 2012, abgerufen am 1. August 2012.

Für das verspätete Renndebüt in Le Mans standen schließlich zwei TS030 Hybrid bereit, deren ursprünglich in klassischen Toyota-Farben gehaltene, rot-weiße Farbgebung in blau-weiß abgeändert wurde. Der Toyota mit der Startnummer 7 wurde von den Fahrern Nicolas Lapierre, Kazuki Nakajima und Alexander Wurz pilotiert, während das Schwesterfahrzeug mit der Nummer 8 und den Piloten Sébastien Buemi, Anthony Davidson und Stéphane Sarrazin an den Start ging. Die restliche WEC-Saison 2012 bestritt allerdings nur der TS030 Hybrid mit der Startnummer 7.

Le Mans mini|TS030 Hybrid beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2012 Nach einem überzeugenden Qualifying konnten sich die zwei Toyotas die Plätze 3 und 5 in der Startaufstellung sichern, wohingegen der größte Konkurrent Audi von den Plätzen 1, 2, 4 und 6 aus antrat., lemans.org, abgerufen am 1. August 2012. Das Rennen lief gut für Toyota, bis sich rund fünf Stunden nach Rennstart die Ereignisse überschlugen. Während sich Lapierre nach einer Aufholjagd mit seinem TS030 Hybrid an der Spitze ein Duell um die Führung mit dem Audi R18 e-tron quattro #1 von Benoît Tréluyer lieferte und nach mehreren Führungswechseln kurz nacheinander schließlich den ersten Platz erringen konnte, verunfallte das Schwesterfahrzeug schwer. Beim Einfahren in die Mulsanne-Kurve am Ende der Hunaudières-Geraden verschuldete der Ferrari-Pilot Piergiuseppe Perazzini des Rennstalls AF Corse eine Kollision mit dem TS030 Hybrid von Davidson, als dieser den langsameren Ferrari gerade überrunden wollte. Daraufhin hob der Toyota ab, überschlug sich und schlug mit hoher Geschwindigkeit in die Streckenbegrenzung ein. Direkt daneben krachte auch der Ferrari in die Leitplanken. Während Perazzini unverletzt blieb, klagte Davidson nach dem Unfall über Rückenschmerzen, was sich später als Bruch von zwei Wirbeln herausstellte.Nach Davidson-Crash: Perazzini wähnt sich unschuldig, motorsport-total.com vom 20. Juni 2012, abgerufen am 1. August 2012. Wegen der nötigen Reparatur- und Bergungsarbeiten folgte eine lange Safetycarphase, in deren Verlauf der verbliebene Toyota und der Audi R18 #1 gleichzeitig einen Boxenstopp mit Fahrerwechsel absolvierten, was einen erneuten Führungswechsel aufgrund des schnelleren Stops der Audi-Mannschaft nach sich zog. Rund eine Stunde und 15 Minuten nach dem Zwischenfall wurde die Strecke wieder für das Rennen freigegeben. Nach der Safetycarphase staute sich der Verkehr auf und beim Versuch, dem direkt vor ihm fahrenden Marcel Fässler im Audi #1 zu folgen, übersah der TS030-Pilot Nakajima den Nissan DeltaWing in den Porsche-Kurven. Beide Fahrzeuge kollidierten, woraufhin der DeltaWing hart in die Streckenbegrenzung einschlug und der Toyota mit einem Reifenschaden und zerstörtem Heck die Box aufsuchen musste. Dieser Unfall zog eine Reihe von Problemen und lange Reparaturen in der Box nach sich, wodurch massiv Zeit verloren wurde. Schließlich beendete ein Motorschaden nach rund zehneinhalb Stunden die Anstrengungen des Toyota-Teams in Le Mans.

Silverstone mini|Das modifizierte Aerodynamikpaket mit verbreitertem Heckflügel Wie geplant trat Toyota Racing mit nur einem Fahrzeug in Silverstone an. Der TS030 Hybrid wurde für dieses Rennen mit einem angepassten Aerodynamikpaket für zusätzlichen Anpressdruck ausgestattet, bei dem der Heckflügel durch Endplatten um 20 cm verbreitert wurde. Somit misst das Heck nun 200 cm statt der im Reglement maximal erlaubten Flügelbreite von 180 cm, allerdings zählen die zusätzlichen Aerodynamikelemente zwischen Flügel und Endplatte durch deren Befestigung an den Seitenkästen zur Karosserie und sind somit regelkonform.Der Kniff am Heck: Diskussionen um Toyota-Heckflügel, motorsport-total.com vom 24. August 2012, abgerufen am 2. September 2012.

Im Qualifying wurde der dritte Startplatz hinter zwei Audi R18 erzielt. Im Rennen konnte Toyota direkt nach dem Start einen Platz gutmachen und in der elften Runde schließlich die Führung übernehmen. Durch den höheren Verbrauch des TS030 Hybrid musste dieser früher als die beiden R18 an die Box, wodurch die Führung im Rennverlauf – bedingt durch die zeitlich versetzten Boxenstopps – ständig zwischen Audi und Toyota wechselte. Außerdem war für den Toyota ein Tankstopp mehr nötig als für die zwei Audi. Nach einem Rennen ohne Zwischenfälle fuhr der TS030 Hybrid auf dem zweiten Platz ins Ziel.

São Paulo Nachdem im Training bereits gute Zeiten seitens der Toyota-Mannschaft erreicht wurden, setzte sich dieser Trend in der Qualifikation fort. Mit der schnellsten gefahrenen Runde sicherte sich Wurz erstmals die Pole-Position für den TS030. Während des Rennens behauptete Toyota Racing die Führung und gab das Tempo vor. Durch eine verbesserte Treibstoffeffizienz des TS030 Hybrid war der Reichweitenunterschied zu Audi zwischen den Tankstopps nicht mehr so eklatant wie noch in Silverstone. Schließlich konnten die Toyota-Piloten einen Sieg mit über einer Minute Vorsprung auf den Zweitplatzierten einfahren, der gleichzeitig den ersten Sieg überhaupt für Toyota in der WEC darstellt.

Bahrain Bereits im Training waren die beiden Audi R18 e-tron quattro schneller als der TS030, was sich im Qualifying nicht veränderte und der Toyota daher von Startplatz drei aus ins Rennen ging. Im Rennen verbesserte sich die Leistung des Toyota aber deutlich. Direkt nach dem Start sicherte sich Wurz den zweiten Platz, nach sieben Runden errang er die Führung und konnte den Vorsprung kontinuierlich ausbauen.Bahrain-Startphase: Wurz sprintet an die Spitze, motorsport-total.com vom 29. September 2012, abgerufen am 3. Oktober 2012. Nach rund zwei Stunden Renndauer lag der TS030 souverän auf Platz eins, ein Defekt an der Startnummernbeleuchtung führte aber dazu, dass die Rennleitung eine Reparatur anordnete. Diese dauerte sieben Minuten, warf den Toyota auf Platz sechs zurück und vernichtete alle Siegchancen. Lapierre konnte sich im weiteren Rennverlauf wieder auf den dritten Platz zurückkämpfen, fiel jedoch rund eine Stunde vor Rennschluss mit gebrochener Radaufhängung nach einer Kollision mit einem zu überrundenden Fahrzeug aus.

Fuji mini|Das Fahrertrio Lapierre, Nakajima und Wurz feiert den zweiten Saisonsieg in Fuji Im Qualifying konnte sich Nakajima gegen die konkurrierenden Audi durchsetzen und so die zweite Pole-Position für Toyota in der WEC einfahren.Fuji: Nakajima holt die Pole für Toyota, motorsport-total.com vom 13. Oktober 2012, abgerufen am 14. Oktober 2012. Im Rennen verteidigte die Toyota-Mannschaft vorerst die Führung und verlor diese nur zwischenzeitlich an Audi. Rund 20 Minuten vor Rennschluss war ein zusätzlicher Tankstopp für den TS030 fällig, wodurch der Abstand auf die Verfolger noch einmal stark schrumpfte. Schließlich sicherte sich Toyota Racing den Sieg in Fuji mit rund elf Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten.

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