Breidenbach (mundartlich Bräreboch) ist ein Großdorf im Hessischen Hinterland und als solches ein Ortsteil der gleichnamigen Gemeinde im Westen des mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf. Er ist mit knapp 3000 Einwohnern der größte der Gemeinde, deren Zentrum und Sitz der der Gemeindeverwaltung. Breidenbach kann mithin als Hauptdorf des nach ihm benannten Breidenbacher Grundes angesehen werden, dessen größter und, zusammen mit dem Nachbarort Kleingladenbach, auch ältester Ort es ist.
Geographie Geographische Lage Breidenbach liegt in einer Tallandschaft am Zusammenfluss von Diete und Perf 320 Meter über dem Meeresspiegel; im Westen des Hessischen Hinterlandes. Der Ort erstreckt sich entlang der ehemaligen Scheldetalbahn Wallau–Dillenburg und der Bundesstraße 253, die über den Autobahnzubringer Dillenburg an der Sauerlandlinie den Breidenbacher Grund an das überregionale Verkehrsnetz anbindet.
Das Dorf liegt am Rande des Gladenbacher Berglands, zu dem auch das große unbewohnte Schwarzenberg-Massiv gehört, das zwischen Breidenbach und Biedenkopf liegt.
Klima Klimatisch liegt Breidenbach wie der gesamte Breidenbacher Grund im Grenzbereich der beiden Klimaräume Nordwest- und Südwestdeutschland, die sich im Bereich Mittelhessen trennen. Es gibt somit sowohl maritime als auch festländische Einflüsse. Das Klima wird daher durch verhältnismäßig kühlere Sommer, aber auch durch nicht-alpine Wintertemperaturen gekennzeichnet, wobei Niederschläge von durchschnittlich ca. 900 mm ganzjährig fallen.
Geschichte Ortsgeschichte Breidenbach wurde im Jahr 913, als Bredebach, erstmals urkundlich erwähnt und gehört damit zu den ältesten Orten der Region. Die am 16. Juni 913 in Trebur ausgestellte Urkunde hat folgenden Wortlaut:
Breidenbach war Hauptort des Perf-Klein-Gaues (um 800 pagus Bernaffa) und namensgebend für den Breidenbacher Grund. Spätere historisch dokumentierte Erwähnungen des Ortes sind: Bredenbach und Breidenbach (913), Breidenbac (1103), Breitenbach (1232), Breydinbach (1358), Bredenbach (1404) und Breydenbach (1433). Vermutlich wegen des ehemaligen Erzreichtums besaß Breidenbach zwei vorgeschichtliche Ringwälle.
Seit 1146 ist der Ort nachgewiesen als Sitz der Herren von Breidenbach zu Breidenstein, die hier im späten 13. Jahrhundert die heute abgegangene Burg Breidenbach errichteten und zwischen den größeren Territorialherren aus vielerlei Rechten eine stark gegliederte spätmittelalterliche Adelsherrschaft bilden konnten. Sie waren schon vor 1304 Burgmannen, später bis 1438 Amtleute in der landgräflichen Grenzfeste Biedenkopf und mussten 1496 die hessische Lehnshoheit anerkennen. Ab da gehörte Breidenbach zur Landgrafschaft Hessen, ab 1567 zu Hessen-Marburg, ab 1648 zu Hessen-Darmstadt und ab 1866, durch den verlorenen Deutschen Krieg, zur preußischen Provinz Hessen-Nassau.Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Hessen, 3. überarbeitete Aufl., S. 61 Nach der Annexion durch Preußen wurde der Landkreis preußisch und die Breidenbacher Ämter wurden nach Biedenkopf verlegt. Breidenbach verlor dadurch immer mehr an Bedeutung.
Im Jahr 1731 gab sich der damalige Landgraf Ernst Ludwig aus Darmstadt die Ehre, das damals neue Bergamt persönlich einzuweihen. Zur Aufwertung Breidenbachs gewährte er die Erlaubnis, drei Kram- und Viehmärkte im Jahr abhalten zu dürfen. Davon zeugt noch die Bezeichnung „Mädplatz“ für den Bereich des früheren Ortsmittelpunktes unterhalb der Kirche, heute in etwa der alte Marktplatz. Das Marktrecht wurde im Februar 1781 noch einmal erneuert.
Dies war auch die Zeit, in der der Zuzug jüdischer Familien anstieg. Als einziger Ort im Grund ist hier die Ansiedelung jüdischer Familien und Händler bekannt. Der Handel wurde noch durch die relative Grenznähe zu Nassau, Wittgenstein und Hessen-Kassel begünstigt, denn nur die jüdischen Händler besaßen alle Währungen, um grenzüberschreitenden Handel zu treiben. Ein hoher Anteil von jüdischen Bürgern lässt vermuten, dass Breidenbach zu dieser Zeit ein wichtiger Finanzplatz war. Dies änderte sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts wieder, da die jüdischen Familien allmählich in größere Städte und nach Amerika abwanderten.
Breidenbach ist dank der Herren von Breidenbach, die 1699 in den Reichsfreiherrenstand erhoben wurden, zu einem politisch und wirtschaftlich aufsteigenden Ort herangewachsen. Die Blütezeit des Ortes ist die Zeit zwischen 1730 und 1850. Nach 1850 nahm die Stellung als Hauptort im Breidenbacher Grund stetig ab. Mit der Einstellung des Hüttenbetriebes in 1842 und der Aufgabe des Bergamtes waren die Weichen gestellt. Zwischen den größeren Nachbarorten Laasphe, Wallau und Biedenkopf konnte sich Breidenbach nie städtisch entwickeln, trotz seiner wirtschaftlichen und politischen Bedeutung als Mittelpunkt einer Kleinlandschaft.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Breidenbach:
und zum „Grund Breidenbach“:
Seit Jahrhunderten hebt sich Breidenbach aus einer Vielzahl von Dörfern im Grund Breidenbach als „Hauptdorf“ heraus. Es gehört zu den Orten mit überwiegend geschlossener Siedlungsform, die allmählich zu einer stadtähnlichen Dorfanlage ausgebaut wurden. Noch im 19. Jahrhundert reihten sich die Gassen mit ihren Wohnhäusern und Werkstätten um die zentral gelegene evangelische Kirche mit dem früheren Gerichtsplatz, dem Kirchhof, dem Amtshaus, der Schule und dem Brunnen am alten Marktplatz. Nach 1880 erweiterte sich der Ortsring. Neubauten entstanden an der „unteren Bach“, die nur einstöckig gebaut wurden, und seit 1920 an den Straßen nach Niederdieten und Wolzhausen.
Ende Oktober 2011 wurde am nördlichen Ortsausgang das neue Nahversorgungszentrum Breidenbach eröffnet (siehe Abschnitt „Einkaufen“).
Seit Sommer 2019 besteht an der Ecke Hauptstraße/Bachstraße die „Neue Mitte“ (siehe Abschnitt „Neue Mitte“).
1100-Jahr-Feier Vom 9. bis 16. Juni 2013 feierte Breidenbach zusammen mit dem Nachbarort Kleingladenbach deren 1100-jähriges Bestehen auf dem Festgelände im Gewerbegebiet „auf dem Geweidigen“ zwischen den beiden Orten und mit Feierlichkeiten in beiden Ortschaften. Das Jubiläum wurde begangen mit einer Grenzwanderung, einer Geburtstagsfeier in einem Festzelt auf dem Festgelände mit einem von Breidenbacher und Kleingladenbacher „Hobbykünstlern“ gestalteten Unterhaltungsprogramm, einem Konzertabend mit den Bands „Street Life“ und „Luxuslärm“, einem Aktionstag, gestaltet von Unternehmen, Vereinen, Gruppen, Institutionen und Geschäften an einer 120 Stationen umfassenden „Festmeile“ mit Darstellung von historischem Handwerk bis zu modernster Technologie, einem „Tag der offenen Tür“ mit Blick hinter die Kulissen heimischer Unternehmen und Hubschrauber-Rundflügen, Ökumenische Festgottesdiensten und einem Familientag mit Sport- und Spielprogramm für Kinder und Eltern. Verbunden wurden die verschiedenen Schauplätze mit Shuttlebussen und Wegebahnen. Außerdem wurde ein Jubiläums-Aussichtsturm errichtet (siehe Abschnitt „Jubiläums-Aussichtsturm“).Jubiläums-Aussichtsturm in Breidenbach auf der Website der Gemeinde Breidenbach
Anlässlich des 1111-jährigen Dorfjubiläums im Jahr 2024 ist die Veranstaltung eines ähnlichen Festes am 14. September vorgesehen. Im selben Jahr jährt sich auch die Bildung der Großgemeinde zum 50. Mal (Feier am 7. Juli).
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Breidenbach angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach (Bereich Untergericht) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Blankenstein, Grund BreidenbachDie Zugehörigkeit des Amtes Blankenstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach, Untergericht ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Ober-Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach, Gericht Breitenbach ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk BattenbergBis 1823 Patrimonialgericht Grund Breidenbach; 1823: Trennung von Justiz (Landgericht Biedenkopf) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Biedenkopf ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Biedenkopf ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Biedenkopf, Gemeinde Breidenbach ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Breidenbach ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Breidenbach
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 40 Hausgesesse • 1630: 40 Hausgesesse, (8 zweispännige, 23 einspännige Ackerleute, 9 Einläuftige. (mit Witwen)) • 1677: 35 Männer, 2 Witwen, 7 Jungmannschaften, 10 ledige Mannschaften • 1742: 109 Haushalte • 1806: 521 Einwohner, 81 Häuser • 1829: 716 Einwohner, 86 Häuser
Religion mini|Ev. Pfarrkirche (2015)
In Breidenbach gibt es eine evangelische und eine römisch-katholische Kirche. Darüber hinaus befindet sich im Ort eine Moschee des türkisch-islamischen Vereins DİTİB.
Daten zur Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1830: 648 evangelische, 2 römisch-katholische, 66 jüdische Einwohner • 1885: 615 evangelische, 11 katholische und 72 jüdische Einwohner • 1961: 1657 evangelische (= 75,46 %), 495 römisch-katholische (= 22,54 %) Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1867: Erwerbspersonen: 134 Landwirtschaft, 1 Forstwirtschaft, 36 Gewerbe und Industrie, 21 Handel, 6 Verkehr, 2 Gesundheitspflege, 2 Erziehung und Unterricht, 2 Kirche und Gottesdienst, 2 Staatsverwaltung, 1 Gemeindeverwaltung, 3 Personen ohne Berufsausübung. • 1961: Erwerbspersonen: 202 Land- und Forstwirtschaft, 717 produzierendes Gewerbe, 79 Handel und Verkehr, 76 Dienstleistungen und Sonstiges.
Politik Ortsbeirat