mini|Carola von Wasa-Holstein-Gottorp, um 1850 Carola (Caroline Friederike Franziska Stephanie Amelie Cäcilie; * 5. August 1833 im Kaiserstöckl beim Schloss Schönbrunn bei Wien; † 15. Dezember 1907 in Dresden), geb. Prinzessin von Wasa-Holstein-Gottorp, war als Gemahlin König Alberts I. die letzte Königin von Sachsen.

An der Seite des Königs widmete sich Carola karitativen Aufgaben wie dem Aufbau neuer sozialer Institutionen im Königreich Sachsen. Mit der Gründung des Albert-Vereins 1867 und anderer Pflege- und Schulungseinrichtungen setzte sie Impulse auf den Gebieten der Wohltätigkeits-, Armen- und Krankenfürsorge sowie der Verwundetenversorgung. Daneben engagierte sie sich in Hilfs-, Kinder- und Frauenvereinen für die Förderung Benachteiligter. Carola war Trägerin des Sidonien-Ordens und Namensgeberin der nach ihr benannten Carola-Medaille für hilfreiche Nächstenliebe. Nach ihr sind, insbesondere in Dresden, zahlreiche Örtlichkeiten benannt.

Prinzessin 1833–1854 Kindheit und Jugend mini|Der Vater, Prinz Gustav von Wasa, Lithographie, Josef Kriehuber, um 1830 mini|Die Mutter, Luise von Baden, um 1825 Prinzessin Carola von Wasa wurde am 5. August 1833 im Kaiserstöckl,Johann Georg Herzog zu Sachsen: Königin Carola. In: Neues Archiv für Sächsische Geschichte. Bd. 55, 1934, S. 2. einem Nebengebäude des Wiener Schlosses Schönbrunn, als einzige Tochter des ehemaligen Kronprinzen von Schweden und Feldmarschalls Prinz Gustav von Wasa (1799–1877) und dessen Gemahlin Prinzessin Luise von Baden (1811–1854) geboren.

Carola stammte nicht, wie ihr Name zunächst vermuten lässt, aus der erloschenen Dynastie der Wasa. Vielmehr verdankte sie den Namenszusatz ihrem Vater, der sich als Angehöriger der abgesetzten schwedischen Dynastie Holstein-Gottorp nicht mehr „Prinz von Schweden“ nennen durfte. Stattdessen gab er sich die Beinamen Wasa und – um seinen Thronanspruch weiterzubekunden – Holstein-Gottorp, mithin also Wasa-Holstein-Gottorp. Diesen Nachnamen erhielt folglich auch Carola.

Die evangelische Taufe Carolas erfolgte am 7. August 1833 im Schönbrunner Kaiserhaus auf den Namen Caroline Friederike Franziska Stephanie Amalie Cäcilie; die Mutter nannte sie „Carola“.Eberhard Klein: Carola. Königin-Witwe von Sachsen. Ein kurzes Lebensbild. Freiburg im Breisgau 1908, S. 6. Taufpaten waren unter anderen monarchischen Repräsentanten Kaiser Franz I., Kaiserin Karoline, Stéphanie von Baden sowie Cäcilie von Schweden. Bis zur Scheidung ihrer Eltern im Sommer 1844 verbrachte Carola ihre Kindheit weitgehend in der südmährischen Sommerresidenz des Prinzenpaares auf Burg Eichhorn. Die Erziehung und Unterrichtung der als schüchtern und zurückhaltend geltenden Prinzessin war streng, aber durch elterliche Liebe gekennzeichnet.Dagmar Vogel: Wahre Geschichten um Sachsens letzte Königin. Tauchaer Verlag, Taucha 2006, S. 9–12.Georg von Schimpff: Aus dem Leben der Königin Carola von Sachsen. Hartmann & Wolf, Leipzig 1898, S. 3–9.

Nach der Trennung der Eltern ließen sich Mutter und Tochter ab August 1846 im Morawetzer Schloss nieder. Die Unterrichtung der Prinzessin übernahm Amalie von Ungern-Sternberg. Carola entwickelte eine Vorliebe für Zeichnen, Malen und Schach, nicht aber für das Musizieren. Gern führte sie selbsterdachte Theaterstücke auf. Das ländliche Leben in Morawetz verlief, abgesehen von größeren Geselligkeiten, ruhig und beschaulich. Während dieser Zeit entwickelte die junge Prinzessin großes Mitgefühl gegenüber sozial schwächer gestellten Kindern und Gebrechlichen, denen sie Nahrung und Kleidung spendete, welche die Mutter finanziert hatte.Reinhard Delau: Carola von Wasa. Die Rose von Sachsen. In Ute Essegern: Sachsens heimliche Herrscher. Die starken Frauen der Wettiner. Saxo-Phon, Dresden 2008, S. 139. Damit legte sie den Grund ihres späteren Engagements auf dem Gebiet der wohltätigen Armen- und Krankenfürsorge. Unterbrochen wurde der Aufenthalt zumeist für Bäderreisen der an Asthma und an einem Herzfehler leidenden Mutter oder für Besuche bei ihrem Vater beziehungsweise Verwandten in Mannheim oder Karlsruhe.Georg von Schimpff: Aus dem Leben der Königin Carola von Sachsen. Hartmann & Wolf, Leipzig 1898, S. 10–19.Dagmar Vogel: Wahre Geschichten um Sachsens letzte Königin. Tauchaer Verlag, Taucha 2006, S. 13–14.

Während der Italienischen Unabhängigkeitskriege 1848/49 unterstützte Carola ungarische Verwundete durch die Einreichung von Gaben. In den Folgejahren verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Mutter weiter, was längere Kuraufenthalte in Meran, Venedig, Bozen und Baden für sie und ihre Tochter notwendig machte. In den Jahren bis 1851 widmete sich die mittlerweile 18-jährige Prinzessin Carola, die zu dieser Zeit als die schönste Prinzessin Europas galt,Jürgen Fege: Das soziale Wirken der Königin Carola von Sachsen. In: Ärzteblatt Sachsen. Offizielles Organ der Sächsischen Landesärztekammer mit Publikationen ärztlicher Fach- und Standesorganisationen. Quintessenz-Verlag Berlin, Band 21 (2010), S. 578. intensiv der Ölmalerei.Georg von Schimpff: Aus dem Leben der Königin Carola von Sachsen. Hartmann & Wolf, Leipzig 1898, S. 20–29.

Carola konvertierte 1852, gegen den heftigen Widerstand ihres Vaters, wie ihre Mutter zum Katholizismus. Sein Einverständnis erklärte dieser nur unter der Bedingung, dass seine Tochter sich längere Zeit von ihrer Mutter trenne, um Konfessionsunterricht bei seiner Schwester, der Großherzogin Sophie Wilhelmine von Baden, in Karlsruhe zu nehmen. Prinzessin Carola kehrte nach dessen Abschluss zu ihrer Mutter zurück und legte am 4. November des gleichen Jahres in der Pfarrkirche zu Morawetz ihr Bekenntnis zum katholischen Glauben ab.Dagmar Vogel: Wahre Geschichten um Sachsens letzte Königin. Tauchaer Verlag, Taucha 2006, S. 15–16.

Verlobung und Vermählung mini|Ehrenpforte des Altstädter Rathauses Dresden anlässlich der Vermählung von Prinz Albert und Prinzessin Carola am 18. Juni 1853 mit anschließender Trauung des Paares in der Katholischen Hofkirche in Dresden Im November 1852 erhielten Carola und ihre Mutter in Morawetz unerwarteten Besuch von den auf einem Jagdausflug befindlichen Prinzen Albert und Georg von Sachsen. In Wahrheit war dies jedoch nur ein Vorwand, da sich Prinz Albert seit 1850 auf bis dahin erfolgloser Brautschau befand.Silke Marburg: Europäischer Hochadel. König Johann von Sachsen (1801–1873) und die Binnenkommunikation einer Sozialformation. De Gruyter, Berlin u. a. 2008, S. 139, 247. Für ihn kamen vor dem Hintergrund der dynastischen Pläne, wie sich erweisen ließ, nur die Witwe des portugiesischen Königs Dom Pedro IV., Amalie von Leuchtenberg, in Frage, die jedoch mehr als zehn Jahre älter war als Albert, dann die Witwe Erzherzog Ferdinands, Erzherzogin Elisabeth, und eben Carola.Anne-Simone Knöfel: Dynastie und Prestige. Die Heiratspolitik der Wettiner. Böhlau, 2009, S. 265. Im Verlauf des für die Prinzen und andere Herrschaften ausgerichteten Banketts stellte sich Albert der Prinzessin Carola vor und war von ihrer Anmut und den geistreichen Unterhaltungen angetan. In späteren Aufzeichnungen bezeichnete Albert die Begegnung mit Carola als „Liebe auf den ersten Blick“. Wenig später bat Alberts Vater, König Johann von Sachsen, der eine konfessionsgleiche Ehe seines Sohnes anstrebte,Silke Marburg: Das Ansehen hat man umsonst. Gattenwahl und Heiratskalkül für die Kinder König Johanns von Sachsen (1801–1873). In: Winfried Müller, Martina Schattkowsky (Hrsg.): Zwischen Tradition und Modernität: König Johann von Sachsen 1801–1873. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2004, S. 389.Silke Marburg: Europäischer Hochadel: König Johann von Sachsen (1801–1873) und die Binnenkommunikation einer Sozialformation. De Gruyter, Berlin u. a. 2008, S. 139, 283. in einem Brief an die Mutter Carolas um die Hand ihrer Tochter für seinen Sohn.

Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, Louis-Napoléon Bonaparte, der damalige Präsident der Zweiten Französischen Republik, plane eine Hochzeit mit Carola von Wasa. Der Staatsanzeiger von Württemberg erklärte diese Anfang August 1852 für eine „ausgemachte Sache“. Wenige Tage später wurde jedoch gemeldet, die Werbung sei „ablehnend beantwortet worden“, und alle entsprechenden Gerüchte seien unwahr. Ein weiterer Kontrahent um Carolas Hand war Friedrich Karl von Preußen.Johann Georg Herzog zu Sachsen: Königin Carola. In: Neues Archiv für Sächsische Geschichte. Bd. 55, 1934, S. 3.

Nach erneuten Treffen nahm Carola Alberts Heiratsantrag am 5. Dezember 1852 an. Offiziell bestätigt wurde die Verlobung vom Dresdner Journal am 15. Dezember 1852. Die Jahreswende verbrachte das Paar in Morawetz.Dagmar Vogel: Wahre Geschichten um Sachsens letzte Königin. Tauchaer Verlag, Taucha 2006, S. 18–24.Georg von Schimpff: Aus dem Leben der Königin Carola von Sachsen. Hartmann & Wolf, Leipzig 1898, S. 34–36, 49.

Die bevorstehende Hochzeit von Albert und Carola fand in Sachsen zunächst wenig Anklang. Das lag weniger daran, dass Carola eine eher mittellose Prinzessin war, und auch nicht am vorherrschenden schlechten Ruf ihrer geschiedenen Eltern.

Vielmehr lag der Grund darin, dass Carola erst kurz vor der Verlobung zum katholischen Glauben konvertiert war. Der Übertritt zum Katholizismus erfolgte – „nach erhaltener Einwilligung ihres Vaters und nachdem sie diesen ihren festen Entschluß dem hochw. Hrn. Bischof von Brünn mitgetheilt und den nöthigen katholischen Religionsunterricht erhalten hatte“ – am 4. November 1852 in der Kirche zu Moravetz (dieser Ort gehörte der Prinzessin von Wasa) im Rahmen eines öffentlichen Hochamtes, das von Bischof Anton Ernst von Schaffgotsch zelebriert wurde.

König Johann war jedoch das Glück seines Sohnes wichtiger als etwaige Animositäten gegenüber der neuen Kronprinzessin und förderte nach besten Kräften die entstandene Verbindung. Auch Argumente für oder gegen die Hochzeit aus rein finanziellen Belangen schlug er aus.Silke Marburg: Europäischer Hochadel: König Johann von Sachsen (1801–1873) und die Binnenkommunikation einer Sozialformation. De Gruyter, Berlin u. a. 2008, S. 288–289.

Im Januar 1853 zogen Mutter und Tochter nach Brünn. Dort besuchte Prinz Albert in den kommenden Monaten seine Verlobte häufig. Das künftige Brautpaar trat bei Bällen, Theaterbesuchen und anderen Festlichkeiten gemeinsam auf, wobei Carola die gesellschaftlichen Auftritte nutzte, um sich auf ihre künftige Stellung im sächsischen Königshaus vorzubereiten, wo das strenge spanische Zeremoniell galt. Insbesondere König Johann war daran gelegen, dass die künftige Kronprinzessin eine große Konversations- und Parkettsicherheit an den Tag legte, was Carola anstandslos erfüllte.Silke Marburg: Das Ansehen hat man umsonst. Gattenwahl und Heiratskalkül für die Kinder König Johanns von Sachsen (1801–1873). In Winfried Müller, Martina Schattkowsky (Hrsg.): Zwischen Tradition und Modernität: König Johann von Sachsen 1801–1873. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2004, S. 395–396, 398. In der Zwischenzeit verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Mutter weiter.Georg von Schimpff: Aus dem Leben der Königin Carola von Sachsen. Hartmann & Wolf, Leipzig 1898, S. 37–41.