Der Aussichtsturm Pyramidenkogel ist ein Aussichts- und Sendeturm auf dem hohen Pyramidenkogel südlich des Wörthersees in Kärnten, Österreich. Er befindet sich im Gemeindegebiet von Keutschach am See. Abgerufen am 16. August 2019. Eigentümer ist die Pyramidenkogel Infrastruktur GmbH, ein Tochterunternehmen der Gemeinde Keutschach am See.

Geschichte Holzturm (von 1950) 1950 wurde auf dem Pyramidenkogel ein Aussichtsturm aus Holz errichtet. Schon davor gab es eine Art Hochsitz auf 3 Föhren. Der Materialtransport für den hölzernen Aussichtsturm erfolgte mit Pferde- und Ochsengespannen, da es damals noch keine Straße auf den Gipfel gab. Die Teile wurden großteils am Boden vormontiert und mit Flaschenzügen in ihre Position gebracht. Insgesamt hatte dieser erste Turm eine Höhe von 27 Metern. Daneben wurde 1957 der Sender Pyramidenkogel gebaut. In einem Gebäude neben dem 1968 erbauten Aussichtsturm waren von diesem allerersten Aussichtsturm noch Überreste zu sehen.

Alter Aussichtsturm (Schwammerl aus Beton, 1968–2012) Der alte Aussichtsturm mit seiner Turmhöhe von 54 Metern wurde in den Jahren 1966 bis 1968, nach den Plänen des Architekten Gustav Wetzlinger (1924–1992), in Stahlbetonbauweise errichtet. Mit einer im runden Turmschaft befindlichen Aufzugsanlage wurde die erste – unregelmäßig fünfeckige – Aussichtsplattform in 43 m Förderhöhe erreicht. Die Liftkabine fasste 16 Personen, die Fahrzeit betrug 24 Sekunden bei einer Fördergeschwindigkeit von 1,7 Meter/Sekunde. Über eine Treppenanlage waren zwei kleinere, höher gelegene Plattformen zugänglich. Die drei – polygonen – Plattformen boten den Besuchern Platz auf insgesamt ca. 250 m². Auf große Entfernung entstand das Erscheinungsbild eines horizontal erstreckten Schirms auf einem schlanken Stiel, weshalb der Turm im Volksmund Schwammerl genannt wurde.pyramidenkogel.info: Auf der obersten Plattform war ein Sendemast angebracht. 2007 wurden 105.000 Besucher am Turm gezählt. Für eine Sanierung des bestehenden Aussichtsturms wurden Kosten von 7,5 Millionen Euro beziffert, daher wurde ein Neubau geplant.Sprengung des alten Turms, Aufbau des NeuenPyramidenkogel: Gute Aussichten für neuen Turm. In: Kleine Zeitung, 23. Juli 2009. (Online in der Version vom 23. Juli 2009 nicht mehr abrufbar, wurde unter neuer Überschrift neu geschrieben. )

Neuer Aussichtsturm (2013) mini|hochkant|Aussichtsturm (Juni 2013) mini|hochkant|Die Holz-Stahl-Konstruktion im Detail, noch ohne Beleuchtung (Oktober 2013)

Architekturwettbewerb Bei einem Architekturwettbewerb siegte der Entwurf des Klagenfurter Architekturbüros Markus Klaura und Dietmar Kaden und des Tragwerkplaners Markus Lackner.

Der neue Aussichtsturm auf dem Pyramidenkogel ist mehrfach strukturiert und teilweise durchlüftet und stellenweise durchblickbar. Die Einhüllende wird von einer Schraube aus gegeneinander verdrehten Ellipsen gebildet. Senkrechte, plane, doch geschwungen konturierte Steher aus Leimholz reichen hinauf bis zu zwei übereinanderliegenden Aussichtsplattformen. Darunter liegt ein etwas zurücktretender verglaster Aussichts- und Veranstaltungsraum, obenauf steht ein Mast mit Antennen. Im Turm sind integriert ein Vertikallift für Personen mit transparentem Schacht, eine Rutsche in Form eines gewendelten Rohrs und Treppen. Von einer Plattform kann man mit einer Flying-Fox-Seilbahn hinunter fahren oder ein Stück freier Fall erleben. Der Turm wurde einige Jahre nach Errichtung mit einer farblich steuerbaren Beleuchtung der gerüstartigen Fassade nachgerüstet. Die Steher sind aus Holz, die Ellipsen aus Stahlelementen gebaut. Die Turmgesamthöhe beträgt 100 Meter. Es gibt einen Veranstaltungsraum in 60 Metern Höhe. Die Rutsche ist für Personen ab 130 cm Körpergröße und nach Betreiberangabe die höchste Gebäuderutsche Europas.Pyramidenkogelturm-neu: Siegermodell präsentiert. In: kärnten.ORF.at, 23. August 2007. Die Erwartungen für den neuen Turm lagen bei bis zu 200.000 Besuchern pro Jahr. Als Baukosten wurden 10 Millionen Euro veranschlagt, die aber nach intensiver politischer Diskussion auf 8 Millionen Euro reduziert wurden. Gegen die Stimmen von ÖVP, SPÖ und GEL (Grüne Einheitsliste) beschloss der BZÖ-dominierte Gemeinderat die Errichtung des Neubaus. Die Grüne Einheitsliste schlug den kostengünstigeren Umbau des bestehenden Turms zu einem „Energieturm“ mit Kraftwerksfunktion und den Verbleib im Eigentum der Gemeinde Keutschach vor.Gemeinde Keutschach / Hodiše: Pyramidenkogel: Finger weg vom Zündkabel! GEL, 28. September 2012.

Mit 100.000 Besuchern jährlich soll sich der Neubau in ungenannter Zeit amortisieren. Die Besucherzahlen waren bereits im ersten Halbjahr nach der Eröffnung deutlich höher als erwartet.

Die Rutsche wurde mit 52 m Höhenunterschied als höchste Rutsche Europas beworben und ist tatsächlich die höchste Gebäuderutsche Europas. (Indoor, jedoch in keinem Gebäude, sondern in einem weiten für einen Vertikallift gesprengten Schacht läuft die Rutsche „The Slide“ im Grazer Schloßberg seit 2019 – mit 64 m höher und einer einmaligen Änderung der Kurvenrichtung des Rutschpfads.)Die erste BerutschungEs ist so weit! Graz hat seine Rutsche vom Schloßberg kleinezeitung.at, 12. Februar 2019, abgerufen am 18. März 2019.

Planungsgeschichte Ersten Planungen zufolge sollte der alte Aussichtsturm im Herbst 2008 abgerissen und der neue Aussichtsturm bis Sommer 2009 errichtet werden.

Im Jänner 2008 wurde bekannt, dass sich die Finanzierung des neuen Aussichtsturms verzögert. Die Abtragung des alten, desolaten Aussichtsturms wurde auf den Zeitraum nach der Sommersaison 2008 verlegt, mit ungewissem Zeitpunkt des Neubaubeginns.Finanzierung für Pyramidenkogel-Turm offen. In: kärnten.ORF.at, 23. Jänner 2008.

Im Juli 2009 wurde verlautbart, dass sich der Neubau aufgrund politischer Gründe zwar verzögert hätte,Für die Verzögerungen machte der Keutschacher Bürgermeister Gerhard Oleschko (BZÖ) die Wahlen im März 2009 ebenso verantwortlich, wie die Gegner des Projekts, ÖVP, SPÖ und GEL. dass der Turm jedoch im Herbst 2010 gesprengt werden sollte und anschließend bis April 2011 der Neubau, als komplette Umsetzung des Siegerprojekts ohne Abstriche, so wie im Gemeinderat beschlossen, errichtet wird.

In der Gemeinderatssitzung am 16. Dezember 2009 wurde über die Gesellschaftsverträge der Errichtungsgesellschaft, die zugehörigen Notariatsakte, über den Managementvertrag, über den Superädifikats- und die Betriebsführungsvereinbarung sowie über die Förderverträge im Dreiecksverhältnis von Land Kärnten, der Gemeinde Keutschach und der Errichtungsgesellschaft abgestimmt. Am 18. Februar 2010 wurden die Verträge zwischen der Gemeinde Keutschach und dem Land Kärnten für den neuen Aussichtsturm unterzeichnet, die an den Terminen von Juli 2009 festhielten. Darin wurde vereinbart, die geplanten Kosten von 10 Millionen Euro zwischen Gemeinde, Errichtungsgesellschaft und Land zu teilen.

Kritiker und Gegner des Neubaus monierten, dass das Land Kärnten aufgrund der Gesellschaftermehrheit der Kärntner Tourismusholding (KTH) (51 %) in der Errichtungsgesellschaft, indirekt Entscheidungen zu Ungunsten der Gemeinde Keutschach (Anteil 49 %) durchsetzen könnte, da die Gemeinde Keutschach später allein für die spätere Instandhaltung aufkommen müsste.Pyramidenkogel-Neu: Baustart im Herbst fix. In: kärnten.ORF.at, 18. Februar 2010

In einer Gemeinderatssitzung am 30. April 2010 lehnte eine Mehrheit der Keutschacher Gemeinderäte die Kredithaftung der Gemeinde für das Bauvorhaben ab. Damit verzögerten sich der für September 2010 geplante Abriss sowie der folgende Neubau erneut um zunächst unbekannte Dauer.

Im August 2011 wurde im Rahmen einer außerordentlichen Sitzung der Landesregierung von Kärnten eine Variante des Neubaus beschlossen, die nur 8 Millionen Euro kosten sollte. Nach zwischenzeitlichen Diskussionen über einen Baubeginn im Frühjahr 2012 wurde beschlossen, den Turm im Herbst 2012 zu sprengen und anschließend mit dem Neubau zu beginnen.Karin Hautzenberger: In: Kleine Zeitung, 4. April 2012. Somit stand der letzte Öffnungstag mit 30. September 2012 fest. Am 12. Oktober 2012 fand die Sprengung statt und war weithin sicht- und hörbar.ORF: Die letzten Stunden des Pyramidenturms (abgerufen am 12. Oktober 2012)

Bau und Eröffnung mini|hochkant|Neuer Aussichtsturm im Bau (März 2013)

Der inklusive Antenne 100 Meter hohe Aussichtsturm ist mit elf Ebenen, davon sechs Aussichtsplattformen, der höchste Holzaussichtsturm der Welt. (Der höchste Holzturm der Welt ist der komplett aus Holz gebaute Sendeturm Gleiwitz.) Nach sieben Jahren Planung wurde am 31. Oktober 2012 sein Grundstein gelegt, in Form einer Zeitkapsel aus Metall in Beton mit Brief und einer 2-Euro-Münze.Grundstein für Pyramidenkogel-Turm gelegt orf.at 1. November 2012 Nach acht Monaten Bauzeit und ca. 8 Mio. Euro Gesamtkosten wurde der Turm am 20. Juni 2013 eröffnet.Video zur TurmerrichtungPyramidenkogel: Eröffnungsdatum geheim, ORF.at 20. Mai 2013Pyramidenkogel: Sperre für „Bautouristen“, ORF.at 6. Mai 2013Holzturm auf Pyramidenkogel eröffnet, ORF.at 20. Juni 2013

Das von den Architekten Markus Klaura und Dietmar Kaden konzipierte Basisgebäude mit 700 m² Bruttogeschoßfläche (mit Restaurant) bildet ein Ensemble mit dem Turm. Dieser besteht aus 16 Brettschichtholzpfählen, welche die vertikalen Kräfte tragen. Diese werden durch 10 elliptische Stahlringe und 80 Diagonalstreben ausgesteift. Integriert ist die höchste Gebäuderutsche Europas mit 52 m Höhe, 25° Neigung, 120 m Länge der Schraubenlinie und etwa 30 Sekunden Rutschdauer. 20 m tief in den Felsen reichende Stahlanker fixieren die Fundamentplatte mit 350 m³ Volumen und 800 t Masse.

In den ersten Betriebstagen blieb der Lift zweimal – mit Passagieren – je etwa 1 Stunde stecken. Zu kurze Zeit für den Test des Lifts wurde bemängelt. Am Nachmittag des 7. August 2013 blieb der Lift ein drittes Mal am Boden stehen. Der Grund war ein defektes Steuerungsseil, der Aussichtsturm war vom 8. bis 9. August nur über Treppen zu erreichen. Am 14. August 2013 wurde bekanntgegeben, dass die Liftseile ausgetauscht werden müssen und der Liftbetrieb für diese Tage eingestellt werden muss. Der Eintritt betrug an diesen Tagen nur die Hälfte.

Kaum 2 Monate nach der Eröffnung absolvierten am 17. August 2013 ein – laut Augenzeugen – Australier und kurz darauf ein Burgenländer (oder Niederösterreicher) Base-Jumps vom Geländer auf der Plattform aus 72 m Höhe. Die Sprungausrüstung wurde bei einem Notausgang eingeschleust, beide Springer verschwanden unerkannt, ein Video vom ersten Sprung wurde veröffentlicht.Exklusiv: Erstes Interview der Basejumper orf.at, 21. August 2013, abgerufen am 14. März 2017.Zwei Basejumps vom Pyramidenkogel, ORF.at, 18. August 2013, abgerufen am 4. September 2013.Prinzessin Horst: basejump pyramidenkogel 17. August 2013 youtube.com, Video (1:04), 17. August 2013, zuletzt abgerufen am 14. März 2017.

Kurz vor Erreichen des Jahrestags der Eröffnung werden 330.000 Besucher gemeldet – gut doppelt so viel wie die erwarteten 150.000 Besucher pro Jahr.Ein Jahr Pyramidenkogel: Riesenansturm ORF.at, 19. Juni 2014.

Der Turm weist zur Brandbekämpfung eine den Treppen folgende Sprinkleranlage auf.

Elemente und Attraktionen Der Aussichtsturm ist ganzjährig täglich geöffnet, im Winter von 10–17 Uhr, sonst länger. Im Turm gilt Rauchverbot. Die verglaste Skybox auf Ebene 9 kann außerhalb der Öffnungszeiten für private Veranstaltungen gemietet werden.

Der Aufstieg kann per linksgekurvterIm Rechtsgewinde-Sinn Treppe über 441 Stufen oder im Lift bis auf die Aussichtsplattform 10 erfolgen. Von dort können die beiden darüberliegenden Aussichtsplattformen über Treppen erreicht werden. Servicepersonal für die Sendeanlagen gelangt noch höher.