mini|hochkant|Rudolf Graf von Bassewitz als Soldat, ca. 1901. Henning Rudolf Alexander Adolf Friedrich Christian Graf von Bassewitz (* 21. Juli 1881 in Wesselstorf/Mecklenburg; † 17. Juli 1951 in Berchtesgaden) war deutscher Diplomat, zuletzt als Chef des Protokolls.
Familie Er entstammte der alten mecklenburgischen Familie von Bassewitz und wurde posthumus als zehntes Kind des Henning Graf von Bassewitz (Prebberede) und dessen zweiter Frau Adda Gräfin von Üxküll-Gyllenband geboren. Über diese bestand eine nahe verwandtschaftliche Beziehung zu dem Widerstandskreis um Claus Graf Stauffenberg und Nikolaus Graf Üxküll-Gyllenband,Vgl. auch Peter Hoffmann: Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder. Stuttgart 1992, S. 27, S. 59. die sich allerdings politisch nicht auswirkte. Mit seinen Brüdern Adolph und Ernst war er Miteigentümer der mecklenburgischen Güter Prebberede, Jahmen und GrieveNiekammer’s Güter Adressbücher. Band IV: Mecklenburg-Schwerin- und Strelitz. Paul Niekammer-Friedrich Nagel, Stettin 1908, S. 71, S. 95. zu Schloss Prebberede.
Leben und Laufbahn Bassewitz besuchte das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart und das Fridericianum Davos. Hierauf leistete er als „Einjähriger“ freiwilligen Wehrdienst, zuletzt als Oberleutnant der Reserve. Er studierte Rechtswissenschaft in Bonn, wo er 1902 dem Corps Borussia beitrat,Karl Rügemer (Hrsg.): Kösener Korps-Listen 1910. Carl Gerber-München-Verlag der Academischen Monatshefte, Starnberg 1910, 19 (Corps), (Lfd. Nr. dort) 743. Berlin und Königsberg.Johannes Hürter, Martin Kröger, Rolf Messerschmidt, Christiane Scheidemann: Biographisches Handbuch des Auswärtigen Dienstes 1871 - 1945. Band 1 (A bis F), Hrsg. M. Keipert / Auswärtiges Amt-Historischer Dienst. Verlag Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 2000. ISBN 3-506-71840-1. 1906 trat er den Dienst im Auswärtigen Amt an. 1907 wurde er als Attaché an die preußische Gesandtschaft in Rom (Vatikan) geschickt, danach in der Abteilung Handelspolitik verwendet. Zwischen 1909 und 1910 war er als Legationssekretär in St. Petersburg, später als „ständiger Hilfsarbeiter“ in der Reichskanzlei. Weitere Stationen waren: Athen (ab 1912), Wien (1916–1917), Moskau (ab 1918), Kopenhagen (1920 – 1924) und Helsinki.Vgl. Leonidas E. Hill: Die Weizsäcker Papiere 1900–1932. Propyläen, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-54-9076-25-8, S. 366, S. 370. In Moskau war er vermutlich an der Überführung des ermordeten Grafen Mirbach beteiligt.Maximilian Terhalle: Deutschnational in Weimar: Die politische Biographie des Reichstagsabgeordneten Otto Schmidt(-Hannover) 1888–1971. Böhlau, Köln 2009, S. 50. Titel. 1929 wurde er Generalkonsul in Kalkutta (1929–1932). Ab 1932 war er Leiter des Sonderreferats Protokoll („Chef des Protokolls“)Seine in diese Zeit fallenden Kontakte zu Bella Fromm sind in ihrem Buch wiedergegeben: Als Hitler mir die Hand küßte. Hamburg 1993, u. a. S. 92, 101, 159, S. 240.. Seit 1935 war er beurlaubt, seit 1936 ohne Angabe von Gründen außer Dienst gestellt.Winfried Becker (Hrsg.) Frederic von Rosenberg: Korrespondenzen und Akten des deutschen Diplomaten. In: Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhundert. Band 66, Oldenbourg Verlag, München 2011, S. 186. Titel. Seine innerlich kritische Haltung zum Nationalsozialismus wird dabei allerdings eine Rolle gespielt haben.Martha Schad: Frauen gegen Hitler. Schicksale im Nationalsozialismus. Verlag Heyne, München 2001, S. 103, 110. PDF, Abruf am 2. September 2025. 1935 wurden in der internationalen Presse (New York Times, Daily Telegraph) Gerüchte vermeldet, Bassewitz sei möglicherweise aus Deutschland geflohen.SAYS REICH OFFICIAL FLED.; London Paper Hears Count von Bassewitz Has Left Germany., In: The New York Times. New York, vom 23. August 1935, Abruf am 8. September 2025.
Graf Rudolf von Bassewitz blieb zeitlebens unvermählt und ohne Nachfahren.
Veröffentlichungen Rudolf von Bassewitz: Eine Diplomatenreise im XX. Jahrhundert. Julius Sittenfeld, Berlin 1916. Rudolf von Bassewitz, aus dem Englischen übertragen: Henry Thomas Hamblin: Die offene Tür. Ein weg ins Freie. Klotz, Leipzig 1937.
Genealogie Gustav Gotthilf Winkel: Biografisches Corpsalbum der Borussia zu Bonn 1821–1928. (Biografien m. Vita . Bild). Wailandt AG-Selbstverlag, Aschaffenburg 1928, S. 247. Nr. 839. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil A (Uradel). 1942. Jahrgang 115-(Letztausgabe), Gotha 1941, S. 42–44. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck, Johann Georg von Rappard, Hans Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. 1958. Band III, Band 18 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1958, , S. 5–8.
Quellen Bundesarchiv (BArch)/HiKö b. d. Bayr. Akademie d. Wissenschaften: Akten der Reichskanzlei: Bassewitz, Rudolf Graf von. PDF
Einzelnachweise
Kategorie:Deutscher Diplomat Rudolf Kategorie:Corpsstudent (20. Jahrhundert) Rudolf Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1881 Kategorie:Gestorben 1951 Kategorie:Mann