Die Drohnen der Bundeswehr sind unbemannte Luftfahrzeuge (Unmanned Aerial Vehicles, UAV) verschiedener Typen und Klassen, die von der Bundeswehr eingesetzt oder erprobt werden bzw. wurden. Sie tragen vor allem Aufklärungsmittel als Nutzlast oder werden zur Zieldarstellung in der Schießausbildung eingesetzt. Nach einer längeren politischen Debatte fiel 2022 unter dem Eindruck des russischen Überfalls auf die Ukraine die Entscheidung, künftig auch bewaffnete Drohnen einzusetzen. Deutschland war mit Stand 2020 eines von weltweit etwa 100 Ländern, die militärische Drohnen nutzen, darunter waren 40 Länder mit bewaffneten Drohnen. Die deutsche Luftwaffe betreibt Aufklärungsdrohnen der MALE-Klasse, während im Heer und bei der Marine kleine und mittlere Systeme eingesetzt werden.
Geschichte
mini|Die Gefechtsfeldaufklärungsdrohne Northrop Radioplane SD-1 war die erste Drohne, die die Bundeswehr ausführlich erprobte mini|Zieldarstellungsdrohne KZD-2 aus den 1980er Jahren Bereits 1960 begann die Erprobung der Gefechtsfeldaufklärung mit Drohnen im Fliegerhorst Celle-Wietzenbruch, vor allem mit dem Modell Northrop Radioplane SD-1 „Observer“. Es wurde ferngesteuert entweder mit Sichtverbindung oder nach Radar geflogen.Gefechtsfeldaufklärung mit Drohnen Die erste für den aktiven Dienst bei der Bundeswehr eingeführte Drohne war 1972 die Canadair CL-89 bei der 4. Batterie in den Beobachtungsbataillonen der aufklärenden Artillerie. Sie wurde bis 1992 eingesetzt und vom Nachfolgemodell CL-289 abgelöst. Seit den 1980er Jahren setzt die Bundeswehr sogenannte Zieldarstellungsdrohnen als Flugziele zur Ausbildung bei der Flugabwehr ein.
In den 1990er-Jahren wurde die bis heute eingesetzte Drohne KZO für die Heeresaufklärung entwickelt. Die Unternehmen STN Atlas Elektronik, Dynamit Nobel und French/UK Matra BAe Dynamics hatten sich zum Konsortium GIE Eurodrone zusammengeschlossen. Die Entwicklung wurde zu 60 Prozent von Deutschland und zu 40 Prozent von Frankreich finanziert. Ab der Serienvorbereitung wurde KZO als „nationales Programm“ des Deutschen Heeres weitergeführt und 2001 vom Bundestag beschlossen. Bis 2008 wurden sechs Gesamtsysteme mit je zehn Drohnen im Gesamtwert von 300 Millionen Euro beschafft. Das erste Seriensystem wurde der Bundeswehr am 28. November 2005 in Bremen vom heutigen Generalunternehmer Rheinmetall Defence Electronics (RDE) übergeben.
Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) hatte 2008 einen Wettbewerb ausgelobt, um zu ermitteln, welche der existierenden MALE-Drohnen Bestandteil der UAV-Programme der Bundeswehr werden solle. Das Programm für die Drohnen setzt sich laut des Bundeswehrplans 2008 aus mehreren Komponenten zusammen. Zur Bedeutung und Zukunft der Drohnen für die Bundeswehr heißt es im Bundeswehrplan:
Die israelische Drohne IAI Heron war Mitte 2009 neben dem US-amerikanischen RQ-1 Predator in der Auswahl zur beschleunigten Beschaffung einer Aufklärungsdrohne für den Afghanistaneinsatz. Die Bundeswehr entschied sich, drei Heron (Luftwaffen-Bezeichnung Heron 1) ab Anfang 2010 für 110 Millionen Euro für drei Jahre von einem Konsortium (bestehend aus Rheinmetall und IAI) zu leasen. Danach sollten alle drei Flugzeuge wieder an den Hersteller zurückgegeben werden.Warum „Heron 1“ doch gewann, Handelsblatt vom 21. Juni 2009 Entsprechend der dreijährigen Leasingdauer wäre der Vertrag am 31. Oktober 2012 ausgelaufen. Da die Beschaffung eines eigenen MALE-UAV nach wie vor aussteht, wurde im Juli 2012 der Leasingvertrag für 75 Mio. Euro um zwei Jahre bis Oktober 2014 verlängert. Der Bundestag diskutierte im September 2012 den Finanzplan der Bundeswehr für 2013 bis 2017, in dem 168 Millionen Euro für drei neue Drohnen samt Bodenstation vorgesehen sind. Als deutscher Anteil an der Entwicklung eines europäischen UAV sind darin 660 Millionen Euro eingeplant. Mittlerweile befindet sich mit der European MALE RPAS bei Airbus Defence and Space eine europäische Drohne in Entwicklung, an der sich die Bundeswehr beteiligt.
Im Jahr 2013 scheiterte mit der Euro-Hawk-Affäre ein Beschaffungsvorhaben der Bundeswehr von Drohnen der größeren HALE-Klasse für die Signalerfassende Aufklärung. Später musste sie auch ihre 2018 bekannt gewordenen Pläne über die Anschaffung des gleichen Drohnenmodells in der Variante MQ-4 Triton unter dem Projektnamen Pegasus beenden. Die Fähigkeit wird stattdessen durch bemannte Aufklärungsflugzeuge abgebildet werden.
Seit 2016 werden sehr kleine Black Hornet PD-100-Drohnen für die Nahfeld-Aufklärung eingesetzt.
Im Dezember 2024 übermittelte das Bundesverteidigungsministerium dem Bundestag erstmals die Einsatzgrundsätze für bewaffnete Drohnen der Bundeswehr.
Drohnenbestand 2013 Im Juni 2013 standen der Bundeswehr rund 580 unbemannte Luftfahrzeuge verschiedener Typen (zwischen 3,5 Kilogramm und 1,5 Tonnen) zur Verfügung, von denen laut Auskunft der Bundesregierung 60 unbemannte Drohnen bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr in Afghanistan und im Kosovo verwendet wurden. Andere Quellen berichteten von 871 Drohnen im Bestand der Bundeswehr.
Nach Angaben der Bundeswehr lautete der Bestand (Stand: 27. Juni 2013) wie folgt: Typ Bestand ausgesondert zerstört davon abgestürzt vermisst Aladin 290 0 22 6 8 CL-289 0 189 23 13 8 Heron 1 3 0 2 0 0 KZO 43 0 12 9 6 Luna 81 0 41 22 11 Mikado 164 20 2 2 2gesamt 581 209 102 52 35
Ausgemusterte Systeme CL-289 mini|Start einer CL-289. Das System war eine der ersten deutschen ferngelenkten Drohnen und war von 1990 bis 2009 im Einsatz. Im Jahr 1990 wurde die Canadair CL-289 als Aufklärungsdrohne angeschafft. Die von Canadair und Dornier entwickelte Drohne verfügt über eine Reihenbildkamera und ein Abtastgerät im Spektrum der Infrarotstrahlung (Infrarot-Linienscanner, kurz IRLS-Infrared Line Scanning). Die Komponenten zur Bilddatendirektübertragung stammen von der französischen Firma SAT (heute Sagem). Das Aufklärungssystem startet mit Hilfe einer Feststoffrakete; der Booster hat einen Schub von 32 kN. Im Flug selbst wird die Drohne von einem Rolls-Royce-T-117-Turbojet-Triebwerk angetrieben. Dieses kompakte Einwellentriebwerk hat einen Schub von 1,03 kN. Wie auch die kleineren Bundeswehrdrohnen fliegt das Gerät selbständig einen vorher programmierten Kurs. Die Navigation erfolgte georeferenziert mit Global-Positioning-System-Stützung (GPS). Nach dem Flug landet die Drohne an einem Fallschirm auf zwei Landekissen. Am 18. März 2009 fand auf dem NATO-Truppenübungsplatz Bergen der letzte Flug der Drohne CL-289 statt. Das System wurde bis Ende des Jahres 2009 außer Dienst gestellt. Das Aufklärungssystem wurde sowohl in der Bundeswehr (Heer) wie auch in der französischen Armee verwendet.
Heron 1 mini|Heron I der Bundeswehr Ursprünglich für den Afghanistan-Einsatz hat die Bundeswehr Aufklärungsdrohnen vom Typ Heron 1 aus Israel geleast. Diese Geräte waren dem Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ (AG 51) zugeteilt. Mit einer Zeremonie im Juli 2023 endete die Nutzung der Heron 1 bei der deutschen Luftwaffe, seitdem wird nur noch das Nachfolgesystem Heron TP eingesetzt. In den 13 Einsatzjahren für die Bundeswehr absolvierten die Fluggeräte 72.582 Flugstunden.
Nicht beschaffte Konzepte Euro Hawk / Triton mini|Euro Hawk nach dem Überführungsflug von der Edwards Air Force Base zur WTD61 in Manching. Die SIGINT-Ausrüstung war zu dem Zeitpunkt noch nicht eingebaut. Die Beschaffung wurde später gestoppt. Am 31. Januar 2007 erhielten das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB), sowie die in Friedrichshafen ansässige EuroHawk GmbH als auftragnehmende Agentur der Konzerne EADS und Northrop Grumman den Auftrag zur Lieferung eines Prototyps des modifizierten Hawk-Systems (RQ-4E) im Jahr 2010. Darin war auch die Option vorgesehen, vier weitere Systeme in der Zeit von 2011 bis 2014 mit der EADS-SIGINT-Ausrüstung auszustatten und in Einsatz zu bringen. Der Auftrag hatte bei Abschluss ein Volumen von 430 Millionen Euro, andere Quellen sprachen gar von 1,3 Milliarden Euro. Der Flugbetrieb sollte durch das Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ vom Fliegerhorst Schleswig durchgeführt werden. Bis 2014 sollte die zur HALE-Klasse gehörende Drohne Euro Hawk die bisherigen bemannten Überwachungsflugzeuge des Typs Breguet 1150 M Atlantic ablösen. Die Euro Hawk sollte, wie das Flugzeug, für SIGINT-Missionen eingesetzt werden, also zum Abfangen von Funk- und Radarsignalen. Es handelte sich um den gleichen Typ, der auch im Zuge des Bodenaufklärungsprogramms der NATO Alliance Ground Surveillance (AGS) eingesetzt werden sollte. Das System kostete 430 Millionen Euro und hatte mit einer Tragflächenspannweite von etwa 40 Metern fast die Ausmaße des Luftwaffen-Airbus A310 der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums. Die US-Armee setzte die Drohne unter der Bezeichnung Global Hawk bereits im Irak und in Afghanistan ein.
Die beauftragte RQ-4E wurde in einer Northrop-Grumman-Fabrik auf dem Gelände der Skunk Works in Palmdale/Lancaster in Kalifornien gebaut und zur Ausrüstung ohne das SIGINT-System nach Deutschland geflogen. Am 21. Juli 2011 traf die Maschine am Fliegerhorst Ingolstadt/Manching ein. Die Einrüstung der Aufklärungselektronik, Erprobung und Übergabe an die Bundeswehr erfolgten dann durch EADS in Manching. Am 12. Oktober 2011 wurde die Aufklärungsdrohne Euro Hawk dort der deutschen Öffentlichkeit vorgestellt. Am 11. Januar 2013 absolvierte der Prototyp den ersten Testflug über Deutschland ohne Schwierigkeiten.
Aufgrund von ungelösten Sicherheits- und Zulassungsproblemen wurde das Programm Euro Hawk im Mai 2013 beendet. Eine nachträgliche Zulassung der Drohne hätte nach Schätzungen der Luftwaffe zusätzlich zwischen 500 und 600 Millionen Euro gekostet. Im Mai 2013 berichtete die FAZ, dass das Bundesverteidigungsministerium unter Minister de Maizière das Milliarden-Programm zur Beschaffung der Aufklärungsdrohne Euro Hawk vorangetrieben hatte, obwohl das Ministerium schon Jahre davor wusste, dass das Fluggerät keine Zulassung für den deutschen und europäischen Luftraum bekommen wird. Nach Informationen der FAZ war auch den mit der Beschaffung der Drohne befassten Behörden und Ämtern seit Jahren bekannt, dass sich die rechtlichen Hindernisse, die einer Zulassung für den europäischen Luftraum entgegenstehen, kaum beseitigen lassen. Nach Informationen eines Luftwaffenexperten hatte die Bundeswehr bis zu diesem Zeitpunkt 1,3 Milliarden Euro für den Bau der Drohne durch Northrop Grumman und die Entwicklung der Aufklärungstechnik durch EADS ausgegeben. Weitere Millionen Euro wurden in den Umbau des Fliegerhorst Schleswig investiert, um dort Euro Hawk betreiben zu können. Die weitere Entwicklung des Projektes war im Mai 2013 offen.
Die für Euro Hawk von der EADS-Tochter Cassidian entwickelte Sensortechnik war laut Verteidigungsministerium hochmodern. Deshalb erwog man, die Technik in andere Flugzeuge einzubauen. Konkret nannte der Staatssekretär Stéphane Beemelmans das schon recht betagte Aufklärungsflugzeug Lockheed U-2 der USA. Von Experten wurde diese Vision deutlich bezweifelt. Für die Entwicklung der nicht angeschafften Drohne wurden rund 300 Millionen Euro von der öffentlichen Hand ausgegeben.
Im Anschluss an das Aus des Euro Hawk wurde erwogen, die SIGINT-Technik im Rahmen des Projektes PEGASUS („PErsistant German Airborne SUrveillance System“) in Drohnen des Schwestermodells MQ-4 Triton einzurüsten. Auch diese Pläne wurden im Jahr 2020 ebenfalls aufgrund ausufernder Kosten endgültig eingestellt. Das PEGASUS-Programm zur Wiederherstellung der luftgestützten SIGINT-Fähigkeiten der Bundeswehr wird mittlerweile unter gleichem Namen weitergeführt und hat die Einrüstung der Aufklärungstechnik in bemannte Flugzeuge vom Typ Bombardier Global 6000 zum Ziel. Das System hatte im September 2024 seinen Erstflug und soll der Bundeswehr ab 2027 zulaufen.
WABEP-Verbundsystem mini|Die Loitering Munition IAI Harop, 2011 durch Rheinmetall getestet, nicht für die Bundeswehr beschafft