mini|hochkant|Außenansicht der Pfaffenwiesbacher Georgskirche nach der Sanierung des Westwerks (2016) mini|hochkant|Simon Bohn, Pfarrer in Pfaffenwiesbach 1851-1869, Erbauer der Kirche
Die Sankt-Georgs-Kirche Pfaffenwiesbach ist die Kirche des hessischen Kirchorts Pfaffenwiesbach, zu dem die Wehrheimer Ortsteile Pfaffenwiesbach und (seit 1976) Friedrichsthal gehören.
Der Kirchort Pfaffenwiesbach ist einer der 11 Kirchorte in der am 1. Januar 2014 neu errichteten kath. Pfarrei „St. Franziskus und Klara – Usinger Land“ mit Sitz in Neu-Anspach. Er gehört damit weiterhin zum Bezirk Hochtaunus im Bistum Limburg. Nachdem er bis 1987 selbständig gewesen war (und einen eigenen Pfarrer vor Ort hatte), wurde er 1988 dem Kirchengemeindenverbund Pfaffenwiesbach – Friedrichsthal – Kransberg – Wernborn, dann dem Pastoralen Raum Neu-Anspach, dann dem Pastoralen Raum Usinger Land und zum 1. Januar 2012 schließlich dem Pastoralen Raum Usinger Land/Schmitten zugeordnet.
Mit der Pfarrei-Neugründung hat nicht nur die Kirchengemeinde Pfaffenwiesbach (mit Friedrichsthal) ihren Pfarreistatus, sondern die Georgskirche auch ihren Status als „Pfarrkirche“ verloren und ist heute eine der 10 Filialkirchen der neuen Pfarrei „St. Franziskus und Klara Usinger Land“. Kirchenpatrone sind der Hl. Georg und (nachweisbar) seit 1711 die Hl. Barbara. Beide gehören zu den Vierzehn Nothelfern und sind christliche Märtyrer des 4. Jahrhunderts.
Das Dorf Pfaffenwiesbach und seine Kirche mini|Blick auf die Georgskirche vom Usinger Weg aus (2012)
Die Anfänge des Dorfes Pfaffenwiesbach liegen weitgehend im Dunkeln. Alte Besiedlungsspuren weisen jedoch darauf hin, dass der Landstrich schon in vorchristlicher Zeit besiedelt war. Nach der im 9./10. Jh. vermuteten Ortsgründung als Rodungssiedlung in der Nähe eines ergiebigen Bachs oder an einem Bachübergang im Zusammenhang mit einem alten Verkehrswegenetz soll der Ort Wisenbach bereits um 1040 zum Comitat Malstatt im Gau Wettereiba (Wetterau) gehört haben, von dem im Jahr 1043 zumindest teilweise gräfliche Rechte an die Reichsabtei Fulda fallen. Wahrscheinlich infolge des Investiturstreits sowie des gleichzeitigen Aufstieges des Bistums Würzburg zum Territorialfürstentum dürfte im Lauf des 11./12. Jhs. eine „Basilika in Wisenbach“ einschließlich der dazugehörigen Besitzungen an das Benediktinerkloster Schlüchtern gefallen sein. 1167 wird dieses östlichstes Villikationszentrum (Verwaltungssitz) des Klosters dann erstmals in einer Urkunde erwähnt. bemerkt allerdings dazu, dass es sich bei dem wisenbach in der Urkunde nicht um Pfaffenwiesbach, sondern um Weißenbach südwestlich von Bad Brückenau handele, was 1167 als Ersterwähnungsdatum Pfaffenwiesbachs bestreiten würde.
Im Zuge einer politischen, wirtschaftlichen und auch kirchlichen Neuordnung in der Wetterau fällt zwischen 1216 und 1221 dann der Flecken Wisenbach sukzessiv an die Herren von Cranchesberg (1216–1221). In der Folgezeit wird durch Präfixe im Ortsnamen genau zwischen kirchlichem (z. B. Pfaffinwiesbach) und weltlichem Besitz (z. B. Erwitzenbach) unterschieden. 1297 fällt ein sog. Vronehof an die Abtei Seligenstadt. Der Deutsche Orden, der wohl im 14. Jh. über (heute nicht mehr genau nachvollziehbare) Umwege das Patronat über die Pfarrei erhält und dieses bis ins 16. Jh. hinein innehat, hat seit ca. 1300 Besitzungen in Pfaffenwiesbach erworben.
Vom 14. bis hinein in die 1. Hälfte des 20. Jh. teilen Dorf und Kirche dann das Geschick der später so genannten „Herrschaft Kransberg“. Verbindungen zur Wetterau bleiben jedoch noch kirchlich bis 1609 (Eingliederung in das Landkapitel Königstein), politisch bis 1654 (Herrschaftsantritt der Herren von Walpott in Bassenheim in der „Herrschaft Kransberg“) und wirtschaftlich (in Form einer Waldnutzungsgemeinschaft in der Mörler Mark) bis 1743 bestehen. Nachdem der weltliche Besitz von den Cranchesbergern im Laufe des 14. Jhs. schrittweise (1316–1356) zum Zwecke einer Besitzabrundung an die Falkensteiner gegangen und nach deren Aussterben zunächst 1419 an die Eppsteiner, dann 1433 an die Linie Eppstein-Münzenberg und schließlich schrittweise (1478–1521) an die Linie Eppstein-Königstein gegangen ist, erbt Graf Ludwig von Stolberg 1535 mit der Herrschaft Kransberg auch den Ort Pfaffenwiesbach. Dieser führt im Jahr 1541 auch in Pfaffenwiesbach die Reformation nach der Confessio Augustana ein und löst in dieser Zeit auch schrittweise den Deutschen Orden als Inhaber der Patronatsrechte für die Pfaffenwiesbacher Kirche ab.
Nachdem 1581 der Besitz an Kurmainz gelangt war, erfolgte 1606 unter großer Anstrengung und gegen z. T. heftige Widerstände (vgl. die Geschichte über den „störrischen“ Schultheißen und Gastwirt Nicolaus Beck!) die Rekatholisierung der Pfarrei, die sich allerdings noch bis 1614 hinzieht. Im Dreißigjährigen Krieg wechselte die Pfarrei mit dem Kriegseintritt der Schweden und der vorübergehenden Wiedergewinnung der Herrschaft durch die Stolberger (ab 1632) zumindest noch einmal nominell zur lutherischen Konfession. Nach dem Krieg jedoch begann mit Herrschaftsantritt der Herren von Walpott in Bassenheim (1654), die das Kransberger Gebiet per Zessionsurkunde von Kurmainz übernahmen, ein wirtschaftlicher, sozialer und kirchlicher Aufschwung, der vor allem eine Festigung der katholischen Konfession mit sich brachte: Als neue Patrone der Pfarrei präsentierten die Bassenheimer Grafen z. B. fortan den in Mainz zuständigen Stellen die Geistlichen (so 1681: Joannes Westhoven).
Infolge des Reichsdeputationshauptschlusses im Jahr 1803 fiel die Bassenheimische Standesherrschaft Kransberg an das neu errichtete Herzogtum Nassau bzw. Nassau-Usingen, wovon auch das Patronats- und Zehntrecht der Pfarrei betroffen waren. Schließlich wurde alles im Jahr 1866 (1867) der Provinz Hessen-Nassau zugesprochen; Pfaffenwiesbach gehört ab dieser Zeit abwechselnd dem Obertaunuskreis (1866, 1932) bzw. dem Landkreis Usingen (1886, 1933) an.
Den Zweiten Weltkrieg überstanden Ort wie Kirche einigermaßen unbeschadet. 1971 schloss sich Pfaffenwiesbach der Zivilgemeinde Wehrheim an und wurde eines ihrer vier Ortsteile; ein Jahr später erfolgte die Zuordnung zum Regierungsbezirk Darmstadt bzw. zum Hochtaunuskreis.
Geschichte der Kirche mini|hochkant|Urkunde mit der Ersterwähnung der „Basilika in Wisenbach“ (1167)
1167 wird in einer Besitzfestschreibung des Bischofs Herold von Würzburg für das Benediktinerkloster Schlüchtern erstmals eine „Basilika in Wisenbach“ (basilicam in wisenbach) erwähnt, bei der es sich wahrscheinlich um eine Landkirche oder eine Kapelle auf dem Gelände eines Gutshofes gehandelt haben dürfte. Bis ins 16. Jh. hinein verlieren sich dann die Nachrichten über eine Kirche vor Ort im Dunkel der Geschichte – bis auf den spärlichen Hinweis aus der Kransberger Chronik C. Walthers, dass es in Pfaffenwiesbach bereits vor der Einführung der Reformation (1541) eine Kirche mit zwei Altären gegeben habe. Ein (allerdings nur vermuteter) spätgotischer Neubau der Kirche, von dem auch der noch erhaltene Taufstein stammen könnte, ist aus politischen, wirtschaftlichen, kirchlichen und lokalhistorischen Gründen allenfalls für die Wende vom 15./16. Jh. (also noch vor der Reformation) anzunehmen. Möglich ist nämlich, dass auch der Ort Pfaffenwiesbach mit seiner alten Kirche bei den Auseinandersetzungen in der Mainzer Stiftsfehde (1459/63), der auch einige kleinere Siedlungen um Ober-Mörlen herum (wie z. B. Hüfftersheim) zum Opfer fielen, in Mitleidenschaft gezogen und darum ein Kirchenneubau nötig wurde.
Nach der Rekatholisierung des Ortes unter Kurmainzer Herrschaft (1606–1614), nach den Verwüstungen während des Dreißigjährigen Krieges (Schwedenherrschaft 1632 ff.) und nach dem Herrschaftsantritt der Herren von Walpott in Bassenheim in der Herrschaft Kransberg erfährt das kirchliche Leben vor Ort wieder einen großen Aufschwung; die katholische Konfession festigt sich. 1682 setzt man die Usinger Gräfin Catharina de Clatton auf ihren persönlichen Wunsch hin in der Pfaffenwiesbacher Kirche zwischen Taufstein und Marienaltar unter einer gekennzeichneten Grabplatte bei. Schließlich wird am 2. und 3. Oktober 1711 die wohl nach den Verheerungen des Krieges vollends wiederhergestellte und noch zusätzlich um einen Chorturm im Osten erweiterte Vorgängerkirche samt Barockaltären, Glocken und dem um diese alte Georgskirche herumliegenden Friedhof durch den Mainzer Weihbischof Johann Edmund Gedult von Jungenfeld neu geweiht.
mini|hochkant|Außenansicht der Georgskirche von Westen (um 1910)
Wegen Platzmangels und der Baufälligkeit der alten Kirche – unter anderem hatten sich die Emporen bedenklich gesenkt – begannen ab 1845 die Vorarbeiten für einen Kirchenneubau, die dann Pfarrer Simon Bohn, 1851 bis 1868 Pfarrer in Pfaffenwiesbach, „unter unsäglichen Mühen“ vorantreibt. Nach der Verlegung des Friedhofs an den jetzigen Platz im Jahr 1855 kann endlich im Jahr 1859 mit dem Bau der heutigen neuromanischen Kirche nach Plänen des Höchster Architekten Musset unter großem Einsatz der Pfaffenwiesbacher Gemeindemitglieder, die Grauschiefer in der naheliegenden Steinkaut für den Kirchbau brechen, begonnen werden. Baumeister ist Christian Schmidt aus Usingen. Die Grundsteinlegung war am Georgstag (23. April) 1860, feierliche Kirchweihe am 15. Mai 1862. Die Kosten für den Kirchneubau wurden durch Sonderholzfällungen, Sammlungen, Kollekten, Stiftungen und die Aufnahme von Darlehen aufgebracht. Glocken, Orgel und der barocke Hochaltar aus der alten Kirche wurden zum Teil überarbeitet und dann übernommen. Zeitweise ist die Pfaffenwiesbacher St. Georgs-„Basilika“ (so benannt wegen ihres neuromanischen Baustils) die größte katholische Kirche im Usinger Land und auch Sitz des katholischen Dekans.
Wegen mangelhafter Grundmauerisolierung musste die Kirche bereits 24 Jahre nach der Einweihung saniert werden, wodurch sich die Gemeinde stark verschuldete. Die Finanzierung erfolgte durch das Zusammenbetteln von „milden Gaben“ in ganz Deutschland. Nach Amerika ausgewanderte Pfaffenwiesbacher Familien unterstützen ihre Heimatpfarrkirche mit Donationen (wie z. B. durch die Stiftung der neugotischen Seitenaltäre 1889 und 1914 bzw. der Elektrifizierung der Kirche im Jahr 1920) – ebenso wie der eine oder andere Pfarrer (z. B. die Stiftung des neugotischen Hochaltares 1891 durch Pfarrer C. Breuers, seine Schwester und einige Freunde aus deren Heimatstadt Hüls). Nach dem Einbau einer neuen Orgel (1911/12) durch den Limburger Orgelbauer C. Horn und der Errichtung des Josefsaltars (1914) war zu Beginn des 20. Jahrhunderts die gesamte Kircheneinrichtung nach dem Geschmack der Zeit erneuert. In den Jahren 1938–1943 fanden einige Renovierungen innen und außen an der Kirche statt. Am Karsamstag 1945 riss beim Beschuss des Dorfes durch die Amerikanische Armee eine Granate ein großes Loch in den Kirchturm.
mini|rechts|Innenansicht der Kirche Richtung Osten (Pfingsten 2018)
Zwischen 1954 und 1961 wurde die Kirche innen und außen gründlich renoviert, der Innenraum farbig gestrichen, die elektrischen Leitungen neu gelegt und eine Heizung eingebaut. Im Bestreben, einen „modernen Sakralraum“ zu gestalten, wurde im Zuge der Arbeiten ein Großteil der neugotischen Einrichtung entfernt. 1962 war mit Anschaffung einer neuen Weihnachtskrippe die Renovierung abgeschlossen.
Nach dem Zweiten Vatikanum wurde der Chorraum der neuen Liturgie angepasst. Ab 1983 erfolgte schrittweise (und soweit noch möglich) die Wiederherstellung der alten Inneneinrichtung der Kirche, auch der Innenraum wurde 1987 wieder in Anlehnung an die Entstehungszeit ausgemalt (nur der Sternenhimmel im Chor sowie die farbigen Muster in Tür- und Fensterbögen sowie im Chorbogen wurden nicht mehr realisiert).