Der Lainbach, lokal auch Loanboch (von bayer. Loan, was etwa Schmelze bedeutet), ist ein Gebirgsbach in den Bayerischen Voralpen. Er beginnt nordwestlich der Benediktenwand und mündet bei Benediktbeuern als rechter Nebenfluss in die Loisach. Wegen besonderer Hochwassergefahr ist er technisch aufwendig verbaut.

Geographie Verlauf Der Lainbach beginnt als Zusammenfluss der Schmiedlaine und der Kotlaine in einem schluchtartigen Tal (Lainbachtal) auf , am sogenannten „ganzen Wasser“, westlich der Söldneralm (), im Gemeindegebiet von Benediktbeuern. Der Bach verläuft, tief eingeschnitten im Lainbachtal, zuerst in nordwestlicher Richtung, begleitet vom Wanderweg 456, bis er nach rund drei Kilometern bei dem Bildstock Mariabrunn das Einschnittstal verlässt. Hier ändert sich der Verlauf nach Westen, passiert zuerst die zu Benediktbeuern gehörende Ortschaft Gschwendt und kurz darauf Ried.

Beide Orte liegen auf dem Schwemmkegel des Bachs, östlich des Loisach-Kochelsee-Moores. In früherer Zeit mäanderte der Lainbach durch beide Siedlungen. Im Ortsgebiet von Ried unterquert er die Bundesstraße 11 sowie die Bahnstrecke Tutzing-Kochel und nimmt im Loisach-Kochelsee-Moor den Pessenbach auf, bevor er nach einer gesamten Fließstrecke von rund acht Kilometern auf in die Loisach mündet. Auf seiner gesamten Länge verläuft der Lainbach in einem Waldgürtel, der bis zur Hochwasserschutzverbauung, Anfang der 1990er Jahre, im Unterlauf des Baches als Auwald ausgebildet war.

Die heutige Gemeinde Benediktbeuern mit dem größten Anteil am Einzugsgebiet und mit der Ortschaft Gschwendt am Lauf trug bis zum 29. November 1865 den Namen Laingruben mit also demselben Bestimmungswort Lain- wie der Lainbach; dann wurde sie nach dem in der Gemeinde schon lange zuvor bestehenden Kloster Benediktbeuern umbenannt.

Zuflüsse Hierarchische Liste der Zuflüsse jeweils vom Ursprung zur Mündung. Auswahl. Die höheren Bäche fließen oft aus Quellbächen zusammen, die einheitlich den Namen des Unterlaufs tragen; in solchen Fällen wurde meist nicht aufgeschlüsselt.

Kotlaine, rechter Oberlauf Sattelbach oder Sattelbachgraben, rechter Oberlauf; entsteht an der Tiefentalalm Sattelbachgraben, von rechts Tiefentalgraben, von links von der Tiefentalalm unterm Hennenkopf Tuftgraben, von rechts vom Buchenauer Kopf Kreuzgraben (!), linker Oberlauf von der Brandenberger Hütte Wurfgraben, von rechts vom Buchenauer Kopf Kreuzgraben (!), von links Kreuzgraben (!), von links vor der Söldneralm Markgraben, von links Haseleckgraben, von rechts aus Richtung der Bauernhütte kurz vor dem Zusammenfluss mit der Schmiedlaine Schmiedlaine, linker Oberlauf; entsteht am Nordhang der Glaswand Schwarzenbachgraben, von links vom Sattel zwischen Gemskopf und Schwarzenbergkopf Eibelsbach, von rechts vom Eibelskopf Kohlstattgraben, von links aus dem Rotmoos Schaftelsgraben, von rechts vom Gurneck Rostgraben, von links Tanndlgraben, von links Markgraben, von rechts vom Windpäßelkopf Steingraben, von rechts vom Windpäßelkopf Wendegraben, von links Perlsgraben, von links unter den insolierten Häusern am Wurzweg von Gschwendt Mühlbach, von rechts bei der Straße Am Weidach von Gschwendt; geht unterhalb des vorigen nach recht ab Augraben, von rechts Pessenbach, von links vom Sattel Pessenbacher Schneid über der Orterer Alm Gemskopfgraben, von rechts vom Gemskopf Schwarzenberggraben, von rechts vom Sattel zwischen Gemskopf und Schwarzenbergkopf Kreuzgraben, von rechts vom Nordfuß des Schwarzenbergkopfs Läusberggraben, von rechts vom Dachsenberg Gschwendgraben, von rechts gegenüber dem Ort Pessenbach Schwaigbach, von rechts vom Unterhang des Rieder Vorbergs Bannholzgraben, von rechts vom Unterhang des Rieder Vorbergs Etzgraben, von rechts vom Nordhang des Rieder Vorbergs Enzenbach, von rechts; entsteht im Ort Ried aus seinen Oberläufen Mühlgraben, rechter Oberlauf Mühlgraben, linker Oberlauf

Hochwasserereignisse und Verbauung Der Lainbach – ohne den Pessenbach mit seinen Zuflüssen, der erst nach den Ortschaften Gschwendt und Ried in den Lainbach mündet – entwässert ein rund 20 Quadratkilometer großes Gebiet mit zahlreichen Steilhängen und kann nach Gewitterregen extreme Hochwasserspitzen zeigen. Einerseits die Erosionsanrisse im hinteren Lainbachtal, wo zahlreiche kleine Bäche sich in die mächtigen eiszeitlichen Lockergesteinsablagerungen eingeschnitten haben, andererseits die erosionsanfälligen Steilhänge der Flyschzone im gesamten Lainbachtal haben immer wieder Hangrutschungen und hohe Geschiebefrachten zur Folge, insbesondere bei Starkregenereignissen. Erste Verbauungen des Lainbachs sind für das Jahr 1886 bekannt, 1911 begann man mit systematischen Maßnahmen zum Erosions- und Hochwasserschutz. Kleinere Überschwemmungen in Ried gab es nach Gewittern in den Jahren 1958 und 1966, dabei wurden eine Brücke zerstört und der Damm im Ortsbereich beschädigt. In den 1970er und 1980er Jahren wurde daraufhin der Schluchtbereich saniert, 1983 der Damm verstärkt und auf einen Abfluss von 65 Kubikmetern Wasser pro Sekunde ausgelegt.

Am 30. Juni 1990 führte ein Gewitter mit Extremniederschlag (75,4 mm in 30 Minuten, 90 mm in einer Stunde) zu einem Hochwasser mit einem Abfluss von rund 210 Kubikmetern pro Sekunde. Durch Schwemmholz der Winterstürme Vivian und Wiebke aus dem Spätwinter 1990 und von losgerissenen Holzverbauungen kam es zu Verklausungen an den Brücken in Ried und nachfolgend zu großflächigen Überschwemmungen im Ort, die einen Sachschaden von umgerechnet rund 1,75 Millionen Euro verursachten. Das Bachbett wurde dabei stellenweise um einige Meter eingefurcht, anderswo in ähnlicher Höhe aufgeschottert. Von 1992 bis 2002 wurde deshalb für 7,2 Millionen Euro umfassend zum Hochwasserschutz gebaut. Unter anderem machte man das Bachbett tiefer und breiter, es kann nun schadlos einen Abfluss von 110 Kubikmeter pro Sekunde abführen. Am Schluchtausgang errichtete das Wasserwirtschaftsamt einen Treibholzrechen in Gestalt einer V-förmigen Formation von 28 Stahlpfeilern, der Baumstämme zurückhalten und so eine Verklausung der Brücken weiter bachabwärts verhindern soll.

Über die Besonderheiten von Gebirgsbächen und den Hochwasserschutz am Lainbach informieren zehn Schautafeln des Wasserwirtschaftsamts an einem Lehrpfad entlang des Wanderwegs von Ried zur Söldneralm. Dieser wurde 1996 eingerichtet, die Tafeln 2017 erneuert und aktualisiert.Lainbach-Lehrpfad ist restauriert, Sueddeutsche.de am 14. April 2017

Bürgerentscheid 2018 Zur Erweiterung eines bestehenden Gewerbegebietes am südlichen Ortsrand plante die Gemeinde Benediktbeuern etwa 3 Hektar des Lainbachwaldes westlich der Bundesstraße 11 zu roden und zu bebauen. Es formierte sich Widerstand in Form der BI Lainbachwald, welche durch einen Bürgerentscheid im Juni 2018 die Umsetzung der Pläne verhinderte.

Einzelnachweise BayernAtlas („BA“) Amtliche Online-Gewässerkarte mit passendem Ausschnitt und den hier benutzten Layern: Lauf und Einzugsgebiet des Lainbachs Allgemeiner Einstieg ohne Voreinstellungen und Layer: Höhe: Höhe abgefragt auf dem Hintergrundlayer Amtliche Karte (Rechtsklick). Länge: Länge abgemessen auf dem Hintergrundlayer Amtliche Karte.

Gewässerverzeichnis Bayern („GV“) Länge nach: . Abgefragt am 5. Dezember 2019. Einzugsgebiet nach: . Abgefragt am 5. Dezember 2019.

Sonstige

Literatur Klaus Wagner: Naturgefahrenbewusstsein und -kommunikation am Beispiel von Sturzfluten und Rutschungen in vier Gemeinden des Bayerischen Alpenraums, Freising-Weihenstephan 2004

Weblinks

Karte von Lauf und Einzugsgebiet des Lainbachs auf: Wildbachlehrpfad am Lainbach des Wasserwirtschaftsamts Weilheim

Kategorie:Fließgewässer im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Kategorie:Geographie (Benediktbeuern) Kategorie:Geographie (Kochel am See)