Concert by the Sea ist ein Jazzalbum von Erroll Garner. Es wurde am 19. September 1955 in Carmel-by-the-Sea, Kalifornien aufgenommen und erschien 1956 bei Columbia Records. Es gilt als eine der ersten LPs der Jazzgeschichte, die sich mehr als eine Million Mal verkaufteJohn McClellan, Deyan Bratic: Chet Atkins in Three Dimensions, Volume 2, S. 35 und mit der es insbesondere gelang, ein Publikum zu erreichen, das sonst eher selten Jazz hörte.Vgl. Richard Cook: Blue Note Records: The Biography, S. 122 Concert by the Sea ist charakterisiert durch seine energetische und mitreißende Darbietung des Jazz. Es zeigt Garners einzigartigen Stil, der eine Mischung aus Swing, Bebop und Blues ist.

Vorgeschichte des Konzerts Der Pianist Erroll Garner, dessen Popularität in den Vereinigten Staaten in der Mitte der 1950er Jahre vor allem auf seiner Komposition Misty beruhte, wurde im September 1955 von der Entertainment Division der US-Army angefragt, ob er ein Konzert für Veteranen des Koreakrieges geben würde. Die Einheit war in Fort Ord in der Nähe von Carmel stationiert, einer Kleinstadt an der Pazifikküste nahe San Francisco. Das Konzert war für den 19. September 1955 im Sunset Auditorium vorgesehen, einem früheren Kirchengebäude. Als sich herausstellte, dass viele der Soldaten nicht an dem Konzert teilnehmen konnten, fragten die Organisatoren Martha Glaser, die Erroll Garners Produzentin war, ob man nicht das Konzert aufnehmen könne, um es später den im Armeelazarett liegenden Soldaten vorzuspielen. Glaser war einverstanden, bestand aber darauf, dass die Bänder nach dem Konzert exklusives Eigentum von Garners Management seien.Informationen bei Keep swinging Ein Jazzfan namens Will Thornbury nahm das Konzert schließlich auf; Martha Glaser sagte ihm:

Musik des Albums Erroll Garners Trio bestand aus Eddie Calhoun am Bass und Denzil Best am Schlagzeug. Das Concert by the Sea beginnt mit einer von Garners charakteristischen Einleitungen mit der linken Hand, schrieb Will Friedwald – „sogar sein Bassist und sein Drummer, in diesem Fall Eddie Calhoun und Denzil Best haben kaum einen Plan davon, was er vorhat“. Dieses Intro ist teilweise düster, schwer und ernst – es steigert sich bis zum Punkt, in dem Garner zu I’ll Remember April ansetzt. Den als romantisches Liebeslied komponierten Song spielt Garner so swingend, dass sich Friedwald an die Surfer und die Meeresbrise auf einem späteren Albumcover erinnert fühlt. Garner verringert das Tempo in How Could You Do a Thing Like That to Me (der Titel ist auch als Duke Ellingtons Sultry Serenade bekannt). „Der Pianist zeigt, dass er genauso geschickt darin ist, beim Spiel Räume zu schaffen wie Noten zu spielen“, meinte Friedwald. Der Hauptteil des Albums stelle seinen Gespür für die Verarbeitung klassischer Jazzstandards wie etwa Where or When heraus; in Red Top bearbeitet er einen 12-taktigen Blues und seine Komposition Mambo Carmel zeigt seine Begeisterung für lateinamerikanischen Polyrhythmen. Zum Ende des Konzerts entwickelt sich eine kurze Unterhaltung mit dem Emcee, dem Radiomoderator Jimmy Lyons. Nach dem kurzen Erroll’s Theme stellte Lyons die Musiker vor und meinte, dass Garner an dem Abend noch nicht mit dem Publikum gesprochen habe. Damit entlockt er dem Pianisten den Kommentar, seine Musik spreche für sich und zu seiner Stimme sagte er: It’s worse than Louis Armstrong’s...Stanley Dance: Liner Notes

Veröffentlichung und Resonanz der Aufnahmen mini|hochkant|links|Produzent George Avakian. Foto: William P. Gottlieb. Eine Veröffentlichung von Concert by the Sea war zunächst gar nicht vorgesehen. Als jedoch Garner und seine Agentin die mitgeschnittenen Bänder abhörten, waren sie davon so begeistert, dass sie die Veröffentlichung der Bänder vorbereiteten. Erroll Garner und sein Trio hatten ungefähr 15 Titel während des Konzerts gespielt, von denen elf ausgewählt wurden, Stücke wie I Cover the Waterfront, Bernie’s Tune, Laura und The Nearness of You wurden verworfen. Weiterhin wurde deutlich, dass es zwar ein ausgezeichnetes Konzert Garners war, die Klangqualität und -balance aber schlecht waren, vor allem zum Nachteil der Rhythmusgruppe. Man entschied, das mit einem einfachen Tonbandgerät mit nur einem Mikrophon aufgenommene Tonband an George Avakian zu schicken, dem Produzenten bei Columbia.

Garner hatte seinen Vertrag mit Columbia zwar schon drei Jahre zuvor beendet; als jedoch Avakian die Bänder hörte, war er sofort begeistert und meinte später in einem Interview:

Zwei Wochen später hatte Avakian die Klangqualität soweit verbessert, dass sie ausreichend war, um die Bänder als Album zu veröffentlichen. Dies entwickelte sich rasch zu einem Verkaufsrenner; es war auch in Garners dreißigjähriger Karriere sein größter Erfolg. der Billboard notierte im März 1958 das Album auf Platz 2 der amerikanischen Charts; vor ihm lag Shelly Mannes My Fair Lady-Album.vgl. Billboard 3. März 1958 Bereits Mitte 1963 erreichten die Verkäufe die Marke von 500.000 verkauften Exemplaren.Billboard 3 Aug 1963 Das Album wurde über eine Million Mal verkauft, verschaffte Garner eine wachsende Popularität in den Vereinigten Staaten und ermöglichte ihm Auftritte in zahlreichen Nachtclubs;The Houghton Mifflin Dictionary of Biography by Houghton Mifflin Company, S. 585 im November 1957, kurz vor seiner Europatournee, war Erroll Garner zu Gast in Patti Pages Fernsehshow The Big Record.

Das Magazin Rolling Stone wählte das Album 2013 in seiner Liste Die 100 besten Jazz-Alben auf Platz 56.Die 100 besten Jazz-Alben. Rolling Stone; abgerufen am 16. November 2016. Die Edition des vollständigen Konzerts erhielt den Prix de la Meilleure Réédition ou du Meilleur Inédit der Académie du Jazz.

Editorische Hinweise Die LP Concert by the Sea erschien zunächst bei Columbia (CL 883) 1956, in Europa gab es unter gleichem Titel, aber mit veränderter Covergestaltung, Ausgaben von Philips (B 07170 L) und Melodiya (M 60-39911-12). Columbia veröffentlichte später den Mitschnitt auch in verschiedenen Kopplungen als Doppelalbum, etwa in den Niederlanden 1972 als This is Erroll Garner 2 (CBS Holland S 68 219) oder 1985 in Großbritannien als Misty & Concert By the Sea (CBS 22185).

Columbia legte 1987 eine erste Ausgabe von Concert by the Sea als CD vor (CK 40589). Mit bisher unveröffentlichtem Material erschienen die Aufnahmen 2007 bei Jazz Beat.Informationen bei Discogs Dort erschien auch eine Wiederveröffentlichung in Form einer 180-Gramm-LP. In der Reihe Essential Jazz Classics erschien bei Discovery Records in CD-Form das Original-Album, gekoppelt mit dem Originaltitel (1954) Misty“Misty” wurde in Chicago am 27. Juli 1954 mit Wyatt Ruther (Bass) & Eugene Heard (Drums) eingespielt. und Konzertmitschnitten von der Weltausstellung Seattle 1962 (mit Eddie Calhoun (Bass) & Kelly Martin (Drums)). 2015 veröffentlichte Sony Legacy und die Octave Music Publishing Corporation die 3-CD-Box The Complete Concert By the Sea, die den vollständigen Konzertmitschnitt (inklusive elf bislang unveröffentlichten Titeln) und Interviews mit Erroll Garner, Denzil DaCosta Best und Eddie Calhoun, die direkt nach dem Konzert entstanden, enthält. Produziert wurde die Ausgabe von Geri Allen und Steve Rosenthal, außerdem Liner Notes von Geri Allen, Robin D.G. Kelley und Dan Morgenstern.Sony Legacy to Release Erroll Garner’s “Concert By the Sea” as 3-CD Box (2015) in JazzTimes

Die Titel Erroll Garner: Concert by the Sea (Columbia CL 883, CK 40589) I’ll Remember April (Gene De Paul, Patricia Johnston, Don Raye) – 4:14 Teach Me Tonight (Sammy Cahn, de Paul) – 3:37 Mambo Carmel-by-the-sea (Erroll Garner) – 3:43 Autumn Leaves (Joseph Kosma, Jacques Prévert, Johnny Mercer) – 6:27 It’s All Right with Me (Cole Porter) – 3:21 Red Top (Lionel Hampton, Ben Kynard) – 3:11 April in Paris (Vernon Duke, Yip Harburg) – 4:47 They Can’t Take That Away from Me (George Gershwin, Ira Gershwin) – 4:08 How Could You Do a Thing Like That to Me (Tyree Glenn, Allan Roberts) – 3:59 Where or When (Richard Rodgers, Lorenz Hart) – 3:06 Erroll’s Theme (Garner) – 0:46

Rezeption des Albums Will Friedwald begründet den immensen Erfolg wie folgt:

mini|Erroll Garner um 1947, Fotografie von William P. Gottlieb. Bob Rusch vergab an das Album in AllMusic die Höchstnote von fünf Sternen und schrieb

Zurückhaltender äußerten sich Richard Cook und Brian Morton in The Penguin Guide to Jazz über die Mitschnitte; Concert by the Sea sei weder essentiell noch charakteristisch, aber Teile des Konzertes wie die Einleitung zu I’ll Remember April und Red Top zeigten den Pianisten von seiner lebhaften Seite; aber fast noch interessanter sei seine wohlgestaltete Bearbeitung von How Could You Do a Thing Like That to Me.Richard Cook & Brian Morton: The Penguin Guide to Jazz on CD Penguin, London 2003, (6. Auflage). ISBN 0-14-051521-6

Brian Priestley hob im Rough Guide: Jazz das Concert by the Sea-Album in der Garner-Diskographie hervor und erwähnte besonders dessen Interpretation der Standards Autumn Leaves und Red TopIan Carr, Digby Fairweather, Brian Priestley: Rough Guide Jazz. Der ultimative Führer zur Jazzmusik. 1700 Künstler und Bands von den Anfängen bis heute. Metzler, Stuttgart / Weimar 1999, ISBN 3-476-01584-X, S. 288.

C. Michael Bailey schrieb in All About Jazz (das Concert By The Sea in die Liste der 10 besten Livealben der Jahre 1953–1965)Liste der Best Live Jazz Recordings (1953-65) bei All About Jazz aufnahm:

Im Gespräch mit A. B. Spellman für das National Public Radio meinte Murray Horwitz:

Weblinks Will Friedwald: Garner’s Serendipitous Hit. In: Wall Street Journal, 2009. Bob Rusch: C. Michael Bailey: Besprechung des Albums. All About Jazz. Gespräch von A.B. Spellman und Murray Horwitz über das Album. National Public Radio.

Einzelnachweise

Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album 1956 Kategorie:Livealbum