Der Große Preis von Großbritannien 1977 (offiziell XXX John Player British Grand Prix) fand am 16. Juli auf dem Silverstone Circuit in Silverstone statt und war das zehnte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1977. Das Rennen erhielt in diesem Jahr den FIA-Ehrentitel Großer Preis von Europa.

Berichte Hintergrund Ein Teilnehmerfeld von ungewöhnlicher Größe reiste zum Britischen Grand Prix nach Silverstone. Insgesamt 36 Teilnehmer wurden gemeldet.

Darunter befand sich auch das Renault-Werksteam, dessen mit Spannung erwartetes Debüt eigentlich für den Heim-Grand-Prix zwei Wochen zuvor in Frankreich geplant gewesen war, jedoch kurzfristig verschoben werden musste. Jean-Pierre Jabouille absolvierte nun den ersten Renneinsatz des Renault RS01 mit Turbomotor und läutete somit eine neue Ära in der Formel 1 ein. Das Turbo-Konzept setzte sich im Laufe der folgenden Jahre zunehmend durch.

Patrick Tambay, der sich in Frankreich im Surtees TS19 nicht hatte qualifizieren können, erhielt eine neue Chance im erstmals antretenden Team Theodore Racing, welches einen Ensign N177 als Kundenfahrzeug einsetzte. Gelegenheitsfahrer Tony Trimmer trat zum ersten Mal in dieser Saison an, am Steuer eines privaten Surtees.

Dem kanadischen Debütanten Gilles Villeneuve wurde vom McLaren-Werksteam ein M23 zur Verfügung gestellt. Dies wurde möglich, da erstmals beide Werksfahrer, James Hunt und Jochen Mass, den M26 fuhren. Ein weiterer Neuling war Andy Sutcliffe, der den zweiten Kunden-March im Team RAM Racing pilotierte. Der Australier Brian McGuire war ebenfalls neu in der Formel 1 und trat mit einem von ihm selbst modifizierten Rennwagen an, der seinen Namen trug.

Vern Schuppan kehrte als Ersatz für den endgültig bei Surtees ausgestiegenen Larry Perkins ins Fahrerfeld zurück.

In der Fahrerwertung führte Niki Lauda mit einem Punkt vor Mario Andretti und Jody Scheckter. In der Konstrukteurswertung führte Ferrari mit sieben Punkten vor Lotus und mit 18 Punkten vor Wolf.

Mit Emerson Fittipaldi (zweimal), Lauda und Scheckter (jeweils einmal) traten drei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Training Aufgrund der sehr umfangreichen Meldeliste entschied man sich erstmals für das in der Formel 1 damals völlig neue Verfahren einer Vorqualifikation. Alle Privatteams, die nicht Mitglied der FOCA waren, sowie Gaststarter mussten am Mittwoch vor dem Grand Prix daran teilnehmen. Nur diejenigen Piloten, die während dieses Extra-Trainings eine ausreichende Rundenzeit erzielten, durften an den regulären Trainingseinheiten am Freitag und Samstag teilnehmen, in denen, wie damals üblich, die Qualifikation fürs Rennen ausgetragen wurde. Man wählte dieses Verfahren, um mehr Raum zu schaffen, da die rund 4,7 Kilometer lange Rennstrecke mit allen 36 gemeldeten Fahrzeugen während des regulären Trainings derart überfüllt gewesen wäre, dass das Erzielen schneller Rundenzeiten ohne Behinderung durch langsamere Kollegen kaum möglich erschien.

Insgesamt 14 Fahrer nahmen an der Vorqualifikation teil. Die beiden Einheiten wurden durch zwei schwere Unfälle überschattet. Mikko Kozarowitzky beschädigte seinen Wagen irreparabel und David Purley verunfallte schwer, nachdem sein Gaszug in Vollgasstellung blockierte.

Villeneuve, Tambay, Jean-Pierre Jarier, Brian Henton und Brett Lunger beendeten die Vorqualifikation erfolgreich und wurden somit für das eigentliche Grand-Prix-Wochenende zugelassen. Wenig später entschloss sich der Veranstalter, zusätzlich auch Arturo Merzario und Patrick Nève zuzulassen. Nachdem bekannt wurde, dass Harald Ertl aufgrund finanzieller Probleme nicht würde antreten können, erhielt auch Emilio de Villota einen Nachrückerplatz.

Am Freitag vor dem Rennen begann dann das eigentliche Grand-Prix-Wochenende in bekannter Form. Ein starker Auftritt von Villeneuve beeindruckte die Fachwelt, die mit Spannung die ersten Trainingsrunden des turbogetriebenen Renault mit Michelin-Reifen erwartete.

Hunt, dessen stetige Steigerung im McLaren M26 bereits in den Rennen zuvor aufgefallen war, sicherte sich die Pole-Position vor seinem Landsmann John Watson. Die zweite Reihe wurde von den Titelkontrahenten Lauda und Jody Scheckter gebildet. Es folgte eine reine Lotus-Reihe, bestehend aus den beiden Werksfahrern Gunnar Nilsson und Andretti. Hans-Joachim Stuck auf Brabham, Surtees-Pilot Vittorio Brambilla, der beeindruckende Neuling Villeneuve und Tyrrell-Pilot Ronnie Peterson vervollständigten die Top Ten.

Da nur 26 Fahrzeuge für das Rennen zugelassen wurden, scheiterten vier weitere Piloten an der regulären Qualifikation.

Rennen Watson ging aufgrund eines schlechten Starts von Hunt vor Lauda und Scheckter in Führung. Hunt folgte als Vierter vor Nilsson, Andretti, Villeneuve, Mass und Brambilla. Andretti überholte in der dritten Runde seinen Teamkollegen, im siebten Umlauf übernahm Hunt den dritten Platz von Scheckter.

Der erste Renneinsatz des Turbo-Renault endete bereits nach 16 Runden ausgerechnet aufgrund eines Schadens am Turbolader.

Villeneuve musste aufgrund erhöhter Motortemperatur einen Boxenstopp einlegen. Nachdem die Mechaniker das Problem inspiziert hatten, wurde er wieder auf die Strecke geschickt. In der 23. Runde gelangte Hunt durch ein Ausbremsmanöver gegen Lauda auf den zweiten Rang.

In der 50. Runde wurde Watson genau wie zwei Wochen zuvor in Führung liegend Opfer eines Defektes im Kraftstoffsystem. Während er die Box ansteuerte, um nachtanken zu lassen, übernahm Hunt die Führung und verteidigte sie bis ins Ziel. Es war der erste Saisonsieg für den Titelverteidiger.

Da sowohl Scheckter als auch Andretti jeweils in aussichtsreicher Position liegend kurz vor dem Ende des Rennens aufgrund von Motorschäden ausgefallen waren, wurde Lauda Zweiter vor Nilsson, Mass, Stuck und Laffite.

Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 McLaren M26 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 2 40 McLaren M23 3 Tyrrell P34 4 5 Lotus 78 6 7 Brabham BT45B Alfa Romeo 115-12 3.0 F12 8 9 March 761B Ford Cosworth DFV 3.0 V8 10 11 Ferrari 312T2 Ferrari 015 3.0 F12 12 15 Renault RS01 Renault EF1 1.5 V6t 16 Shadow DN8 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 17 18 Surtees TS19 19 20 Wolf WR1 22 Ensign N177 23 24 Hesketh 308E 26 Ligier JS7 Matra MS76 3.0 V12 27 March 761 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 28 Copersucar FD05 30 McLaren M23 LEC Refrigeration Racing 31 LEC CRP1 32 March 761 33 34 Penske PC4 35 BRM P207 BRM P202 3.0 V12 Iberia Airlines 36 McLaren M23 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 37 March 761B 38 March 761 Melchester Racing 44 Surtees TS19 45 McGuire BM1

Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 1:18,49 216,440 km/h 1 2 1:18,77 215,671 km/h 2 3 1:18,84 215,479 km/h 3 4 1:18,85 215,452 km/h 4 5 1:18,95 215,179 km/h 5 6 1:19,11 214,744 km/h 6 7 1:19,16 214,608 km/h 7 8 1:19,20 214,500 km/h 8 9 1:19,32 214,175 km/h 9 10 1:19,42 213,906 km/h 10 11 1:19,55 213,556 km/h 11 12 1:19,60 213,422 km/h 12 13 1:19,64 213,315 km/h 13 14 1:19,64 213,315 km/h 14 15 1:19,75 213,021 km/h 15 16 1:19,81 212,861 km/h 16 17 1:19,88 212,674 km/h 17 18 1:19,90 212,621 km/h 18 19 1:20,06 212,196 km/h 19 20 1:20,10 212,090 km/h 20 21 1:20,11 212,063 km/h 21 22 1:20,20 211,825 km/h 22 23 1:20,24 211,720 km/h 23 24 1:20,31 211,535 km/h 24 25 1:20,35 211,430 km/h 25 26 1:20,36 211,404 km/h 26 DNQ Da das Teilnehmerfeld auf 26 Wagen begrenzt war, scheiterten Ribeiro, Regazzoni, Henton und de Villota an der Qualifikation. 1:20,46 211,141 km/h – DNPQ Purley, Sutcliffe, Edwars, Trimmer, McGuire und Kozarowitzky scheiterten an der Vorqualifikation. LEC-Ford 1:20,63 210,696 km/h – DNQ 1:20,79 210,278 km/h – DNQ 1:20,79 210,278 km/h – DNQ 1:21,53 208,370 km/h – DNPQ 1:21,93 207,353 km/h – DNPQ 1:22,62 205,621 km/h – DNPQ 1:22,80 205,174 km/h – DNPQ 1:23,76 202,822 km/h – DNPQ 1:31,79 199,488 km/h – Anmerkungen

Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 68 0 1:31:46,06 1 1:19,60 (48.) 2 68 0 + 18,31 3 1:20,26 (54.) 3 68 0 + 19,57 5 1:19,66 (68.) 4 68 0 + 47,76 11 1:20,51 (58.) 5 68 0 + 1:11,73 7 1:20,87 (50.) 6 67 0 + 1 Runde 15 1:21,24 (59.) 7 67 0 + 1 Runde 12 1:21,19 (55.) 8 67 1 + 1 Runde 8 1:20,58 (58.) 9 67 0 + 1 Runde 20 1:22,06 (39.) 10 66 0 + 2 Runden 26 1:22,54 (50.) 11 66 1 + 2 Runden 9 1:20,14 (65.) 12 66 0 + 2 Runden 23 1:22,78 (21.) 13 64 1 + 4 Runden 19 1:21,99 (58.) 14 62 0 DNF 6 1:20,34 (50.) 15 62 1 + 6 Runden 14 1:21,25 (45.) – 60 1 DNF 2 1:19,63 (55.) – 59 0 DNF 4 1:20,13 (59.) – 42 0 DNF 22 1:22,42 (18.) – 28 0 DNF 17 1:21,60 (25.) – 20 0 DNF 25 1:22,54 (18.) – 16 0 DNF 18 1:21,88 (11.) – 16 1 DNF 21 1:23,01 (10.) – 6 0 DNF 24 1:23,25 (4.) – 3 0 DNF 16 1:23,90 (2.) – 3 0 DNF 10 1:23,25 (2.) – 0 0 DNF 13 –

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e). Es zählten nur die besten acht Ergebnisse aus den ersten neun Rennen und die besten sieben Ergebnisse aus den letzten acht Rennen. In der Konstrukteurswertung zählte nur das Ergebnis des bestplatzierten Fahrers eines Teams. Streichresultate sind in Klammern gesetzt.

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Ferrari 392Lotus-Ford 323Wolf-Ford 32 4Ferrari 28 5McLaren-Ford 22 6Lotus-Ford 207McLaren-Ford 17 8 Tyrrell-Ford 10 9 Ligier-Matra 1010Brabham-Alfa Romeo 9 11 Copersucar-Ford 8 12 † Brabham-Alfa Romeo 613Tyrrell-Ford 414March-Ford / Brabham-Alfa Romeo 415Surtees-Ford 316Shadow-Ford 317Ensign-Ford 118Shadow-Ford 119Penske-Ford 120Copersucar-Ford 021Surtees-Ford 0 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 22Shadow-Ford 023Hesketh-Ford 0 24Shadow-Ford 025March-Ford / McLaren-Ford 026March-Ford 027March-Ford 028Hesketh-Ford 0 29Ensign-Ford 030March-Ford 031McLaren-Ford 0 32Surtees-Ford 0 33B.R.M. / Surtees-Ford 034McLaren-Ford 035LEC-Ford 036March-Ford 0– †Shadow-Ford 0–March-Ford 0–March-Ford 0–Renault 0–Ensign-Ford 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 56 (58)2 47 3 34 4 325 196 147 108 89 4 Pos. Konstrukteur Punkte10 311 112 113 0 14 015 LEC-Ford 0– 0 – 0 Einzelnachweise

Weblinks Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1

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