mini|Die Bergischen Symphoniker auf einem Open-Air-Konzert am 20. Juli 2013 auf dem Gräfrather Marktplatz
Die Bergischen Symphoniker – Orchester der Städte Remscheid und Solingen GmbH – sind das gemeinsame Orchester der beiden Städte Remscheid und Solingen im Bergischen Land. Sie entstanden 1995 durch die Vereinigung der 1925 gegründeten Remscheider Symphoniker und des 1939 gegründeten Symphonieorchesters der Stadt Solingen. Von 2009 bis 2019 war Peter Kuhn Chefdirigent des Orchesters und Generalmusikdirektor beider Städte. Seit der Spielzeit 2019/2020 ist Daniel Huppert sein Nachfolger. In: Musik heute, Klassik-Nachrichten-Journal. Geschäftsführerin der Orchester-GmbH ist seit März 2026 Antje Haury,Neue Geschäftsführerin der Bergischen Symphoniker: „So möchte ich noch mehr Menschen begeistern“. In: Solinger Tageblatt, 15. August 2026. ihr Vorgänger war Stefan Schreiner.Orchesterchef Stefan Schreiner: „Man darf sich nicht in Sicherheit wiegen“. In: Solinger Tageblatt, 24. Mai 2026. Pro Spielzeit absolvieren die Bergischen Symphoniker in den beiden Städten sowie bei Gastspielen in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus rund 180 Auftritte in Konzertsaal und Musiktheater und sind damit eines der meistbeschäftigten Orchester in Deutschland.
Geschichte Vorgeschichte Die Geschichte der Bergischen Symphoniker geht bis auf das Jahr 1925 zurück. Zwei Jahre nach der Inflation rief der Oberbürgermeister von Remscheid, Walther Hartmann, drei bis heute bestehende Kulturinstitute ins Leben: das Städtische Heimatmuseum, das Stadtarchiv Remscheid und ein Städtisches Orchester. Ähnlich wie im benachbarten Solingen wurde das öffentliche Musikleben in der Industriestadt bis dahin vor allem von zahlreichen Gesangsvereinen getragen. Sinfoniekonzerte wurden von gastierenden Ensembles oder dem 1845 gegründeten Instrumentalverein gestaltet, einem Liebhaberorchester. Allerdings gab es seit 1884 in Person des Chorleiters Gustav Schwager bereits einen Musikdirektor, der sich seit 1906 als „Städtischer Musikdirektor im Ehrenamt“ bezeichnen durfte.
1925–1939 Die Situation änderte sich nach dem Ersten Weltkrieg, als das ehemalige Deutsche Theater Warschau in Remscheid ansässig wurde und im Schauspielhaus der Stadt mit den überwiegend nebenberuflichen Musikern des 1858 gegründeten Konzertvereins auch Werke des Musiktheaters zur Aufführung brachte. Als die Orchestermusiker 1925 wegen ihrer doppelten Belastung ihre Arbeit niederlegten, gründete Oberbürgermeister Walther Hartmann ein Städtisches Orchester mit zunächst 26 fest angestellten Berufsmusikern – im Jahr 1926 waren es bereits 30 Musiker – und ernannte den 25-jährigen Musiker, Musikpädagogen und Musikwissenschaftler Felix Oberborbeck zum Städtischen Musikdirektor. Durch die Gründung einer „Städtischen Schauspielhaus- und Orchester-GmbH“ wurde das Städtische Orchester an das 1919 eröffnete Schauspielhaus der Stadt gebunden, dessen Spielplan sich unter seinem Intendanten Ernst Müller-Multa nicht auf das Sprechtheater beschränkte, sondern auch Opern und Operetten zur Aufführung brachte.
Dabei kam das neu gegründete Orchester bis gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ebenso zum Einsatz wie bei regelmäßigen Sinfoniekonzerten und städtischen Jugendkonzerten für die weiterführenden Schulen; sie bildeten von Anfang an einen festen Bestandteil in der Arbeit des Orchesters. Der studierte Schulmusiker Oberborbeck verband hier musikalische und pädagogische Ambitionen miteinander. Durch seine Verbindungen zur Musikhochschule und zum Rundfunk in Köln, für den er den musikalischen Schulfunk mitgestaltete, kam es auch zu gelegentlichen Radiosendungen solcher Jugendkonzerte. Bis heute gehört das musikpädagogische Wirken der Orchestermusiker unverzichtbar zur Arbeit der Bergischen Symphoniker. Die später, in den 1950er Jahren eingeführten regelmäßigen Besuche von Mitgliedern aller Orchestergruppen in den Schulen der Stadt zur Vorbereitung folgender Schulkonzerte fanden als „Remscheider Modell“ auch überregional Beachtung und Anerkennung.
Das 14 Jahre jüngere Symphonieorchester der Stadt Solingen hatte andere Ursprünge. Sie gehen bis ins Jahr 1929 zurück. Damals verloren infolge der Einführung des Tonfilms die örtlichen Kino-Musiker ihre Arbeit. Bis dahin war auch das Musikleben der Klingenstadt traditionell von den zahlreichen Chören am Ort getragen worden. Im Jahr 1929 trat der gebürtige Solinger Werner Saam, der bei Hermann Abendroth in Köln Orchesterdirektion studiert hatte, sein Amt als Städtischer Musikdirektor an. Damit hatten beide Städte also einen Musikdirektor, bevor sie sich einen eigenen Klangkörper leisteten. Das Orchester, das sich in Solingen aus den ehemaligen Filmmusikern bildete, durfte ab 1932 zwar den Namen „Städtisches Orchester“ führen, wurde aber von der Stadt finanziell nur unterstützt. Erst ab 1935 unterhielt die Klingenstadt gemeinsam mit Remscheid das „Bergische Landesorchester“, das als erster gemeinschaftlicher Klangkörper der beiden Nachbarstädte und damit als Vorläufer der heutigen Bergischen Symphoniker gelten kann.
In Remscheid war es durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den späten 20er und frühen 30er Jahre immer schwieriger geworden, ein eigenes Orchester zu finanzieren. Zeitweise musste die Zahl der Mitglieder auf 16 bzw. 18 Musiker reduziert werden. Infolge der Weltwirtschaftskrise sah sich die Stadt 1931 gezwungen, das städtische Schauspielhaus zu schließen und das Orchester aufzulösen. Allerdings war die Stadtspitze unter Oberbürgermeister Hartmann so weitblickend, das Orchester nur interimistisch und pro forma aufzugeben und die damals 32 Musiker mit Unterstützung des Arbeitsamtes als „Ehemaliges Städtisches Orchester“ (sogenanntes „Arbeitsamtsorchester“) am Ort zu halten. So konnte der Konzertbetrieb, wenn auch unter erheblichen persönlichen Opfern der Musiker, erst einmal weitergeführt werden.
Nachdem Felix Oberborbeck 1934 Direktor der Musikhochschule Weimar wurde, konnte im Jahr darauf mit Horst-Tanu Margraf eine Dirigentenpersönlichkeit von Rang als neuer Städtischer Musikdirektor in Remscheid gewonnen werden; nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Margraf als Generalmusikdirektor in Halle an der Saale einer der Initiatoren der dortigen Händel-Festspiele. Unter dem neuen Intendanten des wieder eröffneten Schauspielhauses, Hanns Donadt, kam es 1935 zur Gründung einer „Bergischen Bühne Remscheid-Solingen GmbH“ und des „Bergischen Landesorchesters“, das auf Remscheider Seite von Margraf, in Solingen von Werner Saam geleitet wurde.
1939–1945 Die Theater- und Orchesterehe zwischen Solingen und Remscheid hielt allerdings nur bis 1939; damals zog sich die Stadt Solingen aus der Trägerschaft des Bergischen Landesorchesters zurück. In Solingen kam es zur Gründung eines eigenen Klangkörpers mit 38 – später 42 – Musikern, der in der Klingenstadt unter dem Namen „Städtisches Orchester“ auftrat, bei Auftritten im Umland aber als „Niederbergisches Landesorchester“ firmierte. Somit unterhielten beide Städte in der Zeit des Zweiten Weltkrieges wieder ein eigenes Orchester; die Stadt Remscheid betrieb das Bergische Landesorchester mit 52 Musikern weiter.
Die Namen der Solisten und Gastdirigenten, die schon in den ersten Jahrzehnten in den Sinfoniekonzerten beider Städte auftraten, unterstreichen das musikalische Niveau, das Remscheid wie Solingen mit der Unterhaltung eines professionellen Orchesters erreicht hatten. Unter den Pianisten finden sich Namen wie Elly Ney, Claudio Arrau und Wilhelm Kempff, Eduard Erdmann und Karl Hermann Pillney; unter den Geigern Georg Kulenkampff, Henri Marteau und Wilhelm Stross; unter den Cellisten Gaspar Cassadó, Paul Grümmer und wiederholt der aus Solingen gebürtige Ludwig Hoelscher, der auch in den folgenden Jahrzehnten immer wieder als Solist in seine Heimatstadt zurückkehrte. Daneben waren Gesangssolisten wie Erna Berger, Karl Erb oder Rudolf Bockelmann zu hören. Gastdirigenten waren u. a. Karl Elmendorff und Hermann Abendroth, der japanische Graf Konoe Hidemaro, der Italiener Bernardino Molinari, der rumänische Dirigent Ionel Perlea oder der Komponist Hans Pfitzner, der auch wiederholt auf Schloss Burg an der Wupper auftrat – damals ein regionales Zentrum der Musikpflege. Erstaunlich hoch ist schon in den 1920er und 1930er Jahren der Anteil zeitgenössischer Musik in den Konzertprogrammen. Auf dem Opernspielplan standen neben Bühnenwerken von Richard Wagner und Richard Strauss auch Hans Pfitzners letzte Oper Das Herz, Wilhelm Kempffs Oper Familie Gozzi oder Jenůfa von Leoš Janáček auf den Spielplänen.
1945–1960 Nachdem Werner Saam 1944 zum Kriegsdienst eingezogen worden war, übernahm nach Kriegsende Otto Siegl und 1946 der Kapellmeister Hanns Reinartz für fünf Jahre die Leitung des Städtischen Orchesters Solingen. Werner Saam, der stets eine besondere Neigung zur Chordirektion hatte, wurde nach seiner Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft zunächst Städtischer Chordirektor und übernahm 1951, nach Auslaufen des Vertrages mit Hanns Reinartz, wieder sein altes Amt als Städtischer Musikdirektor. Horst-Tanu Margraf hatte Remscheid 1944 verlassen, als er an die Oper in Lemberg verpflichtet wurde; für ihn sprang der Kapellmeister Felix Raabe als interimistischer Chefdirigent ein, gefolgt von den Kollegen Carl-Robert Vohwinkel und Bruno Frings. 1947 konnte mit Helmut Schaefer ein neuer Musikdirektor gewonnen werden. Die Klangkörper beider Städte waren einstweilen selbständig, bis im Jahre 1949, nach der Währungsreform, eine erneute Fusion der beiden Städtischen Orchester notwendig erschien. Da das Orchester die Doppelbelastung, in Solingen, wo nach dem Krieg und bis Mitte der 50er Jahre ein eigenes Musiktheater gehalten wurde, Opern- und Operettenproduktionen zu betreuen und außerdem in beiden Städten Sinfoniekonzerte zu geben, nicht mehr leisten konnte, hielt diese erneute Orchesterehe jedoch nur bis 1950. Allerdings wurde in den 50er Jahren eine enge Zusammenarbeit der beiden Städtischen Orchester vereinbart, die eine gegenseitige Verstärkung bei größer besetzten Werken vorsah, in den 70er Jahren noch erweitert wurde und bis zur Vereinigung der beiden Orchester im Jahr 1995 hielt. Als Helmut Schaefer 1952 einen Ruf an die Musikhochschule in Ankara erhielt, gewann Remscheid mit dem jungen, 1922 in Innsbruck geborenen Otmar Suitner den wohl prominentesten Chefdirigenten seiner Orchestergeschichte. Der Schüler von Clemens Krauss blieb fünf Jahre in Remscheid, wechselte 1957 nach Ludwigshafen und machte später als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden und Generalmusikdirektor der Staatsoper Berlin eine bedeutende Karriere. Bevor sich 1958 mit dem Musikwissenschaftler und Dirigenten Siegfried Goslich ein geeigneter Nachfolger fand, der neben Symphonien von Anton Bruckner besonders der Zeitgenössischen Musik breiten Raum in den Konzerten gab, übernahm für ein Jahr der erfahrene Kapellmeister Helmut Fellmer interimistisch die Leitung des Orchesters. In den 50er und frühen 60er Jahren standen auch so bedeutende Persönlichkeiten wie Paul Hindemith oder Heinz Tietjen am Pult des Remscheider Orchesters. Siegfried Goslich, der von Radio Bremen nach Remscheid gekommen war, übernahm schon nach drei Jahren, 1961, die Leitung der Hauptabteilung Musik beim Bayerischen Rundfunk und kehrte dem Bergischen Land wieder den Rücken.
1960–1995