Justine Henin (; * 1. Juni 1982 in Lüttich) ist eine ehemalige belgische Tennisspielerin.
Ihre größten sportlichen Erfolge waren der Gewinn von sieben Grand-Slam-Titeln, der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen von Athen sowie Siege bei den WTA Tour Championships 2006 und 2007. Als sechste Spielerin in der Geschichte des Profitennis führte Henin insgesamt über einhundert Wochen die WTA-Weltrangliste an, in den Jahren 2003, 2006 und 2007 jeweils auch zum Saisonende. Im Mai 2008, als sie ihren sofortigen Rücktritt bekanntgab, trat sie als aktuelle Nummer eins der Weltrangliste zurück. Anfang 2010 kehrte sie nochmals auf die Tour zurück, doch im Januar 2011 beendete sie aus gesundheitlichen Gründen endgültig ihre Karriere.
Henin wurde von vielen Tennisexperten als eine der komplettesten Spielerinnen auf der Tour angesehen. Ihr Markenzeichen und Paradeschlag, die einhändig gespielte Rückhand, wurde von John McEnroe als bezeichnet.zitiert nach: , sportsillustrated.cnn.com, 7. September 2003
Leben Von November 2002 bis Januar 2007 war Justine Henin mit dem belgischen Tennislehrer Pierre-Yves Hardenne verheiratet, sie trug während dieser Zeit den Namen Henin-Hardenne. Die Wallonin ist Gründerin einer Stiftung zugunsten krebskranker Kinder, Les 20 Cœurs de Justine. Als Justine 12 Jahre alt war, starb ihre Mutter an Krebs.
Auch abseits ihrer Profikarriere engagierte sie sich im Tennissport. Sie ist Besitzerin eines südöstlich von Brüssel gelegenen Tennisvereins in Limelette namens Club Justine N1. Dieser ist zugleich Hauptsitz der 6th Sense Tennis Academy, die sie zusammen mit ihrem langjährigen Coach Carlos Rodriguez gegründet hat und die zwei weitere Trainingszentren in Belgien unterhält sowie demnächst eine weitere Einrichtung in Orlando eröffnet. Henin engagiert sich außerdem mit wohltätigen Projekten; sie war am 10. August 2011 in China und bestritt ein kleines Showmatch mit der Olympiasiegerin im Doppel von 2004, Tiantian Sun.
Henin hatte ihren Wohnsitz jahrelang in Monte Carlo. Sie kehrte nach Belgien zurück und lebt heute in der Provinz Namur in Ave-et-Auffe, einem Stadtteil von Rochefort.
Karriere Die ersten Schritte auf internationaler Bühne machte Henin Ende 1996 bei einem ITF-Turnier auf Mallorca, dort erreichte sie die zweite Runde. Im folgenden Jahr nahm sie an vier ITF-Veranstaltungen in Frankreich und Belgien teil und gewann die Turniere von Le Touquet und Koksijde. Daneben gewann die 15-Jährige 1997 bei den French Open den Titel bei den Juniorinnen und wurde kurze Zeit später jüngste belgische Meisterin aller Zeiten. Erstmals in der Weltrangliste geführt wurde die Wallonin 1998 nach ihrem nächsten Erfolg bei einem ITF-Turnier im französischen Gelos, von Positionen jenseits der 500 kletterte sie bis zum Jahresende auf Rang 226. In Grenelefe (Florida) und in Ramat Hasharon gewann sie zwei weitere kleine Turniere; in Israel besiegte sie unter anderem ihre Landsfrau und spätere Dauerrivalin Kim Clijsters, mit der zusammen sie in der Doppelkonkurrenz erfolgreich war.
Das Jahr 1999 Anfang 1999 wurde sie schließlich Profi, spielte aber zunächst noch einige Turniere auf ITF-Ebene. Bei ihrem sechsten Erfolg dort besiegte sie im Finale von Reims erneut Kim Clijsters. Mitte Mai trat sie dann in Antwerpen zum ersten Mal auf der WTA Tour an und gewann (als fünfte Spielerin) auf Anhieb ihr erstes WTA-Turnier, als sie sich im Finale klar in zwei Sätzen gegen Sarah Pitkowski durchsetzte. Mit drei Siegen qualifizierte sie sich bei den French Open erstmals für das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers; in der zweiten Runde stand sie gegen die Weltranglistenzweite Lindsay Davenport kurz vor einer Sensation, bevor sie am Ende mit 3:6, 6:2 und 5:7 unterlag. Für die US Open war sie nun direkt qualifiziert, sie verlor aber gleich zum Auftakt gegen Amélie Mauresmo. Danach erreichte sie noch in Luxemburg und Québec jeweils das Viertelfinale und beendete die Saison auf Platz 69 der Weltrangliste.
Das Jahr 2000 Zu Jahresbeginn bereitete sich Henin beim Turnier in Hobart, bei dem sie als Qualifikantin bis ins Viertelfinale vorstieß, auf ihre erste Teilnahme an den Australian Open vor. Dort musste sie bereits in der zweiten Runde gegen die Weltranglistenerste Martina Hingis antreten, gegen die sie deutlich verlor. Nach ihrer Zweitrundenniederlage beim Hallenturnier von Paris legte sie eine Pause ein und versäumte dann verletzungsbedingt auch die French Open. Rechtzeitig zurück zur Rasensaison gewann sie beim Vorbereitungsturnier in ’s-Hertogenbosch aber nur ihr Auftaktmatch. Ihr Debüt in Wimbledon war in Runde eins (Dreisatzniederlage gegen Arantxa Sánchez Vicario) beendet. Während sie bis zum Saisonende bei keinem WTA-Turnier mehr über die zweite Runde hinauskam, holte sie sich Ende Juli in Lüttich ihren siebten und letzten Titel bei einem ITF-Turnier. Ihr bestes Saisonresultat war das Erreichen des Achtelfinales bei den US Open, wo sie Lindsay Davenport erneut nicht bezwingen konnte.
Das Jahr 2001 Justine Henin startete sehr erfolgreich ins Jahr 2001, im Vorfeld der Australian Open gewann sie die Turniere an der Gold Coast und in Canberra. Beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres verlor sie im Achtelfinale knapp in drei Sätzen gegen Monica Seles. Bei weitem nicht so gut lief es nach der Rückkehr vom fünften Kontinent. Bei den Turnieren in Nizza, Scottsdale, Indian Wells und Miami gewann sie jeweils höchstens ein Match. Erst mit Beginn der Sandplatzsaison ging es wieder aufwärts, in Estoril verpasste Henin knapp den Finaleinzug und nach der Viertelfinalteilnahme in Hamburg erreichte sie in Berlin das Halbfinale, wo sie gegen Jennifer Capriati im dritten Satz in Führung liegend wegen einer Knöchelverletzung zur Aufgabe gezwungen war. Bei den French Open erreichte die Belgierin ohne Satzverlust ihr erstes Grand-Slam-Halbfinale, in dem sie gegen Kim Clijsters mit 6:2 und 4:2 führte, bevor sie ihrer Landsfrau doch noch in drei Sätzen unterlag. Nach dem Turnier wurde Henin erstmals in den Top Ten der Weltrangliste geführt.
Rund zwei Wochen später revanchierte sie sich im Finale von ’s-Hertogenbosch bei Clijsters und feierte ihren ersten Turniersieg auf Rasen. In Wimbledon konnte sie im Halbfinale mit Jennifer Capriati die amtierende Australian- und French Open-Siegerin in drei Sätzen bezwingen und hatte damit ihr erstes Grand-Slam-Endspiel erreichte, das sie jedoch gegen die große Favoritin Venus Williams mit 1:6, 6:3 und 0:6 verlor. Nachdem sie in Toronto und New Haven jeweils in der Runde der letzten Acht gescheitert war, zog sie im Achtelfinale der US Open gegen Serena Williams den Kürzeren. Auf Hawaii spielte sich die Belgierin ins Finale der kleinen Veranstaltung, musste aber gegen Sandrine Testud aufgeben. Zwischen zwei Erstrundenniederlagen in Moskau und Linz hatte sie im Endspiel von Filderstadt einmal mehr gegen Lindsay Davenport das Nachsehen. Bei ihrer ersten Teilnahme an den WTA Tour Championships schied Henin im Viertelfinale gegen Serena Williams aus.
Das Jahr 2002 Zu Beginn des Jahres verhinderte Venus Williams im Finale von Gold Coast eine erste erfolgreiche Titelverteidigung für Henin, die gemeinsam mit Meghann Shaughnessy aber ihren ersten von zwei Doppeltiteln auf der WTA Tour gewann. In Sydney und bei den Australian Open war dann jeweils im Viertelfinale (gegen Clijsters) Endstation wie auch beim Hallenturnier von Paris (gegen Seles). Zwei weitere Finalniederlagen musste Henin gegen Venus Williams einstecken, in Antwerpen und gut zwei Monate später in Amelia Island, dazwischen lagen noch eine Achtelfinalteilnahme in Indian Wells sowie eine Erstrundenniederlage in Miami. Wie im Vorjahr scheiterte sie in Hamburg im Viertelfinale, bevor sie in Berlin schließlich ihren ersten Sieg bei einem Tier-I-Event feierte, als sie sich im Tiebreak des dritten Satzes gegen Serena Williams durchsetzte. Nur eine Woche danach standen sich beide in Rom erneut im Finale gegenüber, diesmal mit dem besseren Ende für die US-Amerikanerin, die in zwei knappen Sätzen gewann.
Als Mitfavoritin auf den Titel bei den French Open musste Henin grippegeschwächt schon nach der ersten Runde alle Hoffnungen begraben. In der Rasensaison kam sie nicht ganz an die Erfolge des Vorjahres heran; sowohl in ’s-Hertogenbosch als auch in Wimbledon schied sie im Halbfinale aus. Beim dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres stand sie gegen Venus Williams zum wiederholten Male auf verlorenem Posten. Die Viertelfinalteilnahme in Montreal war noch das beste Ergebnis einer durchwachsenen Vorbereitung auf die US Open, bei denen sie einmal mehr nicht über das Achtelfinale (Aus gegen Daniela Hantuchová) hinauskam. Zwischen zwei Halbfinalniederlagen in Leipzig und Zürich, wo sie zusammen mit Jelena Bowina die Doppelkonkurrenz gewann, scheiterte Henin in Filderstadt schon in ihrem Auftaktmatch. Den dritten Turniersieg des Jahres feierte sie in Linz, wenige Tage vor den WTA Tour Championships, bei denen sie im Viertelfinale gegen Clijsters verlor.
Das Jahr 2003 Justine Henin eröffnete die Saison in Sydney, wo sie ebenso das Halbfinale erreichte wie bei den Australian Open. Dort bezwang sie in einer Hitzeschlacht zwar erstmals Lindsay Davenport mit 7:5, 5:7 und 9:7, scheiterte dann aber wieder einmal an Venus Williams. Auch in Antwerpen war in der Vorschlussrunde Endstation, wie schon in Sydney unterlag sie Kim Clijsters. Den ersten Erfolg des Jahres fuhr die Belgierin in Dubai ein, im Finale wehrte sie gegen Monica Seles einen Matchball ab und drehte das Match noch zu ihren Gunsten. In Miami verlor sie im Viertelfinale überraschend gegen Chanda Rubin – es blieb das einzige Turnier in diesem Jahr, in dem Henin nicht mindestens das Halbfinale erreichte. Auf Sand sicherte sie sich in Charleston den nächsten Titel mit einem klaren Sieg über Serena Williams, im Halbfinale von Amelia Island wurde sie eine Woche später von Jelena Dementjewa bezwungen. In Berlin wiederholte Henin ihren Vorjahreserfolg, gegen Clijsters setzte sie sich nach Abwehr von drei Matchbällen durch. Mit 15.000 Zuschauern im Rücken besiegte Henin bei den French Open zunächst in einem emotionsgeladenen Halbfinale die Titelverteidigerin Serena Williams in drei Sätzen, danach ließ sie im Endspiel Clijsters keine Chance und sicherte sich mit 6:0 und 6:4 den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere.
Auf dem Weg zum zweiten Turniersieg auf Rasen zog sie sich im Finale von ’s-Hertogenbosch eine leichte Blessur an ihrer linken Hand zu und gab das Match vorsorglich auf. In Wimbledon erreichte sie ohne Probleme das Halbfinale gegen Serena Williams, in dem sie jedoch chancenlos war. Nachdem sie im August die Veranstaltungen von San Diego und Toronto gewonnen hatte, erreichte sie fast mühelos das Halbfinale der US Open, wo sie in einem dreistündigen Match auf höchstem Niveau im Tiebreak des dritten Satzes über Jennifer Capriati triumphierte. Aufgrund der totalen Erschöpfung – Henin wurde nach der Partie mit Infusionen behandelt – stand ihre Finalteilnahme kurzzeitig in Frage, doch rund 19 Stunden später schlug sie Kim Clijsters mit 7:5 und 6:1 und holte sich ihren zweiten Grand-Slam-Titel. Im Finale von Leipzig stoppte Anastassija Myskina ihre Siegesserie nach 20 Erfolgen. Mit dem achten Turniersieg des Jahres in Zürich gelang Henin, was sie eine Woche zuvor in Filderstadt mit der Finalniederlage gegen Clijsters knapp verpasst hatte – der Sprung an die Spitze der Weltrangliste. Zwar musste sie ihre Landsfrau bereits eine Woche später wieder passieren lassen, mit dem Erreichen des Halbfinals bei den WTA Tour Championships, in dem sie Amélie Mauresmo unterlag, wurde sie zum Saisonende aber erneut die Nummer 1 der Welt.
Das Jahr 2004