Die Pilatus Aircraft Ltd. bzw. Pilatus Flugzeugwerke AG ist der wichtigste Flugzeughersteller der Schweiz. Am Unternehmenssitz in Stans werden Trainings- und kleinere Mehrzweckflugzeuge hergestellt. Darüber hinaus verfügt Pilatus über Tochtergesellschaften in den USA und in Australien. Eine weitere Tochtergesellschaft für den Flugzeugunterhalt, die Altenrhein Aviation AG am Flugplatz St. Gallen-Altenrhein, gehörte von 2003 bis 2015 ebenfalls zur Unternehmensgruppe. Die Unternehmensgruppe Pilatus AG hat bis Ende 2025 4,400 Flugzeuge ausgeliefert. Benannt ist das Unternehmen nach dem etwa 10 km westlich von Stans liegenden Berg Pilatus. Angrenzend an das Firmengelände liegt der Flugplatz Buochs, den die Pilatus-Flugzeugwerke für alle Test- und Ablieferungsflüge nutzen.
Geschichte Im August 1938 offerierte Vickers zuhanden der Kriegstechnischen Abteilung (KTA) Spitfire-Flugzeuge für die Schweizer Fliegertruppe. Der für die Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon von Emil Bührle tätige Rüstungsagent Antoine Gazda handelte aus eigener Initiative einen Lizenzvertrag aus und bot der Eidgenossenschaft 200 in der Schweiz gebaute Spitfires an, während zwecks Rentabilität eine noch grössere Zahl in den Export gehen sollte. Vickers war unter der Bedingung, keine Flugzeuge nach Italien oder Deutschland zu liefern, einverstanden. Am 21. Oktober 1938 entstand die «Studiengesellschaft zur Gründung einer Flugzeugfabrik AG»Militärisches Allerlei. In: Schweizer Soldat. Band (Jahr): 14 (1938–1939), Heft 5, S. 74. mit Standort Stans. Oberst Fierz von der KTA begann jedoch die eidgenössischen Behörden zu unterstützen, welche einen Bezug von Messerschmitt-Flugzeugen «ab Stange» aus Deutschland bevorzugten. Ohne die «Studiengesellschaft» führten Bührle und Gazda das Projekt weiter und gründeten mit Unterstützung der Elektrobank am 16. Dezember 1939 in Eigenregie die Pilatus Flugzeugwerke AG.Jakob Tanner: Was die geplatzte Spitfire-Beschaffung mit der Gründung der Pilatus-Flugzeugwerke zu tun hat. In: NZZ.ch. 20. Oktober 2020.Zur Gründung siehe Brief von Antoine Gazda der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon (WO) an Oberstdivisionär Bandi. In: Peter Hug: Schweizer Rüstungsindustrie und Kriegsmaterialhandel zur Zeit des Nationalsozialismus. Chronos, Zürich 2002, S. 874–876.Kriegsgeschäfte, Kapital und Kunsthaus. Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte am Lehrstuhl von Matthieu Leimgruber, Universität Zürich, im Auftrag des Präsidialdepartements der Stadt Zürich und der Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich, Zürich, November 2020 (PDF; 46 MB). Im Mai 1940Memorandum for file GAZDA, Antoine. Office of The Chief of Naval Operations, 20. Mai 1942 (englisch; PDF; 438 kB). ging Gazda in die USA und bot den Briten und Amerikanern einen Lizenzbau der 20-mm-Oerlikon-Kanone an. Bis 1942 hatte er ein «Sea Skimmer» genanntes Schnellboot entwickelt, und bis 1946 baute er den Hubschrauber Gazda Helicospeeder.ca. 1943 Gazda Helicospeeder. Owls Head Transportation Museum.
Pilatus war zunächst im Unterhalt von Militärflugzeugen tätig. In der 1989 erschienenen Jubiläumsschrift von Roland Eichenberger bezeichnete dieser zwei namenlose Zeichnungen und einen kurzen Beschrieb aus dem Jahr 1940 als P-1. Es gebe jedoch keine Firmendokumente mit einem solchen Namen. Das erste, wirklich in Stans gebaute Flugzeug wurde die SB-2 Pelikan, dessen Planungsgruppe an der ETH die Pilatus-Flugzeugwerke für die Fertigung auswählte. Dieses Schweizer Bergflugzeug blieb ein Einzelstück, auch wenn unter der Bezeichnung SB-5 noch Gedanken für eine Weiterentwicklung angestellt wurden.
Ab 1943 wurde nach den Bedürfnissen der Fliegertruppe die Pilatus P-2, ein Flugzeug für «Militärtraining» gebaut, mit Funk und einigen Waffen ausgerüstet, dies im Unterschied zu reinem Flugtraining. Die P-2 war mit einem Holzflügel gebaut, mit metallbeplankten Flossen und stoffbespannten Rudern. Pilatus nutzte diverse Bauteile von jenen Flugzeugen, für welche die Firma einen Wartungsauftrag hatte, so stammten Fahrwerk und Höhenruder- und Landeklappenantrieb von der Me-109.Flugzeugporträt: Pilatus P-2. In: Fliegermagazin. 1. Oktober 2014.
Mit der P-2 und der späteren P-3 erlangte das Werk langsam seine Bedeutung im Bereich von Trainingsflugzeugen,Geschichte. Die Zukunft vor Augen – seit 70 Jahren. Geschichte der Pilatus Flugzeugwerke AG, 2009. auch wenn die P-3 erst einen einzigen Kunden im Ausland hatte. Mit dem legendären PC-6, auch Pilatus Porter genannt, wurde ab 1959 das zweite Standbein im Mehrzweckflugzeugmarkt aufgebaut.
Pilatus baute neben der SB-2 Pelikan zwei weitere Prototypen, die nicht in Serie gingen und Einzelstücke blieben: Mit der P-4 wurden wertvolle Daten für die spätere PC-6 gewonnen, die Ausführung der P-4 mit Holzflügeln und dem stoffbespannten Rumpf war jedoch nicht zukunftsträchtig, zudem war das Werk ausgelastet mit dem Lizenzbau der Rümpfe von Vampire- und Venom-Flugzeugen.Eichenberger: Pilatus Flugzeuge: 1939–1989. 1989, S. 17. Für die Kunden der PC-6, welche eine bessere Motorenleistung wünschten, entwickelte Pilatus die zweimotorige PC-8 Twin Porter auf Basis der PC-6. Die einzige PC-8 (Luftfahrzeugkennzeichen: HB-KOA) wurde auch am Aerosalon in Paris vorgestellt. In der Zwischenzeit hatte Pilatus aber mit der Umrüstung der PC-6 mit einem Turbopropaggregat eine effektivere und einfachere Leistungssteigerung erreicht (PC-6T), die einzige PC-8 wurde verschrottet.
Zwei Projekte von Pilatus kamen über eine grobe Planung nicht heraus: Die Pilatus P-5 war ein Entwurf für ein Kampffeldbeobachtungs- und Artillerie-Einweisungsflugzeug, während unter der Bezeichnung Pilatus PC-10 verschiedene zweimotorige taktische Transportflugzeuge entworfen worden waren.
Ab den späten siebziger Jahren löste die von einer Turboprop getriebene Pilatus PC-7 die P-3 ab. Über 450 Stück konnten davon in den nächsten Jahrzehnten abgesetzt werden. Am 3. Oktober 1982 wurden die Pilatus-Flugzeugwerke in Stans Ziel eines Brandanschlags. Mitte der 1980er Jahre ergänzte die leistungsstärkere Pilatus PC-9 das Angebot von Pilatus Aircraft im Markt für Trainingsflugzeuge. Das neueste Trainingsflugzeug aus Stans ist die PC-21; das Typenzertifikat wurde Ende 2004 vom Bundesamt für Zivilluftfahrt erteilt. Während eines Trainingsfluges Mitte Januar 2005 stürzte ein Prototyp der PC-21 ab. Das darauf verhängte Flugverbot für den Typ konnte jedoch schon bald wieder aufgehoben werden, da sich herausstellte, dass der Unfall durch einen Pilotenfehler ausgelöst worden war.
Da nach dem Ende des Kalten Krieges deutlich weniger Kampfpiloten auszubilden waren und folglich weniger Trainingsflugzeuge abgesetzt werden konnten, fokussierte sich Pilatus Aircraft in den neunziger Jahren wieder stärker auf den Mehrzweckflugzeugmarkt. Die PC-12 schuf ab 1994 eine neue Klasse von effizienten einmotorigen Mehrzweckflugzeugen mit Turboproptriebwerk. Sie wies bei weit niedrigeren Betriebskosten ähnliche oder bessere Flugleistungen als viele ihrer mehrmotorigen Konkurrenten auf. Bis Juli 2017 konnte Pilatus ca. 1500 PC-12 absetzen. Die PC-12 kostet ab 2,9 Mio. USD und ist mit 3,5 Mio. USD schon voll ausgestattet. Im Mai 2023 feierte Pilatus die Auslieferung des 2000. PC-12.Pilatus zelebriert die Auslieferung des 2000. PC-12. In: Nidwaldner Zeitung. 15. Mai 2023.
Pilatus stellte als Subunternehmen der RUAG Aerospace-Teile (Outerwings) für die Schweizer F/A-18 her.. Chronik 1939–2013 der Pilatus Flugzeugwerke AG, S. 6. Auch vorher war Pilatus bei allen Lizenzfertigungen von Jets und Hubschraubern für die Schweizer Armee als Zulieferer beteiligt und wäre auch bei der FFA-P-16-Produktion (die jedoch storniert wurde) beteiligt gewesen. Pilatus stellt als Subunternehmen der RUAG Teile für Airbus und Boeing her und führt auch im Auftrag von RUAG Wartungsarbeiten an Luftfahrzeugen wie z. B. dem AS332 Super Puma durch.
2011 begann Pilatus mit den Planungen für den Business-Jet PC-24, das erste Düsenflugzeug des Unternehmens. Am 21. Mai 2013 enthüllte Pilatus das Konzept an der «European Business Aviation Convention & Exhibition» (EBACE) in Genf und präsentierte den Prototyp zum 75-Jahr-Jubiläum des Unternehmens am 1. August 2014 am Firmensitz in Stans. Der Prototyp des zweistrahligen Jets hob am 11. Mai 2015 nach nur knapp 600 Metern von der Startbahn erstmals zu seinem 55-minütigen Jungfernflug ab. Der zweite Prototyp (HB-VXB) hatte seinen Erstflug am 16. November 2015. Der Erstflug des dritten und letzten Prototyps «P03» HB-VSA fand am 6. März 2017 statt. Der erste PC-24 wurde im März 2018 an das Flugzeug-Sharing-Unternehmen PlaneSense aus Colorado übergeben. Die gesamten Entwicklungskosten für den Pilatus PC-24 betrugen über 500 Mio. Schweizer Franken.
Im Geschäftsjahr 2018 wurde erstmals ein Umsatz von mehr als einer Milliarde Schweizer Franken erzielt. Beobachter rechnen das vor allem den Verkäufen der PC-24 an, von der 18 Maschinen ausgeliefert werden konnten. Daneben wurden 80 PC-12 NG, 27 PC-21 sowie drei PC-6 verkauft; in den Büchern standen Mitte 2019 noch Flugzeugbestellungen im Wert von 2,1 Milliarden Schweizer Franken. Von den 2283 Mitarbeitern sind mehr als 90 % in der Schweiz beschäftigt. Im Jahr 2022 lieferte Pilatus 133 Flugzeuge aus. Für das Jahr 2023 war der Bau einer neuen Halle für den Flugzeugunterhalt angesetzt. In Ennetbürgen wurde ein zusätzliches Gebäude für Composite-Bauteile geplant.2022 baute Pilatus 133 Flugzeuge und machte Top-Ergebnis. In: SkyNews.ch. 2. März 2023. 2024 übernahm Pilatus von RUAG den Bereich Ruag Aerostructures Schweiz mit Sitz am Militärflugplatz Emmen mit allen rund 230 Mitarbeitern.Flugzeugbauer Pilatus rettet 230 Arbeitsplätze. In: nau.ch. 23. Januar 2024. 2024 konnte Pilatus trotz anhaltender Lieferkettenprobleme 153 Flugzeuge ausliefern und erwirtschaftete damit einen Gewinn von 243 Mio. CHF. Im Bereich Trainingsflugzeuge gewann Pilatus mit der Royal Canadian Air Force einen wichtigen neuen Kunden. Im Februar 2025 wurde bekannt, dass Pilatus erstmals auch die überarbeitete PC-7 MKX an die Koninklijke Luchtmacht verkaufen konnte.Pilatus hat 2024 erneut starke Leistung gezeigt, abgerufen am 26. Februar 2025
Ab August 2025 lieferte Pilatus wegen der US-Zölle keine Flugzeuge in die USA. Pilatus hatte bis zu diesem Zeitpunkt rund die Hälfte des Umsatzes in den USA generiert.Pilatus bestätigt Flieger-Deal mit französischer Armee Aufgrund eines alten Abkommens von 1979 wurde der Zoll im November auf null reduziert.Null Prozent: Pilatus kann Flugzeuge zollfrei in die USA liefern
Flugzeugtypen Pilatus Aircraft BildNameBeschreibung150pxPilatus SB-21941STOL Transporter, nur 1 Prototyp150pxPilatus P-11941Trainer, nur Projekt150pxPilatus P-21945Trainer Serienproduktion150pxPilatus P-31953Trainer Serienproduktion150pxPilatus P-41948STOL Transporter, 1 Prototyp150pxPilatus P-51951Artillerie-Kampffeld-Beobachtung, nur Projekt150pxPilatus PC-61959STOL Transporter, Serienproduktion150pxPilatus PC-71966Turboprop Trainer, Serienproduktion150pxPilatus PC-8D1967STOL Transporter, 1 Prototyp150pxPilatus PC-91984Turboprop Trainer, Serienproduktion150pxPilatus PC-101970STOL Transporter, nur Projekte150pxPilatus PC-111972Segelflugzeug, Serienproduktion150pxPilatus PC-121991Transport/biz Turboprop, Serienproduktion150pxPilatus PC-212001Turboprop Trainer, Serienproduktion150pxPilatus PC-242014Transport/biz jet, Serienproduktion
Hauptaktionäre Die zwei Hauptaktionäre sind die Ihag Holding AG (Nachkommen der Waffen-Dynastie Bührle) und die Beteiligungsgesellschaft Southfield des Schweizer Investors Jörg F. Burkart.Die Überflieger von Stans. In: Blick.ch. 10. Februar 2013.
Pilatus Britten-Norman Im Jahr 1979 übernahm Pilatus Aircraft das britische Unternehmen Britten-Norman, das robuste und auf einfache Verhältnisse zugeschnittene Mehrzweckflugzeuge herstellt. 1998 verkaufte Pilatus das Unternehmen wieder, bis dahin wurden die Typen Islander und Trislander unter dem Firmennamen Pilatus Britten-Norman vertrieben.
Pilatus-Segelflugzeuge