Die Schlacht um Huế im Jahre 1968 war eine der blutigsten und längsten Schlachten des Vietnamkrieges (1954–1975).

Ab dem 1. Februar 1968 stürmten elf Bataillone der südvietnamesischen Armee gemeinsam mit zwei Bataillonen der U.S. Army und drei geschwächten Bataillonen der US-Marineinfanterie (diese drei Bataillone waren insgesamt weniger als 2500 Mann stark) die 140.000-Einwohner-Stadt Huế, die zuvor von der nordvietnamesischen Armee (NVA) und der NLF (Vietcong genannt) größtenteils erobert und von über 10.000 Soldaten beider Organisationen verteidigt worden war. Die Schlacht um Huế zählt militärhistorisch zu den Häuserkämpfen, ähnlich wie die Schlacht um Stalingrad, die Schlacht um Aachen, die Schlacht um Berlin, die Schlacht um Grozny, die Schlacht von Mogadischu und die Schlacht in Falludscha.

Hintergrund alt=Karte zur Entwicklung in Indochina 1964 bis 1967|links|mini|Entwicklung in Indochina 1964 bis 1967 Huế liegt an der Nationalstraße 1, die die Küstenstadt Đà Nẵng mit der EMZ (Entmilitarisierte Zone) verband, und wird vom Parfüm-Fluss in einen nördlichen und südlichen Stadtteil getrennt. Huế war eine wichtige Nachschubbasis und durch die geringe Entfernung (nur 50 Meilen) von der EMZ von großer strategischer Bedeutung und wurde deshalb zur Verteidigungsfestung gegen mögliche kommunistische Offensiven ausgebaut. Für die tatsächliche Dimension der 26 Tage andauernden Kämpfe war Huế jedoch zu schwach verteidigt und die Gebäude und Straßenzüge nur unzureichend vorbereitet.

Die Schlacht um Huế war Teil und Folge der Tet-Offensive. Im Verlauf dieser Offensive erfolgten Angriffe der NLF und der NVA auf hunderte von militärischen Zielen und urbanen Ballungsräumen, darunter auch Huế.

Da jedoch vormals noch nie Kampfhandlungen in Huế erfolgt waren und man annahm, dass die NVA und der Vietcong die Tet-Feiertage respektieren würden, galt die Stadt als sicher.

Zum Zeitpunkt der Offensive verteidigten nur drei US-Marineinfanteriebataillone die damalige Luftwaffenbasis von Phú Bài, den Highway One und die westlichen Zugänge ca. 10 Meilen südöstlich von Huế, ein Areal, das von zwei vollständigen Regimentern gehalten werden sollte. In der Folge der Schlacht um Khe Sanh waren die meisten US-Truppen jedoch dort konzentriert.

Kommandierender General der Marines bei Huế war Foster C. LaHue, ein Veteran des Zweiten Weltkrieges und des Koreakrieges.

Die Schlacht In den frühen Morgenstunden des 31. Januar 1968 eröffneten die Nordvietnamesische Armee und der Vietcong einen gut koordinierten mehrflügeligen Angriff auf die Stadt Huế.

Taktische Angriffsziele waren der Flugplatz von Tây Lộc, das Hauptquartier der 1. ARVN-Infanteriedivision in der Zitadelle von Huế und der MACV-Komplex in der Neustadt südlich des Parfüm-Flusses. Strategisches Ziel der NVA und des Vietcong war die Eroberung und permanente Kontrolle der ganzen Stadt.

Eröffnungsgefecht in Huế mini|Huế vor der Schlacht im Juli 1967 Um 2:33 Uhr erfolgte per Leuchtsignal der Befehl zum Angriff. Zwei Bataillone des 6. NVA-Regiments setzten über das westliche Flussufer und griffen die Zitadelle in der Nordstadt an. Ihr Ziel war die Einnahme des Mang-Cá-Komplexes, des Tây-Lộc-Flugplatzes und des Kaiserpalastes. Am Westtor der Zitadelle gelang es einem vierköpfigen Pionierteam der NVA, getarnt in südvietnamesischen Uniformen, die Wachen auszuschalten und das Tor zu öffnen. Auf deren Leuchtsignale hin konnten Stoßtrupps des 6. NVA-Regimentes in die Altstadt vorrücken. Ähnlich wie bei dem Vorgehen an der Zitadelle verschaffte sich die NVA Zugang zur alten Kaiserstadt. Das 800. und 802. NVA-Bataillon drang durch das Westtor ein und rückte dann nach Norden vor. Erst am Flugplatz Tây Lộc wurde das 800. NVA-Bataillon von einer ARVN-Kompanie der Black Panther Ranger in schwere Feuergefechte verwickelt. Der Widerstand der ARVN wurde im Allgemeinen als schwach bezeichnet, nur die Kompanie der Black Panther leistete den Nordvietnamesen erbitterten Widerstand und vereitelte bis in die Abendstunden alle Versuche, das Flugfeld einzunehmen.

Während die Kämpfe auf dem Flugplatz mit unverminderter Härte weitergingen und in wechselseitigen Vorstößen und Rückzügen erstarrten, gelang es dem 802. NVA-Regiment auf das Hauptquartier der 1. ARVN-Infanteriedivision von Mang Cá vorzustoßen. Der NVA gelang der Einbruch in den Komplex, die Angreifer wurden jedoch von den Stabssoldaten wieder zurückgeworfen. General Trưởng ließ den Großteil seiner Black Panther Ranger vom Flugplatz abziehen und einen Entsatzangriff auf das Hauptquartier ausführen. Es gelang den Rangern, die Verteidigung des Hauptquartiers zu stabilisieren.

Am darauffolgenden Tag hisste man die Fahne der Nordvietnamesischen Armee auf dem Südtor der Zitadelle. 60 % der Zitadelle einschließlich des Kaiserpalasts waren zu diesem Zeitpunkt in der Hand der NVA. Um Punkt 8:00 Uhr hissten die nordvietnamesischen Truppen die rot-blaue Fahne der NVA mit ihrem goldenen Stern auch auf dem Flaggenturm der Zitadelle.

Angriff auf den MACV-Komplex Zeitgleich zum Angriff auf die Zitadelle stürmte das 4. NVA-Regiment den MACV-Komplex in der Südstadt, wo sich schnell eine vergleichbare Situation wie in der Zitadelle entwickelte. Der knapp häuserblockgroße Komplex, eine Ansammlung von zwei- bis dreistöckigen Gebäuden inklusive eines ehemaligen Hotels, diente als Stützpunkt des Beraterteams 3 des United States Military Assistance Command Vietnam, welches der 1. ARVN-Division Feuerunterstützung und Logistik sowohl für das Hauptquartier in Huế als auch für die Streitkräfte in der Provinz Thừa Thiên bot. Die Provinzhauptquartiere lagen nördlich des MACV-Komplexes. Der Angriff begann mit Mörser- und Raketenbeschuss im Morgengrauen. Den verteidigenden Amerikanern gelang es jedoch, den ersten Angriff zurückzuschlagen. Die NVA sah daraufhin einstweilen von weiteren Bodenangriffen ab, begann eine Belagerung und belegte den Komplex mit Mörserfeuer, Raketen und Beschuss aus vollautomatischen Waffen.

Der MACV-Komplex wurde nach der Schlacht in „Frank-Doezema-Komplex“ umbenannt, zu Ehren eines Elitesoldaten, der in den frühen Morgenstunden des ersten Gefechtstages bei der Verteidigung des Komplexes fiel. Ihm wurde posthum das Distinguished Service Cross verliehen.

Die Stadt in der Hand der NVA Die restlichen Einheiten des 4. NVA-Regiments begannen zeitgleich zusammen mit dem 804. NVA-Bataillon, unterstützt von lokalen Vietcongkräften und dem NVA-Pionierbataillon „Stadt Huế“, ihre großangelegte Offensive gegen die Stadt selbst. Die Einheiten wurden in verschiedene Stoßtrupps eingeteilt, um militärische und zivile Ziele im Handstreich zu nehmen. Ein nordvietnamesischer Militärbeobachter schrieb später, dass der Angriff auf das südliche Huế von den verschiedensten Truppen mit ebenso unterschiedlichen Taktiken ausgeführt wurde. Eine Einheit verirrte sich in der Dunkelheit und konnte die Stadt nicht vor 6:00 Uhr erreichen, dennoch gelang es der NVA, die Südstadt bis auf das Gefängnis, den MACV-Komplex und die LCU-Rampe (Landing Craft Utility) am Flussufer einzunehmen.

Anforderung von ARVN-Verstärkung Am 1. Februar 1968 forderte General Trưởng Verstärkung an. Es wurde das 3. Regiment, die 7. ARVN-Kavallerie und die 1. ARVN Airborne Task Force angefordert, um den Feinddruck auf das Hauptquartier von Mang Cá zu mindern. Daraufhin verließ die Task Force ihre Kaserne und bewegte sich in einem Konvoi auf der Route 1 auf Huế zu. Die Entsatzkräfte wurden 400 Meter vor den Mauern der Zitadelle von starken nordvietnamesischen Verbänden zum Stehen gebracht. Da die südvietnamesischen Fallschirmjäger keinen Geländegewinn erringen konnten, forderten auch sie ihrerseits Verstärkung an. In den frühen Morgenstunden des 2. Februar 1968 traf das 2. ARVN-Luftlandebataillon auf die Verbände der NVA. Bei diesen Kämpfen verlor die ARVN 131 Mann, davon 40 Gefallene. Berichten der ARVN zufolge wurden 250 NVA-Soldaten getötet und nur fünf gefangen genommen. Das 3. ARVN-Regiment hatte zeitgleich ebenfalls Feindberührung an den nördlichen Ufern des Parfüm-Flusses und wurde von der NVA in schwere Kämpfe verwickelt. Es war beiden Bataillonen unmöglich, die Zitadelle zu erreichen, so bezogen sie ihre nächtlichen Verteidigungspositionen außerhalb des südöstlichen Walls der Altstadt. Das 1. und 4. Bataillon der ARVN wurden von Feindkräften eingeschlossen und kämpften verzweifelt gegen die Vernichtung an. Hauptmann Phan Ngọc Lương, Kommandeur des 1. ARVN-Bataillons, versuchte mit seiner Einheit den an der Küste gelegenen Außenposten Ba Lòng zu erreichen, wurde jedoch aufgrund seiner veralteten Bewaffnung mit M1-Karabinern zurückgeschlagen. Dem 4. Bataillon gelang es erst nach einigen Tagen die Einkesselung zu durchbrechen. Südlich des Zentrums von Huế versuchte Oberstleutnant Phan Hữu Chí mit seinem schwerbewaffneten 7. ARVN-Kavalleriebataillon die feindliche Umklammerung zu lösen, scheiterte jedoch ebenfalls. Die NVA kämpfte diesen Angriff mit B-40-Granatwerfern nieder. Erst danach wurde die US-Marineinfanterie in Phú Bài in Alarmzustand versetzt und sollte einen Puffer zwischen den eingekesselten südvietnamesischen Einheiten und der NVA in Huế bilden. Für diese Operation wurde das 1. Bataillon der 1. US-Marineinfanteriedivision, welche zu der Task Force X-Ray gehörte, abkommandiert.

Einsatz der US-Marines In der Nacht vom 30. auf den 31. Januar wurde die Gegend von Phú Bài von Granatwerfern und Mörsern unter Beschuss genommen. Am Truồi-Fluss und bei Phú Lộc kam es zu schweren Feuergefechten mit nordvietnamesischen Invasionsverbänden. Bataillonskommandeur Oberstleutnant Cheatham hatte diese Verbände in anhaltende Gefechte verwickelt, als er den Befehl erhielt, sofort in die schweren Kämpfe in Huế einzugreifen. Noch während die Gefechte am Truồi-Fluss und bei Phú Lộc anhielten, marschierte das 1. Bataillon der 1. Marineinfanteriedivision südwärts in Richtung Huế. Währenddessen griff die NVA 18 Ziele zwischen dem Hải-Vân-Pass und Huế an und verlangsamte den Vormarsch der Marines auf Huế entscheidend. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Schlacht um Huế eine rein vietnamesische Angelegenheit. General LaHue, Oberbefehlshaber der Task Force X-Ray, hatte kaum gesicherte Berichte der Feindaufklärung und keinen Überblick auf die Gesamtsituation. Sein Wissen beschränkte sich darauf, dass Trưởngs Hauptquartier und der MACV-Komplex in Huế belagert wurden. Der Schiffsverkehr auf dem Parfüm-Fluss war durch anhaltenden Mörserbeschuss eingestellt. Später schrieb LaHue in seinen Memoiren, dass es zu Beginn der Schlacht um Huế nur sehr begrenzte Informationen über die aktuelle Lage gab.

Vormarsch der Marines in Huế Bei der Annäherung an die südlichen Vororte von Huế wurden die Marineinfanteristen von Scharfschützen aus nicht lokalisierbaren Positionen unter Beschuss genommen. Die Infanteristen mussten immer wieder von ihren Panzern absitzen und jedes einzelne Haus von Scharfschützen säubern. Es kam immer wieder zu erbitterten Häuserkämpfen in den engen Straßen, bevor der Konvoi fortgesetzt werden konnte.

Schließlich trafen die Marines um 15:15 Uhr vor dem heftig umkämpften MACV-Komplex ein. Die NVA hatte ihre Schützentrupps zuvor aus der unmittelbaren Nähe des MACV-Komplexes abgezogen. Als die M48-Panzer der Marines versuchten über die Hauptbrücken des Parfüm-Flusses zu fahren, stellte sich heraus, dass dieser Panzertyp zu schwer für die Brücken war. Darüber hinaus weigerten sich die Südvietnamesen, mit ihren leichten M24-Panzern vorzurücken. Als die Marineinfanterie abgesessen von ihren Panzern die Brücken überquerte, geriet sie in schweres Abwehrfeuer aus den Maschinengewehren der NVA. Zwei Schützenzüge gelangten ans andere Ufer, wurden aber sofort unter Feuer aus vollautomatischen und rückstoßfreien Waffen genommen und mussten sich zurückziehen.