Spinning Songs of Herbie Nichols ist ein Jazzalbum von Simon Nabatov, das am 22. September 2007 im Kölner Loft aufgenommen wurde und im Februar 2012 auf dem Label Leo Records erschienen ist. Bei der live aufgenommenen Musik handelt es sich um Kompositionen von Herbie Nichols, die „die künstlerische Quintessenz von Nichols’ musikalischem Genie verkörpern.“; großteils spielte Nichols die Stücke erstmals 1955 und 1956 mit seinem Trio bei seinen Blue Note-Sessions ein.

Das Album Spinning Songs of Herbie Nichols ist Nabatovs sechstes SoloalbumSoloaufnahmen (www.nabatov.com) und das zweite auf Leo Records nach Perpetuum Immobile (aufgenommen 2000), welches Eigenkompositionen enthielt, die von europäischen Komponisten (Rachmaninow, Stravinsky, Schnittke, Messiaen und Stockhausen) beeinflusst waren. Das 2007 eingespielte Album hingegen besteht in gewisser Hinsicht aus Standards, wie schon das 2005 für ACT eingespielte Album Around Brazil. Bei Spinning Songs of Herbie Nichols handelt es sich ausschließlich um Kompositionen des amerikanischen Pianisten Herbie Nichols, dessen jazzhistorische Bedeutung „als Bindeglied zwischen Thelonious Monk und Cecil Taylor“ erst durch die Aktivitäten etwa von Misha Mengelberg/Han Bennink,Hans-Jürgen Schaal: Herbie Nichols – Der Unerhörte (2003) Roswell Rudd,Bill Shoemaker: Besprechung von Roswell Rudd Trio: The Unheard Herbie Nichols Volume 1. In: JazzTimes. 1997. Duck BakerJosef Woodard: Besprechung des Albums Duck Baker – Spinning Song: Plays the Music of Herbie Nichols. In: JazzTimes. 1997. und der Kooperative The Herbie Nichols Project um Frank Kimbrough und Ben Allison ab den 1980er Jahren wahrgenommen wurde.

Der Titel des Albums spielt auf die Nichols-Komposition The Spinning Song an, die der Pianist im April 1956 in Triobesetzung mit dem Bassisten Teddy Kotick und dem Schlagzeuger Max Roach für Blue Note Records (BN 1919) eingespielt hatte und die auch Nabatov interpretierte.Blue Note-Diskographie 1955–1956. Jazz Discography Project mini|links|Misha Mengelberg Nabatov wurde auf Herbie Nichols’ Kompositionen erst aufmerksam, als er Mengelbergs und Roswell Rudds Interpretationen während seines Studienaufenthaltes in den 1980er Jahren in New York City gehört hatte.Es handelt sich um das Album Roswell Rudd, Steve Lacy, Misha Mengelberg, Kent Carter, Han Bennink: Regeneration (Soul Note, 1983), Eintrag. Discogs „Die ungewohnte Kombination aus abgefahrenen Humor, verdrehten formalen Abläufen, die Nebeneinanderstellung raffinierter europäischer Harmonien (Satie oder Bartók) und die rhythmischen Empfindsamkeiten, die auf die Karibik und Afrika zurückgreifen – all dies war für Nabatov sehr reizvoll – und ist es in der Tat immer noch. Obgleich er schon bald die meisten der (damals) bekannten Titel lernte, sie öffentlich vortrug und besonders in der konzentrierten Form eines Solokonzerts, ist dies eine neue Entwicklung in seinen Aktivitäten.“Im Original: „The unusual combination of a wicked humor, twisted formal procedures, juxtaposition of the refined European harmonies (Satie or Bartok) and the rhythmic sensibilities harking back to the West Indies and Africa – all of it was most appealing to Nabatov – and, indeed, still is. Even though he soon learned most of the (back then) known tunes, playing them in public, and especially in a concentrated form of a solo concert, is a new development in his activities.“

Nabatov begann die von Mengelberg im Quintett gespielte Musik der beiden Alben Regeneration (1983) und Change of Season (1986) zu transkribieren; später nahm er den Nichols-Titel 117th Street auf dem Duo-Album Starting a Story (2002, mit Nils Wogram) und auf dem Trioalbum Autumn Music (2004) mit Ernst Reijseger und Michael Vatcher seine erste Version von Lady Sings the Blues auf, den bekanntesten Titel aus dem Werk von Nichols, seitdem Billie Holiday seine Melodie Serenade betextet hatte.

Zu den von Nabatov ausgewählten Titeln gehört neben Lady Sings the Blues die auf das Jahr 1947 zurückgehende Komposition The Third WorldDer Titel geht auf den ironischen Kommentar Sahib Shihabs zu Nichols’ Musik zurück, der meinte “What are you playing, man? You sound like you’re in a third world”. Broomer, Liner Notes, S. 3, der die Passage aus Mark Millers Nichols-Biografie A Jazzist’s Life (Toronto, 2009) entnommen hat. außerdem eine der Kompositionen, die Herbie Nichols selbst nicht einspielte, Twelve Bars, Nabatov aber durch das Mengelberg-Album Regeneration bekannt war. „Der im Stride-Piano-Stil interpretierte Song endet abrupt, frühzeitig, wie Nichols’ Leben, aber ohne die Traurigkeit darüber“.

Stuart Broomer schrieb resümierend in den Liner Notes des Albums:

2009 trat Simon Nabatov mit seinem Herbie-Nichols-Programm im Kölner Loft auf dem Plushmusic Festival auf, dokumentiert auf der 2010 erschienenen DVD Simon Nabatov Plays Herbie Nichols. mini|Simon Nabatov im Loft, Köln, 2010 Nabatov meinte zu der zweiten Einspielung:

Die Titel Simon Nabatov – Spinning Songs of Herbie Nichols (Leo Records CD LR 632)Album bei Discogs 2300 Skiddoo – 8:59 The Spinning Song – 13:08 Blue Chopsticks – 5:59 Lady Sings the Blues – 9:41 Sunday Stroll – 8:37 The Third World – 8:00 Terpsichore – 7:10 Twelve Bars – 2:15

Alle Kompositionen stammen von Herbie Nichols.

Rezeption des Albums

Der Kritiker Glenn Astarita schrieb zu Nabatovs Album in All About Jazz:

Phil Johnson meinte im Independent, Nabatov spiele die acht Nichols-Stücke „mit der erklärten Absicht, sich selbst zu überraschen, indem er sich nicht vorher festlegte, wohin Anfänge führen.“ Das Resultat sei „eine großartig polternde, wie verrückt synkopierte Improvisation, wo die das Skelett der Originale durchscheint.“Phil Johnson: Album: Simon Nabatov, Spinning Songs of Herbie Nichols (Leo). In: The Independent. 13. Mai 2012.Im Original: Russian virtuoso Nabatov – who came to NYC to study in 1979 – plays eight of Nichols’ tunes, with the avowed aim of surprising himself by not pre-determining where the openings are headed. The result is marvellously jangly, madly syncopated vamping where the bones of the originals show through.

Matthias Mader schrieb zu Spinning Songs:Zit. nach Pressestimmen zum Album und Besprechung des Albums 2012

Hans-Jürgen von Osterhausen schrieb in Jazz Podium: „Und wer könnte besser als er die Tradition des Jazz mit der Zeitgenössischen Musik in Nichols’ Sinn verbinden? […] Simon Nabatov ist die Einspielung eines ganz besonderen Werkes gelungen, die auch seine überwältigenden Qualitäten als Interpret zeigt.“Hans-Jürgen von Osterhausen. In: Jazz Podium, Mai 2012.

Steve Holtje befand, dass Nabatov klar die Kraft von Nichols’ Kompositionen aufgreife. Es sei das erstaunlichste Tributalbum über einen Jazzmusiker seit Giorgio Gaslinis Ayler’s Wings (Soul Note) zwanzig Jahre zuvor.Steve Holtje. In: Culture Catch

Weblinks Besprechung des Albums von Phil Johnson in The Independent Besprechung des Albums von Glenn Astarita in All About Jazz

Einzelnachweise

Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album 2012 Kategorie:Livealbum