miniatur|Frontansicht des von Tadao Ando entworfenen Gebäudes des Modern Art Museum of Fort Worth. Aufnahme von Carol M. Highsmith aus dem Jahr 2012.
Das Modern Art Museum of Fort Worth (oft kurz The Modern) ist ein Kunstmuseum in der texanischen Stadt Fort Worth, das aus einer 1892 gegründeten Bibliothek hervorgegangen ist. Der heutige Name wurde 1987 angenommen. Das 2002 eröffnete Museumsgebäude des Architekten Tadao Andō liegt an der 3200 Darnell Street im Kulturbezirk der Stadt, in dem sich auch das Kimbell Art Museum und das Amon Carter Museum of American Art befinden. Es dient damit der kulturellen Versorgung einer der größten metropolitanen Regionen der Vereinigten Staaten. Das Modern Art Museum of Fort Worth ist eine private geführte Institution und finanziert sich zum Großteil über seine rund 3200 Mitglieder, private Spenden, Stiftungen und Förderungen.Richard N. Rosett, Art Museums in the United States. A Financial Portrait, in: Martin Feldstein (Hrsg.), The Economics of Art Museums, Chicago 1991, ISBN 0-226-24073-8, 129–177, 174 und 176.Linda Peterson, The Modern Art Museum of Fort Worth: A Historical Overview, in: Handbook of Texas, 12. März 2025, abgerufen am 23. März 2026.
Die Sammlung umfasst rund 3000 Werke der Malerei, Fotografie, Grafik, Skulptur und Video.
Geschichte
Gründung 1892 und Existenz als Art Gallery of the Carnegie Public Library (1901–1910) Das Modern Art Museum of Fort Worth geht auf eine Gruppe von 24 Frauen zurück, die am 23. April 1892 vom texanischen Staat die Konzession zur Gründung der Fort Worth Public Library Association erhielt. Neben dem üblichen Aufgabengebiet einer Bibliothek sollte diese auch Gemälde und weitere Kunstwerke für den Genuss und die Erziehung der lokalen Bevölkerung sammeln. Die Library Association war in der Folge mit dem Bau und der Einrichtung einer Bibliothek und einer Kunstgalerie beschäftigt. Für den Bau gewährte Andrew Carnegie eine Förderung, weshalb die Institution 1901 als Carnegie Library eröffnete. Auf der zweiten Etage befanden sich die Räumlichkeiten für die Kunstgalerie. Der erste Kunstankauf war das Gemälde Approaching Storm von George Inness aus dem Jahr 1875. Das Werk gehört noch heute zur Sammlung des Museums. Jennie Scott Scheuber, die für 37 Jahre die Galerie leitete, konnte 1909 die erste Wanderausstellung der neugegründeten American Federation of Arts zeigen. Die für einen Monat ausgestellten 38 Gemälde prominenter Künstler zogen über 5000 Besucher an.
Fort Worth Museum of Art (1910–1954) Ab 1910 wurde die Art Gallery of the Carnegie Public Library von der Bibliothek gelöst und agierte in der Folge als Fort Worth Museum of Art als unabhängige Institution. Im selben Jahr wurde die Fort Worth Art Association unter der Leitung von Hallie Samuel Bewley gegründet, einer bedeutenden Kunstsammlerin, die diese Rolle bis 1930 innehatte. Die Gesellschaft managte in der Folge die umfangreicheren Aktivitäten und Ankäufe des Museums. Von 1910 an veranstaltete die Fort Worth Art Association jährlich zwei Ausstellung, im Winter wurde amerikanische, im Frühjahr texanische Kunst gezeigt. Die Freiwilligen, die im Museum arbeiteten, boten zudem kostenfreien Kunstunterricht an. Zu ihnen gehörte in den 1930er- und 1940er-Jahren beispielsweise die Künstlerin Sallie Gillespie.
Um den Ausbau der Museumssammlung zu fördern, regte Scheuber an, die Friends of Arts zu gründen, die von 1925 bis 1937 aktiv war. Deren Mitglieder steuerten jeweils mindestens 50 Dollar im Jahr bei, von denen Ankäufe finanziert wurden. Als erstes Werk erwarben die Friends of Art das bedeutende Gemälde Swimming von Thomas Eakins, das sich heute im Amon Carter Museum of American Art befindet, für die Fort Worth Art Association. In den 1930er- und 1940er-Jahren war die Gesellschaft für das wachsende Interesse an Künstlern aus Texas und insbesondere dem Tarrant County verantwortlich, da sich der neue Vorsitzende Edwin Bewley, Sr. verstärkt der Förderung lokaler Künstler zuwandte. Als das Museum im Zuge der Eröffnung der neuen Fort Worth Public Library im Jahr 1939 neue Räumlichkeiten erhielt, begann die Gesellschaft mit der Ausrichtung der Local Artists Show, einer jährlichen jurierten Ausstellung. Diese Jahresausstellungen leisteten einen Beitrag zum Unterhalt einer wachsenden lokalen Gemeinschaft von Künstlern in den 1940er- und 1950er-Jahren bei. Daneben wurden regelmäßig Einzelausstellungen lokaler Künstler gezeigt. Mit dem Fort Worth Circle erreichte zu dieser Zeit eine Gruppe aufstrebender moderner Künstler regionale und nationale Bekanntheit.
Mit der Anstellung von Mary Ellen Davis als erster Mitarbeiterin des Museums im Jahr 1940, nachdem es bis dahin allein von Freiwilligen getragen worden war, setzte die Professionalisierung der Institution ein. Von 1944 an erhielt das Museum Unterstützung durch die Stadt Fort Worth, anfangs 500 Dollar monatlich zur Deckung der Ausgaben. 1945 bewilligten die Bürger der Stadt eine Anleihe über 500.000 Dollar für die Errichtung eines neuen Museumsgebäudes. Der 1951 bestellte erste Direktor Daniel S. Defenbacher verfolgte dann gemeinsam mit den Vorsitzenden der Fort Worth Art Association Robert F. Windfohr und Sam B. Cantey III. das Projekt eines eigenen Hauses für seine Institution.
Fort Worth Art Center (1954–1971) und Fort Worth Art Museum-Center (1971–1974) Im Jahr 1954 wurde das Fort Worth Museum of Art in Fort Worth Art Center umbenannt und am 8. Oktober in seinem neuen, von Herbert Bayer entworfenen Gebäude an der 1300 Gendy Street eröffnet. Es bot Räumlichkeiten für Ausstellungen, Vorträge und Kunstunterricht, der sich an Kinder und Erwachsene richtete. Ab Mitte der 1950er-Jahre wandte sich die Fort Worth Art Association zunehmend nationalen und internationalen künstlerischen Positionen zu. Zwar wurden lokale Künstler weiterhin unterstützt, jedoch nahmen amerikanische und europäische Künstler einen zunehmenden Anteil der Ausstellungen und Ankäufe ein. Defenbachers Nachfolger als Direktor Henry B. Caldwell, Raymond Entemann und Donald Burrows setzten von 1955 bis 1968 die Professionalisierung des Museums fort. Die späten 1960er-Jahren waren der Zeitpunkt, an dem sich das städtische Kunstzentrum hin zu einem internationalen Museum moderner Kunst entwickelte. Der Schlüsselmoment war 1967 der Ankauf von Pablo Picassos Femme couchée lisant aus dem Jahr 1960 auf einer international im Fernsehen übertragenen Auktion für 105.000 Dollar. Es handelte sich um den bis dahin höchsten Betrag, den das Museum für ein Kunstwerk gezahlt hatte.
Henry Hopkins, der das Museum von 1968 bis 1973 leitete, setzte dessen systematische Ausrichtung auf moderne und zeitgenössische Kunst fort. Während seines Direktorats wurden unter anderem Werke von Hans Hofmann, Donald Judd, Ellsworth Kelly und Mark Rothko angekauft. Dieses Profil – internationale moderne Kunst seit 1920 und amerikanische Kunst seit 1940 – entwickelte Hopkins in Absprache mit den Direktoren des Amon Carter Museum of American Art, das 1961 gegründet worden war und sich auf amerikanische Kunst bis 1940 fokussierte, und des 1972 gegründeten Kimbell Art Museum für europäische und nicht-westliche Kunst bis 1920. Mit Mitteln der Sid. W. Richardson Foundation und der William E. Scott Foundation sowie weiterer privater Förderer wurde das Museum, seit 1971 als Fort Worth Art Museum-Center, nach Entwürfen von O'Neil Ford and Associates erweitert, so dass sich bis 1974 die Fläche verdoppelte.
Fort Worth Art Museum (1974–1987) In den 1970er- und 1980er-Jahren setzten die Direktoren des ab 1974 als Fort Worth Art Museum firmierenden die Linie von Hopkins fort. Richard Koshalek, Jay Belloli, Marge Goldwater und David Ryan führten den Ausbau der Sammlung in Richtung der zeitgenössischen Kunst konsequent fort. Sie erwarben unter anderem bedeutende Werke von Künstlern wie Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Robert Rauschenberg und Andy Warhol. Unter E. A. Carmean, Jr., der von 1984 bis 1991 die Leitung des Museums innehatte, wurden von der Anne Burnett Tandy and Charles D. Tandy Foundation und der Sid W. Richardson Foundation Ankaufsfonds eingerichtet. Neben dem Erwerb etablierter Positionen wie Robert Motherwell und Jackson Pollock wurden auch Werke von Künstlern und Künstlerinnen der jüngeren Generation wie Chuck Close, Nancy Graves, Melissa Miller und Frank Stella in die Sammlung aufgenommen.
Modern Art Museum of Fort Worth (seit 1987) In den späten 1980er-Jahren veranstaltete das Museum bedeutende Ausstellungen wie The Sculpture of Nancy Graves und El Dia de los Muertos: The Life of the Dead in Mexican Folk Art im Jahr 1987, die jeweils von wichtigen Katalogen begleitet wurden. Im Jahr 1989 war das Museum vor dem Hintergrund von Michail Gobatschows Politik von Glasnost und Perestroika Mitorganisator der Ausstellung 10 + 10: Contemporary Soviet and American Painters, die erstmals zeitgenössische Künstler aus der Sowjetunion und den USA kombinierte und in beiden Ländern gezeigt wurde.
Im Jahr 1991 übernahm Marla Price den Posten der kommissarischen Direktorin, nachdem sie seit 1986 bereits Chefkuratorin des Museums gewesen war. Im Folgejahr wurde sie als Direktorin bestätigt. Unter ihrer Leitung wurde unter anderem das langjährige Programm der Tuesday Evenings, einer Vorlesungsreihe mit Kunstschaffenden, verstätigt. Zudem wurde das Ausstellungsprogramm erweitert. Gemeinsam mit dem Chefkurator Michael Auping, der von 1993 bis 2017 diese Position innehatte, baute Price die Sammlung aus. Neben der Erweiterung bereits existierender Konvolute von Künstlern und Künstlerinnen in der Sammlung, begannen die beiden auch damit Sammlungsgebiete wie Fotografie, Film, Video und Installationen systematisch aufzubauen und erwarben dabei unter anderem Werke von Bernd und Hilla Becher, Sally Mann, Richard Prince, Cindy Sherman und Hiroshi Sugimoto.
Mitte der 1990er-Jahre stieß das Museumsgebäude angesichts der wachsenden Sammlung sowie der zunehmenden Zahl von Ausstellungen und begleitenden Veranstaltungen sowie Mitarbeitenden an seine Kapazitätsgrenze. Deshalb erwarb das Museum im Jahr 1996 mit Unterstützung der Burnett Foundation ein neues Grundstück im Kulturbezirk von Fort Worth. Gemeinsam mit dem Kuratoriumsmitglied Anne Windfohr Marion, die dem Baukommittee vorstand, leitete Price das Bauprojekt und dessen Finanzierungskampagne. Sie führten die internationale Suche nach einem Architekten für das neue Gebäude durch, die zu dem japanischen Architekten Tadao Andō führte, und gewannen zusätzliche finanzielle Unterstützung des Projekts durch die Sid. W. Richardson Foundation, Perry R. und Nancy Lee Muse Bass sowie Lee M. Bass. 2002 wurde das neue Gebäude an der 3200 Darnell Street eröffnet.
Seit 2002 wurde die Sammlung unter anderem mit Werken von Dan Flavin, Sol LeWitt und Robyn O'Neil sowie texanischen Künstlern und Künstlerinnen wie David Bates, Melissa Miller und James Surls erweitert. 2012 schuf Jenny Holzer die ortsspezifische Arbeit Kind of Blue, die zu den beliebtesten Werken in der Sammlung zählt. Nach dem Tod von Anne Marion im Jahr 2020 gelangten einige der Werke aus ihrer Sammlung, unter anderem Arshile Gorky, Ellsworth Kelly, Willem de Kooning und Mark Rothko, in das Museum. Sie wurden 2022 zusammen mit Werken, die das Museum mit ihrer Hilfe über mehr als 50 Jahre erworben hatte, in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Die Zahl der Museumsmitarbeiter und -mitarbeiterinnen in Vollzeit stieg bis zum Jahr 2024 auf 48 an. Ende diesen Jahres ging die langjährige Direktorin Marla Price in den Ruhestand. Nach einer internationalen Suche wurde 2025 Halona Norton-Westbrook zu ihrer Nachfolgerin berufen.