mini|Laute mit einer gerissenen Saite, Ausschnitt aus Die Gesandten von Hans Holbein dem Jüngeren (1533)

Die Laute (über spätmittelhochdeutsch lūte von ) ist ein Zupfinstrument mit Korpus und angesetztem Hals sowie mit gleichlaufend zur Instrumentendecke verlaufenden Saiten. Als Laute im engeren Sinn bezeichnet man die aus der arabischen Kurzhalslaute Oud entstandene europäische Laute.

In der Musikinstrumentenkunde wird der Begriff Lauteninstrument (Laute im weiteren Sinne genannt) verwendet. Er bezeichnet nach der Hornbostel-Sachs-Systematik eine bestimmte Gruppe von Saiteninstrumenten. Der Lautenspieler wird als Lautenist, seltener als Lautist, bezeichnet.

Etymologie Der Name Laute entstammt der arabischen Sprache. Arabisch bedeutet „das Holz“ (ursprünglich „Zweig“, „Rute“, „Stab“) und bezieht sich auf das Material des Instruments. Möglicherweise wurde ʿūd in frühislamischer Zeit für eine Laute mit einer hölzernen Decke und einem Korpus aus Holzlamellen zur Abgrenzung von der älteren Lautenform mizhar verwendet, deren dickwandiger Holzkorpus wie beim barbat mit Haut bespannt war. Diese von Henry George Farmer vertretene AnsichtHenry George Farmer: A History of Arabian Music to the XIIIth Century. Luzac & Company, London 1929, S. 15 (bei Internet Archive) wird durch die Feststellung relativiert, dass arabische Autoren des 10. Jahrhunderts die Bezeichnungen ʿūd, mizhar und barbat häufig synonym gebrauchten oder nach anderen Kriterien abgrenzten.Vgl. auch Artikel Oud, in dem eine weitere These der Namensherkunft angeführt wird: Music History II. ca. 650 to 1370 CE. Ibn Chaldūn bezeichnete im 14. Jahrhundert das zum Spiel des barbat verwendete Plektrum als ʿūd.Christian Poché: ʿŪd. In: Grove Music Online. Auf die in zwei frühen arabischen Lexika vorkommende Nebenbedeutung von ʿūd, „Schildkröte“, wies zuerst Rodolphe d’Erlanger (1930) hin. Dies stellt eine Verbindung her zum griechischen Wort für Schildkröte, chelys, womit in der Antike eine Leier mit Schildkrötenpanzer gemeint war,Theodore Grame: The Symbolism of the 'Ūd. In: Asian Music. Band 3, Nr. 1, 1972, S. 25–34, hier: S. 25. sowie zur literarischen Bezeichnung der Laute als Testudo, lateinisch für „Schildkröte“,Georges (1913).Helmut Mönkemeyer (Hrsg.): Nürnberger Lautenbuch. Handschriftliche Tabulaturensammlung um 1600. Teil IV (= Die Tabulatur. Band 26). Friedrich Hofmeister, Hofheim am Taunus 1979, S. 152–153 (Intrada Contralt und folgend Item ad Testudinem Maiorem). etwa bei Georg Leopold Fuhrmann. In deutschsprachigen Lexika des 18./19. Jahrhunderts wird chelys dagegen mit Laute oder Geige gleichgesetzt.

Aus ʿūd mit dem davor stehenden Artikel al- wurde im Italienischen leuto / liuto, im Spanischen laúd (vgl. Laúd), im Portugiesischen alaude, im Französischen luth, im Englischen lute und im Deutschen Laute.

Geschichte mini|Chinesische Apsara mit Laute

Nicht eindeutig als Lautenspieler erkennbar sind zwei kleine Figuren auf Siegelabrollungen der Akkadzeit, die Mitte 24. bis Mitte 22. Jahrhundert v. Chr. datiert werden. Nachfolgend gibt es eine Lücke in der Überlieferung bis zu den ältesten eindeutigen Abbildungen von Lauten vom Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr., die aus einem Gebiet von Nordsyrien bis Mesopotamien stammen. Die weite Verbreitung der Darstellungen auf dem Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes spricht dafür, dass Lauteninstrumente bereits zuvor zur Kultur der dortigen Nomadenvölker gehörten. Außerhalb der mesopotamischen Ursprungsregion taucht die Laute im Alten Ägypten zur Zeit der Hyksos (ca. 1650 bis 1550 v. Chr.) aufHarvey Turnbull: The Origin of the Long-Necked Lute. In: The Galpin Society Journal, Band 25, Juli 1972, S. 58–66, hier S. 63.Ricardo Eichmann: Extent Lutes from the New Kingdom an the Coptic Period of Ancient Egyt. In: Iconea 2011, S. 25–37.Alexandra von Lieven: Native and Foreign Elements in the Musical Life of Ancient Egypt. In: Arnd Adje Both u. a. (Hrsg.): Studien zur Musikethnologie IV. Orient-Archäologie, Band 22, 2008, S. 155–160. und verbreitete sich von dort zunächst nach Süden. Aus Ägypten erhalten sind u. a. Schalenspießlauten, die mit Plektren gespielt wurden. Bei der Spießlaute besteht der Saitenträger aus einem einfachen Stiel, der durch einen Resonanzkörper aus Holz, eine Kalebasse oder z. B. einen Schildkrötenpanzer hindurchgesteckt oder lediglich in den Resonanzkörper hineingesteckt wird, ohne an der gegenüberliegenden Seite auszutreten.

In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurden im indischen Raum neben der Bogenharfe vina die ersten Lauteninstrumente verwendet, deren Namen zur damaligen Zeit nicht eindeutig bekannt sind. Eine mögliche Bezeichnung könnte kacchapi gewesen sein.Walter Kaufmann: Altindien. Musikgeschichte in Bildern. Band II. Musik des Altertums. Lieferung 8. Hrsg. Werner Bachmann. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1981, S. 100 Das Wort lebt als hasapi, kacapi, kulcapi oder ähnlich für Lauteninstrumente oder für Zithern in Südostasien weiter.

Die auf Persisch setar („Dreisaiter“) genannte Langhalslaute geht vielleicht auf altindische Vorbilder zurück. Die indische sitar wird als späte Entwicklung aus Langhalslauten angesehen, die ab dem 9./10. Jahrhundert in indischen Tempelreliefs zu sehen sind, und mit mogulzeitlichen Einflüssen aus Persien und Zentralasien in Verbindung gebracht.Allyn Miner: Sitar and Sarod in the 18th & 19th Centuries. Motilal Banarsidass, Neu-Delhi 1997, S. 18, ISBN 978-81-208-1493-6 Die oud, eine Knickhalslaute, kann als Vorläufer der europäischen Lauten angesehen werden. Das Instrument entwickelte sich aus der im 9. Jahrhundert in Persien verbreiteten Form der Laute, dem barbat. Von dort übernahmen möglicherweise auch die Chinesen um das 4. Jahrhundert n. Chr. die heute als pipa bekannte Schalenhalslaute.

mini|hochkant|Füssener Laute von Petrus Hellmer aus dem Jahr 1614 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Nach Europa kamen Vorformen der europäischen Laute möglicherweise durch Kreuzfahrer. Vielleicht fand sie ihren Weg nach Mitteleuropa auch schon früher über das maurische Spanien (arabische Musikinstrumente wie die oud gelangten von Damaskus, Bagdad und Medina nach Córdoba oder auf dem Weg durch das an Persien grenzende byzantinische Reich). In Europa erhielt sie Bünde und Darmsaiten und wurde statt mit dem Plektrum etwa ab 1500 mit den Fingern gespielt.

Während der Renaissance galt die Laute als Königin der Instrumente. Die ältesten noch erhaltenen Lauten stammen aus der Zeit um 1500.Douglas Alton Smith und Gerhard Söhne: Eine neue historisch-theoretisch und practische Untersuchung des Instruments der Lauten. In: Gitarre & Laute. Band 1, 1979, Nr. 1, S. 15–25, hier: S. 15. Die Laute hatte den praktischen Vorteil, dass sie ein leicht transportierbares Fundamentinstrument war. Im 17. Jahrhundert nahm ihre Bedeutung allmählich ab. Im 18. Jahrhundert wurden die Barocklaute und andere Lauteninstrumente wie Mandora, Theorbe und Angélique schließlich von anderen Saiten- und Tasteninstrumenten verdrängt, bis sie zur Zeit der Romantik durch die Gitarre ersetzt wurde.

Ein später Erbe der Entwicklung, die Gitarrenlaute, war im frühen 20. Jahrhundert unter den Wandervögeln und in der Jugendmusikbewegung beliebt. Mit der Wiederentdeckung der Alten Musik erfuhr auch die Laute in ihren verschiedenen Formen während des 20. Jahrhunderts eine Wiederbelebung. Um 1920Oswald Rabel: Die Harfenlaute. Ein neuer Weg zur Weiterentwicklung des Lautenspiels. In: Die Gitarre. Band 2, Heft 1, 1920, S. 3–5 (Digitalisat). versuchte der Sänger und Gitarrenlehrer Oswald Rabel (* 1876) eine „Groß-Terz-Harfenlaute“ mit sieben Griffbrettsaiten (gestimmt G-H-es-g-h-es'-g') und zehn freischwebenden Basssaiten (chromatisch gestimmt) einzuführen.Josef Zuth: Handbuch der Laute und Gitarre. Verlag der Zeitschrift für die Gitarre (Anton Goll), Wien 1926 (1928), S. 227. Es finden Festivals statt, um das Interesse am Lautenspiel zu wecken und Künstler vorzustellen, so das seit 1996 von der Deutsche Lautengesellschaft veranstaltete Internationale Festival der Laute in Deutschland und der Schweiz.

Instrumentenkunde Konstruktion mini|Lautenmacher aus dem Ständebuch von Jost Amman und Hans Sachs (1568)

Charakteristisch für die Laute ist der aus mehreren Holzspänen tränenförmig zusammengesetzte Schallkörper („Muschel“).Bei Michael Praetorius und Georg Leopold Fuhrmann findet auch die lateinische Bezeichnung testudo, „Schildkröte, gewölbtes Saiteninstrument“, für die Laute Verwendung. Verwendung findet neben Obstbaumhölzern (Pflaume, Birne, Kirsche) besonders Ahornholz. Auch Blumenesche, Eibenholz, Palisander, Ebenholz, Schlangenholz und Elfenbein wurden im 16. bis 18. Jahrhundert in Europa für die Späne benutzt.Friedemann Hellwig: Die Lauteninstrumente im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. In: Gitarre & Laute. Band 1, 1979, Nr. 6, S. 8–15. Die Decke besteht meist aus Fichtenholz und ist im Inneren der Laute durch mehrere Balken unterteilt. Der Hals ist mit der Muschel und dem Holzklotz unter der Decke so verleimt, dass Griffbrett und Decke in einer Ebene liegen. In die Decke ist eine Rosette hineingeschnitzt („Stern“). Zwischen Rosette und unterer Deckenkante ist der Saitenhalter aufgeleimt („Steg“, „Riegel“). Am oberen Ende des Halses ist der Wirbelkasten angeleimt, der nach hinten abgewinkelt ist und zur Kategorisierung als Knickhalslaute führt. Die Erbauer von Lauten werden Lautenbauer (früher auch Lautenmacher) genannt.

mini|Syntagma musicum von Michael Praetorius. Links, Blatt XVI Etwa ab 1600 entstanden Formen der Laute mit vermehrter Saitenzahl, verlängertem Hals und zweitem Wirbelkasten, an dem zusätzliche Basschöre angebracht waren, sogenannte theorbierte Lautenvgl. im Syntagma musicum: „Laute mit Abzuegen oder Testudo Theorbata“. (Arciliuto, Liuto attiorbato, Theorbe, Angelica, deutsche Barocklaute mit Schwanenhals). Manche dieser neuen Lauten wurden besonders für den Generalbass verwendet (Arciliuto, Theorbe).

Saiten Lautensaiten wurden während Renaissance und Barock aus Schafdarm hergestellt. Michael Praetorius berichtet 1618 auch vom Gebrauch von Stahl- und Messingsaiten für Laute und Theorbe. Von Spielern der Gegenwart werden vielfach Saiten aus Kunststoff benutzt.

Lauten werden mit Saitenpaaren, so genannten Chören, besaitet. Der erste Chor (Chanterelle) besteht jedoch – im Gegensatz zur Mehrzahl der überlieferten Instrumente – heute nur aus einer Saite. Bei der Barocklaute sind oft der erste und der zweite Chor einzelne Saiten. Das tiefste Saitenpaar wurde als Groß-Brummer bezeichnet.Brummer. In: Valentin Trichter: Curiöses Reit-, Jagd-, Fecht-, Tantz- oder Ritter-Exercitien-Lexicon. Leipzig, 1742, Sp. 223. Digitalisat im Deutschen Textarchiv

Bis 1500 hatten Lauten vier oder fünf, danach zunächst sechs Chöre. Etwa ab 1600 wurden sieben und mehr Chöre verwendet. Die Zahl stieg bis ca. 1640 bis auf zwölf Chöre. Etwa um 1720 wurde die Saitenzahl auf dreizehn Chöre erweitert.

Saitenstimmung