Vooruit (niederländisch für „Vorwärts“, bzw. „Mach voran!“) ist eine sozialdemokratische Partei in Flandern, dem niederländischsprachigen Teil Belgiens, sowie in der zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt. Bis zum 21. März 2021 hieß sie Socialistische Partij Anders (sp.a).

Geschichte Die erste sozialistische Partei Belgiens war die „Flämische Sozialistische Arbeiterpartei“ (Vlaamsche Socialistische Arbeidspartij (VSP)), die 1885 in der gesamtbelgischen Belgischen Arbeiterpartei (; ) aufging. Im Jahr 1940 wurde die Partei unter der deutschen Besatzung aufgelöst.

Viele ehemalige Parteimitglieder gingen in den Untergrund und leisteten Widerstand. Auf Initiative Achille Van Ackers wurden, zuerst in Flandern, ab 1942 auch in Wallonien, zahlreiche illegale Parteibüros gegründet. Um den Neuanfang zu markieren, gründete sich die Partei nach dem Krieg im Jahr 1945 unter den Namen „Belgische Sozialistische Partei“ (; ) wieder.

Belgische Socialistische Partij Im Jahre 1978, 101 Jahre nach der Gründung der VSP schlugen die flämischen (Belgische Socialistische Partij, BSP) und französischsprachigen wallonischen Sozialisten (Parti Socialiste, PS) wieder eigene Wege ein. Erster Vorsitzender der BSP wurde Karel Van Miert und unter seinem Vorsitz nahm die BSP im Jahr 1980 offiziell den Namen Socialistische Partij (SP) an.

Socialistische Partij Die Socialistische Partij (SP) war für einen sehr langen Zeitraum Juniorpartner der CD&V. In diese Zeit fällt eine Bestechungsaffäre, die den damaligen NATO-Generalsekretär Willy Claes von der Socialistischen Partij sein Amt kostete.

Socialistische Partij Anders Unter dem Parteivorsitzenden Steve Stevaert (2003–2005) fand eine Erneuerung der Partei statt, die sich nun Socialistische Partij Anders (sp.a) nannte. Die sp.a arbeitete eng mit der linksliberalen Partei Sociaal-Liberale Partij zusammen. Dieses Kartell bestand von 2003 bis 2008.

Nachdem Steve Stevaert am 1. Juni 2005 Gouverneur der Provinz Limburg wurde, übernahm Caroline Gennez bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden (im Oktober 2005) zeitweilig den Parteivorsitz. Als im Januar 2009 der Linksliberale Bert Anciaux sich der Partei angeschlossen hatte, verkündete die Partei die Änderung ihres Namens in Socialisten en Progressieven Anders. Der Unmut darüber in der Partei führte dazu, dass der alte Name behalten und durch den Untertitel Sociaal Progressief Alternatief ergänzt wurde.

Bei den flämischen Wahlen 2009 erhielt die sp.a 15,3 Prozent der Stimmen. Sie trat in eine Regierung mit Christdemokraten und Flämisch-Nationalen ein und stellt drei Minister.

Vooruit mini|Parteiführer und Vertreter während einer Klimaaktion im Oktober 2021 Am 9. September 2020 gab die sp.a bekannt, dass sich die Partei in VOORUIT (niederländisch für Vorwärts) umbenennt, dieser Schritt wurde am 21. März 2021 vollzogen. Die Umbenennung wurde von einigen auf kommunaler Ebene tätigen, unabhängigen Parteien (bspw. Koksijde Vooruit und Tienen Vooruit) kritisiert, da sie Verwirrung stifte. Ebenso entschied sich das Genter Kunstzentrum mit gleichem Namen, sich umzubenennen, um den Namen nicht mit der Partei zu teilen. Am 8. Dezember 2019 wurde Conner Rousseau Parteivorsitzender. Er trat am 17. November 2023 zurück, nachdem die belgische Zeitung Het Nieuwsblad berichtet hatte, Rousseau habe sich in einer Bar rassistisch über Roma geäußert. Ihm folgte am 18. November 2023 die 31-jährige Melissa Depraetere als Interimsvorsitzende.

Parteivorsitzende 26. November 1978 bis 14. Januar 1989: Karel Van Miert 14. Januar 1989 bis 9. Oktober 1994: Frank Vandenbroucke 9. Oktober 1994 bis 24. April 1998: Louis Tobback 24. April 1998 bis 16. Oktober 1999: Fred Erdman 16. Oktober 1999 bis 29. März 2003: Patrick Janssens 29. März 2003 bis 11. Oktober 2003: Steve Stevaert (kommissarisch) 11. Oktober 2003 bis 25. Mai 2005: Steve Stevaert 25. Mai 2005 bis 15. Oktober 2005: Caroline Gennez 15. Oktober 2005 bis 21. Oktober 2007: Johan Vande Lanotte 21. Oktober 2007 bis 18. September 2011: Caroline Gennez 18. September 2011 bis 13. Juni 2015: Bruno Tobback 13. Juni 2015 bis 8. November 2019: John Crombez 8. November 2019 bis 17. November 2023: Conner Rousseau 18. November 2023 bis 18. Juli 2024: Melissa Depraetere (kommissarisch) 18. Juli 2024 bis heute: Conner Rousseau

Wahlergebnisse +Ergebnisse bei den Flämischen Regionalwahlen Jahr Stimmen Anteil Mandate Platz 1995 733.703 19,45 % 3. 1999 582.419 15,00 % 4. 2004 799.325 19,66 % von 4. 2009 627.852 15,27 % 3. 2014 587.903 13,99 % 4. 2019 429.631 10,14 % 5. 2024 606.223 13,85 % 3.

+Ergebnisse bei den Wahlen der Region Brüssel-Hauptstadt Jahr Stimmen Anteil Mandate Platz 1989 11.710 2,67 % 9. 1995 9.987 2,42 % 9. 1999 13.223 3,10 % 8. 2004 11.052 2,44 % 8. 2009 10.085 2,19 % 6. 2014 10.450 2,26 % 8. 2019 10.540 2,30 % 10. 2024 8.045 1,71 % 12.

+Ergebnisse bei den Parlamentswahlen Jahr Stimmen Anteil Mandate Platz 1978 684.976 12,37 % 3. 1981 744.593 12,36 % 3. 1985 882.200 14,55 % 2. 1987 915.432 14,90 % 3. 1991 737.976 11,98 % 4. 1995 762.444 12,56 % 3. 1999 593.372 9,55 % 6. 2003 979.750 14,91 % von 2. 2007 684.390 10,26 % von 6. 2010 602.867 9,24 % 5. 2014 595.486 8,83 % 6. 2019 455.034 6,71 % 8. 2024 566.436 8,11 % 5.

+Ergebnisse bei den Senatswahlen Jahr Stimmen Anteil Mandate Platz 1978 678.776 12,39 % 3. 1981 732.126 12,27 % 4. 1985 868.624 14,49 % 2. 1987 896.294 14,71 % 3. 1991 730.274 11,94 % 3. 1995 792.941 13,23 % 3. 1999 550.657 8,89 % 4. 2003 1.013.560 15,47 % von 1. 2007 665.342 10,04 % von 4. 2010 613.079 9,48 % 3.

+Ergebnisse bei den Europawahlen Jahr Stimmen Anteil Mandate Platz 1979 698.889 12,84 % 2. 1984 979.702 17,12 % 2. 1989 733.242 12,43 % 3. 1994 651.371 10,92 % 4. 1999 550.237 8,84 % 6. 2004 716.317 11,04 % von 5. 2009 539.393 8,21 % 7. 2014 555.348 8,30 % 6. 2019 434.002 6,45 % 10. 2024 570.067 7,99 % 6.

Weblinks

Offizielle Website (niederländisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Partei (Belgien) Kategorie:Sozialdemokratische Partei Kategorie:Parteigründung 1885