Das Zentralgebäude der Leuphana Universität Lüneburg ist ein im Jahre 2017 fertiggestelltes Gebäude auf dem zentralen Campus der Universität in Lüneburg. Das Gebäude wurde vom Architekten Daniel Libeskind entworfen.
mini|Audimax innerhalb des Zentralgebäudes Am 19. Dezember 2007 stellten die Hochschulleitung und der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) das Projekt vor und gaben den Startschuss für die weiteren Planungsarbeiten. Neben einem Audimax entstanden Räumlichkeiten für ein Forschungszentrum, studentische Arbeitsplätze und Seminarräume sowie eine Cafeteria. Das Gebäude sollte nach ursprünglichen Planungen 57,7 Millionen Euro (Stand 2011) kosten, verteuerte sich erst auf 64,7 Millionen Euro (August 2012), dann auf 72,7 Millionen Euro (August 2013) und konnte nach Einschätzung der Oberfinanzdirektion bis zu 91 Millionen Euro (Stand Februar 2014) kosten.
Entstehungsgeschichte Zunächst sollte bis Ende 2014 das Gebäude im typischen Stil Daniel Libeskinds mit einer Höhe von 38 Metern und Platz für 1200 Menschen das Erkennungszeichen der Universität werden. Die Fertigstellung des Gebäudeteils Audimax war für Januar 2013 geplant, verzögerte sich aber. Die Gesamtfertigstellung verzögerte sich zunächst auf (Stand Mai 2013) am 31. August 2015, später auf Herbst 2015 (Stand August 2013) und weiter auf Ende 2016 (Stand April 2016). Die Inbetriebnahme erfolgte im ersten Quartal 2017. Am 11. März wurde das gesamte Gebäude, also nicht bloß das Audimax, mit einer Eröffnungsfeier eingeweiht.
Seit den ersten Planungen durch die Universitätsleitung um Präsident Sascha Spoun und Vizepräsident Holm Keller ist das Projekt in seiner Notwendigkeit, Dimension, Finanzierung und Nutzung umstritten. Vor allem wurde der Universitätsleitung und dem Stiftungsrat Intransparenz bei der Planung und den Kosten des Projektes vorgeworfen. Dies führte zu Ermittlungen der EU-Korruptionsbekämpfungsagentur EU OLAF 2013 und zum Einschreiten des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur nach Prüfungen durch den Landesrechnungshof und der Oberfinanzdirektion.
Planung, Private-Public-Partnership und Rechnungshofbericht Mit der Wahl des Universitätspräsidenten Spoun im Jahr 2006 wurde ein Umbruch in der inhaltlichen Ausrichtung und der Selbstpräsentation der Universität Lüneburg eingeleitet. In diesem Zusammenhang stellte sich auch die Frage der Entwicklung der verschiedenen Universitätsstandorte in Lüneburg und Suderburg. Im Sommer 2007 nahm Daniel Libeskind den Ruf als nebenberuflicher Professor an der Leuphana Universität an. Seine Tätigkeit beschränkte sich nicht auf eine reine Lehrtätigkeit, sondern er legte in diesem Rahmen ebenfalls den ersten Entwurf eines neuen Zentralgebäudes vor. Dieser Entwurf wurde – so die Darstellung der Universität – in Zusammenarbeit mit Studierenden und Lehrenden der Universität weiterentwickelt. Ebenfalls im Sommer 2007 begann die Universität, mit allen Bereichen Gespräche über den zukünftigen Raumbedarf zu führen.http://www.leuphana.de/campus/entwicklung/projektphasen.html Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel nannte den Bau ein 2012 ein „Prestige-Projekt“ des Präsidenten Sascha Spoun und seines Stellvertreters Holm Keller. Die Leitung der Universität sieht das Gebäude als „Kernstück der Campusentwicklung für die Lüneburger Modell-Universität.“ 2009 drohte der Bau am Tierschutz zu scheitern: Ornithologen entdeckten auf dem Campus zwei Haubenlerchen-Pärchen, eine akut vom Aussterben bedrohte Vogelart. Jedoch handelt es sich um Randgebiete des eigentlichen Verbreitungsgebietes dieser Vogelart. Durch eine ausreichende Dachbegrünung Begrünung von Dächern bestehender Gebäude und Hörsäle am Campus plant die Universität, den Haubenlerchen-Bestand zu schützen.
Im September 2009 wandte sich die Landeskrankenhilfe Niedersachsen, die ein Grundstück in der Nähe hat, gegen den Bau: Das Audimax sei zu hoch, es fehle ein Stellplatzkonzept und zudem sei der Schutz vor Luftverunreinigung unzureichend. In einem Urteil des Verwaltungsgerichts Lüneburg wurden die Einwände abgelehnt.
2010http://www.leuphana.de/campus/entwicklung/projektphasen.html kündigte die Universität an, den Bau in Eigenregie zu errichten – ohne private Partner, ohne Hotel und ohne Parkplatz. Die Uni-Leitung konkretisierte zu diesem Zeitpunkt die Finanzierung: das Land Niedersachsen stellt 18,6 Millionen Euro, die Europäische Union 14 Millionen, die Stadt Lüneburg und Landkreis Lüneburg zusammen sieben Millionen und das Bundeswirtschaftsministerium mehr als zwei Millionen Euro. Hinzu kommen kleinere Geldgeber, wie die Kirchen.
Im Juli 2011 hatte der Landesrechnungshof einen vertraulichen Bericht fertiggestellt, der die Finanzierung des umstrittenen Audimax untersuchte. Das Papier des Landesrechnungshofs lag im August 2011 den Medien vor. Darin waren Wettbewerbsverstöße beim Bau des Zentralgebäudes beklagt worden. Der Landesrechnungshof erhob schwere Vorwürfe gegen die Leitung der Leuphana-Universität. Die Prüfer sahen neben den Wettbewerbsverstößen auch mögliche Verstöße gegen die Antikorruptionsrichtlinie des Landes Niedersachsen. Der Bericht stellte klar, dass das Zentralgebäude von der Firma Rheinzink GmbH aus Datteln im Rahmen eines Sponsoringvertrags zum Teil gratis mitgebaut würde. Zwischen dem Architekten Libeskind, Rheinzink und dem Universitäts-Vizepräsidenten Holm Keller bestand eine „enge privatwirtschaftliche Verbindung“ (Rechnungshof). Die taz unterstellte 2009, dass Keller, der an der Universität unter anderem für den Bau und die Finanzierung des Zentralgebäudes zuständig ist, die Ausschreibung im Jahr 2009 zum Vorteil von Geschäftsfreunden beeinflusst habe. Keller war Gründungsgesellschafter der Proportion GmbH aus Berlin. Diese Firma hatte im Auftrag von Libeskind die Designvillen des Architekten vermarktet. Für diese Villen wiederum baut Rheinzink die aufwändigen Fassaden. Ein Marketingvideo von Rheinzink aus dem Jahre 2009 zeigt Libeskind und Keller beim Richtfest für eine der Villen.
Der Rechnungshof kritisierte, dass so der Wettbewerb unterlaufen würde, und andere Lieferanten als Rheinzink „ausgeschaltet“ worden seien. Auch die Architektenkammer hatte sich über das Fehlen der verpflichtenden Ausschreibung für den Audimaxentwurf beklagt. Später sagte die damalige Wissenschaftsministerin Johanna Wanka, es sei „völlig korrekt“, Libeskind ohne Ausschreibung als „lokale Kompetenz einzubinden“. Libeskind lebt mit seiner Familie in Berlin und New York City, ist aber als nebenberuflicher Professor an der Leuphana Universität tätig.
Zu diesen Vorwürfen der Vetternwirtschaft und Korruption bei der Bauvergabe musste sich die damalige Niedersächsische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) in einer Fragestunde im niedersächsischen Landtag erklären. Wankas Ministerium beaufsichtigt den Bau und dessen Entwicklung und finanziert ihn teilweise mit. Wanka wies 2011 alle Anwürfe kategorisch zurück. Sie erklärte, die Opposition gehe „verleumderisch und denunziatorisch“ vor und alle Vorgänge beim Bau des Zentralgebäudes seien „völlig korrekt“ durchgeführt worden. Den Bericht des Landesrechnungshofes, auf den sich die Opposition stützte, gebe es gar nicht, erklärte Wanka mehrfach, da es sich bei dem Bericht um eine Vorabfassung handelte.
Neubewertung ab 2013 und OLAF-Ermittlungen Mit der neuen Landesregierung ab 2013 änderte sich auch der politische Umgang und die Bewertung der Vorgänge um das neue Zentralgebäude in Lüneburg. Das Wissenschaftsministerium prüfte erneut die Finanzierung und bezog den OLAF Bericht in ihre Bewertung ein. Die neue Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) ging im August 2013 laut HAZ auf Distanz zu den Plänen der Uni-Spitze. Die gestiegenen Kosten schlugen ungewöhnlich früh zu Buche, sagte Heinen-Kljajic. Laut HAZ hatte sie Zweifel geäußert, dass die EU die Änderungen am Baukonzept absegnen werde. Dennoch wolle sich das Land nicht aus der Finanzierung zurückziehen. Der Uni-Vizepräsident Keller betonte, die Universität habe „ausreichend Vorsorge“ getroffen, um die Mehrkosten zu decken, sagte aber nicht wie. Bis Ende September 2013 sollte ein neues Finanzkonzept der Uni dem Hannoveraner Wissenschaftsministerium vorliegen, das dann wiederum bis Mitte November 2013 von Oberfinanzdirektion und Landesrechnungshof überprüft werden sollte.
Neues Finanzierungs- und Nutzungskonzept und transparente Projektsteuerung ab 2014 Mitte August 2013 wurde bekannt, dass die Leuphana Universität Lüneburg eine komplette Neuordnung ihres „Veranstaltungsmanagements“ plant. Betroffen ist zum einen das neue Zentralgebäude, zum anderen die zur Uni-Liegenschaft gehörende Vamos Kulturhalle (Pächter ist der ausgegliederte Verein „Campus e.V.“ bzw. dessen Campus Management GmbH). Eine entsprechende europaweite Ausschreibung wurde Mitte August 2013 vorbereitet. Sie zielt auf ein möglichst geschlossenes Konzept aus einer Hand ab. Damit knüpft die Uni an Pläne von Privat-Public-Partnership Lösungen an, die 2010 nach öffentlicher Kritik wieder verworfen wurden.
Dieses Konzept sieht zunächst die Suche nach einem Betreiber für Mensa und Cafeteria sowie für Reinigungsdienstleistungen für das neue Zentralgebäude vor. Die heutige Mensa der Universität wird vom öffentlich-rechtlichen Studierendenwerk OstNiedersachsen betrieben. Die Cafeteria im Hörsaalgebäude wurde schon vor einigen Jahren an einen privaten Pächter vergeben. Der Betrieb der sogenannten „multifunktionalen Flächen“ des neuen Zentralgebäudes für Aufführungen, Feste oder Konzerte soll nach Willen der Hochschulleitung Spoun und Keller ebenfalls in den Händen eines neuen privaten Partners liegen. Die Universität beabsichtigt, den Betrieb der Vamos Kulturhalle im Rahmen der Ausschreibung neu zu vergeben und idealerweise in das neue Konzept zu integrieren. Eine wesentliche Voraussetzung im Verfahren wird die Vorlage eines Konzeptes sein, das die Integration des Veranstaltungsmanagements von Zentralgebäude und Kulturhalle untersucht und für die Universität eine wirtschaftliche Lösung bietet. Eine Verlängerung des Pachtvertrags mit dem Vamos-Betreiber Campus Management GmbH war bereits 2012 ausgeschlossen worden. Der Pachtvertrag läuft am 31. Dezember 2015 aus. Starten soll das neue Veranstaltungsmanagement am 1. Januar 2016.
Der gemeinsame Betrieb aller Veranstaltungsflächen könne, so die Universität, im Verbund mit dem neuen Zentralgebäude zu erheblichen Synergien führen. Die Uni hatte eine Markterkundung im Vorfeld der europaweiten Ausschreibung in Auftrag gegeben, die diese Erwartung bestätigte.
Mitte Oktober 2013 gab die Universität bekannt, der Nachfinanzierungsbedarf für das Zentralgebäude belaufe sich auf Mehrkosten von 7,5 Millionen Euro netto gegenüber der ursprünglichen Planung. Einem Betrag, für den die Universität eine Risikovorsorge getroffen habe. Der Nachfinanzierungsbedarf resultierte unter anderem aus einem gegenüber dem Planungszeitpunkt gestiegenen Baukostenindex. Zur Deckung dieser Mehrkosten will die Universität im Rahmen der Immobilienbewirtschaftung durch PPP (Europaweite Ausschreibung des Gebäudemanagements) Geld einsparen. Das von einem Wirtschaftsprüfer aufbereitete Finanzierungskonzept soll den zuständigen Stellen des Landes vorgelegt werden.Pressemitteilung der Universität