Moritz Bräuninger (* 2. Dezember 1836 in Crimmitschau; † 23. Juli 1860 am Powder River), mit Absarokee-Namen Bagirisch, war ein deutscher lutherischer Missionar in Nordamerika, der als evangelischer Märtyrer gilt.

Leben Jugend Moritz Bräuninger war das zweite von vier Kindern des Tischlermeisters Moritz Bräuninger und seiner Frau Christiane Bräuninger, geborene Münch. Im Alter von fünf Jahren trat er in die Bürgerschule seines Heimatortes ein, wo er sieben Jahre blieb. Im Lebenslauf-Buch der Neuendettelsauer Missionsanstalt ist ein persönlicher Rückblick über diese Zeit enthalten:

Er wurde an Ostern 1850 konfirmiert. Auf Wunsch seiner Eltern, aber gegen die eigene Überzeugung, begann er eine Tischlerlehre bei seinem Vater. Im ersten Lehrjahr floh er, wohl aufgrund von Konflikten während der Ausbildung, aus dem Elternhaus. Nach seiner Rückkehr schloss er seine Lehre ab; die Arbeit bereitete ihm aber keine Freude.

Am 18. April 1853, im Alter von nur 16 Jahren, begann er gemäß den damaligen Gepflogenheiten seine Gesellenwanderung. Dabei besuchte er Dresden, Wittenberg, wo er die Schlosskirche und andere Luther-Gedenkstätten besichtigte, Magdeburg, Hamburg, Stade, Bremen, Osnabrück, Münster, Barmen, Düsseldorf, Köln, Bonn, Bingen und Mainz. Danach ging er in Richtung Frankfurt am Main. Des Öfteren musste er auf seiner Reise betteln. Über den Spessart reiste er nach Würzburg und Nürnberg, dann nach Neuendettelsau, weil er den berühmten evangelischen Pastor Wilhelm Löhe predigen hören wollte.

Dieser beeindruckte ihn mit seiner Predigt über die Verbreitung des Evangeliums über die ganze Welt so sehr, dass Bräuninger im Ort blieb und sich eine Stelle als Hilfskraft vom örtlichen Dorftischler geben ließ. So half er beim Aufbau des Diakonissenhauses, das im Frühling 1855 fertiggestellt wurde. Aufgrund seiner Kontakte zu den Auszubildenden der Missionsanstalt und die seelsorgliche Beratung durch Löhe bewarb er sich um eine Aufnahme in der Einrichtung.

Ausbildung zum Missionar Am 24. April 1855 trat Moritz Bräuninger in die Missionsanstalt für Nordamerika, was der damalige Name der Anstalt war, ein. Es handelte sich um eine zweijährige Ausbildung zum geistlichen Nothelfer für die deutschen lutherischen Auswanderer.

Seit 1841 erteilte Löhe einigen Handwerkern, die als Sendlinge nach Nordamerika gehen wollten, spontanen Unterricht. Der Katechet Friedrich Bauer aus Nürnberg, ein Freund Löhes, übernahm 1846 diese Ausbildung, die durch ihn ein theologisches und pädagogisches Fundament erhielt. Kern war die Dogmatik und Ethik des Luthertums sowie eine Einleitung in das Neue Testament. Hinzu kamen weitere Fächer. Diese Ausbildung erhielt nun Bräuninger. Was fehlte, war eine Einführung in die Ethnologie und Landeskunde des Zielgebiets. Sein Abschlussexamen legte Moritz Bräuninger Ende Februar 1857 ab.

Am 1. März fand die gottesdienstliche Segensfeier für ihn und drei weitere Missionare statt, die nach Nordamerika abgeordnet wurden. Moritz Bräuninger wurde von Wilhelm Löhe nach Iowa ausgesandt. Als Bräuninger Neuendettelsau verließ, flocht er eine Dornenkrone um seine Fotografie. Dies wurde später bisweilen als Vorahnung seines Märtyrertodes gedeutet. (Die Krone wurde unter anderem in der Ausstellung Good Bye Bayern - Grüß Gott America des Hauses der Bayerischen Geschichte vom 10. Dezember 2004 bis zum 6. März 2005 im Lokschuppen in Rosenheim gezeigt.) Löhe bemerkte in Bräuningers Nachruf, dieser sei mit einigen Helfern auf eigene Gefahr in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert, da seine Lehrer meinten, er sei für das Amt des Missionars wenig geeignet gewesen. Die Überfahrt musste Bräuninger aus eigener Tasche bezahlen.

Bräuninger erreichte gemeinsam mit Karl August Göhle (1836–1917), der danach in Buffalo als Nestor der deutschen Musiker und Lehrer bekannt wurde, sowie den Missionaren Peter Brand und Andreas Sussner New York City am 3. Mai 1857. Von dort reisten die genannten vier Personen direkt nach Buffalo weiter und trafen sich mit Pastor Grabau, der kurz zuvor ein Treffen mit den Ältesten der kleinen Iowa-Synode hatte.

Ende April erreichte Bräuninger Dubuque (Iowa) am Mississippi. Dort sollte er seine Ausbildung am theologischen Seminar der Iowa-Synode vollenden. Vorher musste er für acht Wochen als Tischler beim Aufbau des neuen Wartburg-Seminars der Synode, das zum Reformationsfest am 31. Oktober 1857 in Saint Sebald in Clayton County (Iowa) eingeweiht wurde, mitarbeiten. Danach musste er einen Brunnen graben und eine Woche lang Brennholz für den Winter schlagen. So konnte er erst um den Jahreswechsel von 1857 auf 1858 mit dem Unterricht beginnen, um weiter zum Missionar und Pastor ausgebildet zu werden.

Am 11. Januar 1858 begründete Bräuninger die Namenswahl des Seminars in einem Brief an Löhe damit, dass die zukünftigen Pastoren es „dem unermüdlichen Arbeiter auf der Wartburg bei Eisenach gleich tun wollen“.

Reise über den Missouri Der erfahrenere Missionar Johann Jakob Schmidt (* 1834) traf im Winter von 1857 auf 1858 in Detroit einen einflussreichen Indianeragenten der US-Regierung namens Alexander H. Redfield, der für die Stämme am Missouri River und dem Yellowstone River zuständig war. Er hatte Gesandten der Crow (Absarokee) und anderer Stämme Zahlungen in Geld und Naturalien zu überbringen. Die Crow wollte er in Fort Sarpy II, der letzten Station seiner Reise, die in ihrem Stammesgebiet südlich des Yellowstone River zwischen dem Big Horn River und dem Powder River lag, treffen.

Redfield lud Schmidt ein, ihn dorthin zu begleiten, da er den Missionaren die Crow besonders empfahl. Das Missionskomitee der Iowa-Synode und dessen Unterstützer in Europa, der Nürnberger Zentralmissionsverein und die Neuendettelsauer Gesellschaft für innere Mission, sahen in dieser Einladung eine sehr günstige Gelegenheit, mit der Mission der amerikanischen Ureinwohner, die besonders Löhe vorantrieb, zu beginnen, indem die Missionsmöglichkeiten im Zusammenhang mit dieser Reise erkundet werden sollten. Alle Missionsbemühungen der Synode wurden von neun Absolventen der Neuendettelsauer Missionsanstalt getragen, die Finanzierung übernahm im Wesentlichen die Gesellschaft für innere Mission.

So bat Schmidt im Frühjahr 1858 um einen Mitarbeiter. Ausgewählt wurde Bräuninger, dessen Ausbildung damit schon Ende April 1858 endete. Er machte sich auf den 5000 km langen Weg in Richtung der Crow und traf in der vorletzten Maiwoche 1858 in St. Louis ein, wo Missouri River und Mississippi zusammenfließen. Hier traf er Schmidt. Redfield begleitete die Missionare auf dem Dampfschiff Twilight, das von Frost, Todd, & Company gechartert worden war und am 23. Mai in St. Louis ablegte, durch das Gebiet sieben verschiedener Stämme, nämlich Yankton, Big Head Sioux, Arikaree, Hidatsa, Mandan, Assiniboine und Blackfoot, 3840 km den Missouri River hinauf. Redfield stellte Bräuninger und Schmidt eine Lizenz aus, ein Jahr mit den Crow zu leben und erreichte es bei Kapitän Shaw, dass die Missionare entweder kostenlos oder für einen sehr geringen Preis reisen konnten. Bräuninger und Schmidt hielten Morgen- und Abendgottesdienste auf dem Dampfer ab. Weitere Passagiere waren der Künstler Carl Wilmar, der Indianeragent Alfred J. Vaughn, zahlreiche Voyageurs und Mechaniker sowie ein paar Frauen und Kinder.

Oberhalb der Yankton-Siedlung, die sie am 6. Juni erreichten, mussten die Passagiere stets mit Angriffen rechnen, wenn sie eine Siedlung von Ureinwohnern passierten. Die Situation schien sich zu ändern, als beim Fort Randall etwa 40 Soldaten unter dem Kommando Major H. W. Wessels zustiegen. Am Fort unterhielt die Regimentsband die Passagiere, die ferner eine Führung durch das etwa vier Hektar große rechteckige Militärgelände erhielten. Die Besatzung hielt die Soldaten in ihren verschlissenen Uniformen allerdings für „nutzlose Retter“.

Am Old Fort Pierre sollte ein Treffen mit den Big Head Sioux stattfinden, die sich aber erst am 16. Juni ein gutes Stück flussaufwärts von dem alten Handelsposten dem Boot näherten. Hunderte von Stammesangehörigen versammelten sich am Ufer, äußerten laut ihren Unmut über die Militäreskorte, feuerten Warnschüsse ab, von denen einige den Radkasten trafen, und galoppierten am Ufer auf und ab. Unter strenger Militärüberwachung bewirtete Redfield die verärgerten Sioux, verteilte die jährlichen Fälligkeiten und stellte vorübergehend die Ordnung wieder her. Major Wessels nahm seine Soldaten unter strenge Führung und postierte während der Flussreise Tag und Nacht Wachen auf dem Boot.

Am 19. Juni ließ Kapitän Shaw die Twilight abseits vom Ufer am rattenverseuchten Fort Clark ankern, um die Arikaree zu meiden, die fast mittellos und damit in Versuchung waren, das Boot auszurauben. Als Redfield ihnen die jährlichen Fälligkeiten übergab, feuerten sie ärgerlich Schüsse vor seine Füße.

Es kam zu Zeitverlusten durch flache Fahrrinnen, Sandbänke, zwei Schäden am Steuergerät, häufige Halte für die Holzversorgung und zahlreichen Verspätungen durch einheimische Kriegsparteien, Beratungen und generelle Stammesgegensätze.

Ein paar Tage vor ihrer Ankunft am Fort Union in Nebraska, einer Handelsstation an der Mündung des Yellowstone River, notierten die Missionare stolz (und unzutreffend), es sei großartig, „dass wir die ersten Missionare unter diesen Wildwest-Indianern sind“ und sehr motiviert seien, diese davor zu bewahren, „in die Hände der Römischen zu fallen“.

Kulturschock im Fort Union Nach 31 Tagen auf der Twilight, am 22. Juni, langten sie in Fort Union an der Einmündung des Yellowstone River in den Missouri an. Es handelte sich seit 1828 oder 1829 um eine der wichtigsten Handelsstationen der Ersten Amerikanischen Pelzhandels-Kompanie. Die Kompanie kaufte hier Biber- und Büffelfelle von den Ureinwohnern und bezahlte diese in erster Linie mit Gewehren und Munition.

Die Zielregion war damals noch überwiegend naturbelassen. Gemeinsam mit den Missionaren kam mit dem Dampfer auch ein erklecklicher Vorrat an Alkoholika an. Dies führte dazu, dass die Missionare ihre kurz zuvor geäußerte Einstellung bald ändern sollten. So waren die Assiniboine am nächsten Morgen zu betrunken, um ihre jährlichen Fälligkeiten abzuholen. Diese Situation verursachte den Missionaren „unaussprechlichen Schmerz“, wie sie sich ausdrückten, und Niedergeschlagenheit. Der Alkoholexzess setzte sich noch zwei weitere Tage fort, und Schmidt beobachtete: „Die weißen Arbeiter sind so betrunken, dass sie nicht arbeiten können.“ Selbst der Handelsvorsteher des Postens, Robert Meldrum, konnte keine Ergebnisse erzielen, da seine Angestellten „betrunken und voller Albernheit“ seien. Die Missionare beurteilten die Ureinwohner nun als „schmutzig und verdorben an Leib und Seele“ und die Pelzhändler als nichts als „gottloses Gesindel“.

Es fiel den Geistlichen äußerst schwer, sich an die sozialen Bedingungen am Fluss anzupassen und eine Beziehung zu den Menschen aufzubauen, die am Fort Union und andernorts im Gebiet der Ureinwohner lebten. Die harte Realität des Lebens am Oberen Missouri stand im krassen Gegensatz zu den Hoffnungen, die sich die Missionare gemacht hatten. Besonders, nachdem James Kipp sie gewarnt hatte, dass die Crow „die wildesten aller Indianer“ seien und Agent Redfield ihnen entgegenkommend gesagt hatte, dass die Crow „moralisch pervertierte“ Prostituierte und Hurenfreier seien, die, wie es damals bewertet wurde, „beschämende Akte zwischen Mann und Mann“ begingen, waren die Missionare „überrascht und verängstigt“.

Besonders eine Begebenheit zeigte deutlich den Gegensatz zwischen den Moralvorstellungen der Missionare und denen der Männergesellschaft des sogenannten Wilden Westens: