mini|Colin Ross trifft Adolf Hitler in Berlin Colin Ross (manchmal auch „Roß“ geschrieben; * 4. Juni 1885 in Wien; † 29. April 1945 in Urfeld am Walchensee) war ein österreichischer Journalist, Kriegsberichterstatter und Ingenieur. Er gehörte zwischen den Weltkriegen neben Egon Erwin Kisch,Bodo-Michael Baumunk: Ein Pfadfinder der »Geopolitik« – Der Reisejournalist und -filmer Colin Ross. Vortragszusammenfassung, Materialien zum 9. Internationalen Filmhistorischen Kongreß, Hamburg, 1996. Richard Katz und Alfred E. Johann zu den bekanntesten deutschsprachigen Reisejournalisten. Ab 1933 nutzte er seine Auslandsreisen auch zu Zwecken der NS-Propaganda.
Leben Colin Ross war der älteste Sohn des Ingenieurs Friedrich Ross (1850–1918), der am Bau des ersten städtischen Elektrizitätswerks in Wien beteiligt war. Er studierte an den Technischen Hochschulen Berlin und München Maschinenbau und Hüttenwesen sowie in München Volkswirtschaft und Geschichte. 1910 beendete er sein Studium erfolgreich mit einer Promotion zum Dr. phil. in Heidelberg. Schon während des Studiums war er journalistisch tätig, schließlich wurde der Journalismus sein Beruf. Er wurde 1911 zunächst Privatsekretär bei Oskar von Miller. Als Mitarbeiter des Deutschen Museums für Naturwissenschaft und Technik reiste er erstmals 1912 nach Amerika, in die USA, nach New York City und nach Chicago. Ebenfalls 1912 wurde er als Kriegsberichterstatter der Münchener Illustrierten Zeit im Bild in den Balkankrieg entsandt. Anfang 1914 berichtete er von der Revolution in Mexiko. Im Ersten Weltkrieg leistete er Kriegsdienst, ab 1916 als Mitarbeiter der „Militärischen Stelle des Auswärtigen Amtes“, die für Propaganda zuständig war. In der Novemberrevolution war Ross 1918 Mitglied des Vollzugsrats des Arbeiter- und Soldatenrates Groß-Berlin. 1919 wanderte er nach Südamerika aus, kehrte aber 1921 nach Deutschland zurück.
Ross unternahm ausgedehnte Reisen um die Welt und berichtete in seinen Büchern davon. Vor dem Hintergrund seines rassistischen Weltbildes beschrieb er die Völker Schwarzafrikas als „tiefstehende Rassen dahinvegetierend“.Colin Ross: Die erwachende Sphinx. F. A. Brockhaus, Leipzig 1936, Seite 3 Nur die Bodenschätze und Ressourcen schienen ihm für Europa interessant. Das Schicksal Afrikas sollte ausschließlich von Europa bestimmt werden. Im Vorwort „Der Kontinent ohne Vergangenheit“ in seinem Buch Die erwachende Sphinx (1927) stellte er in Frage, ob die Völker Afrikas, außer Ägyptens, je eine eigene Kultur und politische Gebilde besessen hätten und je dazu in der Lage wären, sie zu erreichen. Auf den Seiten 66 bis 71 beschreibt er in dem Kapitel „Die Bastardin“ tanzende Buschmannfrauen:
Andererseits schrieb Colin Ross in seinem 1929 erschienenen Buch Die Welt auf der Waage auf den Seiten 102–103:
Nach längerem Aufenthalt in Amerika ließ er sich in München nieder. Zu Baldur von Schirach und Henriette von Schirach bestand eine enge freundschaftliche Verbindung. Gemeinsam formten sie in den Aufbaujahren der Hitlerjugend deren ideologische und formale Struktur.
Ross pflegte stets mit seiner Familie zu reisen und wurde durch den griffigen (Unter-)Titel „Mit Kind und Kegel …“ bekannt, der zu seinem Markenzeichen wurde. Allerdings kommt seine Familie in den meisten Büchern kaum vor.
Colin Ross konnte – neben Reiseschriftsteller-Kollege Sven Hedin – als einer der wenigen Schriftsteller in der Zeit des Nationalsozialismus ungestraft gegen die antisemitische Politik der Nationalsozialisten Stellung nehmen. Bis 1941 schützte ihn wohl der Umstand, dass er ein persönlicher Freund Henriette von Schirachs war, der Tochter von Hitlers Fotografen Heinrich Hoffmann und Frau Baldur von Schirachs, des Gauleiters von Wien, der ihn bis zuletzt schützte. Zudem wurde er am 12. März 1940 von Hitler persönlich empfangen und nahm mit ihm zwei Tage später ein gemeinsames Mittagessen in Berlin ein, was auf eine innere Verbundenheit mit dem Regime schließen lässt. Er beantragte am 18. Juli 1941 die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Oktober desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.801.727).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/35660572
Ross und seine Frau Lisa geborene Peter hatten eine Tochter, Renate (1915–2004), und einen Sohn, Ralph Colin (1923–1941).Hitler Youth Personal Account: Ralph Ross (Germany, 1923–41). - Ralph Colin Ross starb 1941 während des Russlandfeldzugs auf einem Badesee durch Blitzschlag; Ross, From Chicago to Chungking (1941), Nachwort von Colin Ross. Lisa Ross war entgegen anderslautender Versionen, die das Ehepaar von Schirach verbreitete, nicht jüdischer Abstammung.Oliver Rathkolb: Schirach. Eine Generation zwischen Goethe und Hitler, Wien/Graz 2020, S. 160. Colin und Lisa Ross begingen am 29. April 1945 im Blockhaus der von Schirachs in Urfeld am Walchensee Suizid. Richard von Schirach: Der Schatten meines Vaters, 2. Auflage, München 2011, S. 105–109.
Werke Bücher Im Banne des Eises (1911) Als der Welt Kohle und Eisen ausging. (Jugendbuch-Reihe Das Neue Universum Band 34, S. 165 ff.) (1913) Wir draußen. Zwei Jahre Kriegserleben an vier Fronten (1916) Südamerika, die aufsteigende Welt (1922) Der Weg nach Osten. Reise durch Rußland, Ukraine, Transkaukasien, Persien, Buchara und Turkestan (1923) Heute in Indien (1924, aufgrund einer neuen Indienreise ist 1937 eine überarbeitete Auflage erschienen) Das Meer der Entscheidungen. Beiderseits des Pazifik (1925) Fahrten- und Abenteuerbuch (1925) Mit dem Kurbelkasten um die Erde (1926) Die erwachende Sphinx. Durch Afrika vom Kap nach Kairo (1927) Mit Kind und Kegel in die Arktis (1928) Mit Kamera, Kind und Kegel durch Afrika (1928) Der unvollendete Kontinent (1930) Die Welt auf der Waage. Der Querschnitt von 20 Jahren Weltreise (1931) Der Wille der Welt (1932) Haha Whenua – das Land, das ich gesucht. Mit Kind und Kegel durch die Südsee (1933) Zwischen USA und dem Pol. Durch Kanada, Neufundland, Labrador und die Arktis (1934) Amerikas Schicksalsstunde. Die Vereinigten Staaten zwischen Demokratie und Diktatur (1935) Unser Amerika. Der deutsche Anteil an den Vereinigten Staaten (1936) Der Balkan Amerikas. Mit Kind und Kegel durch Mexiko zum Panamakanal (1937) Vier Jahre am Feind (1938) Das neue Asien (1940) Die „Westliche Hemisphäre“ als Programm und Phantom des amerikanischen Imperialismus (1941) L’ Avènement d'une nouvelle Europe dans le cadre d’un nouvel ordre mondial (1941) Aus dem umkämpften Afrika (1944)
Filme Mit dem Kurbelkasten um die ErdeFilmkritik in: Vossische Zeitung, 4. Januar 1925, S. 7 (1924) Die erwachende Sphinx (1927) Ägypten (1928) Als Dreijähriger durch Afrika (1928) Achtung Australien! Achtung Asien! (1930) Das neue Asien (1940)
Literatur Bodo-Michael Baumunk: Colin Ross: ein deutscher Revolutionär und Reisender 1885–1945, Magisterarbeit Tübingen 1991, Eigenverlag, Berlin 1999 (aktualisierte Version von 2015 frei abrufbar auf Mapping Colin Ross)
Katalin Teller: Der Weltreisende Colin Roß vor deutschem und österreichischem Publikum (= Zoom. 15). Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2017, ISBN 978-3-631-71360-0, . Siegfried Mattl: „Space without people“: Austro-German filmmaker, bestselling author and journalist Colin Ross discovers Australia. In: Journeys Special Issue: A Journey to Australia. Band 17, Nr. 2, 2016, S. 5–22. Joachim Schätz: Strategie der Streuung. Das multimediale Geschäftsmodell des Reisefilmers Colin Ross (1885–1945) in den Protokollen des Brockhaus-Verlags. In: Filmblatt. Band 21, Nr. 61/62, 2017, S. 104–109.
Weblinks
und
Mapping Colin Ross: Online-Ausstellung und Materialsammlung zu Colin Ross
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Reiseliteratur Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Journalist (Österreich) Kategorie:Kriegsreporter Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1885 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann