Gustav Tolkmitt (* 31. Oktober 1848 in Wohlau, Ostpreußen; † 15. März 1900 in Charlottenburg bei Berlin) war ein deutscher Wasserbauingenieur und preußischer Baubeamter.Siegfried Schindelmeiser: Die Geschichte des Corps Baltia II zu Königsberg i. Pr. Band 1. Neuausgabe, München 2010, ISBN 978-3-00-028704-6, S. #.

Leben Tolkmitt immatrikulierte sich an der Albertus-Universität Königsberg und renoncierte 1867 beim Corps Baltia Königsberg.Kösener Korps-Listen 1910, 137, 110 Von 1868 bis 1872 studierte er an der Berliner Bauakademie. Gleichzeitig war er Baueleve in Königsberg, wo er auch Veranstaltungen des mathematischen Seminars der Albertina belegte. Unterbrochen wurden seine Studien durch den Deutsch-Französischen Krieg, an dem er als Vizefeldwebel der Reserve im Infanterie-Regiment Nr. 24 teilnahm.

1876 wurde er nach dem bestandenen zweiten Staatsexamen zum königlichen Baumeister (Assessor in der öffentlichen Bauverwaltung) ernannt und am 1. April 1885 zum Wasserbauinspektor in Potsdam befördert. Als solcher wurde er 1887 Mitglied des Ausschusses für den Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals. Zu seinen sonstigen Wasserbauprojekten gehören der Bromberger Kanal und der Oder-Spree-Kanal.

1889 wurde Tolkmitt technischer Hilfsarbeiter bei der Bezirksregierung Potsdam. Als Wasserbauinspektor war er ab 1890 in Köpenick und danach in Eberswalde tätig. Im September 1895 nahm er einen einjährigen Urlaub und ging nach Uruguay, wo er die technische Begutachtung und Mitwirkung bei den Hafenbauten in Montevideo und bei der Regulierung des Rio Negro übernahm. Nach seiner Rückkehr sollte er als Privatdozent an der Technischen Hochschule Charlottenburg lehren.Academische Monatshefte, 13, S. 438. Er erkrankte aber und nahm seinen Abschied aus dem Staatsdienst. Später war er noch einmal als technischer Sachverständiger in Chile. Er starb im 52. Lebensjahr.

Sein 1895 publizierter Leitfaden über gewölbte Brücken bearbeitete August Laskus auf Anregung des Verlags Wilhelm Ernst & Sohn 1902 (2. Auflage) und 1912 (3. Auflage) neu. Dabei berücksichtigte Laskus nicht nur die aktuellen amtlichen Bestimmungen, sondern nutzte das Tolkmitt’sche Verfahren auch für Bogenbrücken aus Stampfbeton – insbesondere für die in den 1890er Jahren aufkommenden Dreigelenk-Bogenbrücken:Gustav Tolkmitt: Leitfaden für das Entwerfen und die Berechnung gewölbter Brücken. Neu bearbeitet von August Laskus. 3. Auflage, Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1912. (Vorwort) Damit trug das bis in die 1920er Jahre verbreitete Tolkmitt’sche Verfahren zum Übergang „vom Gewölbe zum Bogen“Karl-Eugen Kurrer: Geschichte der Baustatik. Auf der Suche nach dem Gleichgewicht. Ernst & Sohn, Berlin 2016, ISBN 978-3-433-03134-6, S. 198. beim Entwurf und der Berechnung von Massivbrücken bei.

In Berlin-Kaulsdorf wurde eine Straße nach ihm benannt.

Auszeichnungen Eisernes Kreuz II. Klasse preußischer Roter Adlerorden IV. Klasse (1897)

Schriften Studien über das Project eines Oder-Warthe-Canals. 1881. Das Entwerfen und die Berechnung der Brückengewölbe. 1885. Die Stauwerke. 1892. Leitfaden für das Entwerfen und die Berechnung gewölbter Brücken. 1895.

Die Grundlagen der Wasserbaukunst. 1898. Der Wasserweg von der Oder zur Havel. 1899. Bauaufsicht und Bauausführung. 1899.

Literatur Academische Monatshefte, Jahrgang 1900/1901, Heft 17, S. 37 f.

Einzelnachweise

Kategorie:Wasserbauingenieur Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 4. Klasse Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1848 Kategorie:Gestorben 1900 Kategorie:Mann