Dobrino (, , ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gurjewsk im Rajon Gurjewsk.
Geographische Lage mini|links|Alter Bahnhof in Nautzken mini|Rückseite des Bahnhofsgebäudes: die alte deutsche Ortsbezeichnung "Nautzken" ist immer noch erkennbar. Dobrino liegt im Nordosten des Rajons Gurjewsk und ist 16 Kilometer von der ehemaligen Kreisstadt Polessk (Labiau) sowie 20 Kilometer von der jetzigen Rajonshauptstadt Gurjewsk (Neuhausen) entfernt. Durch den Ort verläuft die russische Fernstraße A 190 (Teilstück der früheren deutschen Reichsstraße 126), in die innerorts von Nebenstraßen aus nördlicher Richtung (von Pirogowo (Sudnicken) und Marschalskoje (Gallgarben)) bzw. südlicher Richtung (von Slawinsk (Goldbach) und Saretschje (Kaymen, 1939–1946 Kaimen)) einmünden. Seit 1889 ist Dobrino Bahnstation an der Bahnstrecke Kaliningrad–Sowetsk (Königsberg–Tilsit).
Geschichte Nautzken wird 1396 als Nawdisken erwähnt. Der Ort geht auf einen Prußen namens Naude zurück. Dessen Name bedeutet Nutzen, Geld, Besitz, Habe, Güter, Vorteil. Litauisch bedeutet der Name Wucherer. Die bis 1947 NautzkenOrtsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Nautzken genannte Landgemeinde wurde im Jahre 1396 gegründet. 1874 wurde sie in den neu errichteten Amtsbezirk BendiesenRolf Jehke, Amtsbezirk Bendiesen (russisch: Dalneje, nicht mehr existent) eingegliedert, der bis 1945 zum Landkreis Labiau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.
Mit dem nördlichen Ostpreußen kam Nautzken infolge des Zweiten Weltkrieges zur Sowjetunion und erhielt 1947 die russische Bezeichnung Dobrino.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets. Zunächst sollte der Ort dem Rajon Polessk angehören, wurde im Juli 1947 aber dem Rajon Gurjewsk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 25 июля 1947 г. «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 25. Juli 1947: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad) Im Jahr 2008 wurde Dobrino Sitz einer Landgemeinde. Seit deren Auflösung im Jahr 2013 gehört der Ort zum Stadtkreis Gurjewsk.
Einwohnerentwicklung Jahr EinwohnerVolkszählungsdaten 1910 266 1933 245 1939 235 2002 471 2010 539
Dobrinski selski Sowet/okrug 1947–2008 Der Dorfsowjet Dobrinski selski Sowet (ru. Добринский сельский Совет) wurde im Juni 1947 zunächst im Rajon Polessk eingerichtet. Im Juli 1947 erfolgte dann die Eingliederung in den Rajon Gurjewsk. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Dobrinski selski okrug (ru. Добринский сельский округ, Dobrinski selski okrug). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Dobrinskoje selskoje posselenije übernommen.
Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Altaiskoje (Алтайское) Schulkeim Der Ort wurde 1950 umbenannt. Anetschkino (Анечкино) Wilditten Der Ort wurde 1950 (in Anitschkino) umbenannt. Antonowka (Антоновка) Brasdorf Der Ort wurde 1947 umbenannt. Asowskoje (Азовское) Thiemsdorf Der Ort wurde 1950 umbenannt. Bajewka (Баевка) Kuikeim Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet. Laut Einteilung von 1975 gehörte der Ort zum Dorfsowjet Dobrinski, gemäß der Einteilung von 1988 wiederum zum Dorfsowjet Kosmodemjanski. Im Jahr der Volkszählung 2002 gehörte Bajewka mit seiner Ortsstelle Kuikeim zum Dorfsowjet Dobrinski und mit seiner Ortsstelle Bahnhof Kuggen zum Dorfsowjet Kosmodemjanski. (Spätestens) mit Bildung der Landgemeinde Dobrinskoje im Jahr 2008 wurde der Ort wieder vereinigt. Barsukowka (Барсуковка) Duhnau Der Ort wurde 1950 umbenannt. Dalneje (Дальнее) Bendiesen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Slawjanski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen. Dmitrijewka (Дмитриевка) Zandersdorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Dobrino (Добрино) Nautzken Verwaltungssitz Gribojedowo (Грибоедово) Wanghusen Der Ort wurde 1947 umbenannt. Ismailowskoje (Измайловское) Neu Sielkeim Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Jegorjewskoje (Егорьевское) Sellwethen Der Ort wurde 1947 umbenannt. Kurgany (Курганы) Wachsnicken Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Jaroslawski eingeordnet. Lossewo (Лосево) Rentengut Der Ort wurde 1950 umbenannt. Mordowskoje (Мордовское) Sergitten Der Ort wurde 1947 umbenannt. Morgunowo (Моргуново) Langendorf Der Ort wurde 1947 umbenannt. Nowgorodskoje (Новгородское) Mettkeim Der Ort wurde 1947 umbenannt. Olegowo (Олегово) Senseln Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Slawjanski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen. Ossokino (Осокино) Blöcken Der Ort wurde 1947 umbenannt. Poltawskoje (Полтавское) Perkappen Der Ort wurde 1950 umbenannt. Prudy (Пруды) Kadgiehnen Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Jaroslawski eingeordnet. Rasino (Разино) Louisenfelde Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst (fälschlicherweise ?) in den Dorfsowjet Jaroslawski eingeordnet. Saretschje (Заречье) Kaymen, 1938–1945: „Kaimen“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Sokolowka (Соколовка) Damerau Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet. Sowchosnoje (Совхозное) Karlshof Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet. Tretjakowo (Третъяково) Daniels Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet. Er wurde 1997 in Tretjakowka umbenannt. Trostniki (Тростники) Bothenen und Lautkeim Der Ort wurde 1950 umbenannt. Turgenewo (Тургенево) Legehnen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 an den Ort Barsukowka angeschlossen. Uroschainoje (Урожайное) Lethenen Der Ort wurde 1950 umbenannt. Wessjolowka (Веселовка) Sielkeim Der Ort wurde 1950 umbenannt. Zwetkowo (Цветково) Wulfshöfen Der Ort wurde 1950 umbenannt.
Dobrinskoje selskoje posselenije 2008–2013 mini|300px|Die Lage der Landgemeinde Dobrinskoje selskoje posselenije im Rajon Gurjewsk Die Landgemeinde Dobrinskoje selskoje posselenije (ru. Добринское сельское поселение) wurde im Jahr 2008 eingerichtet.Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 r. № 254 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Гурьевский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 254: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Territorium der kommunalen Bildung "Stadtkreis Gurjewsk"). Auf einer Fläche von 180,5 km² lebten 4.092 Einwohner (Stand 2010). Im Jahr 2013 wurde die Landgemeinde aufgelöst und deren Orte dem Stadtkreis Gurjewsk zugeordnet. Der Landgemeinde gehörten folgende 36 Orte an, die vorher zu den Dorfbezirken Dobrinski selski okrug und Kosmodemjanski selski okrug gehört hatten:
Ortsname deutscher Name Ortsname deutscher Name Aistowo (Аистово) Kondehnen Mordowskoje (Мордовское) Sergitten Altaiskoje (Алтайское) Schulkeim Nowgorodskoje (Новгородское) Mettkeim Anetschkino (Анечкино) Wilditten Ossokino (Осокино) Blöcken Antonowka (Антоновка) Brasdorf Perwomaiskoje (Первомайское) Kuggen Asowskoje (Азовское) Thiemsdorf Poltawskoje (Полтавское) Perkappen Bajewka (Баевка) Kuikeim Prudy (Пруды) Kadgiehnen Barsukowka (Барсуковка) Duhnau und Legehnen Rasino (Разино) Louisenfelde Dobrino (Добрино) Nautzken Rasswet (Рассвет) Knöppelsdorf Gribojedowo (Грибоедово) Wanghusen Saretschje (Заречье) Kaymen/Kaimen Jaroslawskoje (Ярославское) Schönwalde Snamenka (Знаменка) Bruch Jegorjewskoje (Егорьевское) Sellwethen Sokolowka (Соколовка) Damerau Konstantinowka (Константиновка) Konradswalde und Waldhöfen Sowchosnoje (Совхозное) Karlshof Kosmodemjanskoje (Космодемьяское) Molsehnen Tretjakowka (Третьяковка) Daniels Kurgany (Курганы) Wachsnicken Trostniki (Тростники) Bothenen und Lauthenen Lossewo (Лосево) Rentengut Uroschainoje (Урожайное) Lethenen Mendelejewo (Менделеево) Poggenpfuhl Wessjolowka (Весёловка) Sielkeim Mitino (Митино) Stantau Wischnjowka (Вишневка) Blöstau Morgunowo (Моргуново) Langendorf Zwetkowo (Цветково) Wulfshöfen
Kirche Die mehrheitlich evangelische Bevölkerung Nautzkens war bis 1945 in das Kirchspiel Kaymen (1938–1946 Kaimen, heute russisch: Saretschje) eingepfarrt. Es gehörte zum Kirchenkreis Labiau (russisch: Polessk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Dobrino im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neugegründeten evangelisch-lutherischen Gemeinde in Polessk (Labiau), die eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche (Kaliningrad) (Königsberg) ist und zur Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) gehört.
Weblinks Dobrino bei bankgorodov.ru
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rajon Gurjewsk (Kaliningrad) Kategorie:Ehemalige Landgemeinde in der Oblast Kaliningrad