mini|Logo der 69. Internationalen Filmfestspiele von Venedig mini|Das Hotel Excelsior, Treffpunkt für den erstmals veranstalteten Filmmarkt von Venedig Die 69. Internationalen Filmfestspiele von Venedig () fanden vom 29. August bis zum 8. September 2012 statt. Sie zählen neben der Berlinale und den Internationalen Filmfestspielen von Cannes zu den drei bedeutendsten A-Festivals der Welt. 2012 wurden 3231 Lang- und Kurzfilme für das Festival eingereicht, von denen mehr als 50 aus über 40 Ländern in drei Sektionen (Venezia 69, Außer Konkurrenz, Orizzonti) sowie zwei Retrospektiven (80!, Venezia Classici) vorgestellt wurden. Bei allen aufgeführten Filmen handelte es sich um Weltpremieren. labiennale.org; abgerufen am 29. Juli 2012. Am häufigsten waren Produktionen und Koproduktionen aus Frankreich vertreten (anteilig 25 Filme), gefolgt von Italien (20) und den Vereinigten Staaten (15). labiennale.org; abgerufen am 29. Juli 2012. Den Hauptpreis gewann der südkoreanische Beitrag Pieta von Kim Ki-duk. Der Film stellt einen jungen und brutalen Geldeintreiber aus Seoul (dargestellt von Lee Jung-jin) in den Mittelpunkt, der auf eine ältere Frau (Cho Min-soo) trifft, die behauptet, seine Mutter zu sein. labiennale.org (englisch) abgerufen am 8. September 2012.

Hauptspielstätte am Lido war der Palazzo del Cinema mit dem Sala Grande (1032 Sitzplätze). Weitere Spielstätten 2012 waren der Sala Darsena (1300 Plätze), PalaBiennale (1700), der Sala Perla in Venedigs Casino (400) und der temporär in der Hauptspielstätte eingerichtete Sala Volpi (150). labiennale.org; abgerufen am 29. Juli 2012.

Eröffnet wurden die Filmfestspiele mit Mira Nairs außer Konkurrenz laufenden Politthriller The Reluctant Fundamentalist.69th Venice International Film Festival, Screenings Schedule. labiennale.org; abgerufen am 20. Oktober 2012. Die Literaturverfilmung nach dem gleichnamigen Roman von Mohsin Hamid (dt. Titel: Der Fundamentalist, der keiner sein wollte) erzählt die Geschichte eines pakistanischen Princeton-Absolventen (dargestellt von Riz Ahmed), der in den Vereinigten Staaten Karriere gemacht hat, aber nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in sein Heimatland zurückkehrt. Abschlussfilm war L’homme qui rit von Jean-Pierre Améris mit Gérard Depardieu und Emmanuelle Seigner in den Hauptrollen.Ulrich Seidls „Paradies: Glaube“ in Venedig im Wettbewerb. derstandard.at, 26. Juli 2012; abgerufen am 29. Juli 2012.

Neuer Direktor des Filmfestivals, das zur Biennale di Venezia gehört, wurde 2012 der Italiener Alberto Barbera. Der frühere Leiter des Torino Film Festivals und des Nationalen Filmmuseums Turin hatte bereits von Dezember 1998 bis April 2002 dieses Amt bekleidet und löste Marco Müller ab, der das Filmfestival seit 2004 geleitet hatteFilmfestival und Architekturbiennale: Neue Festivalleiter für Venedig. Spiegel Online, 28. Dezember 2011; abgerufen am 22. Juli 2012. (im März 2012 war bekannt geworden, dass Müller die Leitung des konkurrierenden Filmfestivals von Rom übernehmen würdeMarco Müller übernimmt Filmfest in Rom. In: Der Tagesspiegel, 18. März 2012, S. 26.). Ein neu eingeführtes Reglement schrieb die Anzahl der Filme im internationalen Wettbewerb die um den Goldenen Löwen konkurrieren auf maximal 20 vor, nachdem bei den vorangegangenen Auflagen stets mehr Filme um den Hauptpreis des Festivals gewetteifert hatten. Gleichzeitig sollten in Zukunft nicht mehr als elf Filmproduktionen außerhalb des Wettbewerbs gezeigt werden und die Anzahl an offiziellen Nebensektionen wurde neben den Retrospektiven auf eine (Orizzonti) verringert. Weitere signifikante Neuerungen waren die Eröffnung eines offiziellen Filmmarkts wie in Cannes und Berlin unter Leitung des Franzosen Pascal Diot („Venice Film Markt“, 30. August bis 3. September im Hotel Excelsior), auf dem Filmrechte gekauft und veräußert werden konnten sowie die Einrichtung des „Biennale College“, eines speziellen Workshops für die Produktion von Low-Budget-Filmen junger internationaler Regisseure. labiennale.org, 18. April 2012; abgerufen am 22. Juli 2012. Erstmals in der Geschichte des Filmfestivals wurden außerdem im Rahmen der Sektion Orizzonti gegen eine Gebühr Online-Streams von Lang- und Kurzfilmen angeboten. labiennale.org, 20. August 2012; abgerufen am 29. August 2012.

Bereits vor Festivalbeginn als Laureat fest stand Francesco Rosi. Der italienische Filmregisseur und Drehbuchautor, der 1963 für seinen sozialkritischen Spielfilm Hände über der Stadt den Hauptpreis des Filmfestivals gewann, wurde mit dem Goldenen Löwen für das Lebenswerk eines Filmschaffenden geehrt. Einher ging diese Ehrung mit der Uraufführung einer restaurierten Fassung seines Films Der Fall Mattei, für den er 1972 den Hauptpreis der Filmfestspiele von Cannes gewonnen hatte. labiennale.org, 10. Mai 2012; abgerufen am 11. Mai 2012.

Die in Italien tätige polnische Schauspielerin Kasia Smutniak wurde als Moderatorin für die Eröffnungs- und Abschlusszeremonie ausgewählt. labiennale.org, 24. Juli 2012; abgerufen am 29. Juli 2012.

Offizielle Sektionen

Wettbewerb Jury hochkant|mini|Jurypräsident: der US-Amerikaner Michael Mann + Statistik (Stand: 2012) * = ehemaliger Gewinner des Goldenen Löwen Regisseur/-in Einladungen Takeshi Kitano* 7 Kim Ki-duk 4 Marco Bellocchio, Brian De Palma 3 Francesca Comencini, Brillante Mendoza, Ulrich Seidl 2 Paul Thomas Anderson, Olivier Assayas, Ramin Bahrani, Peter Brosens und Jessica Woodworth, Rama Burshtein, Daniele Ciprì, Xavier Giannoli, Harmony Korine, Terrence Malick, Valeria Sarmiento, Kirill Serebrennikow 1

Als Nachfolger des letztjährigen Jurypräsidenten Darren Aronofsky wurde Anfang Juni 2012 Michael Mann präsentiert. labiennale.org, 1. Juni 2012; abgerufen am 10. Juni 2012. Er war damit der dritte US-amerikanische Jurypräsident in Folge seit Quentin Tarantino (2010). Der Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent Mann, der wiederholt betonte kein Genreregisseur sein zu wollen,Verena Lueken: Denn sie wissen, was sie tun. In: FAZ, 23. August 2006, S. 31. war in der Vergangenheit zu den wenigen Autorenfilmern des Hollywood-Kinos gezählt worden.Michael Mann. In: Internationales Biographisches Archiv 43/2007 vom 27. Oktober 2007, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 25/2012 (abgerufen via Munzinger Online). Er hatte 2004 in Venedig seinen Thriller Collateral vorgestellt, während er 2011 als Produzent an dem Wettbewerbsbeitrag Texas Killing Fields – Schreiendes Land mitgewirkt hatte, der Regiearbeit seiner Tochter Ami Canaan Mann. Laut Frankfurter Allgemeine Zeitung würden in Manns Arbeit „Bild, Ton, Musik und Produktionsdesign, Schauspieler und Schauplätze von Anfang an eine Symbiose“ eingehen, „die den besonderen Sog der Filme“ ausmache.Peter Körte: Pulsschlagartig. In: FAZ, 5. Februar 2003, S. 38.

Wie in den Vorjahren standen dem Jurypräsidenten bei seiner Entscheidung Jurymitglieder zur Seite, wobei die Zahl im Vergleich zu den Vorjahren um zwei erhöht wurde. Es handelte sich überwiegend um Filmschaffende: labiennale.org, 13. Juli 2012; abgerufen am 22. Juli 2012.

Marina Abramović – serbische Performance-Künstlerin Laetitia Casta – französische Schauspielerin und Model Peter Ho-Sun Chan – Filmregisseur und Produzent des Hongkong-Kinos Ari Folman – israelischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent Matteo Garrone – italienischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent Ursula Meier – Schweizer Regisseurin Samantha Morton – britische Schauspielerin Pablo Trapero – argentinischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent

Konkurrenten um den Goldenen Löwen Das Wettbewerbsprogramm war am 26. Juli 2012 auf einer offiziellen Pressekonferenz in Rom bekanntgegeben worden. Bis zum 21. Juni, dem Ende der Einreichungsfrist,Meldung auf der Startseite. labiennale.org (englisch) abgerufen am 22. Juli 2012. waren 1459 Spielfilme vorgeschlagen worden. Am 7. August wurde mit Paul Thomas Andersons Spielfilm The Master ein weiterer Wettbewerbsfilm nachgereicht. labiennale.org, 7. August 2012; abgerufen am 16. August 2012. 18 Produktionen aus 13 Ländern konkurrierten um den Goldenen Löwen, den Hauptpreis des Festivals. Wie bei den letzten Auflagen kamen die Mehrheit der gezeigten Filme aus Europa (11), gefolgt von den Vereinigten Staaten (4) und Asien (3). Bis auf den mit Outrage Beyond zum siebten Mal eingeladenen japanischen Regisseur Takeshi Kitano (1997 für Hana-Bi mit dem Goldenen Löwen geehrt) hatte keiner der eingeladenen Filmemacher den Hauptpreis des Festivals gewinnen können.

Mit vier Beiträgen waren US-amerikanische Filmemacher wie schon in den Vorjahren am häufigsten vertreten, gefolgt von ihren Kollegen aus Italien (drei) und Frankreich (zwei). Die Regisseure von zehn der 18 bekanntgegebenen Produktionen (Olivier Assayas, Ramin Bahrani, die Co-Regisseure Peter Brosens und Jessica Woodworth, Rama Burshtein, Daniele Ciprì, Xavier Giannoli, Harmony Korine, Terrence Malick, Valeria Sarmiento und Kirill Serebrennikow) debütieren im Wettbewerb von Venedig. Deutsche und Schweizer Filmemacher waren wie bei der letztjährigen Auflage nicht vertreten. Dagegen erhielt der Österreicher Ulrich Seidl seine zweite Einladung nach Venedig. Nach Hundstage (Spezialpreis der Jury 2001) konkurriert Seidl 2012 mit der Koproduktion Paradies: Glaube. Der zweite Teil seiner Paradies-Trilogie (der erste Teil Paradies: Liebe wurde in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes 2012 eingeladen) stellt eine alleinstehende Frau um die 50 (gespielt von Maria Hofstätter) in den Mittelpunkt. Sie verbringt ihren Urlaub damit, mit einer „Wandermuttergottes-Statue“ von Haus zu Haus zu gehen, um Österreich katholischer zu machen. Es entwickelt sich ein Kleinkrieg um Ehe und Religion, als ihr auf einen Rollstuhl angewiesener Ehemann, ein ägyptischer Moslem (Nabil Saleh), nach Jahren der Abwesenheit wieder zu ihr zurückkehrt.Paradies: Glaube im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig. ulrichseidl.com; abgerufen am 29. Juli 2012.

Film Regie Land Darsteller (Auswahl) Après mai (Love) Frankreich Clément Métayer, Lola Créton, Félix Armand At Any Price Vereinigte Staaten Dennis Quaid, Zac Efron, Kim Dickens, Heather Graham Bella Addormentata (Bella addormentata) Italien, Frankreich Toni Servillo, Isabelle Huppert, Alba Rohrwacher, Michele Riondino, Maya Sansa, Pier Giorgio Bellocchio Die fünfte Jahreszeit (La Cinquième Saison) Jessica Woodworth Belgien, Niederlande, Frankreich Aurélia Poirier, Django Schrevens, Sam Louwyck, Gill Vancompernolle Un giorno speciale Italien Filippo Scicchitano, Giulia Valentini Ismena (Измена) (Betrayal) Russland Franziska Petri, Dejan Lilić, Albina Dschanabajewa, Artūrs Skrastiņš An ihrer Stelle (Fill the Void) Israel Hadas Yaron, Yiftach Klein, Irit Sheleg, Chaim Sharir Linhas de Wellington Portugal, Frankreich Nuno Lopes, Soraia Chaves, John Malkovich, Marisa Paredes, Melvil Poupaud, Mathieu Amalric The Master Vereinigte Staaten Philip Seymour Hoffman, Joaquin Phoenix, Amy Adams Outrage Beyond Japan Tomokazu Miura, Ryo Kase, Fumiyo Kohinata, Toshiyuki Nishida Paradies: Glaube (Paradise: Faith) Österreich, Frankreich, Deutschland Maria Hofstätter, Nabil Saleh Passion Frankreich, Deutschland Rachel McAdams, Noomi Rapace, Paul Anderson, Karoline Herfurth Pieta (피에타) Kim Ki-duk Südkorea Cho Min-soo, Lee Jung-jin Sinapupunan (Thy Womb) Philippinen Nora Aunor, Bembol Rocco Spring Breakers Vereinigte Staaten James Franco, Selena Gomez, Vanessa Hudgens, Ashley Benson, Heather Morris È stato il figlio Italien Toni Servillo, Giselda Volodi, Alfredo Castro, Fabrizio Falco Superstar Frankreich, Belgien Kad Merad, Cécile de France To the Wonder Vereinigte Staaten Ben Affleck, Olga Kurylenko, Rachel McAdams, Javier Bardem

Orizzonti hochkant|mini|Pierfrancesco Favino