mini|Eva Braun und Adolf Hitler auf dem Berghof am Obersalzberg, 14. Juni 1942

Die Sexualität Adolf Hitlers ist Gegenstand geschichtswissenschaftlicher und psychologischer Debatten und auch nach heutigem Wissensstand nicht vollständig ergründet. Hitler lernte seine langjährige Lebensgefährtin Eva Braun 1929 kennen und heiratete sie am 29. April 1945, einen Tag vor dem gemeinsamen Suizid.

Wissenschaftliche Untersuchung Allgemeines Über das Sexualleben Hitlers gibt es bis heute keine vollständige Untersuchung (die sexuellen Aktivitäten zahlreicher Personen aus Hitlers Umfeld gelten hingegen als recht gut dokumentiert). Es gibt Hinweise, dass Hitler einige teils erheblich jüngere Frauen verehrte. Hitler lehnte Homosexualität strikt ab, für homosexuelle Neigungen Hitlers gibt es keine Belege.Andrew Nagorski: Hitlerland: American Eyewitnesses to the Nazi Rise to Power. Simon and Schuster, New York, S. 81. Adolf Hitlers Monorchie gilt durch eine 1923 durchgeführte Untersuchung des Gefängnisarztes von Landsberg als weitgehend sicher belegt.Sven Felix Kellerhoff: Der wahre Grund für Hitlers gestörtes Sexleben. In: Die Welt, 18. Dezember 2015 (, abgerufen am 18. Dezember 2015).

Während des Zweiten Weltkrieges wurden Falschinformationen zur Diskreditierung Hitlers verbreitet, die ihm stigmatisierte Sexualpraktiken unterstellten.

Viele Informationen über Hitlers Privatleben stammen von Personen aus Hitlers näherem Umfeld wie z. B. von Albert Speer, diversen Adjutanten und Sekretärinnen sowie der Familie Richard Wagners. Es wird über eine Beziehung zwischen ihm und seiner Halbnichte Angela Raubal, genannt „Geli“, spekuliert. Diese zog im Oktober 1929 zu Hitler in dessen Münchner Wohnung; dort erschoss sie sich einen Tag nach einem Streit mit Hitler am 18. September 1931.

Hitler lernte 1929 Eva Braun kennen. Braun war Mitarbeiterin seines Fotografen Heinrich Hoffmann. Nach Geli Raubals Tod intensivierte sich entweder noch 1931 oder wahrscheinlicher 1932 die Beziehung von Eva Braun zu Hitler.Heike B. Görtemaker: Eva Braun: Leben mit Hitler. München 2010 S. 19, 51f.

Bis zu ihrem Tod unterhielten Hitler und Braun eine langjährige Beziehung; diese war nur Hitlers nächstem Umfeld bekannt. Gegenüber diesem Umfeld lebten Hitler und Braun in Berchtesgaden offen als Paar. Hitler hatte ein hohes Interesse an Braun und sorgte sich laut Berichten sehr um sie, wenn sie Sport trieb oder zu spät nach Hause kam. Hitler und Braun heirateten vor ihrem gemeinsamen Suizid. (→ Hitlers Geliebte).

Ernst Hanfstaengl, ein Angehöriger von Hitlers innerem Kreis, dessen Berichte häufig als Beleg bei Untersuchungen über Hitlers Sexualleben angeführt werden, schrieb über Hitlers Sexualität:

Ungeachtet dieses Eindrucks versuchte Hanfstaengl (erfolglos), eine Beziehung zwischen Hitler und der Tochter des amerikanischen Botschafters Martha Dodd zu arrangieren.Eric Larson: In the Garden of Beasts: Love, Terror, and an American Family in Hitler’s Berlin. Crown Publishers, New York 2011.

Untersuchung des OSS 1943 erhielt das Office of Strategic Services (OSS) der USA A Psychological Analysis of Adolf Hitler: His Life and Legend, verfasst von Walter C. Langer mit Unterstützung mehrerer Psychoanalytiker, eine Untersuchung, die ein besseres Verständnis Hitlers ermöglichen sollte.Walter C. Langer: A Psychological Profile of Adolph Hitler. His Life and Legend. Die Originalfassung ist über das Nizkor Project verfügbar. Teile des Textes flossen in The Mind of Adolf Hitler: The Secret Wartime Report ein, in dem der ursprüngliche Text mit einem Vorwort von Langers Bruder William L. Langer, einer Einführung von Langer selbst und einem Nachwort des Psychoanalytikers und Historikers Robert G. L. Waite ergänzt wird. Ziel der Autoren war eine „psychologische Analyse […] die versucht, Hitler als Person und die seinen Handlungen zugrunde liegenden Motivationen verständlich zu machen“. Der Bericht des OSS bezeichnet Hitler als impotent und koprophil. Die Autoren stellen an Hitler mögliche homosexuelle Tendenzen fest, die jedoch zu wenig ausgeprägt seien, um einen Einfluss auf Hitlers Entscheidungsvermögen auszuüben. Otto Strasser, ein Rivale Hitlers in der NSDAP, behauptete, dass Hitler seine Nichte Geli Raubal gezwungen habe, auf ihn zu defäkieren und zu urinieren.Oliver Cyriax: Crime: an encyclopedia. Andre Deutsch, 1993, S. 135. Langer nahm unter Berufung auf Ernst Hanfstaengl an, dass Helene Bechstein, die Ehefrau des Berliner Klavierfabrikanten Edwin Bechstein, versuchte, eine Ehe zwischen Hitler und ihrer unattraktiven Tochter Lottie zu arrangieren. Eine Anfrage Hitlers wurde von Lottie abgelehnt.The Mind of Adolf Hitler. Walter C. Langer, New York 1972, S. 96.

Der Psychologe Henry Murray verfasste 1943 unter dem Titel Analysis of the Personality of Adolph Hitler: With Predictions of His Future Behavior and Suggestions for Dealing with Him Now and After Germany’s Surrender einen weiteren psychoanalytischen Bericht für das OSS,Entry for at Cornell University Law Library in dem er Hitlers angenommene Koprophilie untersuchte, hauptsächlich jedoch eine schizophrene Erkrankung bei Hitler diagnostizierte. Murray stützte seinen Bericht auf W. H. D. Vernons 1942 erschienenen Essay Hitler, the man: Notes for a case history.W. H. D. Vernon: Hitler, the man – notes for a case history. In: The Journal of Abnormal and Social Psychology, Juli 1942, Band 37, Nr. 3, S. 295–308; siehe auch Medicus: A Psychiatrist Looks at Hitler. In: The New Republic, 26 April 1939, S. 326–327.

Untersuchung nach 1945 In den Jahren nach Hitlers Tod wurden zahlreiche Thesen über Hitlers Sexualität aufgestellt, darunter die Annahmen, dass Hitler homo-, bi- oder asexuell gewesen sei oder nur einen Hoden gehabt habe.

Der Historiker Lothar Machtan gibt in Hitlers Geheimnis an, dass Hitler homosexuell gewesen sei. Seine Spekulationen stützen sich auf Berichte über Hitlers Kontakte zu Freunden in Wien, zu Ernst Röhm, Hanfstaengl und Emil Maurice und das Mend-Protokoll, eine Niederschrift von Angaben, die Hans Mend, ein ehemaliger Soldat, der mit Hitler während des Ersten Weltkrieges in Kontakt kam, gegenüber der Münchner Polizei in den frühen 1920er Jahren machte. 2004 produzierte HBO unter dem Titel Hidden Fuhrer: Debating the Enigma of Hitlers Sexuality einen Dokumentarfilm auf Basis von Machtans Thesen. Mend war ein verurteilter Betrüger, der Historiker Anton Joachimsthaler bezeichnet das Protokoll als unzuverlässig. Ron Rosenbaum kritisiert Machtans Arbeit mit dem Argument, seine Belege seien nicht schlüssig und oft weit davon entfernt, überhaupt Belege zu sein.

Das 1995 erschienene Buch Das pinke Hakenkreuz von Scott Lively und Kevin Abrams befasst sich mit ähnlichen Themen. Das pinke Hakenkreuz und ähnliche Bücher werden häufig wegen Ungenauigkeiten und der Manipulation von Fakten kritisiert und ihre Thesen daher von den meisten Historikern nicht anerkannt. Bob Moser schrieb in einer Arbeit für das Southern Poverty Law Center über Das pinke Hakenkreuz, dass das Buch von homosexuellenfeindlichen Gruppen propagiert werde und die Grundthese des Buches, laut dem die meisten hochrangigen Nazis homosexuell gewesen seien und dies ein Beispiel für die Gewalttätigkeit und Gefährlichkeit Homosexueller sei, von nahezu allen Historikern abgelehnt werde.

Jack Nusan Porter, an der University of Massachusetts Lowell tätig, schrieb:

Nach dem Tod von Winifred Wagners Ehemann Siegfried im Jahre 1930 intensivierte sich der Kontakt Wagners zu Hitler. 1933 kursierten Gerüchte, eine Eheschließung zwischen Hitler und Winifred Wagner stehe bevor.

Leni Riefenstahl war mit Hitler zwölf Jahre lang befreundet, einzelne Berichte weisen auf eine sexuelle Beziehung zwischen Hitler und Riefenstahl hin.Glenn B. Infield: Eva and Adolf. Grosset and Dunlap, New York 1974 (Interviews mit vormaligen SS-Offizieren, die Hitler und Braun nahestanden). Laut Ernst Hanfstaengl, einem engen Freund Hitlers während der 1920er und der frühen 1930er Jahre, versuchte Riefenstahl in frühen Jahren, eine Beziehung mit Hitler zu beginnen, was dieser ablehnte. Riefenstahl dementierte, ein amouröses oder sexuelles Interesse an Hitler gehabt zu haben. In ihren 1987 veröffentlichten Memoiren beschreibt sie eine Szene, in der Hitler versucht haben soll, sie zu küssen.TV-Interview mit Sandra Maischberger: Passage bei 28:07, online abgerufen am 22. Dezember 2015.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Aussagen über die sexuellen Vorlieben Adolf Hitlers über Vermutungen kaum hinausgehen. Die wissenschaftlichen Erörterungen sind mehr oder weniger plausible Thesen. Sogenannte „Enthüllungsberichte“ haben häufig eher den Charakter von Klatsch- und Tratschgeschichten. In der politischen Auseinandersetzung deuten Verlautbarungen über „abweichendes“ Sexualverhalten Hitlers eher auf eine Instrumentalisierung hin, die als Ausdruck eines hilflosen Widerstands gewertet werden kann. Dieser kam auch in den Flüsterwitzen und Spottgedichten des Dritten Reiches auf Hitler und seinen Umkreis deutlich zum Ausdruck. Homosexualität und Impotenz gehörten zu den bevorzugten Bereichen, wenn über das Intimleben von Hitler und anderen Nazigrößen gewitzelt wurde.Friedrich Koch: Sexuelle Denunziation. Die Sexualität in der politischen Auseinandersetzung. 2. Auflage. Hamburg 1995, ISBN 3-434-46229-5, S. 96 ff.

Beziehungen zu Frauen Name Lebenszeit Alter zum Todeszeitpunkt Todesursache Erster Kontakt mit Hitler Beziehung Quellen 100px Charlotte Lobjoie 1898–1951 53 mutmaßlich 1917 Laut diversen strittigen Behauptungen entstammte der Beziehung der Sohn Jean-Marie Loret. Peter Allen: The Telegraph, 17. Februar 2012 Erna Hanfstaengl 1885–1981 96 Natürliche Ursachen in den 1920ern Mutmaßliche Beziehung Geli Raubal 4. Januar 1908–18. September 1931 23 Suizid Besuchte Hitler 1924 in Festungshaft Nichte, mutmaßliche Beziehung, lebte 1929 bis 1931 bei ihm Maria Reiter 23. Dezember 1909–28. Juli 1992 81 Natürliche Ursachen, erfolgloser Suizidversuch 1927 1927 Mutmaßliche Beziehung Ron Rosenbaum: Explaining Hitler: The Search for the Origins of his Evil. Macmillan, 1998, S. 114–116. Time, 29. Juni 1959 100px Eva Braun 6. Februar 1912–30. April 1945 33 Doppelsuizid mit Hitler im Alter von 33 Jahren 1929 Ehefrau 29.–30.04.1945 100px Unity Mitford 8. August 1914–28. Mai 1948 33 Starb an den Folgen eines acht Jahre zurückliegenden Suizidversuches. 1934 Bekanntschaft, mögliche Beziehung New Statesman, 13. Dezember 2007

Während Hitlers Zeit in Linz war Stefanie Rabatsch sein Jugendschwarm, zu der jedoch nie eine Beziehung zustande kam.

Siehe auch Adolf Hitlers Monorchie Psychopathographie Adolf Hitlers

Literatur Ron Rosenbaum: Explaining Hitler: The Search for the Origins of His Evil. Harper Perennial, New York 1999, ISBN 0-06-095339-X. Entry for Dr. Henry A. Murray, Analysis of the Personality of Adolph Hitler at Cornell University Law Library Lothar Machtan: Hitlers Geheimnis. Das Doppelleben eines Diktators. 2001 (Fischer taschenbuch 2003, ISBN 3-596-15927-X). Norbert Bromberg, Verna Volz Small: Hitler’s Psychopathology. New York, International Universities Press, Madison/CT, 1983, ISBN 0-8236-2345-9. Friedrich Koch: Sexuelle Denunziation. Die Sexualität in der politischen Auseinandersetzung. 2. Auflage. Hamburg 1995, ISBN 3-434-46229-5. Béla Grunberger, Pierre Dessuant: Narzißmus, Christentum, Antisemitismus: Eine psychoanalytische Untersuchung. Klett-Cotta, Stuttgart 2000, ISBN 3-608-91832-9.

Weblinks W.H.D. Vernon: , The Journal of Abnormal and Social Psychology, Juli 1942, Band 37, Nr. 3, S. 295–308. Walter C. Langer: A Psychological Analysis of Adolph Hitler: His Life and Legend. Auf: nizkor.org, 1943. Henry Murray: Analysis of the Personality of Adolph Hitler: With Predictions of His Future Behavior and Suggestions for Dealing with Him Now and After Germany’s Surrender. 1943.