Emil Henk (* 17. Dezember 1893 in Heidelberg; † 10. Mai 1969 ebenda) war ein deutscher Unternehmer, Politiker (SPD) und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Leben und Beruf Emil HenkPorträtfoto Emil Henks auf der Seite LEO-BW; Porträtfoto Emil Henks auf der Seite Lernort Zivilcourage Widerstand. Geschichtsportal für Baden. legte 1913 das Abitur am Realgymnasium, dem heutigen Helmholtz-Gymnasium an der Kettengasse in Heidelberg ab und begann ein Studium der Nationalökonomie in München. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Unteroffizier teil und wurde „vor Verdun schwer verwundet“.Vgl. Henry Goverts, Emil Henk und unser Heidelberger Kreis, in: [Richard Henk (Hrsg.)], In memoriam Emil Henk 1893–1969. Erinnerungen seiner Freunde. Brausdruck, Heidelberg 1970, S. 18–23, hier S. 19. Nach dem Krieg studierte er ab 1920 Literaturwissenschaft in Heidelberg, wo er mit Alfred Weber, Gustav Radbruch, Wolfgang Fortner, Karl Jaspers und Friedrich Gundolf in nähere Berührung kam.Vgl. Henry Goverts, Emil Henk und unser Heidelberger Kreis, in: [Richard Henk (Hrsg.)], In memoriam Emil Henk 1893–1969. Erinnerungen seiner Freunde. Brausdruck, Heidelberg 1970, S. 18–23, hier S. 19; Gerhard Hinz, Emil Henk und die Universität, in: ebd. S. 52–54, hier S. 52. Von diesem wurde er mit der Dichtung Stefan Georges vertraut gemacht, und über ihn führte er seinerseits Max Kommerell, den er vom „leeren Intellektualismus“ des Reformpädagogen Gustav Wyneken und der von diesem gegründeten Wickersdorf-Gemeinde zu überzeugen suchte,Max Kommerell: Briefe und Aufzeichnungen 1919–1944, aus dem Nachlass herausgegeben von Inge Jens. Walter-Verlag, Olten Freiburg im Breisgau, 1967, S. 92–98, mit Auszügen aus zwei Aufsätzen Henks zum Thema, das Zitat S. 93. an den George-Kreis heran.Max Kommerell: Briefe und Aufzeichnungen 1919–1944, aus dem Nachlass herausgegeben von Inge Jens. Walter-Verlag, Olten Freiburg im Breisgau, 1967, S. 14 f., S. 89–98, S. 102. Später war er als Journalist tätig. Um veröffentlichen zu können, wurde er Mitglied des 1933 gegründeten Reichsverbandes deutscher Schriftsteller, bis er 1938 aus der Reichsschrifttumskammer, in der der Reichsverband aufgegangen war, ausgeschlossen wurde.Vgl. Gunter Groll (Hrsg.), De Profundis. Deutsche Lyrik in dieser Zeit. Eine Anthologie aus zwölf Jahren. Kurt Desch, München 1946, S. 165 (die dort gebotenen biographischen Informationen stammen augenscheinlich von Henk selbst). Henk war auch Inhaber einer pharmazeutischen Großhandlung, der später von seinem Sohn Richard Henk weitergeführten „Firma Emil Henk OHG“, die er nach seiner Haftentlassung übernahm und deren Leitung ihm selbst noch während des Krieges Vorwände für Reisen zu den geheimen Begegnungen mit anderen Widerstandskämpfern bot (s. unten).Die Firma Emil Henk oHG, chem.-pharm. Präparate, Handelsstr. 15, 6904 Eppelheim (Ortsteil von Heidelberg) gab – den ausgeprägten kulturellen Interessen von Emil Henk und seinem Sohn Richard entsprechend – über viele Jahre die sogenannte „Hauspostille der Firma Emil Henk oHG, Heidelberg“ heraus, eine Buchreihe über malerische Städte im deutschen Südwesten. Zunächst im badischen Wandervogel führend,Georg Müller: Walter Krause und die baden-württembergische Landespolitik in der Nachkriegszeit. Dissertation, Stuttgart 2000, S. 59. kam er 1921 in Kontakt mit der Gruppe Die Gemeinschaft um Wilhelm Fraenger, Theodor Haubach und Carl Zuckmayer.Vgl. Anne-M. Wallrath-Janssen, Der Verlag H. Goverts im Dritten Reich, Berlin u. a. 2007, ISBN 978-3-11-097661-8, S. 31 14 f.; Carl Zuckmayer: Als wär’s ein Stück von mir. Horen der Freundschaft. S. Fischer, Frankfurt am Main 1966, S. 285. Dort lernte er Carlo Mierendorff kennen, mit dem ihn eine lange Freundschaft verband und über den er Kontakt zu Wilhelm Leuschner fand. Beide betrachtete er im Rückblick als die führenden Köpfe des sozialdemokratischen Widerstandes.Emil Henk, Die Tragödie des 20. Juli 1944. Ein Beitrag zur politischen Vorgeschichte. Adolf Rausch Verlag, 2. Aufl. Heidelberg 1946, S. 11–13; S. 15; S. 17; S. 22; S. 26. Unter seinem Decknamen Rechberg leitete er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 eine Widerstandsgruppe im Rhein-Neckar-Raum. Am 4. Oktober 1934 wurde er verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt, aber wegen Mangels an Beweisen nur wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien zu einer Gefängnisstrafe von 20 Monaten verurteilt, die er in Karlsruhe verbüßte. Auch danach stand er unter Polizeiüberwachung. Dennoch stellte er nach seiner Entlassung den Kontakt zu seinen alten Freunden wieder her und setzte die konspirative Tätigkeit unbeirrt fort. Gespräche fanden auch in seiner Heidelberger Wohnung in der Kaiserstraße 33 statt. Seit 1939 nahm er an den Treffen des Kreisauer Kreises teil und stand wie Mierendorff, Haubach und Ludwig Schwamb innerhalb des Kreises dem Gewerkschaftsflügel um Leuschner nahe, der wie Carl Friedrich Goerdeler selbst nicht zum engeren Kreis zählte, aber enge Verbindungen mit diesem und ebenso mit Goerdeler hielt. Henk rechnete sich aber wie die genannten Freunde sowie Julius Leber zu den politischen Köpfen, die auch das Bürgertum zu gewinnen für unverzichtbar hielten und in diesem Sinne auf Leuschner einzuwirken versuchten.Emil Henk, Die Tragödie des 20. Juli 1944. Ein Beitrag zur politischen Vorgeschichte. Adolf Rausch Verlag, 2. Aufl. Heidelberg 1946, S. 26; Martin Dehli, Leben als Konflikt. Zur Biographie Alexander Mitscherlichs. Wallstein Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0063-7, S. 124f. Am 20. Juli 1944, dem Tag des Attentats auf Adolf Hitler, befand er sich zusammen mit seinem Freund Theodor Haubach auf seiner Berghütte in Oberstdorf, von wo beide wegen der Hochzeit des Sohnes Richard Henk am 29. Juli nach Mannheim zurückkehrten. Nur aufgrund einer Fahndungspanne entging Henk, der in den Planungen der Kreisauer als Landesverweser für Baden vorgesehen war, als eines von wenigen Mitgliedern des Kreisauer Kreises der Verhaftung, während Haubach bei seiner Rückkehr nach Berlin am 9. August im Haus Heinrich Gleißners verhaftet, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.Vgl. Klaus Eisele, Rolf-Ulrich Kunze (Hrsg.): Mitverschwörer – Mitgestalter. Der 20. Juli im deutschen Südwesten. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2004, ISBN 3-89669-722-6, S. 149 f.; Peter Zimmermann, Theodor Haubach (1896–1945), Dölling und Galitz, München & Hamburg 2004, ISBN 978-3-935549-87-5, S. 407 f.; Gunter Groll (Hrsg.), De Profundis. Deutsche Lyrik in dieser Zeit. Eine Anthologie aus zwölf Jahren. Kurt Desch, München 1946, S. 165 (die dort gebotenen biographischen Informationen stammen augenscheinlich von Henk selbst). 1944 organisierte er mit Unterstützung durch Theo Haubach, Gretha Schellworth und anderen die Rettung von Gertrud Jaspers, der jüdisch-deutschen Ehefrau von Karl Jaspers, vor dem drohenden Zugriff der Gestapo und versteckte sie im Oktober und November 1944 sowie im Januar 1945 auf entsprechende Warnungen aus Berlin hin dreimal in seinem Haus. Vgl. Bernd Weidmann, Schutz vor der drohenden Deportation (s. unten Literatur) S. 168–186. Nach Kriegsende setzte sich Emil Henk erfolgreich bei der amerikanischen Besatzungsmacht für die rasche Wiedereröffnung der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg ein und kooperierte dabei eng mit Karl Jaspers.Gerhard Hinz: Emil Henk und die Universität. In: In memoriam Emil Henk… S. 52–54. Für dieses Engagement wurde ihm 1965 die Würde eines Ehrenbürgers der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg verliehen, nachdem er schon 1963 für seinen „unerschrockenen Einsatz gegen Terror und Unmenschlichkeit“ mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden war.Vgl. Gerhard Hinz, Emil Henk und die Universität, in: [Richard Henk (Hrsg.)], In memoriam Emil Henk 1893–1969. Erinnerungen seiner Freunde. Brausdruck, Heidelberg 1970, S. 52–54, hier S. 53f.; Renato de Rosa (Hrsg.) Karl Jaspers K. H. Bauer. Briefwechsel 1945–1968. Springer, Berlin u. a. 1983, S. 72 f., S. 75–79, S. 88, S. 93–95; Klaus Eisele, Rolf-Ulrich Kunze (Hrsg.): Mitverschwörer – Mitgestalter. Der 20. Juli im deutschen Südwesten. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2004, S. 150. Unmittelbar nach Ende des NS-Regimes veröffentlichte er die Broschüre „Die Tragödie des 20. Juli 1944. Ein Beitrag zur politischen Vorgeschichte“, die er „den toten Freunden“ aus dem sozialdemokratischen Widerstand Theo Haubach, Carlo Mierendorff, Wilhelm Leuschner, Adolf Reichwein und Ludwig Schwamb widmete.Emil Henk, Die Tragödie des 20. Juli 1944. Ein Beitrag zur politischen Vorgeschichte. Adolf Rausch-Verlag, Heidelberg 1945, 2. Aufl. 1946.

Sein Vetter war der NSDAP-Politiker Karl Berckmüller.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war Henk kurzzeitig (10. Mai bis 8. Juli 1945) als Amtsleiter für Unterricht und Kultus im von der US-amerikanischen Besatzungsmacht geschaffenen Oberregierungspräsidium Mittelrhein/Saar tätig, der ersten der von den Alliierten im Zuge der schrittweisen Übernahme der Regierungsgewalt im besetzten Deutschen Reich neugeschaffenen Landesregierungen. Weitere Regierungsmitglieder dieser auf Empfehlung von Alfred Weber und Karl Jaspers zusammengestellten Provinzialregierung waren der frühere Mannheimer Oberbürgermeister Hermann Heimerich als Oberregierungspräsident sowie Dolf Sternberger als Pressesprecher und Alexander Mitscherlich als Leiter der Personalabteilung und der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege, sie alle alte Weggefährten von Henk. Nach Bekanntwerden der Vereinbarung über die Abtretung der Besatzungshoheit an die Franzosen und der bevorstehenden Übergabe des Territoriums an die französische Besatzungszone trat Henk mit der gesamten Regierung Hermann Heimerichs am 5. Juli 1945 zurück.Martin Dehli, Leben als Konflikt. Zur Biographie Alexander Mitscherlichs. Wallstein Verlag, Göttingen 2007, S. 126–129; Ulrich Springorum, Entstehung und Aufbau der Verwaltung in Rheinland-Pfalz nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–1947). Duncker & Humblot, Berlin 1982, ISBN 3-428-05128-9, S. 61 (= Schriftenreihe der Hochschule Speyer. Band 88).

Partei Henk trat 1926 der SPD bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er am Wiederaufbau der Partei in Heidelberg beteiligt. Im Juni 1947 wurde er örtlicher SPD-Vorsitzender, nachdem er bereits seit Anfang des Jahres dort stellvertretender Vorsitzender gewesen war.Friederike Reutter: Die Gründung und Entwicklung der Parteien in Heidelberg 1945–1946. In: Jürgen C. Heß (u. a.): Heidelberg 1945. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-515-06880-5, S. 208. (= Transatlantische historische Studien. Band 5).

Abgeordneter Von 1950 bis 1952 gehörte er als Abgeordneter dem Landtag von Württemberg-Baden an. Nach der Gründung des Landes Baden-Württemberg 1952 war er von 1956 bis 1960 auch Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg, in dem er den Wahlkreis Heidelberg-Land vertrat.Irrtümlich behauptet Martin Dehli, Leben als Konflikt. Zur Biographie Alexander Mitscherlichs. Wallstein Verlag, Göttingen 2007, S. 44 mit Anm. 95, unter Berufung auf Eberhard Demm, Von der Weimarer Republik zur Bundesrepublik. Der politische Weg Alfred Webers. Droste, Düsseldorf 1999, ISBN 978-3-7700-1605-1, S. 315, dass Henk dem 1. Bundestag als Abgeordneter angehört habe. Auf der Liste der Mitglieder des Deutschen Bundestages (1. Wahlperiode) ist dieser jedoch nicht aufgeführt.

Vorstand und Erster Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Volkshochschule