Die Villa rustica Wasserliesch ist ein römisches Landhaus (Villa Rustica) im heutigen Zentrum von Wasserliesch, im Landkreis Trier-Saarburg, in Rheinland-Pfalz (Deutschland).
Die Lage Die Villa befindet sich im Bereich des Marktplatzes. Sie wurde wahrscheinlich im 2. Jahrhundert n. Chr. erbaut und ist während der Kriegswirren der Völkerwanderung zerstört worden, doch gibt es immer noch mit Erdreich abgedeckte Überreste. An die Villa erinnert nur noch der als modernes Kunstwerk gestaltete Marktbrunnen; er steht an der Stelle, an der die Archäologen Überreste des Herrenhauses der Villa vermuteten. Die drei markanten Steinsäulen des Brunnens sind den Säulen-Arkaden der römischen Villa nachempfunden. Zu der Villa Rustica gehörte ein Landgut. Der Gesamtkomplex bestand aus dem Herrenhaus mit einem komfortablen Bad und mehreren Wirtschaftsgebäuden. Aus der Anlage hat sich nach dem Ende der Römerherrschaft eine moselfränkische Siedlung entwickelt, nämlich die heutige Gemeinde Wasserliesch mit ihrem Ortsteil Reinig. miniatur|Marktbrunnen in Wasserliesch
Die Entdeckung Die Existenz der römischen Villa Rustica Wasserliesch offenbarte sich erstmals im Jahr 1857 bei Bauarbeiten zur Erweiterung des alten Friedhofes, der auf einer niedrigen Anhöhe im Bereich des heutigen Marktplatzes um die frühere Pfarrkirche herum angelegt war. Die Kirche ist vermutlich im 10. Jahrhundert auf den Überresten der Villa erbaut worden und stand noch bis 1920 an dieser Stelle. Bei der Friedhofserweiterung waren umfangreiche Mauerreste eines römischen Bades und viele Ausstattungsgegenstände ans Tageslicht gekommen, sodass eine Rekonstruktion des Grundrisses möglich war. Umfassendere archäologische Ausgrabungen seien aber wegen sonstiger Entweihung der Gräber nicht möglich gewesen, heißt es im Jahresbericht der Trierer Gesellschaft für nützliche Forschungen für das Jahr 1857. Schon vorher hatte man in diesem Bereich immer wieder Dach- und Mauerziegel, Mauerwerk, Mörtelreste und Wandverputz aus römischer Zeit gefunden, diese Dinge aber nicht zuordnen können. miniatur|Rekonstruktion der Badeanlage
Die Badeanlage erstreckte sich nach Süden zum Liescher Berg hin bis in die heutige Bahntrasse der Eisenbahnstrecke Koblenz-Trier-Thionville-Metz hinein und noch darüber hinaus. Beim Bau der Eisenbahn in den Jahren 1876 bis 1878 und rund 20 Jahre später beim Anlegen einer Straßenunterführung unter der Bahnstrecke hindurch stieß man erneut auf die römische Badeanlage und zerstörte sie teilweise. Bauarbeiter fanden diverse Bauteile und Einrichtungsgegenstände, darunter ein ca. 60 Zentimeter hohes mit Akanthusblättern verziertes korinthisches Säulenkapitell aus Sandstein sowie Bruchstücke einer Schale aus Kalkstein, Scherben aus weißem Glas mit eingeschliffenen Verzierungen und Keramikreste von rotem und schwarzem Glanztongeschirr besonderer Qualität. miniatur|Warmwasserbecken (Caldarium)
Als die Gemeinde Wasserliesch den alten Friedhof im Jahr 1983 vollständig abtragen ließ, kamen erneut umfangreiche Baureste des römischen Bades und des Herrenhauses der Villa mit einem diagonal darunter hindurch verlaufenden sandsteinbehauenen Abwasserkanal ans Tageslicht. Wie hatte es im Jahr 1983 erneut zu einer Zerstörung von wesentlichen Teilen der römischen Villa kommen können?
Eine Antwort auf diese Frage gab der damalige Landeskonservator von Rheinland-Pfalz, Magnus Backes, als ihn die in Mainz erscheinende „StaatsZeitung Rheinland-Pfalz“ zum Thema Denkmalschutz befragte. Die Ausgabe Nr. 32 vom 15. August 1983 veröffentlichte das Interview, in dem der Landeskonservator die Vorgehensweise der Gemeinde Wasserliesch ein „Beispiel misslungener Denkmalpflege“ nennt; Backes sprach von einem ungewöhnlich krassen Fall, wie er in der Bundesrepublik einmalig dastehen dürfte. Wörtlich stellte er fest: Ein Dorf – Wasserliesch an der Mosel bei Trier – hat seine ganze Geschichte weggebaggert.
Die Ausstattung Die im Jahr 1857 entdeckten Überreste beschrieb und untersuchte als Erster der Domkapitular und Bistumskonservator des Bistums Trier, Johann Nikolaus von Wilmowsky. Das Ergebnis seiner Arbeit wurde in dem Jahresbericht der „Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier“ des Jahres 1858 veröffentlicht. Von Wilmowsky beschreibt darin die ungewöhnliche Bauweise und überdurchschnittlich komfortable Ausstattung der römischen Badeanlage, die Teil der Villa Rustica war. Ihre Lage mit einer nach Süden zum Liescher Berg hin ausgerichteten Frontseite habe eine optimale Nutzung der Sonnenenergie ermöglicht. Hohe Fenster reichten bis zum Fußboden des Umganges, der so genannten Schola, die um das Caldarium (Warmwasserbecken) herumführte. Entlang der Wände habe es eine gemauerte Sitzbank gegeben. miniatur|Kaltwasserbecken (Frigidarium)
„Marmorbad“ nennt von Wilmowsky die Badeanlage und meint damit nicht nur das mit weißem Marmor ausgelegte oval gestaltete Kaldarium, sondern auch den mit Marmorplatten verkleideten Umgang. Selbst die Sockelflächen der Wände seien mit weißen Marmorplatten ausgelegt gewesen, weiß er zu berichten. Über Zuflüsse für kaltes und warmes Wasser habe sich das Becken füllen und nach Bedarf temperieren lassen. Ein Bleirohr, das in einen westlich an der Anlage vorbeiführenden mit sorgfältig geglätteten Steinplatten ausgelegten und mit ebensolchen Platten abgedeckten Kanal mündete, habe das Abwasser zur Mosel hin abgeleitet. Ein an den Baderaum angrenzender beheizter Raum sei etwas höher angelegt gewesen. Man habe ihn über eine dreistufige Treppe erreichen können, was optisch die Tiefe des Beckens vermehrte. Der Fußboden dieses Raumes sei mit dreieckigen weißen, grauen und schwarzen mosaikartig in Mustern verlegten Marmortäfelchen ausgelegt gewesen. Die Wände habe man glatt geschliffen, das Stuckgesims über den Fenster- und Türöffnungen weiß oder abwechselnd gelb, weiß und rot bemalt.
Zur Beheizung diente eine Hypokaustenheizung (Unterbodenheizung). Der Heizungsraum, das Praefurnium, mit dem Brennofen bildeten gewissermaßen das Untergeschoss. Der Brennofen befand sich in der Mitte des Raumes. Die von ihm erzeugte heiße Luft konnte über einen Kanal in die Hohlräume unter dem Caldarium und unter dem etwas höher gelegten Bade- oder Ankleideraum, um das Kaldarium herum und durch rechteckige Hohlziegel auch in die Wände gelangen. Auf dem Ofen und auf der Abdeckung des Heißluftkanals habe man Tongefäße auf unterschiedlich hohe Stufen aufstellen können, sodass stets unterschiedlich warmes Wasser vorhanden war. miniatur|Unterbodenheizung (Hypokaustum)
Die zur Villa gehörende Gartenanlage war um die Front des Bades herum terrassenförmig zum Liescher Berg hin ansteigend angelegt. Dort fanden sich tönerne Röhren, die in einem brunnenartigen Behälter zusammenliefen – wahrscheinlich handelte es sich um ein Becken mit Wasserpflanzen oder Zierfischen. In diesem Bassin lagen Reste von Säulenkapitellen und Stücke einer großen gerippten Wasserschale aus Kalkstein, welche zum Schmuck gedient zu haben scheinen, erklärt von Wilmowsky dazu. Abschließend bewertet er die Badeanlage so: ...dass, so viel wir wissen, kein zweites Beispiel eines so ausgebildeten römischen Bades bis jetzt bekannt und veröffentlicht worden ist.
Der Archäologe betont ausdrücklich, dass er wegen sonstiger Entweihung der Gräber keine eingehendere archäologische Bestandsaufnahme habe durchführen können. Diese Begründung überzeugte den früheren Leiter des Rheinischen Landesmuseums Trier, Heinz Cüppers, offenbar nicht so ganz. In einem Beitrag zu der im Jahr 1975 herausgegebenen „Chronik Wasserliesch“ stellt er fest, dass man sich in Wasserliesch ebenso verhalten habe wie bei vielen anderen Ausgrabungen im Trierer Land – man nahm es offensichtlich mit der Erfassung und Sicherung archäologischer Funde nicht so genau. Auch Cüppers vergleicht die Wasserliescher Badeanlage mit den anderen römischen Villen der Region Trier. U. a. stellt er fest: Aus all den Details wird erkennbar, dass es sich hier um eine Hausanlage handelt, die in der besonderen technischen Ausführung des Bades, des aufwändigen Dekors mit Marmorplatten und Wandmalerei und den Resten von Kapitellen sich in die Gruppe der reicheren ländlichen Herrenhäuser des Trierer Landes einordnen lässt; das lasse auch Rückschlüsse auf den Wohlstand und die Ausstattung des übrigen Hauses zu.
Im Jahr 1869, zwölf Jahre nach der ersten Entdeckung, griff Domkapitular von Wilmowsky seine Untersuchungen erneut auf und veröffentlichte sie in dem Jahresbericht der „Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier“ des Jahres 1870. Die von ihm nur unvollständig vorgenommene archäologische Bestandsaufnahme begründete er erneut mit der sonst möglichen Entweihung der Gräber. Er habe aus diesem Grund im Jahr 1857 seinem Bericht lediglich den Grundriss, den Durchschnitt und die perspektivische Ansicht des interessanten Denkmals beigefügt und begründet sein Verhalten mit: da ich dessen schnelle Vernichtung voraussah. Die sich rasch ergebende schnelle Vernichtung trat dann wenig später auch tatsächlich ein; er schildert sie so: Bald nach unserer Ausgrabung beschloss der Ortsvorstand die Ausräumung der Stelle und ihre Benutzung zu Gräbern. Er überließ den Arbeitern das Material als Lohn. Diese, ein rüstiger Mann mit einem kräftigen Sohn, brachen die festen Kalkmauern aus und zerschlugen die gewonnenen Steine zur Bekiesung der Straße. Die Ziegelplatten der Pfeiler aber lösten sie ab und belegten damit Hausflur und Küche ihrer Hütte. Die Marmorfragmente endlich brannten sie zu Kalk und bereiteten sich damit den erforderlichen Mörtel. miniatur|Feuerstelle (Praefurnium)
Die zweite Entdeckung Im Jahr 1983 stieß man beim Abräumen des alten Friedhofes erneut auf umfangreiche Überreste des bis dahin noch nicht zu Tage getretenen Teils der Villenanlage. Die neuen Funde konnten auch dieses Mal nur teilweise archäologisch erfasst werden, denn die Baumaschinen hatten zuvor einen großen Teil davon zerstört. So blieb den Mitarbeitern des Rheinischen Landesmuseums Trier nur noch das zu untersuchen und zu dokumentieren, was drei Tage nach Beginn der Abräumarbeiten übriggeblieben war.
Die Archäologen legten weitere Teile der seit 1857 bekannten Badeanlage frei, darunter eine gemauerte Wanne von der Größe einer einfachen Badewanne, eine zweite ebenfalls gemauerte und beheizte Wanne sowie die Grundmauern mehrerer Räume. Darunter befand sich ein von unten beheiztes größeres Zimmer, bei dem es sich um den Ankleideraum, das Apodyterium, gehandelt haben könnte. Der schon erwähnte Abwasserkanal verlief unter einigen dieser Räume hindurch. Außerdem gab es ein zweites ziegelgemauertes Praefurnium, dessen Einwölbung noch teilweise erhalten war. Angrenzend an den Ankleideraum wurde das Kaltwasserbecken, das Frigidarium, freigelegt; es war nicht ganz so groß wie das Warmwasserbecken aber ebenso aufwändig ausgestattet. Dessen noch gut erhaltenen Bodenbelag aus dunklen Marmor- und hellen Kalksteinplatten sicherten die Archäologen und brachten ihn in das Rheinische Landesmuseum nach Trier. Gleich neben dem Kaldarium lag ein etwa 7,5 Quadratmeter großer Toilettenraum, Latrine genannt. Der zwischen den beiden Räumen hindurch laufende Abwasserkanal konnte das Frigidarium und die Latrine gleichzeitig entwässern.
An den frei gelegten Teil der Badeanlage schloss sich talwärts der vermutlich größte Teil der Villenanlage an. Nach Einschätzung der Fachleute könnte es sich um das Herrenhaus gehandelt haben. Da dieser Bereich schon vor der Untersuchung abgeräumt worden war, konnten sie dort keine Baureste oder Artefakte mehr sichern. Fotos, die während der Abräumarbeiten aufgenommen worden sind, belegen jedoch, dass dieser Teil die gesamte Fläche unter dem alten Friedhof mit einem Teil des heutigen Marktplatzes bedeckte. Hier könnte sich auch das Atrium befunden haben, das bei einer so großen römischen Villa sicher nicht gefehlt hat. miniatur|Abflusskanal
Die Geschichte