Kronshagen ist eine Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein am westlichen Stadtrand von Kiel, etwa sechs Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die Gemeinde ist nach Elmshorn die am zweitdichtesten besiedelte Gemeinde in Schleswig-Holstein und steht an 33. Stelle in der Liste deutscher Gemeinden, nach der Bevölkerungsdichte geordnet. Der in Kronshagen an der Stadtgrenze zu Kiel gelegene Parkfriedhof Eichhof ist der größte Friedhof in Schleswig-Holstein.
Geographie Geographische Lage Im Norden, Süden und Osten grenzt die Gemeinde an die Stadt Kiel, im Westen an die Gemeinde Ottendorf.
Geologie Die Gemeinde Kronshagen gehört nach der naturräumlichen Gliederung zum Schleswig-Holsteinischen Hügelland, genauer zur Untereinheit des Ostholsteinischen Hügel- und Seenlandes. Kronshagen weist keine für die Jungmoränenlandschaft sonst typischen, kleinräumig wechselnden Reliefunterschiede auf. Die Oberflächenformen Kronshagens sind wie die des übrigen Kieler Umlandes eine Folge weichseleiszeitlicher und holozäner geomorphologischer Formungsprozesse. Im Unterschied zum Stadtgebiet Kiels wurde Kronshagen nicht von den letzten Eisvorstößen erreicht. Vielmehr lag es in einigen Kilometern Entfernung zum tatsächlichen Eisrand, da im heutigen Gemeindegebiet keinerlei Stauchungsvorgänge (Stauchendmoränen) nachzuweisen sind, wie etwa im Kieler Stadtgebiet (z. B. Düsternbrooker Gehölz). Die kuppige Grund- und Endmoränenlandschaft im östlichen Gemeindegebiet besitzt eine Mächtigkeit von durchschnittlich 30–40 m. An verschiedenen Stellen ist diesen mergeligen beziehungsweise lehmigen Geschieben Sand aufgelagert. Aus den flachwelligen Moränenrücken ragen in verschiedenen Bereichen sandige Erhebungen heraus. Der Heischberg, die höchste Erhebung im Ortsgebiet, verdankt seine Entstehung nicht-subglazialen Prozessen. Es handelt sich um einen Sander, der von einem subglaziären Strom am Gletschertor aufgeschüttet wurde und dessen Gerölle sortiert sind. Eine derart gebildete Erhebung wird Kame genannt und ist typisch für die schleswig-holsteinische Jungmoränenlandschaft.
Ausdehnung des Gemeindegebiets Die Gemeinde Kronshagen hat sich innerhalb des letzten Jahrhunderts vom Dorf zum StadtrandkernStadtrandkern ist eine Kategorie der schleswig-holsteinischen Landesplanung. Stadtrandkerne übernehmen Teilfunktionen von Zentralen Orten, sind aber weniger als 10 Kilometer von einem Ober- oder Mittelzentrum entfernt (§ 30 LaplaG). gewandelt. Die Siedlungsstruktur der Gartenstadt Kronshagen besteht dabei überwiegend aus Einfamilienhausgebieten, Hochhausbebauung ist hauptsächlich im Nordosten vorhanden. Gewerbliche Ansiedlungen konzentrieren sich im Bereich der Eckernförder Straße und des Eichkoppelweges. In den Hausgärten bzw. den öffentlichen Grünanlagen herrschen Zier- und Obstgehölze vor, wobei der hohe Anteil an immergrünen Laub- und Nadelhölzern auffällt.
In den älteren Gebieten befinden sich z. T. sehr große Grundstücke, wie z. B. im Wildhof, Vogteiweg oder Volbehrstraße (am Ende) mit hohem, häufig altem Baumbestand. Auf einigen Grundstücken befinden sich Obstbaumwiesen. Da in neueren Wohngebieten die Grundstücke eher klein und schmal sind, stehen hier meist nur einzelne, kleinwüchsige Bäume. Rasenflächen nehmen den Hauptteil dieser Gärten ein. Größere Gehölzbestände finden sich im Friedhof Eichhof, westlich der Claus-Sinjen-Straße und am Suchsdorfer Weg.
Klima Großklimatisch gehört Kronshagen zum ozeanischen Übergangsklima. Die Niederschlagsmenge liegt bei 725 – 750 mm/Jahr, die Jahresmitteltemperatur bei +7,5 bis +8,0 °C, Hauptwindrichtung ist Südwest bis West oder Ost, die mittlere Windstärke beträgt 4,0–4,5 Beaufort. Im Siedlungsgebiet ist durch den hohen Überbauungsgrad von einem wesentlich niedrigeren Wert auszugehen.
Geschichte Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Dorf Kronshagen eine der vielen selbständigen Gemeinden am Rande Kiels. Beispielhaft zu nennen wären die ehemaligen Gemeinden Russee, Suchsdorf, Hasseldieksdamm, Projensdorf, Wik und Hassee, die auch alle zum alten Amt Kronshagen gehörten. Alle diese ehemaligen Dörfer sind heute Stadtteile Kiels. Kronshagen ist eigenständig geblieben und zu einer Stadtrandgemeinde mit zirka 12.000 Einwohnern herangewachsen.
Das Gut Kronshagen Kronshagen wurde am 23. März 1271 erstmals urkundlich erwähnt. Bis 1452 gehörten sämtliche Dörfer des Gutes Kronshagen dem Heiligengewar-Kloster in Kiel. Die Verwaltung der Besitzungen lag in den Händen des Bürgermeisters und des Rates der Stadt Kiel.
Im Jahre 1572 wurden die Stadtdörfer dann Herzog Adolf von Gottorp in Pacht gegeben. Dieser vereinigt sie zum Meierhof Kronshagen.
Nach langen Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Kiel und dem Herzoghaus um die sog. Stadtdörfer wurde durch den Permutationskontrakt vom 12. Dezember 1667 der nach dem Dreißigjährigen Krieg erneut ausgebrochene Streit gelöst. Herzog Christian Albrecht zwingt mit dem Permutationskontrakt die Stadt Kiel, sämtliche Dörfer abzutreten. Als Entschädigung für insgesamt 4000 ha wurden der Stadt Kiel jährlich 1000 Reichstaler zugesprochen. Diese Zahlungen werden bis in die heutige Zeit geleistet. Für das Jahr 2016 waren hierfür 1900 Euro im Landeshaushalt veranschlagt.Haushaltsplan des Landes, Einzelplan 11, Kapitel 11, Titel 63301
Gleich nach Abschluss des Permutationskontraktes stattete Herzog Christian Albrecht den Hof Kronshagen mit adeligen Rechten aus und vergrößerte ihn. Bis 1760 wechselte das Gut mehrmals den Besitzer, um nach einem langwierigen Prozess wieder den Gottorpern zugesprochen zu wurden, allerdings gegen Hinterlegung von 75.000 Reichstalern. Der damalige Herzog war gleichzeitig Zar von Russland. Alte Urkunden und Flurkarten, versehen mit dem Doppeladler, dem Siegel der russischen Krone, bezeugen, dass sich das Gut im Besitz des russischen Großfürsten befand.
Vom Bauerndorf zur Gartenstadt Im Jahre 1768 gelangten die Vorbereitungen, das Gut Kronshagen zu parzellieren und in ein Amt umzuwandeln, zum Abschluss. Das Hoffeld des Gutes wurde von Caspar von Saldern im Auftrag des Landesherrn in 31 Parzellen und elf kleinere Stellen aufgeteilt und verkauft oder in Erbpacht gegeben. Die im 16. Jahrhundert angelegten Dörfer Kopperpahl, Kronshagen und Hasseldieksdamm entstehen nun aufs Neue.
Das neu gegründete Amt Kronshagen (1768–1867) hatte zunächst einen Amtmann für sich mit Sitz in Kiel. Unter dänischer Herrschaft verwaltete der Amtmann von Bordesholm gleichzeitig Kronshagen. Jeden Monat kam er nach Kronshagen, um in dem alten Amtshaus Gericht zu halten. Ein Amtsinspektor, der in dem Amtshaus wohnt, war für die gesamte Verwaltung und Inspektion verantwortlich. Durch die Zusammenlegung der Ämter Bordesholm, Kronshagen, Kiel und Neumünster und der Stadt Kiel entstand im Jahr 1867 der Landkreis Kiel.
Am 19. Juni 1884 fand dann die erste Sitzung der Gemeindeversammlung in Kronshagen unter Leitung eines Ortsvorstehers statt. Sie umfasste 27 stimmberechtigte Mitglieder. Eine der ersten Amtshandlungen der Gemeindeversammlung war die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Kronshagen am 2. Oktober 1884. Schließlich wurde am 1. Oktober 1889 der Amtsbezirk Kronshagen gebildet. Er umfasste fast die gleichen Dörfer wie das Amt von 1768. Kronshagen mit Kopperpahl, Suchsdorf, Ottendorf, Hassee mit Winterbek, Hasseldieksdamm, Russee und die Wik sowie die beiden Güter Schwartenbek und Projensdorf gehörten zum Amtsbezirk Kronshagen. Aufgrund von Eingemeindungen der Stadt Kiel wurde der Amtsbezirk immer kleiner: 1893 wurde Wik mit Steenbek, 1910 Hasseldieksdamm Stadtteil von Kiel.
Im Jahr 1895 betrug die Einwohnerzahl Kronshagens 431 Menschen. Unter dem Einfluss des stark wachsenden Reichskriegshafens Kiel begann eine regere Bautätigkeit um die Jahrhundertwende in Kronshagen. Im Ortsteil Kopperpahl entstanden in der Eckernförder Chaussee zahlreiche mehrstöckige Mietshäuser. In Kronshagen begann man mit dem Ausbau des Kronshagener Weges zwischen der Gaststätte Königstein und dem Bahnübergang. 1906 wurde der Kronshagener Bahnhof eröffnet. In den 1930er Jahren hatte er das höchste Güterumschlagsaufkommen. Die zunehmende Motorisierung in den 1960er Jahren führt zu einem starken Rückgang. 1979 wurde der Bahnhof stillgelegt und vom DRK-Ortsverband aufgekauft. Der Bahnhof diente noch bis zum 30. Mai 1981 als Haltepunkt und wurde am 14. Dezember 2014 wiedereröffnet.
Der Landwirt Claus Volbehr verkaufte 1910 einen Großteil seines Landes entlang der Kieler Straße an die „Gartenstadt-Terrain-Gesellschaft Kronshagen in Kiel“. Hier entstand in den folgenden Jahren das Konzept der Gartenstadt Kronshagen. Es erfolgt ein Ausbau eines großen Areals (Kieler Straße, Villenweg) mit Villen im Landhausstil mit Garten überwiegend nach Plänen von Carl Mannhardt (1876–1914). Schließlich wurde 1911 das Gemeindehaus von C. Mannhardt im Stil der „Heimatschutzarchitektur“ errichtet und in Betrieb genommen. Im gleichen Jahr wurde mit dem Bau der Kopperpahler Allee als Verbindung zwischen den Ortsteilen Kronshagen und Kopperpahl begonnen. Die Straße wurde als repräsentative Hauptstraße geplant, und zu beiden Seiten wurden Baumreihen angelegt. Ebenfalls 1911 wurde ein weiterer Bauabschnitt der Gartenstadt geplant, diesmal nördlich des Hasselkamp. Die Eigenheim-Baugenossenschaft Hasselkamp-Kronshagen e. G. m. b. H. kaufte vom Landwirt Horst Kähler ein ca. 220 × 140 m großes Karree und teilte es für eine Bebauung mit Reihenhäusern mit großen Gärten in 51 Parzellen auf. Arnold Bruhn (1879–1961) war Vorstandsmitglied und ausführender Architekt. Die ersten 24 Häuser im Stil der „Heimatschutzarchitektur“ in „landhausmäßiger Bauweise“ (Bruhn) wurden ab 1913 im Südostteil des Karrees bezogen.
Im Jahr 1912 erhielt Kronshagen seine erste Schule. Die Brüder-Grimm-Schule mit Turnhalle wurde nach Plänen von Johann Garleff (1878–1976) im Stil der „Heimatschutzarchitektur“ erbaut. Zunächst wurde hier eine Volks- und Mittelschule eingerichtet. Heute wird sie nur noch als Grundschule genutzt. 1914 endete mit Beginn des Ersten Weltkriegs die Bautätigkeit in Kronshagen vorerst. Als nach dem Ersten Weltkrieg in den 1930er Jahren Kiel wieder Sitz der Marine wurde, setzte erneut eine umfangreiche Bautätigkeit ein. Zwischen 1935 und 1939 wuchs die Einwohnerzahl Kronshagens von 2463 auf 3503. Mitte und Ende der 1930er Jahre wurden einige wichtige Bauten errichtet: die ELAC-Wohnblocks in der Kieler Straße (1936/37), das Marine-Lazarett (1937/39)Das Marine-Larzarett, Kronshagen wurde nach dem Krieg zum Bundeswehrlarzarett, dass nach kontroverser Diskussion 1997 geschlossen wurde. In Teilen beherbergt das Gebäude seitdem das Zentrale Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr Kiel, das Feuerwehrhaus in der Kopperpahler Allee (1939), an dessen Stelle heute das Rathaus steht. Die nach dem Ersten Weltkrieg wieder einsetzende Bautätigkeit ebbte mit Beginn des Zweiten Weltkriegs erneut ab. Im Zweiten Weltkrieg blieb Kronshagen weitgehend von Bomben und Zerstörungen verschont.
NS-Zeit mini|ELAC-Wohnblocks, gebaut 1936/37, abgerissen, März 2018 mini|Ehemaliges Marine-Larzarett, Kronshagen (1982); gebaut 1937/39, geschlossen 1997 mini|Freiwillige Feuerwehr Kronshagen, Kopperpahler Allee 7 (1982); im Februar 2017 ausgebrannt und abgerissen; auf dem Gelände wurde 2000 das neue Rathaus gebaut. mini|Heim der Hitlerjugend (HJ), Kronshagen; 1939 erbaut, 1970 abgerissen.