Wappen Karte 150px|Wappen der ehemaligen Stadt Bockum-Hövel 140px|Lage der kreisfreien Stadt Hamm in Deutschland Basisdaten Bundesland: Nordrhein-Westfalen Regierungsbezirk: Arnsberg Stadtkreis: Stadt Hamm Geographische Lage: Höhe: Fläche: 32,68 km² Eingemeindung derStadt Bockum-Hövel: 1. Januar 1975 Postleitzahl: 59065, 59075 Vorwahlen: 02381 Kfz-Kennzeichen: HAM Bezirksgliederung: 10 statistische Blöcke: Nordenfeldmark West, Nordenfeldmark Ost, Hövel Mitte, Hövel Nord, Hövel Radbod, Bockum; Bauerschaften Barsen, Holsen, Geinegge, Hölter Politik Bezirksvorsteher: Klaus Jendreiek (SPD) Bevölkerung Einwohner: 35.540 (Stand: 31. Dez. 2017) Bevölkerungsdichte: 1088 Einwohner je km² Ausländeranteil: 14,9 % (31. Dezember 2017) mini|Rathaus Bockum-Hövel, mit Blick vom Marktplatz. mini|Ältester Kirchstandort in Hövel: Katholische Pfarrkirche St. Pankratius mini|Ältester Kirchstandort in Bockum: Katholische Filialkirche St. Stephanus mini|Älteste evangelische Kirche Bockum-Hövels: Evangelische Kreuzkirche mini|Ihr Bau ließ Bockum und Hövel zusammenwachsen: Zeche Radbod mini|Die Geinegge am Klosterhof mini|Radbodsee
Hamm-Bockum-Hövel ist ein Stadtbezirk der kreisfreien Stadt Hamm, der aus der früheren Stadt Bockum-Hövel und nördlichen Stadtteilen der alten Stadt Hamm gebildet wurde. Der Bezirk hat 35.540 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2017)Bevölkerungsbericht 2017 – Stadt Hamm
() und bedeckt eine Fläche von 32,68 km² (zum Vergleich: Stadt Hamm 226,25 km²). Die Einwohnerdichte beträgt 1088 Einwohner je km².
Geographische Lage Der heutige Stadtbezirk Hamm-Bockum-Hövel liegt nördlich des Rheinzuflusses Lippe. Er ist sowohl Teil des Münsterlandes als auch des Ruhrgebietes. Die östliche Stadtbezirksgrenze verläuft von der Lippe kommend westlich der Bahnstrecke Münster–Hamm. Kurz vor deren Überführung über die Geinegge trennt sich die Grenze in ihrem weiteren Verlauf von der Bahntrasse und läuft östlich über den Kötterberg zur Straße Geinegge. Von dort folgt sie dem Straßenverlauf der Geinegge und des Krähenbusches bis zur B63. Der westliche Rand der B63 – Münsterstraße – bildet den weiteren Verlauf der Bezirksgrenze nach Norden. Im Weiteren ist die Bezirksgrenze deckungsgleich mit der Hammer Stadtgrenze.
An den Ortsteil grenzen im Uhrzeigersinn folgende Städte, Gemeinden und Stadtbezirke an: Im Norden der Kreis Warendorf mit der Stadt Drensteinfurt, im Osten der Stadtbezirk Hamm-Heessen und im Süden die Stadtbezirke Hamm-Mitte und Hamm-Herringen. Nach Westen schließt sich der Kreis Unna mit der Stadt Werne und im Nordwesten der Kreis Coesfeld mit der Gemeinde Ascheberg (Ortsteil Herbern) an. Die Bockum-Hövel umgebenden Bauerschaften sind Geinegge, Hölter, Holsen und Barsen.Stadtplan von Hamm.
Die Koordinaten für die zentrale Ortslage beziehen sich auf das frühere Rathaus, den heutigen Sitz der Bezirksvertretung. Auf diese Koordinaten ist auch die Höhenangabe zu beziehen: . Laut dem Statistischen Jahrbuch der Stadt Hamm 2005 befindet sich die höchste natürliche Erhebung im Bezirksgebiet und auch der Stadt Hamm mit 102,0 m ü. NN auf dem Kurricker Berg.. Tatsächlich gehören aber nur etwa 10 % des Kurrickers Berges zu Bockum-Hövel; der größere Teil, darunter auch die höchste Erhebung, liegt in Drensteinfurt. Der höchste Punkt im Bezirksgebiet befindet sich vielmehr mit 100,5 m ü. NN westlich der Geineggequelle zwischen Brökers Weg und der Straße „In der Sommerbree“ beim Hof Schulze Krutmann und ist Teil der Lipper Höhen. Der tiefste Punkt liegt mit 37,7 m an der Straße Am Lausbach.
Naturräumliche Zuordnung Der Stadtbezirk Bockum-Hövel gehört naturräumlich zur westfälischen Bucht, einer Haupteinheitengruppe in der Systematik der Naturräume. Innerhalb dieser Haupteinheitengruppe gehört das gesamte Gebiet des Stadtbezirkes zur Haupteinheit Kernmünsterland. Das Gebiet von Bockum-Hövel liegt dabei im Norden auf den Lipper Höhen und im Süden im Mittleren Lippetal, beides Untereinheiten des Kernmünsterlandes.
Historische Zuordnung Münsterland
Die Orte Bockum und Hövel gehörten historisch zum Hochstift Münster und grenzten im Süden und Südosten an die Grafschaft Mark, zu der auch die Stadt Hamm gehörte. Diese Einteilung der weltlichen Herrschaftsbereiche entwickelte sich im 13. Jahrhundert und hatte bis zur Säkularisation des Hochstiftes im Jahr 1803 Bestand. De facto endete sie jedoch schon 1802 durch die preußische Besetzung des Hochstiftes. Somit ist das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Bockum-Hövel Teil des historischen Münsterlandes. Dies findet u. a. im hier bis heute teilweise gesprochenen Münsterländer Platt seinen Ausdruck. Ab 1803 gehörte es zum Königreich Preußen und wurde später gemeinsam mit der Grafschaft Mark der Provinz Westfalen zugeschlagen.
Ruhrgebiet
Das Gebiet des Stadtbezirkes gehört seit 1905 zum Ruhrgebiet, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Bergbau weit in das Münsterland hineinwuchs. Im Jahr 1905 nahm das Bergwerk Radbod den Betrieb auf; die Dörfer Bockum und Hövel entwickelten sich dadurch zur Ruhrgebietsstadt Bockum-Hövel. Die für das münsterländische typische ländliche Prägung zeigt sich heute noch in den den urbanen Teil umgebenden Bauerschaften Geinegge, Hölter, Holsen und Barsen. Die Stadt Bockum-Hövel wurde 1975 mit der Stadt Heessen in die Großstadt Hamm eingegliedert. Diese bildet das östliche Ende des Ruhrgebiets.D. M. Stapff, W. Lippmann: Zeche Radbod in Bockum-Hövel: die Entwicklung eines Steinkohlenbergwerks im Östlichen Ruhrgebiet, herausgegeben aus Anlass des fünfzigjährigen Bestehens, 13. März 1955.Thomas Parent: Das Ruhrgebiet: vom „goldenen“ Mittelalter zur Industriekultur, S. 302 ff., S. 309.Wilhelm von Kürten: Landschaftsstruktur und Naherholungsräume im Ruhrgebiet und in seinen Randzonen. F. Schöningh, Paderborn 1973, ISBN 3-506-71221-7, S. 170–180 (179), 195, 208.
Gewässer Fließgewässer
Die Bäche der Gemeinde gehören sämtlich zum Flussgebiet der Lippe. Die Lippe bildet in etwa auch die Grenze zu den südlichen Hammer Stadtbezirken und durchläuft das Gebiet von Bockum-Hövel von Osten nach Westen.
Geinegge
Die Geinegge ist als mehr als neun Kilometer langer Nebenfluss der Lippe das bedeutendste Fließgewässer Bockum-Hövels.
Eversbach Der Eversbach hat seinen Ursprung in den Wiesen des Hofes Everding zwischen Hauerwinkel und Hammer Straße. Er durchfließt die ehemalige Zechenkolonie südlich des Industrie- und Gewerbeparks Radbod. Auf einer langen Strecke folgt er dem Lauf der Marinestraße, deshalb ist er auch unter dem Namen Marinebach bekannt. Heute ist er fast ganz verrohrt und hat Bedeutung für die Beseitigung der Abwässer, die er der Lippe zuführt, in die er schließlich mündet.
Lausbach Fast der ganze Lauf des in alten Zeiten sehr fischreichen Lausbachs bildet einen großen Teil der Gemeindegrenze zwischen Bockum-Hövel und Stockum. Er mündet etwa ein Kilometer südwestlich des ehemaligen Hauses Laake, der heutigen Mülldeponie, in die Lippe.
Erlenbach Der Erlenbach hat seinen Ursprung in der Nähe des Bockumer Friedhofs. Er durchfließt Köhnes Büschken, durchquert das Waldstück zwischen Stockumer Straße und Jansenstraße und führt sein Wasser kurz darauf dem Lausbach zu.
Radbodsee
Der aus untertägigem Kohlenbergbau der namensgebenden Zeche Radbod entstandene Radbodsee gehört heute zum Naturschutzgebiet Alte Lippe und Radbodsee und ist ein wertvolles Biotop für Wanderfische und Zugvögel.
Geschichte
Frühgeschichte Auf den Lippehöhen gab es schon sehr früh Wohnplätze; die ersten steinzeitlichen Bewohner dürften hier etwa um 1000 v. Chr. gelebt haben. Die ersten schriftlich festgehaltenen Zeugnisse einer Besiedlung stammen aus römischer Zeit. Die Lippehöhen gehörten damals zum Gebiet des germanischen Stammes der Brukterer. Vor den Eroberungsfeldzügen Karls des Großen stand die Region unter der Herrschaft der Sachsen. Zu dieser Zeit war das Gebiet des heutigen Bockum-Hövel für damalige Verhältnisse vermutlich bereits dicht besiedelt. So kommt Bockum in alten Urkunden als Buckheim (Bukheim/Buchenheim) vor, was Ansiedlung bei den Buchen bedeutet.
Karl der Große unterwarf die Sachsen im Jahre 804. Dies verschaffte dem sogenannten heiligen Liudger die Möglichkeit, Westfalen zu christianisieren. Noch im selben Jahr wurde das Bistum Münster gegründet und Liudger sein erster Bischof. Die Franken ließen die alte Gaueinteilung des Sachsenlandes unverändert. Der sächsische Stammesherzog stand also noch immer an der Spitze des Landes. Die Bischöfe hatten lediglich die Oberhoheit über die Kirchen und Klöster.
Um das Jahr 950 ist unter dem Namen Athalheringwik anscheinend der älteste Rittersitz der Region belegt, der Rittersitz Aquak, zu dem vermutlich bereits zu diesem Zeitpunkt eine Bauerschaft gleichen Namens gehörte.Fritz Schumacher, Hartmut Greilich: Bockum-Hövel. Aus Geschichte und Heimatkunde. Regensberg, Münster 1956, Neuauflage Hamm 2002.Willi E. Schroeder: Ein Heimatbuch. Zwei Stadtteile stellen sich vor. Bockum und Hövel. 1980.
Grafschaft Hövel
Wann Hövel zu einer eigenen Grafschaft wurde, ist unter Historikern umstritten. Nach den Schlussfolgerungen, die sich aus einer mittelalterlichen Quelle, dem Annalista Saxo, ergeben, wurde ab dem Jahr 1.000 die vorhergehende Herrschaft der Grafen von Werl unter drei erbberechtigten Brüdern aufgeteilt. Das Gebiet des heutigen Bockum-Hövel ging in den Besitz von Bernhard von Werl-Hövel über. Dieser ließ im Jahre 1003 auf dem Hügel (Huvili) im Nordosten des heutigen Stadtbezirks das Haus bzw. die Burg Hövel errichten. Heute befindet sich dort die alte Vikarie (400 m nördlich der St.-Pankratius-Kirche). Die Burg lehnte sich an das Dorf Hövel an. Zu Zeiten ihrer größten Ausdehnung reichte die Grafschaft bis an Münster, Dortmund, Soest und die Paderborner Besitztümer heran. Bernhard von Werl-Hövel gründete anlässlich der Geburt seiner Tochter bzw. Enkelin um 1025 bzw. 1050 die Kirchen St. Pankratius in Hövel und St. Stephanus in Bockum. Eine Pfarre Bockum wird allerdings erst 1092, eine Pfarre Hövel 1193 erstmals urkundlich erwähnt. Als Bernhards Enkelin Adelheid von Lauffen Graf Adolf von Berg-Hövel ehelichte, gelangten Bockum und Hövel in die Hände der Grafen von Berg.
Dem widerspricht Paul Leidinger: Im Annalista Saxo liege eine Verwechslung vor. Der dort erwähnte Bernhard sei mit Bernhard II. von Werl zu identifizieren, Stammvater der Grafen von Arnsberg. Hövel habe bis zum Jahre 1124 in Arnsberger Besitz gestanden und sei erst nach diesem Jahr, als das Arnsberger Grafengeschlecht im Mannesstamm erlosch, über die Arnsberger Erbtochter an die Grafen von Berg gelangt, die mit Adolf II. von Berg verheiratet war. Somit sei Adolf II. von Berg der erste Graf von Hövel gewesen. Vgl. zu diesem Themenkomplex auch den Beitrag Grafen von Hövel.Paul Leidinger: Die Zeit der Grafen von Werl (ca. 950–1124). In: Amalie Rohrer, Hans-Jürgen Zacher (Hrsg.): Werl. Geschichte einer westfälischen Stadt. Band 1. Paderborn 1994, ISBN 3-87088-844-X. Entsprechend wurden die Stephanus- und die Pankratiuskirche nach dieser Variante nicht durch einen Grafen von Hövel gegründet, sondern sind Gründungen des Bistums Münster. Sie stammen wahrscheinlich noch aus der Zeit der Bistumsgründung nach 804 und sind womöglich vom heiligen Liudger persönlich geweiht worden.