Compact (Verlagsschreibweise COMPACT; seit Oktober 2013 mit dem Zusatz Magazin für Souveränität) ist eine rechtsextreme deutsche politische Monatszeitschrift. Chefredakteur ist Jürgen Elsässer, Herausgeber der Kai Homilius Verlag. Seit 2015 präsentiert sich Compact als Sprachrohr der rechtspopulistischen und in Teilen rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland (AfD) sowie der islamfeindlichen Pegida-Bewegung.
Das Magazin verbreitet regelmäßig verschwörungstheoretische, geschichtsrevisionistische und antisemitische Inhalte. Wissenschaftler und Journalisten bewerten es als verschwörungsideologisches Querfront-Magazin und ordnen es dem Rechtspopulismus und Rechtsextremismus zu. Im Dezember 2021 stufte das Bundesamt für Verfassungsschutz das Magazin als gesichert rechtsextremistisch ein, weil es eindeutig völkisch-nationalistische und minderheitenfeindliche Positionen und Aussagen in die Öffentlichkeit getragen habe.
Im Juli 2024 verbot Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) die Compact-Magazin GmbH und zog ihr Vermögen ein, weil sie sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung richte. Hiergegen gerichtete rechtliche Schritte von Compact führten im August 2024 zu einer Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Klage und im Juni 2025 zu einer endgültigen Aufhebung des Verbots durch das Bundesverwaltungsgericht.
Geschichte Ab 2008 gab der Kai Homilius Verlag die von Elsässer betreute Buchreihe Compact heraus. Ab 2009 wurden dort auch DVDs in Kooperation mit dem Schild Verlag herausgebracht. Im Dezember 2010 erschien die Nullnummer des Magazins. Ab August 2011 erschien es bei der Gesellschaft Compact-Magazin, die Elsässer mit Kai Homilius und Andreas Abu Bakr Rieger gegründet hatte. Jeder Gesellschafter hielt ein Drittel der Anteile.Amtsgericht Potsdam, Handelsregisterblatt HRB 24411 mit Gesellschafterliste aus 2010 Die Zeitschrift hat weder Verbindungen zum Kampagnennetzwerk Campact noch zum Compact Verlag.Benedikt Peters: Verwechslungen. Die guten Menschen vom Compact Verlag. In: Süddeutsche Zeitung, 10. Juni 2018. Seit 2012 veranstaltet die Redaktion eine jährliche „Compact-Konferenz für Souveränität“ zu einem bestimmten politischen oder gesellschaftlichen Thema. Unter der Bezeichnung Compact-Spezial erscheinen seit Februar 2013 monothematische Sonderausgaben mit stark erweitertem Umfang.
Im November 2014 schied Rieger als Gesellschafter und Redaktionsmitglied aus. Er begründete seinen Ausstieg mit der „zunehmend radikal-subjektiven Haltung“ Elsässers, dessen Blatt „rassistische und nationalistische Positionen“ wie Pegida vertrete. Die Position zur Russlandkrise sei „völkisch“. Verschiedene Positionen in dem Blatt zu vertreten, sei nicht mehr möglich.Wolfgang Storz: „Querfront“ – Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks. Otto-Brenner-Stiftung, Frankfurt am Main 2015, , S. 41. Seine Anteile übernahmen die Jumbo-Dienstleistungs GmbH in Hamburg, die nach Umfirmierung und Sitzverlegung als Nordheide Kontor GmbH in Neu WulmstorfAmtsgericht Potsdam, Gesellschafterliste vom 17. November 2014 zu Handelsregisterblatt HRB 24411; Amtsgericht Hamburg, Handelsregisterblatt HRB 108154 mit Gesellschafterliste, beide zuletzt abgerufen am 4. November 2016. residiert, und Mario Rönsch, ein wegen illegalen Waffenhandels verurteilter Thüringer. Letzterer bekam als Gesellschafter beim Compact-Magazin regelmäßig tausende Euro überwiesen. Das geht aus den Kontoauszügen hervor, die in einem Gerichtsverfahren verlesen wurden. Im Januar 2016 überwies ihm das Compact-Magazin fast 40.000 Euro, im Februar 36.000 Euro, im März fast 10.000 Euro, bis November 2016 belief sich der Gesamtbetrag auf mehr als 110.000 Euro.Anna Mayr: Erst hat er Hass geschürt – dann hat er dem Hass Waffen verkauft. Correctiv, 21. Dezember 2018.
Im Januar 2015 erweiterte Compact sein Angebot mit dem YouTube-Kanal Compact-TV. Katrin Nolte moderierte die monatlichen Sendungen. Die gedruckte Auflage von Compact stieg nach Eigenangaben auf etwa 80.000 Exemplare, wovon gut die Hälfte verkauft würden. Das Blatt erhielt ein Darlehen über 100.000 Euro von einem oder mehreren Unbekannten. Seit 2015 werden sogenannte „Compact-Leserreisen“ angeboten, u. a. zu den Themen „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ in die Sächsische Schweiz oder zu „Bildung und Baden“ auf die Krim.Konrad Fischer: AfD: Kasse machen mit den Rechtspopulisten. In: wiwo.de, 11. März 2016. 2017 forderte das Magazin in einem Sonderheft die Freilassung von Beate Zschäpe, der prominenten NSU-Terroristin.
Die Domain der Zeitschrift wurde im Januar 2018 kurzzeitig gepfändet, nachdem sie für Prozesskosten nicht aufgekommen war. Diese waren entstanden, weil der Journalist Richard Gutjahr eine einstweilige Verfügung gegen die ehrenrührigen Verdächtigungen über ihn erwirkt hatte, die Compact verbreitet hatte.„Ich hab dann mal die Domain gepfändet“: Wie sich Richard Gutjahr gegen das umstrittene Compact Magazin wehrt. meedia.de, 23. Januar 2018. Markus Reuter: Öffentlichkeit: Richard Gutjahr lässt Domain von rechtsradikalem Magazin Compact pfänden. netzpolitik.org, 23. Januar 2018. Organe und Verlage wie der für seine Verschwörungstheorien bekannte Kopp Verlag schalten in der Zeitschrift Werbeanzeigen.Erik Peter: Die Stichwortgeber der Rechten: Scheue Angstmacher. In: taz.de, 10. April 2016. Die Kampagne Ein Prozent für unser Land, die sich als „patriotisches Bürgernetzwerk“ darstellt und Spenden für Demonstrationsbündnisse gegen Zuwanderung akquiriert, wird ebenfalls von Compact beworben.André Postert: Sachsen und der intellektuelle Rechtsextremismus. Metapolitik der Neuen Rechten. In: Uwe Backes, Steffen Kailitz (Hrsg.): Sachsen – Eine Hochburg des Rechtsextremismus? Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2020, S. 52.
Der von dem Magazin jährlich vergebene Preis Held des Widerstands ging 2017 an die rechtsextreme Identitäre Bewegung. 2018 wurde ein führender Aktivist der verfassungsschutzrelevanten islamfeindlichen Gruppierung Pegida-Nürnberg ausgezeichnet. Der identitäre Rapper Chris Ares erhielt 2019 den Preis.Verfassungsschutzbericht Bayern 2020, S. 146.
Im Juli 2021 unterlag Compact in einem Prozess vor dem Landgericht Leipzig. Bei Androhung einer Ordnungsstrafe von bis zu 250.000 Euro durfte es von da an seine Behauptung aus der Mai-Ausgabe nicht wiederholen, am Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz würden sich gewaltbereite Gruppen beteiligen.Gericht hat entschieden! Rechtes Magazin unterliegt „Leipzig nimmt Platz“. In: tag24.de, 9. Juli 2021.
Seit September 2021 wurde als zusätzliches Internetangebot von Montag bis Freitag die Nachrichtensendung COMPACT. Der Tag ausgestrahlt.Bundesministerium des Innern, Verfassungsschutzbericht 2021, S. 75 Im September 2022 mussten wegen Urheberrechtsverletzung bezüglich eines Fotos aus der Fernsehserie Babylon Berlin sämtliche Exemplare der Sonderausgabe Babylon Berlin – Historische Hintergründe der großen Kultserie vom Markt genommen werden.Urheberrecht verletzt: Rechtsextremes »Compact«-Magazin darf Heft zu »Babylon Berlin« nicht mehr verkaufen, SPON, 3. September 2022Andreas Speit: Jammern als Identität taz.de, 26. August 2022 Seit Dezember 2023 warb Compact für Spenden für die AfD, unter anderem mit einem Björn-Höcke-Taler. Stand März 2024 wurden laut Kontraste etwa 64.000 Euro Spenden gesammelt. Martina Renner (Die Linke) hielt dies für unzulässige Parteienfinanzierung.rbb-exklusiv: AfD prüft juristische Schritte gegen Compact
Einschätzung durch den Verfassungsschutz Im März 2020 befand der Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz Thomas Haldenwang, das Magazin bediene sich „revisionistischer, verschwörungstheoretischer und fremdenfeindlicher Motive“. Daher werde Compact als sogenannter Verdachtsfall eingestuft. Das Bundesamt konkretisierte einen Monat später, das Blatt pflege Verbindungen zu „eindeutig rechtsextremistischen Bestrebungen“ und verbreite „Pauschalvorwürfe“ gegenüber Migranten und Muslimen; der Islam werde „unterschiedslos negativ gezeichnet“, als „permanente Gefahrenquelle und Bedrohung“, Zuwanderung werde mit „Kriminalität, Terror und Islamisierung“ verknüpft und der Verschwörungsmythos des „Großen Austauschs“ verbreitet. „Diffamierende Beiträge“ etwa über den liberalen Unternehmer George Soros, „antisemitische Verschwörungstheorien“ und ein „revisionistisches Geschichtsbild“ (beispielsweise Kriegsschuldfrage beim Zweiten Weltkrieg) kämen hinzu. Seit Dezember 2021 wird es vom Bundesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Der Brandenburger Innenminister Michael Stübgen sagte im Dezember 2021 gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio: „Diese Plattform der Demokratiefeinde verfolgt ein Ziel und das ist die Zerstörung unserer freiheitlichen Gesellschaft.“ 2022 schrieb das Bundesamt für Verfassungsschutz, die Zeitschrift zähle zu einem Lager innerhalb der Neuen Rechten, das sich „dezidiert israelkritisch“ geriere, „eher in einer antiimperialistischen – und damit beispielsweise propalästinensischen – Denktradition“ stehe und „den ideologischen Hauptfeind viel eher im Liberalismus als im Islamismus“ sehe.Bundesamt für Verfassungsschutz: Lagebild Antisemitismus 2020/21, S. 37. Auch vom Verfassungsschutz Brandenburg wird es als erwiesen extremistisch eingestuft; er schrieb 2023, Elsässer und sein Magazin bedienten „rechtsextremistische Inhalte, Verschwörungserzählungen, Reichsbürgerfantasien und Antisemitismus“.
Gescheitertes Verbotsverfahren Durch Verbotsverfügung vom 5. Juni 2024, bekanntgemacht am 16. Juli 2024, verbot das Bundesinnenministerium unter Nancy Faeser die Compact-Magazin GmbH, die Conspect Film GmbH, alle zugehörigen Kennzeichen und Symbole (Logos) sowie verschiedene Online-Auftritte dieser Gruppe. In Brandenburg, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt wurden Liegenschaften der Firmen, Wohnungen von Akteuren, Geschäftsführern und Anteilseignern durchsucht, um Vermögenswerte und Beweismittel zu beschlagnahmen. Laut dem brandenburgischen Innenminister Stübgen wurden alle Einnahmen konfisziert. YouTube entfernte zwei Kanäle, die mit der Compact-Magazin GmbH in Verbindung standen.
Als Rechtsgrundlage wurde angegeben, diese Unternehmen richteten sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung im Sinne des des Grundgesetzes und des Vereinsgesetzes. Das Bundesministerium schrieb in seiner Pressemitteilung, die Compact-Magazin GmbH verbreite in ihren Publikationen und Produkten „antisemitische, rassistische, minderheitenfeindliche, geschichtsrevisionistische und verschwörungstheoretische Inhalte“. Sie propagiere ein völkisch-nationalistisches Gesellschaftsmodell, das „ethnisch Fremde“ aus dem Staatsvolk ausschließen wolle und agitiere gegen ein pluralistisches Gesellschaftssystem, das die Menschenwürde des Einzelnen achte. Dabei nutze die Compact-Magazin GmbH eine „Widerstands- und Revolutionsrhetorik sowie gezielte Grenzüberschreitungen und verzerrende Darstellungen“. Es sei zu befürchten, Rezipienten der Medienprodukte, die offensiv den Sturz der politischen Ordnung propagierten, würden aufgewiegelt und zu Handlungen gegen die verfassungsmäßige Ordnung animiert. Dem Vereinsverbot seien intensive Vorbereitungen und Kooperationen zwischen Bund und Ländern vorausgegangen.