mini|Eva Maria Welskop-Deffaa (2016) Eva Maria Welskop-Deffaa (* 27. Februar 1959 in Duisburg) ist eine deutsche Volkswirtin, Ministerialdirektorin i. R. Sie gehört seit dem 1. Juli 2017 dem Vorstand des Deutschen Caritasverbandes (DCV) an und wurde am 13. Oktober 2021 zu dessen Präsidentin gewählt.sueddeutsche.de: Welskop-Deffaa neue Präsidentin, 13. Oktober 2021 online Sie wurde am 16. November 2021 offiziell in ihr Amt eingeführt.Deutsche Bischofskonferenz Pressemeldung | Nr. 197 vom 16.11.2021: Bischof Bätzing: „Was unsere Caritas tut, ist unverzichtbar“, abgerufen am 16. November 2021
Leben
Studium und Tätigkeiten Welskop-Deffaa studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) sowie am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz Volkswirtschaftslehre und Geschichte als Stipendiatin der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk. Nach ihrem Studienabschluss (Diplom-Volkswirtin Univ.) war sie zunächst wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte der LMU (Ordinarius Knut Borchardt). Nach einem Postgraduiertenstudium am Europäischen Hochschulinstitut und freiberuflicher Tätigkeit war sie bis 1996 für einen Bundestagsabgeordneten tätig.
Für den Katholischen Deutschen Frauenbund arbeitete sie anschließend als Grundsatzreferentin und war von 1999 bis 2006 für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als Leiterin des Referates Wirtschaft und Gesellschaft tätig.
Von 2006 bis 2012 war Welskop-Deffaa Ministerialdirektorin im Bundesfamilienministerium und Abteilungsleiterin für Gleichstellung und Chancengleichheit unter den Ministerinnen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder. In dieser Funktion veranlasste sie den ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung und damit eine strategische Erweiterung der Gleichstellungspolitik um die Lebensverlaufsperspektive.Mika kritisiert Schröders „Strafaktion gegen eine missliebige Mitarbeiterin“. Deutschlandradio, 18. Juli 2012, abgerufen am 23. Oktober 2012 (Interview mit ehemaligen taz-Chefredakteurin Bascha Mika).
Sie war Vorsitzende des Verwaltungsrates des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (engl.: European Institute for Gender Equality), einer in Vilnius ansässigen europäischen Agentur, die die EU-Länder und -Institutionen – insbesondere die Kommission – in diesem Bereich unterstützt und bis Juni 2012 Vertreterin der Bundesregierung im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit.
Im März 2013 wurde sie erstmals in den ver.di-Bundesvorstand gewählt und im September 2015 bestätigt. Dort war sie bis zum Februar 2017 zuständig für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.verdi.detaz: Ein langer Weg in die Spitze, Welskop-Deffaa Zu ihrem Verantwortungsbereich gehörte die Vertretung der Migranten, der Erwerbslosen und der Schwerbehinderten in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. Darüber hinaus war Welskop-Deffaa mit der Wahrnehmung der Selbstverwalteraufgaben als Arbeitnehmervertreterin im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit und im Vorstand der Deutschen Rentenversicherung Bund betraut. Sie setzte sich für eine Stärkung der Selbstverwaltung in den Sozialversicherungen ein und führte in diesem Aufgabenbereich in der Gewerkschaft ver.di zusammen mit abgeordnetenwatch das Online-Portal Sozialversicherung.watch ein. Es gewährleistet mehr Transparenz und Erreichbarkeit der Selbstverwalter.
Zur Gewährleistung fairer Teilhabechancen von Menschen mit sozialer Benachteiligung aufgrund einer Behinderung unterstützt Welskop-Deffaa in vielen Funktionen eine aktive Teilhabepolitik und die Arbeit der Schwerbehindertenvertretungen.
Schwerpunkte ihrer Vorträge und Veröffentlichungen waren in den letzten Jahren zunehmend Fragen rund um die Arbeitswelt 4.0 und die digitale Transformation. Gemeinsam mit Peter Weiß MdB legte sie das Konzept der Rente 4.0 vor, das die Zukunft der Alterssicherung in der Arbeitswelt 4.0 diskutiert. Im Verwaltungsrat der BA und im Vorstand der Deutschen Rentenversicherung galt ihr Augenmerk besonders der Integration von geflüchteten Frauen und Männern. Seit ihrem Wechsel in den Bundesvorstand des Deutschen Caritasverbandes sind zusätzlich Wohnungsnot, Verfestigung von Armut im Lebenslauf und die Zukunft der Wohlfahrtspflege Themen ihrer Vorträge und Veröffentlichungen.
Ihre Versetzung in den einstweiligen Ruhestand 2012 durch Familienministerin Schröder, für die keine Gründe genannt wurden, wurde von vielen Seiten kritisiert.tagesspiegel.de vom 17. Juli 2012: Kopfschütteln bei den Frauen in der CDURobert Roßmann: Umbau im Familienministerium. Rauswurf der letzten Hoffnung. in sueddeutsche.de vom 16. Juli 2012Sharon Adler: Kristina Schröder schickt Eva Maria Welskop-Deffaa in die Wüste - LandesFrauenRat schickt ihr einen offenen Brief. Beitrag vom 11. Juli 2012 auf AVIVA-Berlin.de, abgerufen am 2. Mai 2020.
Präsidentin des Deutschen Caritasverbands Am 15. November 2016 wurde Eva Welskop-Deffaa als erste Frau vom Caritasrat in den dreiköpfigen Vorstand des Deutschen Caritasverbandes (DCV) gewählt. Zum 1. Juli 2017 übernahm sie als Nachfolgerin von Georg Cremer den Bereich Sozial- und Fachpolitik. Zusätzlich übernahm sie die Verantwortung für die Digitale Agenda des Deutschen Caritasverbandes.Homepage Caritasverband, Am 13. Oktober 2021 wurde sie als Nachfolgerin von Peter Neher als erste Frau in das Amt der Präsidentin des Verbandes gewählt und am 16. November 2021 offiziell in ihr Amt eingeführt.Deutsche Bischofskonferenz Pressemeldung | Nr. 197 vom 16.11.2021: Bischof Bätzing: „Was unsere Caritas tut, ist unverzichtbar“, abgerufen am 16. November 2021
Verbunden mit ihrer Rolle als Caritas-Präsidentin ist Eva Welskop-Deffaa Vizepräsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, im Präsidium und Präsidialausschuss des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge und im Stiftungsrat der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Sie ist Vorsitzende des Aufsichtsrats des Lambertus-Verlags, im Vorstand des Verbands Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK)-Bundesverband und Beraterin der Deutschen Bischofskonferenz in den Kommissionen VI (für gesellschaftliche und soziale Fragen) und XIII (für caritative Fragen). Eva Maria Welskop-Deffaa ist seit November 2021 Mitglied des ZDF-Fernsehrates.
In die 2025 geführte Debatte zum Wehrdienst hat sich Welskop-Deffaa mit der Forderung eingebracht, die Freiwilligendienste zu stärken und mit der Wehrdiensterfassung zu verknüpfen, da soziale Freiwilligendienste zur Krisenresilienz und sozialen Sicherheit beitragen.
Ehrenamtliches Engagement Welskop-Deffaa war lange Jahre (bis 2014) stellvertretende Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, eines Vereins zur Förderung von Frauenstudien in Deutschland mit Sitz in Bonn. Sie initiierte die Ausrichtung des Vereins auf den Förderschwerpunkt Inklusion und verantwortete das bundesweit erste Mentoring-Programm für Studentinnen mit Behinderung. Bis 2017 leitete sie den Steuerungskreis des Hildegardis-Vereins für das vom BMBF geförderte Nachfolgeprojekt „Lebensweg inklusive“ und war Mitglied im Digitalisierungsbeirat des Saarlandes. Welskop-Deffaa war von 2014 bis 2021 stellvertretende Vorsitzende des Beirats des Instituts für Diversitätsforschung der Universität Göttingen und von 2013 bis 2021 Mitgründerin und Mitglied im Aufsichtsrat der Genossenschaft Weltladen ZeichenderZeit in Berlin-Prenzlauer Berg. Sie ist Kassenprüferin von UN Women, Nationales Komitee Deutschland, Bonn sowie Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften (ICS) Münster.
Sie war bis November 2013 Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken für den Sachbereich 3: Grundfragen der Arbeit, der Wirtschaft, der Finanzen und der Sozialordnung (Gesellschaftliche Grundfragen). Unter ihrem Vorsitz entstand die ZdK-Erklärung „Soziale Lebenslaufpolitik. Zukunft wagen in einer Gesellschaft des langen Lebens“.zdk.de Darüber hinaus war sie Mitglied der Leitung des 99. Deutschen Katholikentags 2014 in Regensburg.
Seit Mai 2013 ist sie Mitglied im Bundesvorstand der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands. Sie war 2014/15 Mitglied der CDU-Zukunftskommission „Zusammenhalt der Gesellschaft“, 2016 wurde sie von Peter Tauber in den Bundesfachausschuss Arbeit und Soziales der CDU Deutschlands berufen. Bis 2006/07 war sie aktiv in der Kommunalpolitik – als Ratsfrau in Hürth und als Mitglied des Kreistags des Rhein-Erft-Kreises. Im Rhein-Erft-Kreis war Welskop-Deffaa Vorsitzende des Verkehrsausschusses, im Stadtrat lagen ihre Schwerpunkte in der Schul- und Kulturpolitik.
Seit 2024 ist Eva M. Welskop-Deffaa im Vorstand der Konrad-Adenauer-Stiftung. Bei der Wahl des neuen Vorsitzes der Konrad-Adenauer-Stiftung im Dezember 2025 warb Welskop-Deffaa zusammen mit Thomas Sternberg für Annegret Kramp-Karrenbauer als Kandidatin. Kramp-Karrenbauer konnte sich in einer Kampfabstimmung gegen Günter Krings durchsetzen.
Privatleben Welskop-Deffaa ist verheiratet und Mutter dreier erwachsener Kinder.cyou2011.sexualaufklaerung.de
Ehrungen Die Theologische Fakultät Paderborn gab am 20. Mai 2026 bekannt, dass sie Eva Welskop-Deffaa für ihr herausragendes gesellschafts- und sozialpolitisches Engagement mit der Ehrendoktorwürde (Dr. theol. h.c.) auszuzeichne. In der Begründung hieß es, dass sie „wissenschaftliche Fundierung mit praxisnaher Wirksamkeit in Kirche, Zivilgesellschaft und politischer Öffentlichkeit“ verbindet und als 'Grenzgängerin' gilt, „die akademische Wissensbestände mit politischer Gestaltungskraft verbindet, multiperspektivisch denkt und sich drängenden wie absehbar wachsenden sozialen Fragen zuwendet.“
Am 8. Juli 2026 wurde ihr der Verdienstorden Pro Merito Melitensi des Souveränen Malteserritterordens verliehen. 2026 wurde ihr der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland zuerkannt.Der Bundespräsident Bericht: Bundespräsident verleiht Verdienstorden zum Tag der Deutschen Einheit, abgerufen am 26. September 2026
Publikationen In Publikationen hat sich Welskop-Deffaa mit Fragen der Gleichstellungs- und der Lebenslaufpolitik befasst. Ihr besonderes Augenmerk gilt der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen am Erwerbsleben (soziale Dienstleistungsberufe, Minijobs, gute Arbeit im Privathaushalt) und der Erwerbshybridisierung (dazu erschien im Januar 2018 ein gemeinsam mit Uwe Fachinger und Andrea D. Bührmann herausgegebener Sammelband). Außerdem beschäftigt sie sich mit Fragen der Alterssicherung – gerade auch im Kontext der Digitalisierung („Rente 4.0“) und rechtlichen Rahmenbedingungen von Ehe und Familie (vor allem zum Ehegüterrecht). Weitere Themenschwerpunkte sind „good governance“ (Selbstverwaltung in den Sozialversicherungen) und „Diversity/Vielfalt“, Nichtdiskriminierung und Religionsfreiheit. Für die BAGFW war sie federführend an der Formulierung der gemeinsamen Absichtserklärung „Digitale Transformation und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Organisationsentwicklung der Freien Wohlfahrtspflege unter den Vorzeichen der Digitalisierung“ beteiligt, die am 7. September 2017 von Präsident Peter Neher und Bundesfamilienministerin Katarina Barley öffentlich präsentiert wurde. Anfang 2023 erschien die gemeinsam mit Stephan Rixen im Lambertus-Verlag herausgegebene Publikation Klimasozialpolitik, in der die Autoren die Relevanz des Klimaschutz-Beschlusses des Bundesverfassungsgerichts vom 24. März 2021 für die Gestaltung nationaler und internationaler Dimensionen von Klimasozialpolitik beleuchten.
Veröffentlichungen
Für die Zukunft der Demokratie. In: Hirschberg, Jahrgang 70, Ausgabe 07-08/17, S. 474–478. Rente in der Arbeitswelt 4.0 – neun Thesen. In: Deutsche Rentenversicherung, 1/2017, S. 102–117. Familie. In: Matthias Zimmer (Hrsg.): Grundsätzlich Christlich-Sozial. Beiträge zur Grundsatzdebatte der CDU. Herder 2023, S. 265–280. Chancensicherung für alle Kinder. In: Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, Band 72, Nr. 2 (2023), S. 159–166.