Pregarten ist eine oberösterreichische Stadtgemeinde im Mühlviertel im Bezirk Freistadt mit Einwohnern (Stand ).
Geografie mini|Feldaisttal bei Pregarten Pregarten liegt auf 425 m Höhe im Unteren Mühlviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 10,8 km und von West nach Ost 5 km. Das Zentrum der Stadtgemeinde befindet sich auf einer Anhöhe in der Nähe des Flusses Feldaist. Der Siedlungsbereich von Pregarten grenzt unmittelbar an den der Nachbargemeinden Wartberg und Hagenberg. Die Luftlinie vom Pregartner Stadtplatz zu den Ortszentren der beiden Gemeinden hat eine Länge von jeweils 1,6 km.
Flächenverteilung mini|Stadtplatz Die Gesamtfläche von 27,7 km² wird wie folgt genutzt:DORIS: Pregarten, abgerufen am 11. September 2008
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende 17 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Aist () samt Giemböcksiedlung und Satzingersiedlung Burbach () Gmeinerhof () Greising () Greisingberg () Grünbichl () Halmenberg () Kranzlgarten () Kriechmayrdorf () Meitschenhof () samt Zwieslmayrsiedlung Netzberg () samt Einsiedler Pregarten () Pregartsdorf () samt Hainberg, Pregartsdorf-Zerstreute Häuser und Wiesingersiedlung Reichenstein () Selker () Silberbach () Wörgersdorf () Zainze
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Pregarten, Pregartsdorf und Selker.
Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Freistadt.
Nachbargemeinden
Geschichte Frühgeschichte und Mittelalter Neolithische Funde weisen auf die frühe Besiedlung des heutigen Gemeindegebiets hin. Der Name „Pregarten“ (→siehe unten) lässt auf slawische Siedlungstätigkeit schließen. Im Rahmen der Kolonisation der Gegend durch Mönche aus Sankt Florian ausgehend vom nahe Pregarten gelegenen Wartberg dürfte die Kernsiedlung um den heutigen Stadtplatz entstanden sein, die um 1230 erstmals urkundlich erwähnt wird.Helmut Treu: Geschichte der Marktgemeinde Pregarten. S. 6. Bereits im 13. Jahrhundert verfügte Pregarten über das Marktrecht. Besitzungen am damaligen Dorfgebiet besaßen sowohl das Stift Sankt Florian als auch die Herrschaft Reichenstein. Die Bewohner lebten neben der Landwirtschaft v. a. vom Weberhandwerk.Vgl. Richard Kartusch in: Ortschronik Pregarten. Band 5, S. 56. 1422 wurde Pregarten bei Einfällen hussitischer Taboriten eingeäschert, auch 1424 und 1443 wurde der Ort im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen schwer in Mitleidenschaft gezogen.Alois Scheuwimmer in: Ortschronik Pregarten. Band 5, S. 29–41.
Bis 1800 Großen Zulauf erhielt im 16. Jahrhundert in Pregarten der Protestantismus. 1528 war ein Großteil der Einwohner lutherisch, in der St. Anna-Kapelle predigten protestantische Prädikanten. 1590 erhielt der zum Protestantismus konvertierte Wartberger Pfarrer Urban Dräer in Pregarten Unterschlupf. Der katholische Pfarrer klagte ca. 1650: Ich stand der Pfarre in einer unglücklichen Zeit vor. In der Predigt seind gemainiglich kaumb 20 oder 30 Personen gebliben.Zitiert in: Richard Kartusch in: Ortschronik Pregarten. Band 5, S. 54. 1611 quartierte sich im Ort eine 1.500 Mann starke marodierende Söldnerarmee unter dem wallonischen Oberst Ramee zu Verpflegungszwecken ein, was die örtliche Versorgungslage enorm belastete.Franz Kurz: Schicksale des passauischen Kriegsvolkes in Böhmen, bis zur Auflösung desselben im Jahre 1611, Prag 1831, S. 9 (online [PDF]). 1626, während des oberösterreichischen Bauernkrieges, wurde der Ort von einem etwa 5000 Mann starken Bauernheer unter Christoph Zeller heimgesucht, beschossen und niedergebrannt. Zahlreiche Anhänger gewann ab 1632 im Gebiet zwischen den Gemeinden Pregarten, Gallneukirchen und Luftenberg ein der Reformation nahestehender Luftenberger Prediger, der schillernde Charismatiker Martin Aichinger (vulgo Laimbauer). Mit seinem einige hundert vor allem junge Leute umfassenden Anhang durchzog Laimbauer, der seinen Angaben nach 1635 selbst im Himmel gewesen sein wollte, mehrmals das Pregartner Gebiet, bis er auf Geheiß des Landeshauptmanns 1636 auf dem Frankenberg bei Langenstein nach großem Blutvergießen gestellt und noch im selben Jahr auf dem Linzer Hauptplatz hingerichtet wurde.Obige Angaben aus: Alois Scheuwimmer in: Ortschronik Pregarten. Band 5, S. 45–53. Im Rahmen der Gegenreformation wurde die Bevölkerung wieder überwiegend katholisch. 1644 kam Pregarten zur Herrschaft Freistadt zu Haus.Reinhilde Haas in: Ortschronik Pregarten. Band 5, S. 152. Zu dieser Zeit zählte der Markt 66 Feuerstätten. Im 17. Jahrhundert wurde an der Waldaist das Schloss Greisingberg errichtet. 1784 bekam Pregarten eine eigene Pfarre.
Bis zur Zwischenkriegszeit Während der Napoleonischen Kriege hatte der Markt durch Einquartierungen und Plünderungen durch französische Truppen schwer zu leiden.Helmut Treu: Geschichte der Marktgemeinde Pregarten. S. 10. Bergauf ging es mit dem Ort besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit dem Gemeindegesetz vom 17. März 1849 wurden die Grundherrschaften auf dem heutigen Gemeindegebiet aufgelöst und die drei Gemeinden Pregarten, Pregartsdorf und Selker geschaffen. Die erste Gemeindeversammlung trat am 17. Juli 1850 zusammen, erster Bürgermeister wurde Josef Meisl.Erwin Zeinhofer in: Ortschronik Pregarten. Band 5, S. 131. Um diese Zeit war es noch jedem Hausbesitzer im Ort erlaubt, eine Höchstanzahl von zwölf Schafen zu halten.Richard Kartusch in: Ortschronik Pregarten. Band 5, S. 60.
Doch die Moderne hielt langsam ihren Einzug: 1849 bekam der Ort ein Postamt, 1852 wurden die ersten Laternen zur Straßenbeleuchtung angeschafft, 1853 wurde das Bezirksgericht in Pregarten angesiedelt und im Zuge des Eisenbahnbaus der Strecke Linz-Budweis (siehe: Summerauer Bahn) erhielt Pregarten einen eigenen Bahnhof.Josef Mahr, Geschichte des Marktes Pregarten, S. 168–170. 1868 kam der Ort zum Bezirk Perg, bevor 1903 die Zuteilung zum Bezirk Freistadt folgte. 1872 kam der erste Dampfzug nach Pregarten.Alois Scheuwimmer in: Ortschronik Pregarten. Band 5, S. 145. Um 1900 zählte der Markt 127 Häuser. Während des Ersten Weltkrieges war die Bevölkerung von Lebensmittelmangel betroffen. Die Glocken der 1897 fertiggestellten neuen Pfarrkirche wurden für Kriegszwecke eingeschmolzen.
Im Ersten Weltkrieg fielen 75 Pregartner, 17 wurden als vermisst gemeldet.Helmut Treu: Geschichte der Marktgemeinde Pregarten. S. 10–12. Für verarmte Bürger wurde ein eigenes Versorgungshaus (Haus Nr. 22) unterhalten, welches in der später krisengeschüttelten Zwischenkriegszeit im Jahr 1930 von einem noch größeres Armenhaus abgelöst wurde.Hedwig & Karl Weiß in: Ortschronik Pregarten. Band 5, S. 78.
Zur Zeit des Nationalsozialismus Bereits vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 gab es im Pregartner Raum Propagandaaktionen von Mitgliedern der verbotenen NSDAP. Am 24. Juni 1934 wurde etwa ein sogenanntes Hakenkreuzfeuer in Hagenberg angezündet, das zu einem Waldbrand führte. Nach Niederschlagung des Juliputsches in Österreich im selben Jahr, deckte der Polizeiposten Pregarten eine illegale Ortsgruppe der Hitlerjugend auf. Zwei Tage vor dem Anschluss hielten die Pregartener Nationalsozialisten einen Umzug durch den Ort ab.Obige Angaben aus: Franz Steinmaßl: Hakenkreuz im Hügelland. S. 286f. Die von der NSDAP am 10. April 1938 durchgeführte Volksabstimmung in Österreich zum Anschluss brachte ein eindeutiges Ergebnis: Die Wahlbeteiligung betrug 100 %, alle Stimmen lauteten auf „Ja“ (Stimmen: Pregarten 839, Pregartsdorf 359, Selker 344).Franz Steinmaßl: Hakenkreuz im Hügelland. S. 288. Mit dem Anschluss erhielt der Marktplatz, der erst seit wenigen Jahren Dollfußplatz hieß, die nur wenige Jahre länger währende Bezeichnung Adolf-Hitler-Platz, wo nun Führerreden via Lautsprecher übertragen wurden. Im selben Jahr, am 1. Juli 1938, wurden Pregarten die Gemeinden Pregartsdorf, Selker, Hagenberg, Wartberg und Untergaisbach einverleibt, wodurch die neue Großgemeinde nun 4.853 Einwohner zählte.Franz Buchberger in: Ortschronik Pregarten. Band 5, S. 117.
Die Arbeitssituation verbesserte sich nach dem Anschluss insbesondere durch den Ausbau der Königswiesener Bundesstraße sowie die neuen Arbeitsplätze in den Hermann-Göring-Werken in Linz. 220 Gemeindebürger waren Mitglieder der NSDAP, Bürgermeister dieser Zeit war Ferdinand Fröhlich. 1944 warfen amerikanische Flugzeuge auf dem Rückflug von Linz nach Nordosten über Pregarten mehrmals Bomben ab, die Todesopfer forderten und Sachschäden anrichteten. Zahlreiche Flüchtlinge aus dem Osten drängten zu dieser Zeit durch den Ort, die Volksschule wurde geschlossen und in ihr eine Gemeinschaftsküche eingerichtet, die im Februar 1945 täglich bis zu 1.000 Personen zu verköstigen hatte. Am 3. Mai 1945 zogen erstmals sowjetische Soldaten durch Pregarten, zwei Tage später übergab Bürgermeister Fröhlich den mit weißen Fahnen beflaggten Ort am Bahnhof den Amerikanern. NSDAP-Ortsgruppenleiter Sandhöfer und Fröhlich nahmen sich das Leben.Obige Angaben aus: Hedwig Weiß, Fritz Fellner in: Ortschronik Pregarten. Band 5, S. 79–113. Pregarten hatte im Zuge des Zweiten Weltkrieges 112 Gefallene und 81 Vermisste zu beklagen.
NS-Verfolgung und Verbrechen Die einzige Jüdin Pregartens, die in der Apotheke beschäftigte Sarah Epstein, soll Pregarten 1938 verlassen haben.Franz Steinmaßl: Hakenkreuz im Hügelland. S. 290. Ab 1940 wurden in den Pregartner Landwirtschaften polnische Zwangsarbeiter eingesetzt. In diesem Zusammenhang wird auch von Misshandlungen berichtet.Franz Steinmaßl: Hakenkreuz im Hügelland. S. 299f. 1941 wurden im Rahmen der Aktion T4 die Pregartner Franz Niedermayer (74) und Marie Pfandstätter (26) ermordet.Franz Steinmaßl: Hakenkreuz im Hügelland. S. 293f. Anfang Februar 1945 wurden im Zuge der sogenannten Mühlviertler Hasenjagd mindestens fünf aus dem Konzentrationslager Mauthausen geflüchtete Häftlinge erschossen: Zwei hatten sich in einem Stadel in Meitschenhof versteckt und wurden durch zwei Volkssturmmänner nahe dem Pregartner Bahnhof im Beisein von SS-Angehörigen erschossen. Die Schützen wurden später zu Haftstrafen verurteilt. Zwei weitere Häftlinge wurden in Steinbichl von der SS zwei 15- bis 16-jährigen Hitlerjungen übergeben und von diesen ebenfalls erschossen. Zwei andere Häftlinge wurden nahe der Kriehmühle erhängt aufgefunden.Franz Steinmaßl: Hakenkreuz im Hügelland. S. 304–309. Der Pfarrer von Pregarten notierte über die Geschehnisse dieser Tage in sein Tagebuch: „Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen“. Dieses Zitat verwendete der Regisseur Andreas Gruber für den Titel seines gleichnamigen Films über die so genannte Mühlviertler Hasenjagd.Gastkommentar von Andreas Gruber in der Tageszeitung Die Presse zum 60-jährigen Gedenken der Befreiung des Lagers 2005. Am 28. April 1945 wurde der regimekritische Rauchfangkehrer Johann Hanausek, der bereits 1939 wegen staats- und parteifeindlicher Äußerungen verhaftet gewesen war, von SS-Angehörigen nach Anordnung Bürgermeister Fröhlichs verhaftet und vermutlich ermordet.Ausführliche Dokumentation hierzu: Franz Steinmaßl: Hakenkreuz im Hügelland. S. 295–299. Im April und Anfang Mai 1945 war im Pregartner Pfarrhof ein Militärgericht untergebracht, das aus Wien verlegt worden war. In der kurzen Zeit bis zum Ende des Krieges wurden hier mindestens 500 Fahnenflüchtige zum Tode verurteilt. Vermutlich wurde ein Großteil auch im Raum Pregarten hingerichtet, 1946 wurde ein Massengrab mit 21 Exekutierten in Greising gefunden.Edmund Merl: Besatzungszeit im Mühlviertel. S. 17f.
Besatzungszeit