mini|hochkant=1.2|Mantel aus neuseeländischem Possumfell, geschoren, gefärbt, kroko-geprägte und veloutierte Lederseite (2002) Possumfell ist das Fell des Fuchskusus, auch Possum genannt. Dieses für die Pelzwirtschaft wichtigste und wertvollste Beuteltier Australiens und Neuseelands ist ein etwa mardergroßes Baumtier. Das Fell des Possums wird zu Bekleidung und Pelzdecken verarbeitet, außerdem wird das Haar seit Anfang dieses Jahrtausends kommerziell zu Wolle versponnen.

Die gelbgraue Sorte des Possumfells wurde im Handel früher als Australisch Opossum bezeichnet, die braune Sorte als Tasmanisch Opossum. Dem jetzigen Hauptaufkommen und der heutigen zoologischen Benennung entsprechend wird es nur noch nach dem Ursprungsland (unabhängig von der Färbung) als Neuseeländisches Opossum, besser noch Neuseeländisch Possum, bezeichnet, da für das Tier inzwischen der englische Name Possum anstelle Opossum gebräuchlich ist. Damit kann es sprachlich nicht mehr mit dem erheblich anders aussehenden Opossum Amerikas verwechselt werden.

Das als Ringtail oder Ringtail-Possum (Ringtail-Opossum) bezeichnete Fell (die größten wurden anfangs als „rock-Opossums“ gehandelt) des Ringelschwanz-Kletterbeutlers war nur wenig im Handel, das Tier ist inzwischen geschützt.

Schon bevor die Europäer nach Australien kamen, wurde der Fuchskusu bejagt. Nicht nur das für uns wegen seines Geruchs widerliche Fleisch wurde von den Einwohnern als Delikatesse verzehrt, sie fertigten aus den Fellen einen Überwurf, der viel getragen wurde. Marn Grook hieß ein Spiel der Wurundjeri, bei dem der Ball aus Possumfell gefertigt war. Die Populationen waren durch die einheimische Nutzung kaum bedroht. Die ersten als australisches Opossum bezeichneten Felle kamen als Decken verarbeitet in den Handel, die von den Ureinwohnern angefertigt und an die europäischen Ansiedler verkauft worden waren. Diese exportierten sie in den internationalen Fellhandel.Heinrich Hanicke: Handbuch für Kürschner. Verlag von Alexander Duncker, Leipzig 1895, S. 75. Als im Verlauf der 1870er Jahre Opossum mehr und mehr Mode wurde und die Ausfuhren der Felle Millionenhöhe erreichten, wurden Schonzeiten eingeführt oder der Kusu zeitweilig ganz unter Schutz gestellt. Neben der Verwendung zu Pelzinnenfuttern, Besätzen, Pelzkrawatten, Pelzmützen und Muffen wurden die Felle um 1900 insbesondere in Russland zu Herrenpelzen verarbeitet. Aus den Possumschweifen wurden bevorzugt Herrenkragen hergestellt.

Bis in die 1990er Jahre wurden die naturgrauen Possums als australische Opossum, die naturbraunen als tasmanische Opossum gehandelt. Die letzten Jahrzehnte kamen aber praktisch keine australischen Possums mehr auf den Markt, fast das gesamte Aufkommen stammte aus Neuseeland von ursprünglich aus Tasmanien eingeführten Tieren. Kamen Possumfelle bis Ende des 20. Jahrhunderts hauptsächlich über Auktionen auf den Weltmarkt, werden sie heute in der Regel freihändig gehandelt. Sammler kaufen die Felle von den Jägern auf, um sie dann vorsortiert weiter an den internationalen Großhandel abzugeben.

In Neuseeland wird das Tier inzwischen wegen seines massenhaften Auftretens und der angerichteten Schäden, zum Beispiel in der Landwirtschaft und in Gärten, als Schädling angesehen. Auf Grund der deshalb betriebenen Bejagung fallen in großer Menge Possumfelle an, zeitweilig wurde die Jagd sogar staatlich subventioniert. Bis etwa 2005/2006 wurde deshalb ständig nach Absatzmöglichkeiten für die nicht ausreichend nachgefragten Felle gesucht, dann brachen die Lieferungen schlagartig ab, seit Ende 2007 wird der Artikel in geringerem Umfang und zu gestiegenen Preisen wieder angeboten. Der Grund ist, Possumhaar wird inzwischen zu besonderen Garnen versponnen, der Preis für die Wolle ist offenbar so hoch, dass sich der Aufwand für das Aus- und Nachsortieren der pelzgeeigneten Felle nicht mehr rentiert, beziehungsweise es am Pelzmarkt nur in kleinem Umfang möglich ist, einen für die Sammler attraktiveren Preis durchzusetzen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis nach dem Ersten Weltkrieg war das weiche Possumfell ein bevorzugtes Fellmaterial für Herren, insbesondere als Schalkragen auf Gehpelzen und für Sportjacken. Der Rauchwarenhändler Jury Fränkel (1899–1971) erinnerte sich, dass um 1910 auf der Eisenbahnfahrt zum Pelzhandel auf der Irbit-Messe im kalten Sibirien die Reisenden eine sogenannte Dochá dabei hatten, einen Fahrpelz, meist ein Fohlenmantel, der mit Australischem Opossum gefüttert war.Jury Fränkel: Einbahnstraße - Bericht eines Lebens, erster Teil. Rifra Verlag, Murrhardt, 1971, S. 33. 1902 wurde als letzte Neuheit für den Herrn ein Sportpaletot aus Seehundfell angepriesen, mit kurzem, schwarzem, glänzendem Haar, mit Stoff gefüttert und Besätzen von opossum-australienne, und wenn gewünscht auch die Gamaschen.Anna Municchi: Der Mann im Pelzmantel. Zanfi Editori, Modena 1988, S. 32. ISBN 88-85168-18-3. 1914 empfahl ein Fachbuch den unvergleichlich leichten Pelz als den dankbarsten Reiseanzug für praktische Männer. Als Besatz an Mütze und Kragen kleidet er namentlich blonde Frauen ausgezeichnet.H. Werner: Die Kürschnerkunst. Verlag Bernh. Friedr. Voigt, Leipzig 1914, S. 100. Im Westen der USA fertigte man um 1936 Männerjacken, die zusätzlich mit Lammfell ausgefüttert waren. Sie wurden zur Jagd und bei der Arbeit im Freien getragen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren neben ähnlich gearbeiteten Fellmaterialien vor allem mit Lederstreifen gemixte Possumpelze in Deutschland en vogue. Die aufwändige Näharbeit wurde meist in Billiglohnländern, wie Korea, gefertigt. Hauptsächlich mit der Lederseite nach außen getragen ergab das besonders leichte und trotzdem warme Damenwintermäntel oder -jacken, die in erheblicher Stückzahl verkauft wurden. Vielfach wurden mit farbigen oder metallic-beschichteten Lederstreifen besondere Ornamente erzeugt. Die Musterung blieb jedoch sehr charakteristisch, irgendwann war die modebewusste Kundin es offenbar überdrüssig und das Possumfell geriet weitgehend in Vergessenheit.

Derzeit wird Possum, verglichen mit dem Hauptartikel der Pelzmode, dem Nerz, in und für Europa nur in sehr geringer Menge verarbeitet. Wichtige Importländer für das Fell waren zuletzt Korea und China (Stand 2014). Einige deutsche Kürschner haben als Marktnische geschorene, nappierte Possumjacken, insbesondere für Herren, entdeckt. Bei den Felldecken hat Possum wegen seiner wertigen Optik und des angenehm weichen Haars jedoch traditionell einen hohen Marktanteil, außerdem neigt es verglichen mit anderen langhaarigen Fellen kaum zum Haaren.

Der Haltbarkeitskoeffizient für das Possumfell wird mit 50 bis 60 Prozent angegeben, für die seinerzeit über Adelaide gehandelten 30 bis 40 Prozent; für das einmal als Ringtail(-Opossum) im Handel gewesene Fell 40 bis 50 Prozent.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Pelzzurichtung und Pelzveredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Paul Schöps; H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle. In: Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58. An entsprechend beanspruchten Stellen neigt das weiche, leicht krause Haar zum Verfilzen. Bei einer Einteilung der Pelzarten in die Haar-Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Possumhaar als mittelfein eingestuft.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung - Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40 (Anmerkung: fein (teils seidig); mittelfein (teils fein); gröber (mittelfein bis grob)).

Eigenschaften des Fells verschiedener Possum-Arten

Das Fell des Gewöhnlichen Fuchskusu ist etwa 32 bis 58 Zentimeter lang, der behaarte Schwanz 24 bis 35 Zentimeter. Das Haar ist außerordentlich weich, das Oberhaar sehr fein, leicht gekräuselt, sehr dicht und nur wenig länger als die Unterwolle. Die Färbung ist blaubraun bis braun mit blassrötlichem Schimmer. Die Wamme ist hell ockergelb, die Schwanzspitze ist schwarz. Das Tasmanische Possum oder Dunkler Fuchskusu, Dunkles Possum, Black Tasmanian Possum ist eine charakteristische Unterart mit einem teilweise schwärzlichen Grotzen (Rückenmittelfärbung). Der Hundskusu oder Bobak (Bobuck) hat einen grauschwarzen Grotzen und eine dem übrigen Rückenfell gleichfarbige Unterseite.

Der Gewöhnliche Ringbeutler, Fellbezeichnung Ringtail, Ringtail-Possum, steht zoologisch dem Possum nahe (nicht zu verwechseln mit dem früher ebenfalls als Ringtail gehandelten Fell des Katzenfretts, siehe Bassariskfell). Er lebt in verschiedenen Unterarten in Australien. Das Fell ist 19 bis 45 Zentimeter lang, der unbehaarte Greifschwanz 17 bis 35 Zentimeter. Die Ohren sind kurz; Kennzeichen sind die weißen Ohrbüschel und die weiße Schwanzspitze. Die Behaarung ist kurz, fein und dicht. Die Färbung ist hellgrau, dunkelgrau oder schwarzbraun, oft mit dunklem Aalstrich, die Wamme ist weißgraugelblich. Die besten Sorten sind intensiv „blau“ (= fachsprachlich für bläulich dunkel). Hell „blaue“ Felle waren teilweise als Sydneys im Handel. Meist wurden die Felle mit in die Possumpartien sortiert.

Die Art ist heute, wie alle in Australien lebenden Possums, streng geschützt.

Handel Possumfelle kamen erstmals nach 1860 zur Anlieferung. Zwischen 1860 und 1870 wurden nur einige zehntausend Felle angeboten. Das stieg bis 1906 auf 4 Millionen und ging bis 1950 auf 1,5 Millionen zurück. 1988 waren praktisch keine tasmanischen Felle mehr auf dem Markt. Jury Fränkel’s Rauchwarenhandbuch von 1988 nennt das australische Possum als streng geschützt, bemerkt aber einschränkend, „dass kaum noch Felle aus Australien angeboten werden. Das gilt auch für die tasmanischen Opossums“. Australische Possums dürfen mit einer Ausnahmegenehmigung des Parks und Wildlife Service gefangen werden, die IUCN listet im Jahr 2000 einige Arten als nicht gefährdet (least concern), andere als potentiell gefährdet (near threatened).

Australien mini|Frauen-Autopelz aus Australischem Possum (Paris 1902)

Die Verbreitung des Fuchskusu erstreckt sich hauptsächlich auf die östliche Hälfte seines Heimatkontinents, also auf die Staaten Queensland, Neusüdwales, Viktoria, Süd-Australien, außerdem auf die Insel Tasmanien. Die Größe des Verbreitungsgebiets mit ihren unterschiedlichen klimatischen und landschaftlichen Verschiedenheiten hat auch Unterschiede in Bildung und Struktur des Haarkleids hervorgebracht. Die besseren Sorten kommen aus dem Süden, dem kälteren Teil des Kontinents, vor allem aus Victoria und Tasmanien, während der Norden (zwischen 10. und 20. Grad nördlicher Breite) kleinere und flache Felle hervorbringt. Diese sind jedoch immer noch weich und dicht in der Behaarung mit dem für das australische Possum typischen gekräuselten Deckhaar.

In der Färbung bestehen zwischen den einzelnen Herkommen recht erhebliche Abweichungen. Zwischen dem besonders dunklen, blaugrauen bis rot- bis schwarzbraunen tasmanischen Possum, dem meist blaugrauen Mountains- oder Gebirgspossum aus Viktoria und den graurötlichen aus Neusüdwales gibt es viele Übergänge, nicht nur in der Rückenfärbung, sondern auch in den hellen Tönungen der ocker- bis weißlichgelben Wamme und dem hell- bis dunkelgrauen, oft rötlich schimmernden Kopf.