Uluborlu ist eine Kleinstadt an der Fernstraße D 320 und Hauptort des gleichnamigen Landkreises in der türkischen Provinz Isparta. Der Landkreis ist der zweitkleinste Landkreis der Provinz und liegt in ihrem Nordwesten. Er grenzt im Osten an den Kreis Senirkent, im Südwesten an den Kreis Atabey und im Süden an die Kreise Gönen und Keçiborlu. Im Nordwesten bildet die Provinz Afyonkarahisar (Kreis Dinar) die Grenze. Der Kreis besteht neben der Kreisstadt aus vier Dörfern (Köy): Dere (317), Küçükkabaca (279), İleydağı (263) und İnhisar (107 Einw.).
Lage Die Stadt Uluborlu liegt 35 km nördlich der Provinzhauptstadt am Südwestende der Gençali Ovası, einer langgestreckten breiten Talschaft am Nordwestende des Eğirdir-Sees zwischen den Ausläufern des Karakuş Dağı im Norden und des Barla Dağı im Süden unterhalb der Nordwestabdachung des 2463 m hohen Kapı Dağı an der Mündung des kleinen Şehir Çayı in den Pupa Çayı, der 30 km weiter östlich in den Eğirdir-See mündet. Die antike Vorläufersiedlung auf durchschnittlicher Höhe von 1100 m wurde auf einem Sporn der Yuvacça Yaylası des 2463 m hohen Kapı Dağı errichtet, eines Ausläufers des Taurus-Gebirges. Das regelmäßige Straßennetz in der Ebene deutet auf eine jüngere planmäßige Neuanlage.Entsprechende Angaben zur Stadtstrukturierung (1/5000 ölçekli nazım imar planı plan notları / 1:50500 Stadtentwicklungsplan - Uluborlu) finden sich im Internet unter: „nazim-imar-plani-plan-aciklama-raporu-20200710133949“. Der Ort wurde nach 1950 in die nördlich vorgelagerte Ebene verlegt. Die weitgehend ruinierte und verlassene Altstadt erstreckt sich an den Flanken des tief eingekerbten Şehir Çayı (Stadtbach) sowie mit ihrem Kern- und Burgbereich auf dem 1000 m langen und 250 m breiten Selcuklu-Hügel, der an drei Seiten steile Klippen aufweist und nach Süden zum Kapı Dağı hin kräftig ansteigt. Dadurch war der Zugang zur einst befestigten antiken Altstadt nur von einem weniger steilen Hang im Südwesten möglich. Die Stadt liegt an einer alten Handelsroute zwischen Ost- bzw. Zentralanatolien und Westanatolien, die allerdings heute eher bedeutungslos ist. Bemerkenswert ist ihre Lage am Rande einer sehr breiten und bewässerten fruchtbare Ebene, die im Laufe der Geschichte immer entsprechende Attraktivität für Siedler hatte.
Klima in der Region Uluborlu Die Sommer sind heiß und trocken, die Winter kalt und regnerisch. Die durchschnittliche Jahres-Temperatur liegt bei 11,6 °C, die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit bei 59,2 %, die niedrigste Temperatur des Jahres bei −12,1 °C und die höchste bei 34,6 °C. Der Mittlere Jahres-Niederschlag beträgt 564 mm. Es regnet hauptsächlich in den frühen Frühlings- und Herbstmonaten. Dabei kommt der Regen hauptsächlich aus westlichen und südlichen Richtungen. Die meisten Niederschläge fallen im Dezember (83,3 mm) und Januar (92,7 mm). Niederschlagsfrei sind die Monate Juli und August bei maximalen Temperaturhöhen von im Mittel 32 °C. Die moderatesten Temperaturen liefern die Monate September und Oktober (Mittlere Maximalwerte zwischen 27 °C und 20 °C) sowie April und Mai (Mittlere Maximalwerte zwischen 16 °C und 22 °C, wobei dann leichte Nachtfröste nicht auszuschließen sind). Allerdings fallen dort zu dieser Zeit Niederschläge im Mittel über 50 mm an mehr als 6 Tagen, wobei die Tage immerhin 13 bis 14 Stunden Sonnenschein bieten. Mit winterlichen Frösten von durchschnittlich 0 bis −4 °C kann man zwischen November und März rechnen.
Wirtschaft im Kreis Uluborlu Neben städtischem Handwerk steht in Stadt und Kreis Uluborlu die Pflanzenproduktion, vorrangig Bewässerungswirtschaft, an erster Stelle der Einkommensquellen. Nach dem Bau des Uluborlu-Staudamms (siehe unten) im Jahr 1977 wurde die Obstproduktion nach modernen Methoden begonnen. In der Regel werden Früchte, wie Äpfel, Kirschen, Quitten und Birnen, angebaut. Die Kirschenproduktion hat dabei im Kreis einen sehr wichtigen Platz im Obstbau. Im Landkreis wachsen 17 Kirschenarten. Das Hauptmerkmal der Uluborlu-Kirschen ist ihre Qualität, ihre lange Haltbarkeit und ihr besonderer Geschmack. Sie werden jedoch nicht im Inland verkauft, sondern wegen ihrer hohen Qualität vollständig in ausländische Märkte exportiert. Dabei geht ein bedeutender Teil der Uluborlu-Kirschen, deren Produktion vor 30–35 Jahren begann, in europäische Länder, wie Großbritannien, Deutschland, die Niederlande und Belgien. Ein entsprechendes "Kirschen-Fest" findet in der Kirschensaison je nach Kirschernte zwei Tage lang in der letzten Juniwoche bzw. in der ersten Juliwoche statt. Die traditionelle Viehhaltung ist eher zurückhaltend und weitgehend nur im dörflichen Umland der Stadt verbreitet. Die Direktion für Ernährung, Landwirtschaft und Viehzucht nennt 69 Erzeuger mit 173 Arbeitskräften, die sich um 1827 Rinder und 15.013 Stück Kleinvieh (Schafe) kümmern.
Uluborlu-Talsperre links|mini|Die kleine Talsperre am Pupa Çayı im Hinterland von Uluborlu entstand zwischen 1977 und 1984 für den Hochwasserschutz und zur Bewässerung von 1808 Hektar in der Gençali Ovası bei Uluborlu. Der zwischen 1977 und 1984 für die Bewässerung und den Hochwasserschutz am Pupa Çayı bei Isparta gebaute Uluborlu-Damm staut mit einem Erddamm eine Kleintalsperre im Südwesten des Kreiszentrums Uluborlu. Er sammelt die Gewässer von Şalgamlık, Karatavuk und Kuruçay. Seine Höhe vom Bachbett ist 75 m, das Stauvolumen bei normaler Wasserhöhe beträgt 21.400.000 m³, und die Seefläche bei normalem Wasserstand liegt bei 1,25 km². Der Damm bietet Bewässerungsdienste auf einer Fläche von 1.808 Hektar. Der Stausee ist direkt mit Überlaufkanälen verbunden und bewässert ein landwirtschaftliches Gebiet im Bezirk Uluborlu von 2.454 ha, wo im Obstanbau vor allem Apfel-, Süß- und Sauerkirschplantagen bewässert werden.
Einblicke in die Geschichte der Stadt Uluborlu Die Stadt hieß im antiken Pisidien Mordiaum bzw. später Apollonia, wurde 334 v. Chr. von Alexander dem Großen kontrolliert, kam 281 v. Chr. an das Seleukidenreich und blieb zwischen 183 und 133 v. Chr. in den Händen des Königreichs Pergamon, ehe sie 130 v. Chr. an die römische Provinz Kilikien und später an die Provinz Asia fiel. Apollonia war eine wichtige Station an der von Kaiser Augustus errichteten Militär- und Handelsstraße "Via Sebaste", die von Olbasa über Kremna nach Antiochia (Antakya) führte. 39 bis 25 v. Chr. kam Apollonia kurzfristig unter die Herrschaft des galatischen Königs Amyntas, wurde nach Ende des Römischen Reiches byzantinisch und von Domitian, dem Herrscher zu Antiochia (Antakya), im 5. Jahrhundert nach dem hier lebenden Heiligen Zozimus in Sozopolis umbenannt.
Als Heerführer unter dem Großseldschuken-Sultan Malik Schah I. hatte Süleyman Schah (Suleiman ibn Kutalmiş), der Gründer des Sultanats von Rum, 1074 Antiochia und 1075 die byzantinischen Städte Nicäa (İznik) und Nikomedia (İzmit) von den Byzantinern erobert und wurde Herrscher über die nordwestlichen Provinzen des Seldschukenreiches (1077–1086), Dabei fiel nach einem Vertrag mit Byzanz, das den Überfällen durch Süleyman Schah nicht widerstehen konnte, auch die Stadt Sozopolis 1074 in die Hände der Türken. Bereits vorher hatten sich Cuman-Kipchak-Türken, die als Söldner in der byzantinischen Armee dienten, in Uluborlu angesiedelt. Sie gaben dem Ort den Namen Borlu (von Bor), da sie zur Fraktion Bor gehörten, einem der sechzehn Stämme der Kipchak-Türken. Der Name wurde später ins osmanische Uluborlu umgewandelt. Im städtischen Museum von Uluborlu gibt es viele ethnografische und archäologische Ausstellungsstücke aus der Gründungszeit der seldschukischen Stadt auf einem felsigen steilen Hügel am Rande des Kapı Dağı mit Blick auf die ausgedehnte Ebene der Gençali Ovası. Uluborlu blieb fast ein halbes Jahrhundert in Händen der Türken. Zwischen 1119 und 1120 organisierte der byzantinische Kaiser Joannes Komnenos II. einen Feldzug, um die nach Westanatolien drängenden turkmenischen nomadischen Massen aufzuhalten. Er selbst führte zusammen mit dem Kommandanten Paktiarios einen erfolgreichen Angriff, um Uluborlu zurückzuerobern, woraufhin die Türken Uluborlu/Szopolis aufgaben.
Nach der Schlacht von Myriokephalon (1176, möglicherweise Dorf Kırkbaş im Kreis Yalvaç, Provinz Isparta, wahrscheinlich aber der Ort Yenice Sivrisi am Eğirdir Gölü bei Kemer/Kreis Gelendost, Provinz Isparta) kamen Uluborlu und seine Umgebung unter Kılıç Arslan II. 1180 wieder unter seldschukische Herrschaft, und die Stadt, in der sich eine geschäftige mittelalterliche türkische Stadtstruktur entwickelte, wurde mit der Gründung des Hamitoğulları-Beyliks durch Dündar Bey 1182 an der Grenze zu Byzanz als Zentrum einer seldschukischen Provinz ausgebaut, die sich bis Kütahya und Eskişehir erstreckte. In der aus Sicherheitsgründen stark befestigten Burg wurden seldschukische Erbfürsten zu Gouverneuren ausgebildet und als solche überall im Staate eingesetzt. Als der seldschukische Sultan Kılıçarslan II. das Land unter seinen elf Söhnen aufteilte, übertrug er diese Region von Uluborlu an Gıyaseddin Keyhüsrev I., den er künftig an seiner Stelle als Regent ernannte. Gıyaseddin Keyhüsrev und Alaaddin Keykubad waren gut ausgebildete Gelehrte. Viele Medresen und soziale Einrichtungen entstanden zu ihrer Zeit, so dass Wissenschaftler, Künstler und Dichter nach Uluborlu strömten. So wurde Uluborlu ein wichtiges Wissenschafts- und Kulturzentren.
1361 ging Uluborlu an den jungen osmanischen Staat. Als es 1403 von Timur erobert worden war, wurden zur Bestrafung der Bewohner wegen ihrer Widerstände alle Männer getötet, Frauen und Kinder versklavt und die Burg bis auf die Grundmauern zerstört. Die Stadt behielt dennoch ihre Bedeutung insbesondere im 15. und 16. Jahrhundert bei und stach unter den damaligen osmanischen Städten mit ihrer Bevölkerung und anderen wichtigen Merkmalen, wie aktiven Handwerksbetrieben und der damit verbundenen Ahi-Tradition (siehe unten), hervor und konnte über viele Jahre ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedeutung bewahren. Damals war Uluborlu ein Kaza (Kreis, İlçe) im Sandschak Hamid (Isparta) der Provinz Anadolu (Anatolien). Bei der ersten Volkszählung 1831 gehört der Ort weiterhin zum Sandschak Hamid. Nach einem Großbrand 1909/1911 (hier widersprechen sich die Quellen), bei dem große Teile der Stadt zerstört wurden, kam die Idee auf, Uluborlu auf ein Gebiet namens Musluk an den Rand des vorgelagerten Beckens zu verlegen, was aber erst während der republikanischen Zeit möglich wurde. Die damalige Entscheidung wurde 1935 umgesetzt und mit der Gründung der neuen Stadt begonnen, die nach 1950 endgültig in die Ebene verlegt war. Vor 1924 hatte Uluborlu als Kaza (Kreis) im Sandschak Hamit zur Provinz Konya gehört. Davor war es nur ein Bezirk der Provinz Isparta. Eine Stadtverwaltung bekam der Ort 1963.
Die Ahi-Bruderschaft in Uluborlu Die Ahi-Bruderschaft (Ahilik) ist eine Organisation, die von Ahi Evran (Sheykh Nasreddin Abul Hakayik Mahmud bin Ahmed al-Hoyi, volkstümlich Ahi Evran-veli oder Ahi Baba, 1169–1261), einem Bektaschi-Prediger aus Khoy (Persien), auf Anraten von Hacı Bektaş-ı Veli gegründet wurde. Es ist eine Organisation, die verschiedene Berufsgruppen von Handwerk, Handel und Wirtschaft u. a. in Anatolien organisierte, sie ökonomisch wie moralisch ausbildete und ihr Arbeitsleben mit eigenen Regeln formte. Diese Bruderschaften hatten eine Funktion ähnlich den Handwerks-Gilden mit einer sozio-ökonomischen Ordnung, in der sich Tugenden, wie Moral, Gerechtigkeit, Brüderlichkeit, Nächstenliebe usw. verbanden.