Quecksilber-Mangan-Sterne oder auch HgMn-Sterne sind blauweiße Sterne mit Besonderheiten im Spektrum ihres ausgestrahlten Lichts. Sie sind nahe verwandt mit den Ap-Sternen; beide Sternenklassen gehören zu den Chemisch-Pekuliären Sternen, den CP-Sternen.
Die HgMn-Sterne zeigen starke Überhäufigkeiten von Hg, Mn (Namensgebung), P, Ga, Br, Sr, Y, Zr, Rh, Pd, Xe, Pr, Yb, W, Re, Os, Pt und Au sowie ausgeprägte Unterhäufigkeiten von He, Al, Zn, Ni und Co. Der Spektraltyp der HgMn-Sterne ist ein spätes B.O. Kochukhov, V. Makaganiuk, N. Piskunov, S. V. Jeffers, C. M. Johns-Krull, C. U. Keller, M. Rodenhuis, F. Snik, H. C. Stempels, J. A. Valenti: Are there tangled magnetic fields on HgMn stars? In: Astronomy & Astrophysics. Vol. 554, A61, 2013, doi:10.1051/0004-6361/201321467, S. 1–12, . Einige Elemente zeigen stark abweichende Isotopenverhältnisse, die aber sehr individuell für jeden Stern sind.
Die Quecksilber-Mangan-Sterne rotieren für ihre frühe Spektralklasse sehr langsam, mit einer durchschnittlichen – für die projizierte Bahnneigung korrigierten – Geschwindigkeit v∙sin i von bis zu 30 Kilometern pro Sekunde. Dabei fällt die Häufigkeit der HgMn-Sterne mit ansteigender Rotationsgeschwindigkeit stark ab.
Mehr als zwei Drittel aller Quecksilber-Mangan-Sterne gehören zu den spektroskopischen Doppelsternen mit Bahnperioden zwischen drei und zwanzig Tagen.
Auch bei den Quecksilber-Mangan-Sternen sind die Elemente auf der Sternoberfläche nicht gleichmäßig verteilt. Das Quecksilber liegt wahrscheinlich am Äquator konzentriert vor. Andere Elemente wie das Ti, Cr, Fe, Mn, Sr, Y, und Pt dagegen liegen eher wie bei den Ap-Sternen als Flecken irgendwo auf den Hemisphären der Sterne vor. Dies wird meist mit einem Magnetfeld auf der Oberfläche der Sterne in Verbindung gebracht. Die Quecksilber-Mangan-Sterne haben ausgesprochen schwache Magnetfelder mit Flussdichten von höchstens einigen Millitesla, während die magnetische Flussdichte bei den Ap-Sternen einige hundert Millitesla erreicht.S. Hubrig, J. F. Gonzalez, I. Ilyin, H. Korhonen, M. Schoeller, I. Savanov, R. Arlt, F. Castelli, G. Lo Curto, M. Briquet, T. H. Dall: Magnetic fields of HgMn stars. In: Astronomy & Astrophysics. Vol. 547, A90, 2012, doi:10.1051/0004-6361/201219778, S. 1–24, .
Vertreter Folgende Tabelle zeigt eine Auswahl von Vertretern dieser Sternenklasse nach ihrer scheinbaren Helligkeit:K. Yüce, S. J. Adelmann: Elemental Abundance Analyses with DAO Spectrograms. XXXIV. A Three-Dimensional Graphical Examination of the Elemental Abundances of the Mercury-Manganese and Metallic-Line Stars. In: Publications of the Astronomical Society of the Pacific. Vol. 126, 2014, doi:10.1086/676335, S. 345–358 .
NameBayer oder Flamsteed-BezeichnungSpektraltypAngaben zu Name, Spektraltyp und Helligkeit aus SIMBAD.scheinbare HelligkeitElnathβ TauriB7 IIIp1,6 magAlpheratzα AndromedaeB8 IV-V2,0 magGienah Corviγ CorviB8 III2,6 magμ LeporisB9 IV3,3 magMaia20 TauriB8 III3,9 magχ LupiB9 IV4,0 magMulipheinγ Canis MajorisB8 II4,1 magφ HerculisB9 V4,2 magπ1 BootisB9 IIIp4,5 magυ HerculisB9 III4,7 magET Ursae Majoris AA0 sp4,9 magι Coronae BorealisB9 IIIp5,0 magκ CancriB8 IIIp5,2 mag112 Herculis AB9 II-IIIp5,4 magν CancriA0 III5,5 mag53 TauriB9 V5,5 magκ2 VolantisB9/A0 IV5,6 mag28 HerculisB9,5 III5,6 mag14 SagittaeB9 mnp5,6 mag21 PegasiB9,5 V5,8 magDabih Minorβ2 CapricorniB9/A0 III-IV6,1 mag
Siehe auch Am-Stern Lambda-Bootis-Stern
Einzelnachweise
Kategorie:Sternklasse der Pekuliären Sterne