mini|László Csatáry (1943) mini|Csatárys 1948 ausgestellter deutscher Ausweis als Staatenloser
László Csatáry [] (auch Ladislaus Czizsik-Csatáry []; * 4. März 1915 in Mány, Österreich-Ungarn; † 10. August 2013 in Budapest) war ein ungarischer Polizeioffizier und 1948 in der Tschechoslowakei in Abwesenheit zum Tode verurteilter NS-Kriegsverbrecher. Im Jahre 2012 setzte das Simon Wiesenthal Center ihn auf Platz eins seiner Liste der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher. Im Juli 2012 wurde er in Ungarn aufgespürt und verhaftet.
Leben Csatáry war Polizist und während des Zweiten Weltkriegs 1941 in Kecskemét, 1942 in Subotica und ab 1943 in Kassadiese Einsatzorte nennt der in Szeged lehrende ungarische Historiker László Karsai. Siehe Nick Thorpe: Laszlo Csatary: Is Hungary's Nazi suspect worth pursuing?, BBC news, 17. Juli 2012 eingesetzt.
Im April 1944 war Csatáry als Kommandant der Königlichen Ungarischen Gendarmerie in Kaschau (slowakisch: Košice, ungarisch: Kassa) für das in einer Ziegelfabrik eingerichtete Ghetto zuständig, in das die Juden aus den ländlichen Regionen des Komitats Abaúj-Torna gewaltsam verschleppt wurden.Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Band 1, S. 290 Kassa ist eine Stadt in der Ostslowakei nahe der Grenze zu Ungarn und gehörte vor 1918 und seit dem Ersten Wiener Schiedsspruch 1938 wieder zu Ungarn. Die Ghettoisierung der Juden der Stadt Kassa und der Region wurde unter dem Befehl des Bürgermeisters von Kassa, Sándor Pohl, von dem Polizeichef Györgyi Horváth und dessen Stellvertreter Csatáry durchgeführt.Randolph L. Braham: The politics of genocide. The Holocaust in Hungary., S. 546. Bei Braham kommt Csatáry nur an dieser Stelle vor. Csatáry wird als willfähriger Helfer Adolf Eichmanns für die Deportation von 15.700 Juden nach Auschwitz verantwortlich gemacht. Nach der militärischen Besetzung Ungarns durch deutsche Truppen hatte das Eichmann-Kommando mit Unterstützung der ungarischen Verwaltung und Gendarmerie unter der Regierung von Döme Sztójay und dem Staatsoberhaupt und Reichsverweser Miklós Horthy ab April 1944 über 400.000 Juden in der ungarischen Provinz ghettoisiert und in deutsche Konzentrationslager deportiert.
1948 wurde Csatáry in der Tschechoslowakei von einem Kriegsgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Die Tschechoslowakei schaffte 1990 die Todesstrafe ab, was von den Nachfolgestaaten Tschechien und Slowakei übernommen wurde.
Csatáry floh 1949 mit einem jugoslawischen Pass nach Kanada, wo er sich in Montreal als Kunsthändler betätigte. 1955 wurde er eingebürgert. 1997 wurde ihm die Staatsbürgerschaft wieder entzogen, da er in seinem Antrag auf Einbürgerung falsche Angaben gemacht hatte. Daraufhin verließ er das Land, und es wurde ein Einreiseverbot gegen Csatáry verhängt. Im Juli 2012 berichtete die britische Tageszeitung Sun, dass er in Budapest aufgespürt worden sei.Brian Flynn, Ryan Perry: The Sun finds Nazi who sent 15,700 to die In: The Sun, 15. Juli 2012, englisch, abgerufen am 16. Juli 2012 Am 18. Juli 2012 wurde Csatáry in Budapest verhaftet und zunächst unter Hausarrest gestellt, da keine Fluchtgefahr bestand.DPA-Meldung in Die Zeit: In: Die Zeit, 18. Juli 2012 Am 18. Juni 2013 erhob die ungarische Justiz Anklage wegen Beihilfe zur Tötung Tausender Juden im Zweiten Weltkrieg.Ungarischer NS-Polizeichef wegen Kriegsverbrechen angeklagt, Zeit Online, 18. Juni 2013Laszlo Csatary: 98-Jähriger in Ungarn wegen Nazi-Kriegsverbrechen angeklagt
Csatáry stand auf der Suchliste der Operation Last Chance des Simon Wiesenthal Centers und der Targum Shlishi Foundation.
Literatur Robert Rozett: Košice. In: Encyclopedia of the Holocaust. Band II, 1990, S. 820–821. Kassa. In: Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Band 1. Jerusalem 2009, ISBN 978-965-308-345-5, S. 289–290 Gábor Kádár; Zoltán Vági: Ungarn, in: Wolfgang Benz (Hrsg.): Arbeitserziehungslager, Ghettos, Jugendschutzlager, Polizeihaftlager, Sonderlager, Zigeunerlager, Zwangsarbeiterlager. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 9. Beck, München 2005, ISBN 3-406-57238-3. Randolph L. Braham: The politics of genocide. The Holocaust in Hungary. Columbia University Press, New York 1981, ISBN 0-231-05208-1
Weblinks
Zoltán Balassa: Csatáry László – egy kőszívű kassai rendőrtiszt bei Felvidék.ma (hu)
Einzelnachweise
Kategorie:Person (Königreich Ungarn, 1920–1946) Kategorie:Operation Last Chance Kategorie:Täter des Holocaust Kategorie:Verurteilte Person (Ungarische Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg) Kategorie:Angeklagter in NS-Prozessen Kategorie:Zum Tode verurteilte Person Kategorie:Polizist (Ungarn) Kategorie:Ungarischer Emigrant in Kanada Kategorie:Ungar Kategorie:Geboren 1915 Kategorie:Gestorben 2013 Kategorie:Mann