mini|Pawel Filonow: Bauernfamilie (Die Heilige Familie) 1914, Öl auf Leinwand, 159 × 128 cm. Russisches Museum in St. Petersburg Die Analytische Kunst, deren Entstehung und Entwicklung auf der Schule und den Werken von Pawel Filonow (1881–1941) basieren, ist eine Kunstrichtung der russischen Avantgarde. Geschichte Bereits 1912 wurde von Filonow ein erster Aufsatz der Prinzipien einer sog. Analytischen Kunst im Essay Kanon und Gesetz () proklamiert.
Die analytische Kunst wurde somit bewusst in einen Gegensatz gesetzt zum damals vorherrschenden Futurismus (begründet von Filippo Tommaso Marinetti) und Kubismus (eingeleitet von Pablo Picasso) sowie deren Verschmelzung in Russland zu Kubofuturismus. Die analytische Kunst hatte zunächst eine ausgeprägte Orientierung an die Natur und das Natürliche, wie z. B. das Bild „Fischerschonner“ (1913, 106 × 100 cm, Öl auf Papier auf Leinwand), in dem Filonow eine fortwährenden Metamorphose aufzeigt getreu den neuen Prinzipien, dass eine
Seit Anfang 1914 legte Filonow einen Grundstein zur Gründung einer Künstlervereinigung, die den Prinzipien der analytischen Kunst folgen sollte. Zu seinen ersten Wegbegleitern zählten David N. Kakabadse, Anna M. Kirillowa, Elsa A. Lasson-Spirowa und Jewgeni K. Pskowitinow. Im März 1914 veröffentlichte diese Vereinigung in St. Petersburg das Manifest „Intime Werkstatt der Maler und Zeichner ›Gemachte Bilder‹“ als erste gedruckte Deklaration der analytischen Kunst.Jewgeni Kowtun: Der Augenzeuge des Unsichtbaren. Über das Werk von Pawel Filonow Auf dem Titelblatt wurde eine Reproduktion Filonows „Das Festmahl der Könige“ (im Original 175 × 215 cm, Öl auf Leinwand) abgedruckt.
Infolge einer Reihe von schriftlichen Arbeiten und Vorträgen kam dann die Deklaration des ›Welterblühens‹ (), die seit der Publikation in der Zeitschrift „Zizn' Iskusstva“ () Ausgabe Nr. 20 vom 22. Mai 1923 zu den wichtigsten Dokumenten der analytischen Kunst zählt.
Es liegt mehr an der Erschließung der Methoden, nach denen die Natur waltet, als an den Formen, die dabei hervorgebracht werden. Es geht um die untergründig waltenden Prozesse der Welt, um in gleichsam wissenschaftlicher Manier dem schwirrenden Mikrokosmos des Lebens, dem was es im Innersten zusammenhält, auf die Spur zu kommen.
Pawel Filonow legte nahe, auch große Gemälde mit kleinem Pinsel zu malen, so wie z. B. „Formel des Frühlings“ (250 × 285 cm, Öl auf Leinwand). Er lehrte seine Schüler:
Diese Formulierung mag übertrieben klingen, und doch hat Filonow damit ernst gemacht – und auf diese Weise unglaubliche Wirkungen von Tiefe, Zartheit, Komplexität, Chaotik und Unendlichkeit erreicht. Das oszilliert und pulsiert, das verliert und findet sich, das zersplittert und wächst zusammen. Ungegenständliches und Gegenständliches gehen ständig ineinander über, werden zu zwei Seiten einer einzigen Welt. Das Gegenständliche ist die Fortsetzung, die Zusammenstellung der ungegenständlichen organischen Strukturen. Und es mündet auch wieder in die Abstraktheit des Makrokosmos.Kultur: Olaf Cless zur Ausstellung „Filonow und seine Schule“ in der Düsseldorfer Kunsthalle. In: Volkszeitung. Nr. 39, Freitag, 21. September 1990, S. 10 „Vom Eintauchen des kleinen Pinsels ins Universum“
Im Sommer 1925 konnte Filonow in einem der Räume der Russischen Kunstakademie gemeinsam mit seinen neuen Schülern arbeiten. Sie bildeten eine künstlerische Gruppierung, das „Kollektiv der Meister der analytischen Kunst“ (, MAI), welche mit bereits rund 40 Mitgliedern erst gegen 1927 offiziell als Künstlergesellschaft anerkannt wurde. Diese wurde auch Werkstatt der analytischen Kunst () genannt.
Diese Künstler blicken auf die Dinge mehr mit einem wissenden und nicht nur sehendem Auge, um diese zugleich in „Serien von Verwandlungsprozessen“ darzustellen. Solch analytische Kunst strebt ins Pflanzenhaft-Organische sowie Mystisch-Kosmische und ihren Begründer zu einem russischen Pendant von Paul Klee.
In seiner Autobiografie vom April 1929 konnte Filonow seinen Einfluss, wenn auch nur teilweise oder bedingt, auf die Strömungen in der Malerei und Grafik von Suprematismus bis zum deutschen Expressionismus feststellen. 1930 wurde dann Filonow's theoretisches Werk „Die Ideologie der analytischen Kunst“ publiziert.
Die Künstlergruppierung MAI, so wie einige andere auch, wurde 1932 von der sowjetischen Kulturpolitik einfach aufgelöst. Einige von insgesamt ungefähr 70 Schülern haben seine Werkstatt auch weiterhin (bis zum Hungertod des Gründers im belagerten Leningrad) benutzt, während seine Nachfolger weiterhin die so intensiv artikulierte Prinzipien umsetzen.
Auswahl der Künstler
Juri Borissowitsch Chrschanowski (1905–1987), Maler und Graphiker, arbeitete am Theater Tatjana Glebowa (1900–1985), Malerin, Graphikerin, Bühnenbildnerin Boris Gurwitsch (1905–1985), Maler, Graphiker, Bühnenbildner. Gestaltung des sowjetischen Pavillons bei der Weltfachausstellung Paris 1937 Nikolai Jewgrafow (1904–1942), Maler und Graphiker Pawel Kondratjew (1902–1985), Maler und Graphiker, Arbeit in verschiedenen Verlagen
Julie Mehretu (* 1970), Malerin der analytischen Bildwelten Alevtina Mordwinowa (1900–1980), Graphikerin und Buchillustratorin Sofia Saklikowskaja (1899–1975), Malerin und Graphikerin Pawel Salzmann (1912–1985), Maler, Graphiker und Schriftsteller Vsewolod Sulimo-Samuillo (1903–1965), Maler, Graphiker, Bühnenbildner Alisa Poret (1902–1984), Malerin, Graphikerin und Buchillustratorin
Michail Zybassow (1904–1967), Maler und Buchillustrator (u. a. Kalevala)
Literatur Jürgen Harten, Jewgenija Petrowa: Pawel Filonow und seine Schule Städtische Kunsthalle Düsseldorf 15. September – 11. November 1990, DuMont Buchverlag, Köln 1990, ISBN 3-7701-2634-3. John E. Bowlt, Nicoletta Misler: Filonov: Analytical Art. () Übersetzung aus dem Englischen ins Russische 1990, ISBN 5-269-00078-4.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Kunstform Kategorie:Stilrichtung in der Malerei