Das Schloss Goldrain befindet sich in Goldrain, einer Fraktion der Gemeinde Latsch in Südtirol. Es war zuletzt der Stammsitz der Grafen Hendl und fungiert jetzt als Bildungshaus.

Erbaut wurde es ab etwa 1323 als freistehender Ansitz durch die bereits 1309 in Goldrain (damals Coldroun) erwähnte Adelsfamilie der Scheck von Goldrain.eine ministerialische Dienstmannschaft der Edelfreien von Matsch Das exakte Baudatum ist nicht bekannt, jedoch wurde im Jahre 1999 bei drei Eichenbalken im Erdgeschoss das Schlägerungsdatum (Fälldatum) mit Hilfe von wissenschaftlichen Untersuchungen auf das Jahr 1335 oder kurz danach angesetzt. Der Baubeginn kann daher bis spätestens um etwa 1350 angenommen werden. Dieses Gebäude ist heute als Nordtrakt in das Gesamtensemble integriert. Wie das Anwesen an die Familie Hendl (ursprünglich nicht von Adel waren die Hendl jedoch angesehene Burgmannen und Verwalter auf den Burgen Fernstein, Ehrenberg und Neustarkenberg) kam, ist nicht bekannt, jedoch bestanden enge verwandtschaftliche Beziehungen zur Familie Scheck, sodass eine Erheiratung oder Erbschaft möglich ist. Erstmals wird ein Sigmund II. Hendl von Goldern 1474 in einer Urkunde erwähnt.zu diesem Zeitpunkt bereits als Angehöriger des niederen Adels geführt

Beschreibung Es handelt sich um einen dreiflügligen Bau mit Innenhof, der von einer nahezu rechteckigen Mauer mit runden Ecktürmen umgeben ist. Der Innenhof wird auf der östlichen Seite durch eine Mauer zwischen Nordtrakt und Südosttrakt geschlossen. Die Verbindung zwischen den beiden Trakten besteht im Osten aus einer Art Brücke mit aufgesetzten Arkaden, im Westen ist der Flügel zum Innenhof hin als Arkadengang gestaltet. Die von Nord nach Süd verlaufenden Umfassungsmauern sind länger als die von Ost nach West, wodurch sich vor dem Eingang zum Südtrakt nunmehr eine Rasenfläche befindet, die ursprünglich wohl aber ein barocker Garten war. Die Mauer ist an der Südseite etwa sieben Meter hoch, an der Nordseite, bedingt durch das ansteigende Gelände, etwas niedriger. Die Ecktürme sind mit Mauerscharten ausgestattet. An den Südosttrakt ist von West nach Ost eine Kapelle angebaut, die sich mit ihrer Schmalseite in die Ringmauer einfügt. In der nordöstlichen Ecke befindet sich ein an die Mauer angebautes Gebäude, das sogenannte Verwalterhaus, diagonal entgegengesetzt ein Restaurantgebäude. Die Ostmauer wurde durchbrochen und mit einem Tor versehen, um das zum Bildungshaus gehörende Gästehaus besser erreichen zu können.

Aufbau Nordtrakt Der Nordtrakt bestand ursprünglich aus einem rechteckigen Wohnhaus ohne jegliche Anbauten mit einem flachen Satteldach und zwei Kellerräumen, die durch ein Tonnengewölbe verbunden sind. Es hatte die Abmessungen von 10 Metern mal 22 Metern und war nach Osten hin über einem älteren Gebäude mit den Abmessungen von 10 Metern mal 12 Metern errichtet worden.ob es sich dabei um einen Wohnturm gehandelt hat, ist strittig Der Eingang ist nach Süden gerichtet und etwas erhöht, sodass er nur über eine Treppe erreichbar ist. Es sind oberhalb des Kellers weitere drei (inklusive des Dachgeschosses) Etagen vorhanden. Die Schmalseiten des Baus sind mit Zinnengiebeln ausgestattet. Kragsteine an der nördlichen Seite weisen im ersten und im zweiten Stock auf einen Abtritt hin.

mini|Wappen von Österreich, Hendl und Ramschwag Etwa 1528/29 ließ der damalige Besitzer, Siegmund (III.) Hendl zu Goldrain, diesen Bau um etwa vier Meter nach Norden hin vergrößern und an der nordwestlichen Ecke mit einem Abortturm (heute Treppenturm) versehen. Bedingt durch das ansteigende Gelände lag das Erdgeschoss des Neubaus auf gleicher Höhe wie der ersten Stock des Altgebäudes. An die Ostseite des Altbaus wurde ein großer, zweigeschossiger Erker angefügt, auf dem sich in einem Dreipass aus weißem Marmor die Wappen von Österreich, Hendl und Ramschwagseine zweite Gattin war Dorothea von Ramschwag befindet.

Im Jahre 1562 ließ der Franz HendlSohn des Siegmund Hendl an die Nordfassade im oberen Stockwerk zwei Erker anbauen, um mehr Licht und Wohnqualität in die Räume zu bringen. Beide Erker sind auf Kragsteine aufgesetzt.

Der Zugang zu diesem Gebäudeteil erfolgte über ein Treppenpodest an der Nordseite mit einer Treppe aus Marmor, die aber heute verschwunden ist und durch eine Metallkonstruktion ersetzt wurde.

An der rechten Südseite des gleichen Baus wurde nach 1562 ein kleiner Erker angefügt.

Südosttrakt Nachdem die Verbesserungen im Nordbau nicht zu einer befriedigenden Lösung geführt hatten, begann Franz Hendl wenig später damit, südlich der bestehenden Bausubstanz einen neuen Trakt errichten zu lassen. Dieser Südosttrakt war jedoch nur Teil des später quer über die ganze Front verlaufenden Südflügels, der dann noch aus dem Südwesttrakt bestehen sollte. Es handelte sich hierbei um einen nahezu quadratischen Bau, der dem vorhandenen Bauwerk vorgelagert war und dessen Ostwand mit der des Neubaus bündig abschloss. Der östliche Zwischenraum wurde durch eine Mauer geschlossen, eine Verbindung zwischen beiden Gebäudeteilen wurde durch eine Brücke mit aufgesetzten Arkaden hergestellt.um den Hofraum nicht unnötig zu beanspruchen Das Gebäude war drei Stockwerke hoch, mit einem Walmdach versehen und an der südöstlichen Ecke auf dem zweiten Sock mit einem dreiviertelkreisigen Erker mit Kegeldach ausgestattet. Hier befanden sich auch die repräsentativen Wohnräume. Ein Deckenwappen, dem Tiroler Landesfürsten Erzherzog Ferdinand II. gewidmet, zeigt die Jahreszahl 1572 und somit wahrscheinlich das Ende der Baumaßnahmen.

Südwesttrakt Nach der Fertigstellung des östlichen Teils des Südflügels ließ der seit 1582 amtierende Landeshauptmann Franz Hendl zwischen 1586 und 1589 diesen Teil des Schlosses durch den Bau des sogenannten Südwesttraktes vollenden. Er schließt fast nahtlos an den Südosttrakt an. Durch das etwas höher gezogene Mauerwerk des Südwesttraktes und der damit verbundenen Brechung der Dachlinie erkennt man jedoch leicht die Nahtstelle. Hier befindet sich auch der Durchgang durch ein Tonnengewölbe zum Innenhof. Die original mit Blech beschlagenen Torflügel mit Schlupfpforte im linken Flügel sind noch vorhanden. Im Inneren des Durchgangs verweist die Jahreszahl 1586 in der Laibung des Portals auf die Bauarbeiten. In der Südwestecke des Trakts befindet sich im zweiten Stock mit dem Rittersaal, ausgestattet mit fünf Fenstern, der größte Raum des Schlosses. Hier findet sich auch die Inschrift .

Dieser Raum ist mit einer prunkvollen Kassettendecke ausgestattet, verfügte jedoch über keinen Ofen und war daher im Winter nicht zu nutzen. Daran anschließend liegt das sogenannte Geisterzimmer, das, ebenfalls prunkvoll ausgestattet, verschiedene Wappen derer von Hendl und von Thun (Margarete von Thun, Ehefrau des Ulrich Hendl), sowie die Jahreszahlen 1601, 1618 und 1633 zeigt.

Der westliche Flügel des Südwesttrakts, knickt im rechten Winkel ab und verläuft nach Norden, wo er asymmetrisch (der südliche Flügel war länger als der Nordtrakt, weswegen der nach Norden zu verlaufende Teil nach Westen überstand) an den Nordflügel anschloss. In die so entstandene Ecke wurde ein Abortturm mit einem pyramidenförmigen Dach gebaut. Dieser Turm war äußerlich einem Bergfried nachempfunden und gab dem Schloss ein imposanteres Gepräge mini|Kapelle mit Durchgang von Süden

Von dem gleichen Bauherrn wurde dann auch die Schlosskapelle errichtet, die an den Südosttrakt angebaut wurde und heute den Raum zur Mauer vollständig abschließt. Im oberen Bereich der Kapelle befindet sich ein Gang, der von den Arkaden im Innenhof direkt auf die herrschaftliche Empore führt. Unter diesem Gang liegt rechtwinklig ein Durchbruch mit Tonnengewölbe, in dem sich der normale, ebenerdige Zugang zur Kapelle befindet. Der Ostabschluss der Kapelle besteht aus einer Glockenmauer mit barocker Rundbogenform und Gestühl für zwei Glocken.dieser Ostabschluss wurde beim Bau der Ringmauer bis zur Mauerkrone vollständig integriert Der einflüglige Altar stammt mit Ausnahme des neugotischen Tabernakels aus dem frühen 17. Jahrhundert. An die Nordwand der Kapelle ist eine kleine Sakristei angefügt.

Nordwesttrakt Dieser Gebäudeteil ist an den westlichen Teil des Südwesttrakts angefügt, umschließt den Abortturm und füllt die asymmetrische Lücke zum Nordtrakt aus. Es handelt sich hierbei um den jüngsten und letzten Anbau des Schlosses. Das genaue Baudatum ist nicht bekannt, dürfte jedoch um die Zeit von 1618 liegen.

Ringmauer und Türme mini|Blick auf das Schloss Ulrich Freiherr Hendl ließ zu Beginn des 17. Jahrhunderts eine imposante, verputzte Ringmauer in den Ausmaßen von 58 Meter auf 70 Meter und einer Höhe bis zu sieben Metern errichten. An jeder Ecke des Karrees befindet sich ein Rundturm mit einem Kegeldach. Die beiden südlichen Türme sind unter dem Dachansatz mit Sgraffitibändern verziert. Die Türme haben drei Stockwerke, von denen das Dachgeschoss jeweils als Taubenschlag genutzt wurde.die deutlich sichtbaren, dreieckigen Flugöffnungen weisen darauf hin Am Südostturm und Südwestturm (1607) sind in einem umlaufenden Band unter dem Dachansatz Weintrauben zu sehen, am Südostturm auch die Jahreszahl 1606. Auch wenn die Ecktürme mit Mauerscharten ausgestattet sind, war eine Verteidigung der Anlage allenfalls gegen Räuberbanden möglich. Einem militärisch organisierten Angriff hatten die Mauern nichts entgegenzusetzen, da sie mangels Wehrgängen nicht verteidigungsfähig waren.als Vorbild für diese Art von Abwehranlage diente wahrscheinlich das ähnlich gebaute und oberhalb von Schloss Goldrain liegende Schloss Annenberg. Als Eingang dient ein prunkvolles Marmorportal in der Südmauer.die originalen Torflügel wurden allerdings durch Edelstahlkonstruktionen ersetzt Eine doppelte Reihe von Diamantquadern bildet die Säulen, über denen sich ein Bogengesims aus Rustikalquadern erhebt. Der barocke Dreiecksgiebel enthält in einer Kartusche das österreichische Schild und darüber einen Erzherzogshut.

Weitere Bauten In die Nordostecke der Mauergevierts wurde ein Dienstbotengebäude angebaut, das im Jahre 1913 auf zweieinhalb Stockwerke erhöht wurde und zuletzt eine Schule beherbergte. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurden in der Südwestecke Remisen errichtet, die dann zu einer großen Scheune erweitert wurden. Beide Bauwerke wurden dann im Zuge der Renovierungsarbeiten zurückgebaut. mini|Grundrissplan von Schloß Goldrain

Weitere Verwendung Im Jahre 1863 erlosch die Familie der Grafen Hendl von Goldrain durch Aussterben. Erbe des Hendl’schen Besitzes war die Familie Plawenn, die das Gebäude noch im gleichen Jahr um 18.000 fl an die Gemeinde Goldrain verkaufte. Diese tauschte die Liegenschaften mit der katholischen Kirche, aus deren Besitz das Gebäude dann in das Eigentum der Gemeinde Latsch überging.

Während der faschistischen Mussolini-Ära saß der Podestà im Schloss, das in dieser Zeit völlig herunterkam, da auch die Einrichtung nach und nach verschwand. Im Zweiten Weltkrieg wurde es unter anderem von der SS als Stützpunkt im Vinschgau genutzt. Nach dem Kriegsende wurde es zunächst von alliierten Truppen besetzt und dann Rücksiedlern als vorläufige Unterkunft überlassen. Die im Gesindehaus nach dem Ersten Weltkrieg eingerichtete Schule wurde vergrößert, es kamen ein Kindergarten und ein Lager der Freiwilligen Feuerwehr hinzu.