Die gemeinnützige Klinikum Hochrhein GmbH, ehemals Spital Waldshut GmbH (ab 2005) und Spitäler Hochrhein GmbH mit zwei Häusern (ab 2011), ist seit November 2018 alleiniger Träger des gleichnamigen Krankenhauses in Waldshut.
Der Landkreis Waldshut als Gesellschafter zusammen mit einem Spitalfonds hatte 2004 die damals noch zugehörigen Krankenhäuser in Bad Säckingen und Stühlingen dem Spitälerverbund Hegau-Bodensee-Hochrhein (HBH) übertragen, nach dessen Insolvenz als Hegau-Bodensee-Hochrhein-Kliniken GmbH (HBK) zum 31. Dezember 2010 das Krankenhaus Bad Säckingen jedoch wieder in die eigene Verantwortung übernommen. Der Landkreis stieg als Gesellschafter der HBK wieder aus (heute: Hegau-Bodensee-Klinikum). Die Kliniken in Waldshut und Bad Säckingen fusionierten zur Spitäler Hochrhein GmbH.Unbekannt: Spitäler-Fusion steht bevor. Südkurier, 11. November 2010. Fusion Spitäler im Landkreises Waldshut. Abruf am 14. Mai 2020.
Ende 2017 wurde das Spital in Bad Säckingen infolge einer übermäßigen finanziellen Belastung geschlossen – im Landkreis ist aktuell der Bau einer Zentralklinik in Albbruck in Planung und Vorbereitung. Das Krankenhaus Waldshut übernahm bis zur Eröffnung der Zentralklinik die Grund- und Regel – sowie Akutstationäre Versorgung für den am Hochrhein und der Schweizer Grenze gelegenen Landkreis Waldshut.
mini|Bereich Haupteingang, 2020 Geschichte
Frühgeschichte
Gründung des Heilig-Geist-Spitals „Am Montag vor St. Martini des Jahres 1411 kaufte die Stadtgemeinde Waldshut von Frau Catarina von Thayningen den Hof Ze Stunzingen, gelegen ob der Stadt Waldeshueth um 140 Mark Lötigen Silbers Züricher Gewichts zur Errichtung eines Spitals zum Heiligen Geist mit all den Gütern, die da gelegen sind in dem Umkreis von Eschpach, Waldkirch, Schmitzing, und Indligkoffen“. Dieser Satz aus der Gründungsurkunde markiert den Beginn der über 600-jährigen Geschichte des Waldshuter Spitals. Der genannte Hof bildete die wirtschaftliche Grundlage für das Spital; aus den Erträgen des Hofes sollte es erbaut und unterhalten werden. Bei dieser Stiftung handelte es sich um eine rein städtische Wohlfahrtseinrichtung.Die Quellen zu diesem und den folgenden Kapiteln bis zur Gegenwartsgeschichte dürften sich aus den unter Literatur angeführten Werken rekrutieren lassen.
Am Rheinufer am Unteren Tor (heute Rheinstraße 55) wurde der Spitalbau errichtet. Ursprünglich handelte es sich um ein mehrstöckiges steinernes Gebäude mit verschiedenen Nebenbauten, gewölbten Kellern und einem Garten. Zentraler Raum war der sogenannte „Armensaal“, in dem die Krankenbetten aufgestellt waren. Außerdem wurde ein vierstöckiger Spitalbau für den Spitalmeister und die Pfründner errichtet. Überwiegend war das Spital eine Armen- und Altenpflegestation. Das Hospital entwickelte sich bald zu einem Pfründehaus für ältere und gebrechliche Menschen und erwarb durch Verpfründungen und Schenkungen Land, Wälder, Güter, weit verzweigte Liegenschaften und beträchtliche Finanzmittel und wurde so zu einer wohlhabenden und reichen Stiftung (Spitalfonds).
Wie in vielen anderen Orten war auch in Waldshut vor der Spitalgründung, bereits 1321 außerhalb der Stadt das Sondersiechenhaus an der Steig, ein Leprosenhaus zur Unterbringung der infektiös Kranken (der „Aussätzigen“) errichtet worden. Wahrscheinlich geht diese Gründung auf die Johanniter zurück. Diese Einrichtung bestand mehrere Jahrhunderte. Ein fortbestehender „Leprosenfonds“ wurde erst 1827 mit dem Spitalfonds vereinigt.
1422 wurde vom Rat der Stadt innerhalb des Spitalanwesens ein Altar im Armensaal sowie eine Kapelle gestiftet. Ab 1436 gab es eine Priesterstelle zur seelsorgerischen Betreuung der Spitalinsassen. 1557 wird ein Bader erwähnt, dem die Badstube am Waldshuter Spital übertragen wurde.
Ursprünglich im gotischen Stil erbaut, wurde die Kapelle bis 1660 mit einer Stiftung des Statthalters Straubhaar umgebaut und erhielt einen Johann Christoph Feinlein zugeschriebenen Marienaltar im hochbarocken Knorpelstil. In der Spitalkapelle fanden bis 1884 Gottesdienste statt. Ab 1890 wurde sie als Lagerhaus benutzt.
Der besondere Status der vier Waldstädte und ihre gemeinsame Verwaltung brachte es mit sich, dass in der frühen Neuzeit entweder die Physici in Ensisheim, darunter von 1540 bis 1573 Georgius Pictorius, oder die Physici von Rheinfelden auch für Waldshut zuständig waren.
Das Spital in der Neuzeit In der frühen Neuzeit praktizierten zudem durchreisende Ärzte vor Ort. Der bekannteste unter ihnen Paracelsus kam auf seinen Wanderschaften wiederholt durch Waldshut. 1595 ließ der Graf von Sulz den von Venedig kommenden Alchimisten und Wunderheiler Leonhard Thurneysser in Tiengen unter dem Vorwand der Eintreibung von Schulden verhaften und setzte ihn auf der Küssaburg fest.Paul H. Boerlin: Leonhard Thurneysser als Auftraggeber. Birkhäuser, 1976, ISBN 3-7643-0866-4, S. 28.
1611 fielen die beiden Physici der Waldstädte in Rheinfelden dem letzten großen Pestausbruch am Oberrhein zum Opfer. 1641 zur Zeit der französisch-schwedischen Besatzung wird erstmals ein Waldshuter Stadtphysikus anlässlich der Aufnahme in eine Rosenkranzbruderschaft erwähnt. Stadtärzte hatten damals zu ihrer vielseitigen Tätigkeit allgemein den Auftrag, die Hospitälern nebenamtlich zu beraten. Möglicherweise hat dieser Arzt auch in Waldshut gelegentlich Kranke im Spital mitversorgt.
Einen Höhepunkt erlebte die Waldshuter Medizin zum Ende des 17. Jahrhunderts. Als Waldshuter Physici praktizierten Rudolf Elias Camerarius (1682), Johann Jakob Franz Vicarius (ab 1688) und Karl Nicolaus Lange (ab 1699), die aufgrund ihrer wissenschaftlichen Befähigung in die Leopoldina berufen wurden. Im Auftrag des Waldshuter Rates untersuchte Johann Jakob Wepfer die prekären Arbeitsbedingungen der an der Silikotuberkulose leidenden Mühlsteinbrecher der Mühlsteingruben. 1710 ließ der kleggauische Landesphysikus aus Tiengen Johann Christoph Gockel in Waldshut bei Waltpart einen Kurtzen Bericht, wie man sich sowohl vor der Pest als andern ansteckenden Krankenheiten präserviren kan, drucken. Die kranke Präsidentin Greiffenegg bestellte 1755 Johann Georg Zimmermann nach Waldshut. Dem Waldshuter Chirurgen Jakob Bürgi gelang in den 1770er Jahren eine bemerkenswerte zweite Karriere als Landschaftaquarellmaler in Mainz. Der Waldshuter Stadtphysikus und Apothekeninhaber Sebastian Fahrländer siedelte 1798 in die Schweiz über und übernahm im neugegründeten Kanton Aargau eine führende politische Rolle.
Das Spital im 19. Jahrhundert Mit dem Übergang an das Großherzogtum Baden wurde Waldshut 1806 Sitz eines großherzoglichen Amtsphysikats. Als erster Bezirksarzt wurde Anton Kuichel bestallt, der 1814 im Kapuzinerkloster ein Seuchenlazarett einrichtete. Einem Thyphusausbruch fielen 160 Soldaten und 65 Bürger, darunter die gesamte weltliche Geistlichkeit und der Bezirksarzt zum Opfer. Erster badischer Stabschirurg wurde Ignaz Straubhaar (1817–1819 auch Waldshuter Bürgermeister). 1859 wirkten in Waldshut ein Amtsarzt, ein Gerichtsarzt, drei Wundarzneidiener und ein Apotheker.C. G. Fecht: Die Großherzoglich Badischen Amtsbezirke Waldhut, Säckingen, Lörrach Schopfheim. C. R. Gutsch, Waldshut 1859, S. 159.
Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert begann zunächst in den großen Städten durch zunehmende medizinische Erkenntnisse und durch die Zunahme der Bevölkerungszahlen der Wandel vom Hospital zum Krankenhaus. Die überwiegend pflegende Aufgabe des Hospitals wurde abgelöst durch die ärztliche Diagnostik und Behandlung im neuzeitlichen Krankenhaus. Die neue Aufgabe war auf die „Beseitigung fehlerhafter Körperzustände“ ausgerichtet. Dieser Wandel hat seither die Krankenhausentwicklung grundlegend bestimmt. Auch in Waldshut genügte das alte Heilig Geist Hospital nicht mehr den neuen Anforderungen. Aus diesem Grunde wurden vielfältige Planungen für einen Neubau angestellt, die aber durch die Zeitumstände nicht realisiert werden konnten.
mini|Ehemaliges Kapuzinerkloster Waldshut 2014 1861 zog das Spital in das ehemalige Kapuzinerkloster um, das geräumiger war und das für den neuen Zweck umgestaltet wurde. Das alte Spital in der Rheinstraße ging in private Hände über.
Die Schwestern vom Mutterhaus der Vinzentinerinnen in Freiburg übernahmen die Betreuung der Kranken. Die Ordensschwestern blieben 110 Jahre im Spital Waldshut, 1968 ist die letzte Schwester ausgeschieden.
Das renovierte Spital, die neu ausgestatteten Krankenzimmer im Kapuzinerkloster und die Pflege durch geschulte Schwestern führten zu einer verstärkten Belegung des Hauses. Zur Behebung der Raumnot wurde südlich des Klosters ein weiterer zweistöckiger alleinstehender Bau errichtet. Die nächsten 120 Jahre sollten bis zum heutigen Tag durch immer neue Bauetappen und die Ausdehnung des Spitals nach Westen charakterisiert sein. Dieser Umstand ergab sich aus den medizinischen Notwendigkeiten, den wachsenden Patientenzahlen, den hygienischen und organisatorischen Erfordernissen und aus dem Bestreben, den Komfort für die Patienten zu verbessern.
Der Rat der Stadt übertrug 1895 erstmals einem chirurgisch ausgebildeten praktischen Arzt hauptamtlich die ärztliche Versorgung im Spital, der zusätzlich eine Privatpraxis betrieb.
Historische Fallberichte aus Waldshut (Auswahl) Johann Jakob Wepfer: Observatio XXI 1669 und Observatio CIV um 1670. (books.google.de) Johann Jakob Vicarius: Wie das Landvolk die epidemische Ruhr zu heilen pflege, 1691. (books.google.de) Sebastian Faller: Kopfverletzung mit glücklichem Ausgang, 1841. (books.google.de)
Das Krankenhaus im 20. Jahrhundert 1926 wurde als Leitender Arzt ein Facharzt für Chirurgie, Frauenheilkunde und Röntgenologie angestellt. Er war an den Planungen für ein neues Krankenhausgebäude beteiligt, einem dreistöckigen Bau, der sich westlich an das alte Kapuzinerkloster anschließen sollte.
Am 15. Dezember 1928 wurde der Neubau eingeweiht, der mit dem alten Spital verbunden wurde und der noch heute den alten Kern des Krankenhauses bildet. Die Krankenzimmer waren nach Süden zum Rhein hin gelegen, während die Funktionsräume, Operations- und Röntgenabteilung in dem nördlich gelegenen Gebäudeteil untergebracht wurden. Das 1884 geschaffene Nebengebäude südlich des ehemaligen Klosters wurde abgebrochen. 1938 wurde eine Krankenschwestern-Schule gegründet, die nach einer Unterbrechung in der Nachkriegszeit 1951 als selbständige Einrichtung des Spitalfonds wiedereröffnet wurde.
Zu Kriegsbeginn 1939 wurde ein Teil des Krankenhauses zu einem Reservelazarett erklärt, das jedoch im August 1940 wieder aufgehoben wurde.
Im September 1942 war „es den ‚unausgesetzten Bemühungen der Krankenhausverwaltung unter Erhardt zu verdanken‘ […], dass die Behörden die Erlaubnis zum Bau einer modernen Schweinestallung beim spitaleigenen ‚Homburger Hofgut‘ erteilten.“ dadurch war es möglich, „‚die durch ihre Geruchsbelästigung störende Schweinehaltung zwischen dem Unteren Tor und dem Krankenhaus‘ zu verlegen.“ Der Alb-Bote vom 4. September 1942 notierte dazu: „Der Zustand war schon lange unhaltbar, [… doch] dass die Maßnahme noch jetzt in der Kriegszeit durchgeführt wird, ist doppelt anerkennungswert.“ Wo damals der Schweinestall war, befindet sich heute ein Drogeriemarkt.Werner Huff: Beim Spital roch es nach Schweinestall. Alb-Bote, Turmspitzen, 6. Oktober 2022.
Nachkriegszeit 1949 wurde der Hasenhof zur Versorgung der Küche erworben.