Nikolaus Johannes Hermann Maria Preradovich (* 28. September 1917 in Baošić, Dalmatien, Österreich-Ungarn; † 19. Juni 2004 in Hannover, Deutschland) war ein österreichischer Historiker, Genealoge und Publizist.
Von 1956 bis 1966 war er Universitätsdozent für Allgemeine Neuere Geschichte an der Universität Graz. Bis in die 1970er Jahre hinein bewegte er sich mit seinen Forschungen und Veröffentlichungen innerhalb der seriösen Geschichtswissenschaft. Ab den 1980er Jahren schrieb Preradovich dann regelmäßig für rechtsextreme Organe in Deutschland und Österreich.
Leben Familie Nikolaus Preradovich entstammte einer weitverzweigten Familie; sein Urgroßvater war der k.k. Generalmajor und kroatische Nationaldichter Petar Preradović. Er wurde 1917 als Sohn des Linienschiffsleutnants Ivo von PreradovichVgl. Preradović, Paula von. In: Ilse Korotin (Hrsg.): BiografıA: Lexikon österreichischer Frauen. Band 3: P–Z. Böhlau, Wien u. a. 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 2599–2600, hier: S. 2599. (1890–1944) und dessen Frau Hertha, Tochter des k.u.k. Vizeadmirals Karl Lanjus von WellenburgWeiterführende Informationen: , in der Bucht von Kotor, einem k.u.k. Kriegshafen an der Adria, geborenPreradovich, Nikolaus. In: Fritz Fellner, Doris A. Corradini: Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Band 99). Böhlau, Wien u. a. 2006, ISBN 978-3-205-77476-1, S. 327–328, hier: S. 327.. Der Genealoge Friedrich Graf Lanjus von WellenburgWeiterführende Informationen: war neben dem deutschen Zoologen Thilo Krumbach sein Onkel mütterlicherseits. Eine Tante väterlicherseits, Paula Preradović, war Dichterin der österreichischen Bundeshymne, ihr Ehemann (Preradovichs Onkel) Ernst Molden Historiker und Journalist, Gründer der Presse. Zu seinen Cousins gehörten Moldens Söhne, die Widerstandskämpfer Otto und Fritz. Ottos Sohn wiederum ist der Musiker Ernst Molden. Ein weiterer Onkel war der Schriftsteller Petar von Preradović.
Von 1946 bis 1948 war er verheiratet mit Johanna, geb. Freiin von Doblhoff, und von 1966 bis 1968 mit Gisela, geb. von Böhm-Bezing. 1971 heiratete er die Kinderkrankenschwester Christa, geb. von Wedel-Kannenberg.
Gymnasialzeit und Kriegsdienst Er besuchte ein Gymnasium in Graz, das Abteigymnasium Seckau, die Bundeserziehungsanstalt (für Knaben) in Horn, das Marieninstitut Graz, das Franziskaner-Kolleg (Franjevački kolegij) Varaždin und die Oberrealschule Graz. 1940 maturierte er.Preradovich, Nikolaus. In: Fritz Fellner, Doris A. Corradini: Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Band 99). Böhlau, Wien u. a. 2006, ISBN 978-3-205-77476-1, S. 327–328, hier: S. 328.
Im Zweiten Weltkrieg diente er in der erst Mitte 1941 vom Unabhängigen Staat Kroatien aufgestellten Kroatischen Armee (Hrvatsko domobranstvo) und in der deutsch-kroatischen Legion (Hrvatska legija).
Studium und wissenschaftliche Tätigkeit 1945 nahm er an der Universität Graz ein Studium auf und belegte die Fächer „Österreichische Geschichte“ und „Allgemeine Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit“. Am 26. Jänner 1949 legte er seine Dissertation Die Stellungnahme Italiens zur Annexion Bosniens und der Hercegovina 1908/09 vor (Betreuer war Hermann Wiesflecker); nach der Ablegung der Rigorosen am 24. März 1949 wurde er zum Doktor der Philosophie promoviert.
1952/53 arbeitete Preradovich als Stipendiat bzw. Assistent an dem von Johann Wilhelm Mannhardt geleiteten Institut zur Erforschung der Vertriebenenfrage in Marburg/Lahn. Von 1953 bis 1955 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Europäische Geschichte in Mainz. 1956 habilitierte er sich an der Universität Graz über Die Führungsschichten in Österreich und Preußen 1804–1918 und war ebenda von 1956 bis zur Beurlaubung 1966 als Universitätsdozent für Allgemeine Neuere Geschichte tätig. Seine historisch-soziologische Habilitationsschrift wurde durchaus positivGeorg Franz: Die Führungsschichten in Österreich und Preußen (1804–1918). Mit einem Ausblick bis zum Jahre 1945, by Nikolaus Von Preradovich. In: Historische Zeitschrift 183 (1957) 3, S. 615–617, hier: S. 617. besprochen und fand auch internationale BeachtungVgl. Hajo Holborn: Die Führungsschichten in Österreich und Preussen (1804–1918). Mit einem Ausblick bis zum Jahre 1945 by Nikolaus von Preradovich. In: The American Historical Review. 62 (1957) 2, S. 390 f.; Ernest Manheim: Die Führungsschichten in Österreich und Preussen (1804–1918). Mit einem Ausblick bis zum Jahre 1945, by Nikolaus von Preradovich. In: American Sociological Review 21 (1956) 4, S. 517 f.; Dankwart A. Rüstow: The Study of Elites: Who’s Who, When, and How. In: World Politics. 18 (1966) 4, S. 690–717, hier: S. 694.. Kritisiert wurde das Werk etwa durch Ferdinand Tremel, der „schiefe Urteile“ und „sachliche Irrtümer“ ausmachte.Ferdinand Tremel: Die Führungsschichten in Österreich und Preußen (1804–1918). Mit einem Ausblick bis zum Jahre 1945. Veröffentlichungen des Instituts für europäische Geschichte Mainz, Band 11 by Nikolaus von Preradovich, J. Lortz, M. Göhring. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. 43 (1956) 4, S. 376–379, hier: S. 379. Gerhard A. Ritter und Klaus Tenfelde bezeichnen den Band hingegen als „Standardwerk“.Gerhard A. Ritter, Klaus Tenfelde: Arbeiter im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1914 (= Geschichte der Arbeiter und der Arbeiterbewegung in Deutschland seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Band 5). Dietz, Bonn 1992, ISBN 3-8012-0168-6, S. 134, Fn. 68.
Von 1966 bis 1971 war Preradovich stellvertretender Leiter des Instituts zur Erforschung historischer Führungsschichten in Bensheim an der Bergstraße. Zu diesem Zweck ließ er sich mehrmals von der Fakultät beurlauben und hielt auch keine Vorlesungen mehr. 1971 erlosch schließlich seine Venia.
Von 1972 bis 1974 war Preradovich Chef der Geschichtsredaktion des H. Schroedel Verlages in Hannover. Preradovich war Mitglied der Ranke-Gesellschaft in Hamburg, der Gesellschaft für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in München und der Gesellschaft für Geistesgeschichte in Erlangen. 1963 referierte er auf der Jahrestagung des Forschungsinstitutes für den Donauraum.Peter Berger: Jahrestagung des Forschungsinstitutes für den Donauraum. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas. N.F. 11 (1963) 1, S. 152–153, hier: S. 153. Von 1953 bis 1974 veröffentlichte er mehrere Artikel in der Neuen Deutschen Biographie.Treffer für Nikolaus von Preradovich. In: deutsche-biographie.de, abgerufen am 26. August 2016. Außerdem trat er in dieser Zeit als Rezensent und Autor in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Jahrbüchern in Erscheinung (u. a. Historische Zeitschrift, Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, Ungarn-Jahrbuch, Saeculum) und war ständiger Mitarbeiter des Genealogischen Handbuchs des Adels.Vgl. Genealogisches Handbuch des Adels. Freiherrliche Häuser B, Band II. C. A. Starke Verlag, Glücksburg 1957, S. VI. (dort geführt als „Univ.-Dozent. Dr. phil. Nicolaus [!] von Preradovich“).
Für Bernd Wegner war Preradovich durch seine „Beiträge zur empirischen Elitenforschung einschlägig ausgewiesen“. Sein Nachlass (u. a. Adel, Führungsschichten Preußens und Österreichs und Militaria) befindet sich im Bestand des Instituts für Personengeschichte der Friedrich-Wilhelm-Euler-Stiftung in Bensheim.. In: personengeschichte.de, abgerufen am 26. August 2016.
Rechtsextreme Publizistik (1980er ff.) Seine Schriften „Gott segne den Führer!“ Die Kirchen im 3. Reich (Druffel-Verlag, 1985)Dokumentationsstelle des Instituts für Politische Wissenschaft (Rechtsextremismusarchiv): Bestandsübersicht Systemstelle 55.9 – Rechtsextreme Medien, S. 13., „Reichskristallnacht“, 9. November 1938. Hintermänner und Hintergründe (Türmer-Verlag, 1988)Dokumentationsstelle des Instituts für Politische Wissenschaft (Rechtsextremismusarchiv): Bestandsübersicht Systemstelle 55.9 – Rechtsextreme Medien, S. 14. und Die sieben Todsünden Adolf Hitlers. Eine kritische Untersuchung (Türmer-Verlag, 1989) werden als „rechtsextreme Buchpublikationen“ in der Dokumentationsstelle des Instituts für Politische Wissenschaft (Rechtsextremismusarchiv) der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover geführt.
Sein 1985 im Vorwinckel Verlag erschienenes Werk Die Generale der Waffen-SS wurde von Bernd Wegner als „rechtsradikales Machwerk“ eingestuft.Bernd Wegner: Nikolaus von Preradovich: Die Generale der Waffen-SS. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen. 46 (1989) 2, S. 188–190, hier: S. 188.
Ab 1992 gehörte Preradovich mit Karl-Heinz Sendbühler, Gustav Sichelschmidt, Fritz Hippler und anderen zum Redaktionskollegium der rechtsextremen Zeitschrift Nation. Das politische Magazin für Deutschland.Damböck, Dr. Michael. In: Brigitte Bailer, Wolfgang Neugebauer (Bearb.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Hrsg. durch die Stiftung Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes. Aktualisierte und erw. Neuausgabe. Deuticke, Wien 1994, ISBN 3-216-30099-4, S. 319. Jahrelang war er Mitarbeiter der National-Zeitung von Gerhard Frey.. In: publikative.org, 24. Oktober 2008. Überdies veröffentlichte er in anderen extrem rechten Organen wie Die AulaBrigitte Bailer, Wolfgang Neugebauer: Rechtsextreme Vereine, Parteien, Zeitschriften-(kreise), informelle/illegale Gruppierungen. In: Ders. (Bearb.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Hrsg. durch die Stiftung Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes. Aktualisierte und erw. Neuausgabe. Deuticke, Wien 1994, ISBN 3-216-30099-4, S. 124., der Deutschen GeschichteElmar Vieregge: Zeitschriftenporträt: Deutsche Geschichte. In: Uwe Backes, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie. 18. Jg. (2006), Nomos, Baden-Baden 2007, ISBN 978-3-8329-2431-7, S. 238–256, hier: S. 240. und den Deutschen AnnalenJens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch deutscher Rechtsextremismus. Elefanten-Press, Berlin 1996, ISBN 3-88520-585-8, S. 403 f. von Gert Sudholt, den Mitteilungen der Wohlfahrtsvereinigung der GlasenbacherBrigitte Bailer, Wolfgang Neugebauer: Rechtsextreme Vereine, Parteien, Zeitschriften-(kreise), informelle/illegale Gruppierungen. In: Ders. (Bearb.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Hrsg. durch die Stiftung Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes. Aktualisierte und erw. Neuausgabe. Deuticke, Wien 1994, ISBN 3-216-30099-4, S. 252., der Reihe Eckartschriften (Nr. 106) des Schutzvereins Österreichische Landsmannschaft,Brigitte Bailer, Wolfgang Neugebauer: Rechtsextreme Vereine, Parteien, Zeitschriften-(kreise), informelle/illegale Gruppierungen. In: Ders. (Bearb.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Hrsg. durch die Stiftung Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes. Aktualisierte und erw. Neuausgabe. Deuticke, Wien 1994, ISBN 3-216-30099-4, S. 190. sowie den Deutschen Monatsheften, der Zeitschrift Nation Europa, der Zeitschrift Deutschland in Geschichte und Gegenwart, der Zeitschrift Neue Ordnung und der Zeitschrift Die Kameradschaftmonitor. rundbrief des apabiz e.v. nr. 17, September 2004, S. 5..
In der Aula 3/94 schrieb Preradovich im Artikel ‚Zigeuner‘ oder ‚Roma und Sinti‘?: „Nachdem sich die Zigeuner zwischen 1417 und 1883 nicht verändert haben, ist es kaum anzunehmen, daß in den letzten 110 Jahren ein wesentlicher Wandel eingetreten sein könnte.“Zit. bei Reinhold Gärtner: Die ordentlichen Rechten: Die „Aula“, die Freiheitlichen und der Rechtsextremismus. Picus-Verlag, Wien 1996, ISBN 3-85452-286-X, S. 106.